Klassiker-Tests: Tex Murphy: Under a Killing Moon:

Under A Killing Moon


Nach dem die ersten beiden 'Tex Murphy' Titel 'Mean Streets' und 'Martian Memorandum' eher noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, erlangte Hauptfigur Tex Murphy durch Access Softwares Blockbuster 'Under a killing moon' 1994 Kultstatus und ebnete den Weg für eine große Adventurekarriere. Der unfreiwillige Weltretter schuf seinen Film Noir Vorbildern und Autoren wie Raymond Chandler eine spielerische Hommage und war Trendsetter des interaktiven Films.
Schwer vertrottelt, dauerverkatert und dennoch herzensgut, ermittelte der Sympathieträger im Post- dritter Weltkrieg Szenario in den Straßen von San Francisco, auf den Spuren einer teuflischen Sekte. Mehr über den Titel des kongenialen Duos Aaron Conners und Chris Jones (der auch die Hauptrolle spielt und die Regie übernahm), erfahrt ihr in einem weiteren Adventure Corner Klassikertest.

 

Weltrettung? Kein Problem-Wenn nur nicht dieser Kater wäre.

Wir schreiben das Jahr 2042, New San Francisco. Der Atomkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Die Bevölkerung ist in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Mutanten, die schwere genetische Schäden durch die radioaktive Verseuchung davongetragen haben und die Norms. Die Norms hingegen haben das Glück, immun gegenüber dieser Strahlung zu sein. Einer von ihnen ist auch der runtergekommene Privatdetektiv Tex Murphy. Seit er seine Frau Sylvia mit dem Polsterer erwischt hat und seine Ehe in die Brüche ging, hat sich der Humphrey Bogart Fan- wie sein Vorbild- hauptsächlich mit dem Leeren von Whiskey Flaschen beschäftigt.
In einer schmuddeligen, kleinen Absteige- in der von Mutanten bevölkerten Chandleravenue-, fristet Tex ein tristes Dasein, aus dem ihn nur ein großer neuer Fall retten kann. Glücklicherweise muss Tex auf diesen auch nicht mehr lange warten. Ein unbedeutend wirkender Fall um eine gestohlene Vogelstatue bildet den Auftakt zu einem Fall, in dem Tex einer Nazi ähnlichen Sekte auf die Schliche kommt, die unter der Fahne des so genannten Kreuzzugs für genetische Reinheit einen Großteil der Menschheit ausrotten will. Erneut wird Tex Murphy zum Weltretter wider Willen. Die Geschichte entwickelt sich schnell zu einem spannenden Wettlauf gegen die Zeit, der Murphy zu einer utopischen Weltraumbasis namens Moonchild führen soll (von der die Sekte ihre finsteren Pläne, in die Tat umsetzen will) und das Schicksal der Menschheit ausgerechnet in seine Hände legt.


Volle Bewegungsfreiheit

Access´ 3D-Engine in Aktion.

Um es vorweg zu sagen, Ich bin wahrlich kein großer Anhänger von 3D Adventures, aber die 'Tex Murphy' Reihe bildet hier für mich eine rühmliche Ausnahme. Im Falle dieser Serie macht die völlige Bewegungsfreiheit Sinn. Wir spielen einen Detektiv. Und was tun Detektive nun einmal? Trinken? Ähm ja- Das auch, aber ich wollte eher auf das Herumschnüffeln hinaus.
Wir müssen Schubladen leer räumen, Schränke durchsuchen, unter Tische kriechen und sind auf die Möglichkeiten von Access 3D Engine angewiesen, um voran zu kommen. Die Engine vermittelt das Gefühl wirklich Detektivarbeit zu verrichten. Viele Items sind an teils kuriosen Stellen versteckt, so dass die Spürarbeit fordernd ist, aber stets Spaß macht. Im Gegensatz zu 'Ripper' folgt man in 'Under a killing moon' nicht irgendwelchen festgelegten Richtungspunkten. Hier bedeutet „Volle Bewegungsfreiheit“ eben genau dies. Wie auch der direkte Nachfolger 'Die Pandora Akte' gibt es zwei Spielmodi, zwischen denen wir per Spacetaste stetig umherschalten können. Der Bewegungsmodus dient uns der Fortbewegung in 360 Grad. Wir bewegen Tex in Kombination mit Maus und Tastatur. Wobei die Maus für die Bewegung zuständig ist und wir mit der Tastatur die Perspektive ändern und uns ducken können um niedrigere Dinge zu inspizieren.
Im Interaktivmodus hingegen klicken wir Items an, betrachten sie, nehmen sie, interagieren mit ihnen oder unterhalten uns mit den Bewohnern New San Franciscos.
Die Inventarfunktion befindet sich komfortabel in der rechten oberen Bildschirmecke. Hier befindet sich auch die Reisefunktion, mit der wir von Ort zu Ort springen können. Wenn man mal die Schauspieler und die 3D Engine für einen Moment bei Seite schiebt, wird man feststellen dass Access Software hier bei aller revolutionären Komponente recht klassische Pfade gegangen ist.
Wir tun genau die Dinge, die wir auch in einem Point and Click tun würden. Nur dass das ganze in 3D zunächst anders aussehen mag. Auch die Rätsel sind klassischer Natur, die Logikrätsel, die im nächsten Spiel ein zusätzliches Element bilden sollten, fehlen hier noch gänzlich. Der Schwierigkeitsgrad bei den Rätseln ist hier jedoch (noch) auf Einsteigerniveau. Die einzigen richtig schweren Stellen, sind eigentlich die, in denen wir Items suchen und einfach nicht finden wollen. Zusätzlich erleichtert wird das Spiel durch eine Hilfsfunktion, über die wir uns - ähnlich wie in 'Sunrise' Schritt für Schritt weiterhelfen lassen können.

Stimmungsvolle "Papptexturen".

Kleiner Nachteil: Auch wenn man es nicht will, erliegt man so schnell der Versuchung zu mogeln.
An den Nerven zehren können die immer wieder auftretenden CD Wechsel mitunter.
Die verschiedenen Schauplätze sind auf unterschiedliche CDs verteilt und wenn man Pech hat, springt man öfters mal hintereinander zwischen Orten umher, die stets einen CD Wechsel erfordern. Mitunter fühlt man sich hier an alte Disketten Tage erinnert, das haben 'Phantasmagoria' und Co besser gelöst.

Grafik

Utopie oder Dystopie? Die Moonchild-Basis.

'Under a killing moon' stellte Ende 1994 für Adventures dar, was 'Wing Commander' 3 und 4 für Weltraumsimulationen bedeuten sollten. Selbst Highendrechner zwang die 3D Engine problemlos in die Knie. 'Under a killing moon' war eine technische Revolution, die ihren Preis erforderte. Hatte man sich grade erst an das neue Medium CD Rom und seine Vorzüge gewohnt, so kam das Access Werk mal eben mit vier CD Roms um die Ecke- für damalige Verhältnisse nahezu unvorstellbar. Der Grund hierfür lag in den mehrstündigen Videosequenzen, bei denen Hauptdarsteller Chris Jones in diesem Teil noch selber Regie führte. Die Filmaufnahmen entstanden ausnahmslos in einem Bluescreenstudio. Will heißen, die Schauspieler wurden später in digitalisierte Hintergründe eingesetzt. Besonders real sieht das ganze daher nicht aus, aber es macht nichts aus. Lebendig wird das Spiel durch die immer spannender werdende Story, die fantastische Atmosphäre und einen genialen Hauptcharakter, den man einfach mögen muss. Besonders schön sieht auch die 3D Engine nicht aus. Man sieht, dass alles wie reintapeziert aussieht, aber einen Vorwurf kann man dem großartigem Access Team nicht machen. Die verwendete Technologie befand sich noch in den Kinderschuhen und über nicht grandiose Grafik sollte man sich beim Spielen dieses Klassikers nicht ärgern. Man bekommt genug anderes geboten. Die tristen Grafiktöne haben aber auch den positiven Effekt, dass sie die Endzeitstimmung der fiktiven Zukunftswelt wunderbar einfangen.


Sound

Die angenehmeren Seiten des Detektiv-Lebens.

Eine starke Musikuntermalung sollte auch eines von vielen positiven Markenzeichen der Nachfolger werden. Im Spiel werden wir von Film Noir typischen Saxophon Tönen begleitet, ebenso aber mit Spannungssteigernder Musik, die in Midi daherkommt. Die Musik der Cutscenes hinterlässt ebenfalls einen wunderbaren Eindruck und schafft die schwülstige Privatdetektivatmosphäre zu unterstreichen.
Gesprochen wird in New San Francisco ausschließlich Englisch. Allerdings ist alles komplett in Deutsch untertitelt. Auch alle Items, Kommentare etc. sind ausnahmslos in deutscher Sprache untertitelt.
Somit stammen die Stimmen dann auch von den Schauspielern und nicht von Extra-Sprechern. Lediglich eine Rolle ist von einem prominenten Sprecher (der nicht im Bild zu sehen ist) besetzt. In den Videosequenzen zu Beginn eines Tages, oder beim Ableben Murphys, gibt der so genannte „Privatdetektiv im Himmel“ seine Kommentare zu Murphys mitunter (mal vorsichtig formuliert) tollpatschigen Taten. Dieser wird von James Earl Jones gesprochen, der nicht nur in Filmen wie 'Die Stunde der Patrioten' oder 'Das Kartell' zu sehen war, sondern auch schon Darth Vader in den Original 'Star Wars' Filmen seine Stimme lieh.
Tex Murphy Darsteller Chris Jones weiß nicht nur schauspielerisch zu überzeugen, sondern versteht es auch, den trotteligen Charme seines Charakters überzeugend wiederzugeben - Ganz klarer Fall: Ein Multitalent!
Über die sprachlichen Leistungen, der gestandenen Schauspieler Brian Keith (unter anderem auch zu sehen an der Seite von Robert Mitchum in 'Yakuza', oder 'Young Guns'), oder Russel Means ('Natural born Killers', 'Der letzte Mohikaner') muss man auch keine Worte mehr verlieren. Einige der Nebencharaktere hören sich etwas trashig an aber, das ist ein einkalkulierter Aspekt, den man spätestens bei 'Tex Murphy Overseer' gar nicht mehr findet und auch schon in 'Der Pandora Akte' nur noch sehr selten.


Enrique der Goldfisch

Einer dieser &§%" Tage.

Ich weiß nicht ob ich mich neben den Lucas Arts Klassikern schon mal so über einen Adventurehelden amüsieren konnte, wie über Tex Murphy. Die nächsten beiden Teile fielen deutlich ernster aus und dennoch ist immer Platz für einen herrlichen Spruch und ein Fettnäpfchen gewesen. Tex Murphy eifert seinem Idol Humphrey Bogart in vielerlei Hinsicht nach. Auch Tex gibt den vom Leben enttäuschten Zyniker, der immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen hat und diese Sprüche haben es in sich. Tex schafft es gleichzeitig gallig und dennoch sympathisch zu sein. Sehr amüsant wirkt es auch, wenn Tex versucht, den harten Burschen zu geben und damit stets auf die Nase fällt.
Aber ein elementarer Bestandteil, der 'Under a killing Moon', neben einer sehr spannenden Story so kurzweilig macht, ist der schier unbegrenzte Wortwitz Murphys. Ein Beispiel: Tex versucht Informationen aus einem Verkäufer in einem Elektronikladen herauszuquetschen. Diese erhalten wir nur, wenn wir in den Multiple Choice Dialogen die richtigen Worte auswählen. Tun wir dies nicht, kommt Tex mit einer extrem dick aufgetragenen Geschichte um die Ecke. Der Verkäufer enttarnt uns als Lügner und bricht verärgert das Gespräch ab.
Im echten Leben wäre es nach dieser vermasselten Geschichte nun wohl sehr schwer, dem Verkäufer mit einer gänzlich anderen Story zu kommen, aber nicht für Murphy. Sein Kommentar beim nächsten Anlauf: „Hamm will nicht reden…Also erzähle ich ihm, dass mein Goldfisch Enrique heute Morgen verstorben ist. Seitdem war ich den ganzen Tag nicht ganz zurechnungsfähig.“
Und Schwupps sind wir wieder im Geschäft. Ein klarer Fall: Spiel, Satz und Sieg Murphy!


Das Buch

Natürlich gibt auch der literarische Murphy ein gutes Bild ab.

Autor Aaron Conners schrieb auch einen Roman zu 'Under a killing Moon' (ebenfalls zur 'Pandora Akte'). Dieser ist unter dem deutschen Titel 'Das Luzifer Komplott' im Heyne Verlag erschienen. Dank Ebay kann man auch heute noch an das Buch herankommen. Conners ist ein begnadeter Autor, daran besteht keinerlei Zweifel. Besonders die 'Under a killing moon' Nachfolger 'Die Pandora Akte' und 'Tex Murphy Overseer' zeigen deutlich, dass er nach Jane Jensen einer der besten Adventure Storywriter ist. Somit ist auch dieses Buch absolut gelungen. Entgegen anderen Büchern zu Spielen ist 'Das Luzifer Komplott' keine langweilige Komplettlösung, sondern eine eigenständige Geschichte. Viele Details und Handlungsstränge sind komplett anders als im Spiel. Das Buch geht wesentlich mehr in die Tiefe, als das Spiel (was Conners in den Nachfolgespielen auch in digitaler Form gelang) und bietet extrem kurzweilige Unterhaltung, mit etlichen liebevoll eingearbeiteten Chandler Zitaten und Film Noir Verweisen. Man merkt hier besonders intensiv, wie viel von Murphy auch in Conners steckt, denn nicht wenige von Murphys Vorlieben sind in Wahrheit die von Aaron Conners.


Funktionalität auf modernen Rechnern

Mit Hilfe der Dosbox lässt sich 'Under a killing Moon' auch auf Zeitgenössischen Rechnern spielen.

Verfügbarkeit

Wie es sich für einen Blockbuster gehört, ist 'Under a killing moon' in hoher Auflage veröffentlich worden. Somit steht einem Kauf über Ebay nichts im Wege.


Galerien

Fazit:

Wertung: 4 / 5

Fazit:
In wenigen virtuellen Spieleserien habe ich mich so gerne bewegt wie in der Welt Tex Murphys. 'Under a killing moon' bietet extrem kurzweilige Adventurekost gepaart mit toller Atmosphäre, Humor, Hochspannung und einem der Adventurehelden schlechthin. Murphys´ CD Rom Debüt ist nicht ganz auf einer Länge mit seinen nächsten beiden PC Auftritten, aber immer noch ein Klasse Spiel. In den Nachfolgern ging es deutlich anspruchsvoller zur Sache und der Spielumfang und die Komplexität der Storys wurde noch mal um ein vielfaches gesteigert. Mit 'Under a killing moon' verbringt man so deutlich weniger Zeit, aber dafür bietet es hochwertige Adventurekost.
Das Umherkriechen auf der Suche nach benötigten Items mag dem ein oder anderen nicht behagen, da man manche Gegenstände recht lange suchen muss, obwohl man teilweise weiß, dass da doch irgendwo etwas sein muss.
Dass ist eine Ursache der Tapetengrafik, in der gelegentlich mal gerne etwas übersehen wird. Hätte Access Softwares Aufbruch zu neuen Ufern bereits die Komplexität der Nachfolger zu bieten, so hätte es locker die Höchstwertung erreichen können. So gibt es immer noch sehr gute vier von fünf Lupen!
Mir jedenfalls macht es jedes Mal einen Heidenspaß, in einem beliebigen Murphy Abenteuer die Welt zu retten und ich kann nur sagen: Ein Hoch auf Chris Jones und Aaron Conners!

geschrieben am 14.02.08, Ingmar Böke

Systemanforderungen Weitere Links
CPU mit 25 Mhz
4 MB Ram
SVGA-Grafikkarte
Soundkarte
CD-Rom


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Dieser Klassiker-Test gehört zu  Tex Murphy: Under a Killing Moon.




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Kommentare 1
flxtr
08.09.2014, 11:15

Under A Killing Moon ist mein Einstieg in die Serie und ich bin noch am spielen. Die FMV-Einlagen funktionieren erstaunlich gut. Schauespielerisch sicherlich etwas schrottig, aber auf die gute, kultige Art. :)

Dank gog gibt es alle Tex-Murphy-Adventures inzwischen in einer Version, die ohne die nervigen CD-Wechsel auskommt. Die DOS-Box wird mit geliefert, sodass das gleich out of the box auf modernen Maschinen laufen sollte.

Die Steuerung ist echt gruselig und man will sich auch nicht recht daran gewöhnen. Aber das Problem hat es eigentlich bei allen First-Person-Titeln aus der Prä-WASD-Ära, die sich an Maus-Steuerung versuchen. Die Grafik ist beeindruckend für die Zeit (gehörte sicherlich zum besten, was 1994 zu kriegen war). Leider wird mir nach ein paar Stunden immer schlecht und ich muss unterbrechen. Das geht mir aber bei den Meisten 3D-Titeln aus den frühen 90ern so.


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