Das Problem mit den Videos
In den ersten Wochen hatten wir Spieler überwiegend die Aufgabe, Videos zu analysieren. Dazu hat das Spiel eine Schnittstelle zu Dailymotion und streamt die Videos direkt in das Dashboard, die zentrale App, auf der alle Fäden in 'Alt-Minds' zusammenlaufen. Das funktionierte Anfangs auch recht gut, trotz der Probleme, dass es zum Teil Probleme mit der Einzelbildvorschau im Analysetool gab. Zur Erinnerung: Man kann die Videos an einer beliebigen Stelle anhalten und dann einzelne Bilder vor oder zurückschalten, um interessante Stellen zu finden und per Farb-, Kontrast-, oder Helligkeitsregler versteckte Botschaften zu finden. Inzwischen laufen diese Videos aber nicht mehr überall. Zum Teil lädt das Video Ewigkeiten, um dann nach wenigen Sekunden wieder nachladen zu müssen, zum Teil startet es gar nicht erst. Die Probleme liegen allerdings nicht am Spiel, sondern wohl an den Internetzugängen oder Providern der Teilnehmer. Auch wenn die Entwickler daran nicht Schuld sind, zeigen sich hier die Probleme eines rein internetbasierten Spiels.
Deucalion: Verwirrter Punktelieferant
Der Deucalion ist eine Künstliche Intelligenz, die von den Spielern im Spielverlauf gefunden wurde und inzwischen allen Spielern als eigene App zur Verfügung steht. Im Deucalion kann man beliebig Wörter eingeben. Kennt die App das Wort, gibt es eine Antwort und Punkte. Ähnlich funktioniert das Prinzip bei Videos, Bildern oder Dokumenten. Hin und wieder zeigt Deucalion sogar Videos, der Spieler, der im richtigen Moment die Seite aufruft, bekommt auch dafür Punkte. Und Deucalion sammelt die immer wichtiger werdenden Alpha-Codes. Zahlenreihen, die mit den Experimenten der verschwundenen Wissenschaftler im Zusammenhang stehen. Für all das gibt es massig Punkte, zum Teil auch deutlich mehr als für die eigentlichen Missionen. Wer also viele Wörter in den Deucalion eingibt oder fleißig Alpha-Codes abtippt, kann schnell fehlgeschlagene Missionen im Highscore ausbügeln.
Leider ist Deucalion aber nur eine kurze Zeit zu gebrauchen. Immer wieder erreicht er einen verwirrten Zustand und muss dann von der Community stabilisiert werden. Dafür steht ein kleines Spiel zur Verfügung, in dem Buchstaben durch ein Raster von einer oberen Reihe in eine untere verschoben werden müssen. Das Spiel hat nur ein Problem: Es macht kaum Spaß. Um überhaupt auch nur ein paar Prozentpunkte Richtung stabilen Zustand zu kommen, müssen fünf Level gespielt werden. Entsprechend verwundert es kaum, dass nur wenige Spieler der Community dabei helfen, Deucalion zu stabilisieren. Und so bleibt Deucalion vorerst Instabil und nicht nutzbar.
“Die Community hat mir mitgeteilt…“
Wenn die Community dann doch dafür gesorgt hat, dass Deucalion wieder zurechnungsfähig ist, oder Chloé, unser Kontakt zur Stiftung, die uns für die Suche engagiert hat, wieder davon schreibt, dass mehrere Mitglieder der Community ihr etwas mitgeteilt haben, fragt man sich, wer von uns paar Personen das wohl gewesen sein mag. In diesen Momenten merkt man deutlich, dass das Spiel eben doch nicht live läuft und sich zumindest aktuell niemand unter Chloés Namen einloggt. Leider, denn Chloé bittet immer wieder darum, ihr Erkenntnisse per Mail zu senden. Eine Antwort auf diese Nachrichten hat jedoch noch niemand bekommen.
Interessante Missionen
Nach so viel Kritik wird es nun aber auch einmal Zeit, die positiven Seiten von 'Alt-Minds' herauszustellen. Und das sind auf der einen Seite oftmals die Missionen, auf die uns die Ermittler schicken. So mussten mehrfach Orte anhand von Hinweisen auf Videos oder Satellitenbildern gefunden werden, was echte Ermittlungen im Internet bedeutet: War es dieses Haus, das man im Video gesehen hat? Passt der Ort, den ich bei Google 'Maps' gefunden habe, mit dem im Video gezeigten Strandabschnitt überein?
Spannend ist es auch dann, wenn man Hinweise auf Personen finden muss. Wir bekommen ein Dokument, das stellenweise geschwärzt ist. Mit den Analysetools schaffen wir es, den versteckten Text zu entziffern. Natürlich in kyrillischer Schrift. Also basteln wir uns mit einer virtuellen Tastatur den Text zusammen, bemühen ein Übersetzungstool und landen schließlich auf der Webseite eines Auktionshauses. Der Name scheint zu passen, also haben wir unsere Person gefunden. In diesen Momenten erweist sich 'Alt-Minds' als spannend und macht die Mitspieler zu echten Detektiven.
Geo-Caching
Als Detektiv in der realen Welt können sich seit rund einer Woche auch Besitzer von GPS-fähigen Smartphones betätigen, denn die ehemals angekündigte App ist inzwischen verfügbar. Auch, wenn es sich dabei nur um eine Webseite handelt, funktioniert das Ganze recht gut. Das Handy ortet unseren Standort und zeigt Magnetquellen in der Umgebung. Diese Magnetquellen müssen nun gescannt werden, je näher man an der Quelle steht, desto weniger Energie benötigt ein Scanvorgang. Jedes Scannen fördert bestimmte Symbole zu Tage, die wiederum für Alpha-Codes stehen. Wer nicht durch die Straßen seiner Stadt oder die Wiesen des Heimatdorfs laufen möchte, kann die App auch von zu Hause nutzen, dann jedoch mit deutlich erhöhtem Energieverbrauch. Natürlich ist die Energie in der App begrenzt. Per Zahl-SMS kann man die Wartezeit für die Aufladung überbrücken oder den Energiebalken höher steigen lassen, um so dauerhaft mehr Energie zur Verfügung zu haben. Den Preis von zwei Euro zuzüglich SMS-Gebühren dürften aber nur die wenigsten zahlen.
Und wie fühlt es sich nun an?
Die große Innovation, die wir Anfangs erhofft hatten, ist 'Alt-Minds' bislang leider nicht. Dazu hätten die Spielcharaktere tatsächlich lebendiger wirken müssen, allen voran Chloe, von denen man einfach Antworten per Mail erwartet. Andere Charaktere hingegen melden sich per Facebook von den Orten, an denen sie aktuell ermitteln. Leider nur auf Französisch, aber immerhin. Den Eindruck eines Live-Spiels haben wir leider dennoch nicht. Vom Gefühl ist es eher eine Weiterentwicklung des ähnlich gelagerten 'In Memoriam', die man unter Zeitdruck spielt.
Das Deucalion wird zuerst als eine Art KI gesehen, aber es besteht der Verdacht, dass es eine Person ist. Im Dashboard findet man das unten rechts als orange bzw. grüne Grafik, je nach Fortschritt. Sie ändert sich somit auch mit der Zeit. Man kann ihr so einiges an Fragen bzw. Suchbegriffe eingeben, erfährt dann darüber rätselhafte Information und bekommt noch ein paar Punkte gut geschrieben. Ein nettes Spielzeug, um etwas Hintergrundinformation und natürlich begehrte Punkte zu bekommen.
Jedoch wurde es im Laufe des Tages noch etwas düster, denn Gael und Audrey sind auf die Leiche von Boris Stoichkov gestoßen. Audrey musste dann vor der Polizei aussagen, es schien als würden sie im Land festsitzen, jedoch konnte die Leitung der Stiftung hier entgegenwirken. Ob man den Toten plündern hätte dürfen, hat man natürlich nicht gefragt, denn das gefundene Handy stellt sich als wahrer Schatz heraus. Hier befindet sich auf einer Nachricht nämlich ein Hinweis auf einen türkischen Sammler, der nach Tesla-Objekten sucht und gehört hat, dass Stoichkov solche haben soll. Weiter gehts mit unseren rasenden Reporter und sie sind schon weiter unterwegs in Richtung Istanbul.
Vielleicht hat sich der eine oder andere schon gefragt, was denn passiert, wenn man plötzlich keine Zeit mehr hat, oder jetzt erst zur Entwicklung dazustößt. Keine Angst, euch passiert nicht sonderlich viel. Ihr kommt in eine Art Offline-Modus und rechts im Bild wird angezeigt wieviele Tage, Stunden und Minuten ihr der Echtzeit-Ermittlung hinterherhinkt. Man kann weiterhin Missionen machen, bekommt jedoch etwas weniger Punkte und laut Beschreibung sind wohl auch nicht alle Dinge machbar, wie neue Artikel über Hintergrundinformationen für andere Spieler online stellen. Damit die Missionen spannend bleiben sieht man auch nicht alle Newseinträge, sondern nur bis zur nächsten Mission oder dem nächsten größeren Ereignis, falls keine Mission vorhanden ist. Dieser Offline-Modus scheint laut Entwickler wohl auch der Betriebsmodus zu sein, wie es nach der Live-Phase weiter geht.
Auch Neueinsteiger, Kurzurlauber oder jene unter uns, die dem Weihnachtsstress verfallen sind, können also bei Zeit weiterspielen.
Gleich zwei Missionen warten auf mich. Die erste ergibt sich aus der Durchsuchung der Wohnung der Vermissten. Die Ermittler finden dort eine Einladung in einen Pub. Als Hinweis ist eine schwarze Feder auf das Blatt Papier geklebt. Recht schnell finde ich eine Seite mit Pubs in Belgrad. Das war es dann aber auch. Ich bin scheinbar auf dem richtigen Weg, wie mir Chloe von der Alvinson Stiftung mitteilt. Aber den Pub finde ich dennoch nicht.
Da startet auch schon die zweite Mission: Eine Webseite soll gefunden werden, auf der die Strecken von Läufern getrackt werden. Ich als absolute Sportkanone (lacht da wer?) finde die Seite natürlich recht schnell und melde mich an. Wenig später stelle ich fest, dass es die falsche Seite war. Also probiere ich die nächste Seite aus und liege diesesmal richtig. Schnell ist auch der Nutzername gefunden und die Lösung eingeschickt.
Weiter geht es nun mit der Suche nach dem Pub...
und wieder hat er einen Hinweis im Video versteckt. Bevor ich die neue Mission angehe, freue ich mich darüber, dass meine Ermittlungen gestern den richtigen Hinweis ergeben haben. Der Nachname von Iva ist gefunden und Iva wurde sogar schon kontaktiert. Sie will sich in Kürze mit den Ermittlern in Belgrad treffen.
Dann mache ich mich an das Video. Meine Taktik bei Untersuchungen hat sich inzwischen geändert. Da alle Materialien in der Regel schon vor den Missionen zur Verfügung stehen, beginne ich zuerst die Untersuchungen. Habe ich eine Lösung gefunden, starte ich die Mission. So habe ich die Hoffnung, mehr Punkte zu bekommen. Denn ja, auch das gibt es in 'Alt-Minds': Einen Highscore. Ob es tatsächlich mehr Punkte gibt, wenn man die Lösung schneller einschickt, weiß ich hingegen nicht. So richtig erklärt wird es nicht. Scheinbar gibt es aber einen Abzug von 20 Punkten pro abgegebener Lösung von Mitspielern. Anders kann es eigentlich nicht sein, dass Kollege Andreas mit ebenfalls zwei richtig gelösten Aufgaben einige Punkte hinter mir steht. Da wir beide im Gesamt-Ranking inzwischen unter den Top 3 stehen, frage ich mich, wieviele zahlende Spieler 'Alt-Minds' in Deutschland und Europaweit wohl hat. Die Zeit wird es zeigen.
Derweil gibt es auch Neues aus Donezk: Die Ermittler haben tatsächlich einen Gegenstand gefunden und die Schnitzeljagd geht weiter. Am Ziel warten wieder neue Informationen über die Experimente des Teams auf uns. Klingt ganz so, als ob heute noch eine Mission ansteht...
Bereits am Vormittag stehen Videos bereit, die mir die vergangenen Ereignisse in Erinnerung rufen und mich auf den neuesten Stand bringen: Es gibt zwei neue Ermittler, die für die Community die neuesten Erkenntnisse vor Ort in Belgrad untersuchen. Fabio Westing und Peter Edgarson unterstützen ab sofort Audrey und Gaël. Beide sind nun auch als Charaktere im Spiel selbst verfügbar, ich kann ihnen nun also auch direkt Nachrichten schreiben. Und sie sollen sogar antworten. Das werden wir später bestimmt noch ausprobieren!
Pünktlich zum Abend erscheinen dann weitere Informationen. Endlich wird verraten, was Audrey und Gaël vor zwei Wochen in der Tasche eines der vermissten Studenten gefunden haben. Die Ermittler hatten mit Hilfe der Community einen Bahnhof in Belgrad entdeckt und in der dortigen Gepäckaufbewahrung ebendiese Tasche gefunden. In der Tasche war auch ein Plakat, dass eine weitere Bekannte des MHD-6 zeigt. Nur wie heisst sie? Ich untersuche das Plakat mit den Bildbearbeitungstools, die mir die Alvinson Foundation zur Verfügung gestellt hat: Wie schon vorher muss der Kontrast, die Helligkeit und die Farbsättigung eingestellt werden. Und siehe da: Ich finde den Namen einer jungen Frau, davor die Buchstaben "fb", es dürfte sich also um einen Facebook-Account handeln. Passenderweise trägt die Mission den Namen "Ivas Identität". Ich denke schon an einen Fehler, mit dem ein Teil der Lösung gespoilter wird, finde etwas später aber noch eine Notiz, die mit Iva unterschrieben ist im Archiv. Und wie eine kleine Suche bei Facebook zeigt, habe ich den richtigen Namen gefunden.
Später werden noch zwei weitere Videos veröffentlicht, eines von einer Entführung und eines, das Peters und Fabios ersten Tag zeigen. Und es gibt einen neuen Verdacht, woran das MHD-6 geforscht hat: Todesstrahlen. Damit endet auch schon der erste Tag des zweiten Kapitels von 'Alt-Minds'. Ein wenig aus der Handlung rausgerissen fühle ich mich schon nach der Pause von zwei Wochen. Aber das gibt sich hoffentlich bald wieder.
"Ein wichtiges Ereignis ist vorgefallen. Wir können momentan nicht mehr preisgeben. Mehr dazu gibt es im Briefing heute Abend."
Also ab nach Hause und vor das iPad, um zu erfahren, was sich denn so wichtiges ereignet haben mag. Doch dann die Ernüchterung. Die App liefert bislang keine neuen Informationen, nun ist also erst einmal abwarten angesagt. Offensichtlich ein technisches Problem, welches weitere Nachforschungen auf meiner Seite vorerst verhindert. Erst im Laufe des Abends enthüllt sich mir, wie der Stand der Ermittlungen heute aussieht.
Und diese haben erneut eine heiße Fährte offenbart. Der gestern gefundene, fast unleserliche Zettel von der Autovermietung in Belgrad konnte durch eifrige Hilfe der Community auf den Belgrader Hauptbahnhof zurückgeführt werden. Entsprechend war die dortige Gepäckaufbewahrung die erste Anlaufstelle für die beiden Ermittler Audrey und Gael, und nach kurzem Gespräch kann der freundliche Mitarbeiter auch spontan weiterhelfen. Die hinterlegte Tasche von den Vermissten Manu und Hisham könnte endlich einen Hinweis darauf geben, was mit den Mitgliedern des MHD6 geschehen ist. Aber auch fernab der Vor-Ort-Ermittlungen hat sich etwas ergeben, denn ein weiteres Video von The Donetsk Voice ist aufgetaucht und zeigt einen Einbruch in das Labor vom MHD6, welcher sich zum Zeitpunkt des geheimen Experiments ereignete. Eine zusätzliche Spur, die zum Verbleib des MHD6 führen könnte? Doch wo ist der Zusammenhang zwischen dem Diebstahl und diesem Fall?
Mit diesen Ergebnissen startet man, leider ohne weitere ausgeschriebene Mission, in das heutige Abschlussbriefing. Nach zunächst einigem Lob für die bisherigen Helfer geht man gleich zur Tagesordnung über. Ein Freelance-Journalist hat neue, höchst beunruhigende Bilder zusammengetragen, mit denen der Fall nun ungeahnte Dimensionen anzunehmen scheint. Als Folge dessen werden Umstrukturierungen angesprochen, was für uns leider heißt - Spielpause. Denn an dieser Stelle endet das 1. Kapitel von Alt-Minds. Bis die zweite Runde endlich starten kann, werden erst einmal zwei weitere Wochen ins Land ziehen, die auch dazu genutzt werden sollen, die noch etwas überschaubare Community entsprechend zu vergrößern.
Wer sich sicher ist, auch nach der Unterbrechung wieder dabei zu sein, wird bereits jetzt von den Entwicklern zum Kauf des 2. Kapitels bzw. des gesamten Spiels animiert. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die zwei Wochen nicht ein wenig zu lange sind und die aufkeimende Spannung bis dahin nicht komplett verflogen ist. Wer allerdings bislang noch nicht die Zeit gefunden hat, 'Alt-Minds' für sich zu entdecken, der wird den Aufschub um einige Tage vielleicht etwas stärker begrüßen. Wir bleiben jedenfalls gespannt, wie sich die Geschichte demnächst entwickelt und werden mit unserem Blog natürlich am Ball bleiben.