Specials: Kolumnen:

Wir planen, das Adventuregenre zu töten...

Keine Angst, das hat niemand wirklich gesagt - hoffe ich. Vielmehr entspringt es meiner blühenden Fantasie, gepaart mit einer gehörigen Portion Langeweile und einem nicht zu vergessenen Schuß Wut. Ja, richtig. Wut. Man könnte es auch Unmut nennen, aber das wäre nicht dramatisch genug. Deshalb also: Wut.
"Warum nur?", werdet ihr euch sicherlich fragen. Eins vorweg: nein, diese Wut rührt nicht aus meiner angeblich chronischen Verbitterung her, vielmehr seid ihr daran schuld. Zumindest einige von euch. Das wiederum liegt daran, dass ich etwas gegen Intoleranz haben - was insofern ganz amüsant ist, dass ich dann ja quasi auch auf eine Art intolerant wäre. Dem ist aber nicht so, denn "glaubt bloß nicht den Lügen, die euch diese Amerikaner auftischen..."
Wie dem auch sei, mein Unmut entspringt der Engstirnigkeit einiger Sportfreunde, die sich selbst als langjährige Adventurefans bezeichnen und vermutlich einen ganz weit entfernten Bekannten eines Freundes des imaginären Bruders von Ron Gilbert kennen zu meinen. Ein durchaus bekannter, ehemaliger deutscher Bundeskanzler würden diese Individuen womöglich als Querköpfe bezeichnen, allerdins war er ein Politiker und wir alle wissen ja, was wir von solchen Aussagen zu halten haben. Aber egal..
Diese recht große Gruppe von Menschenkindern beansprucht offenbar das Adventuregenre allein für sich. Sollte ihnen ein neu angekündigtes Adventure nicht zusagen - d.h. auf 3D-Grafik zurückgreifen, die seit Jahren sehr beliebte Maus nicht unterstützen oder das Gameplay mit Stealth- oder kleineren Actionszene auflockern -, dann ist dieses Spiel grundsätzlich erst mal was für die Tonne. Egal, wie viel bereits über die Story bekannt ist, egal, wie viele Screenshots veröffentlicht wurden. So zuletzt geschehen bei der Ankündigung von 'The Longest Journey 2': plötzlich war der zuvor so beliebte geistige Schöpfer von April Ryan und Co., Ragnar Tornquist, der Sohn einer Dame aus dem horizontalen Gewerbe, während den Jungs von Revolution Software während der Entwicklung von 'Baphomets Fluch 3' lediglich unzählige Male vorgeworfen wird und wurde, dass sie mit diesem Spiel das Genre endgültig zu Grabe tragen.
Ok, das war jetzt ein langer Satz, bitte einmal tief durchatmen. Danke.
Ein weiteres Opfer dieser Negativvorverurteilungen ist Lucas Arts. Ja, genau die Firma, die vor...na, knapp 3-4 Jahren noch der tollste Adventureentwickler der ganzen Welt war. Aber oh weh - sie haben es gewagt, eine ganz furchtbar böse Grafikengine zu benutzen. Und doof sind sie ja sowieso. Um dem Ganzen aber noch die Krone aufzusetzen, versauen sie jetzt 'Sam & Max' und 'Vollgas' - wenn wir jetzt auch nur ein kleines bisschen gemein sein würden, dann täten wir sie als Mörder und Verbrecher bezeichnen. Aber wir sind ja tolerant. Doch früher war trotzdem alles besser...

Gut, nach fünf langen und sinnlosen Absätzen, jetzt mal ernsthaft:
Versteht mich nicht falsch, ich laufe keineswegs blind durch unsere nicht mehr ganz so schöne Welt. Auch bin ich kein sonderlich genügsamer Mensch, der zu allem ja und amen sagt. Allerdings nehme ich es mir heraus, als langjähriger Adventurefan und jemand, der vermutlich ...., die Geschehnisse im Adventuregenre etwas nüchtern oder manchmal auch etwas positiver zu beurteilen. Sicherlich habe ich auch schon oft genug über vermeintliche Innovationen oder "superdetaillierte" Grafiken gemeckert, allerdings gebe ich mich in den seltesten Fällen sinnlosen Hetzorgien hin - jaja, ok, sollte jetzt die letzte Lüge für heute gewesen sein...
Kritik ist an sich immer gut und gesund. Es bringt aber nichts, ein Spiel aus unserem geliebten Genre schon von vornherein niederzumachen, gerade bei (hoffnungsvollen?) 3D-Adventures mahne ich zur Rücksicht. Denn bedenkt: auch im Zeitalter der Point & Click-Adventures wurde genug Müll auf den Markt geschwemmt, und wenn wir jetzt einmal die Zahl der echten 3D-Adventures (wodurch 'Grim Fandango' und 'Monkey Island 4' ausgeschlossen werden) mit der Anzahl der zweidimensionalen Kollegen vergleichen und dann vielleicht noch auf die Flopprate schauen, sollte jeder einzelne von uns darüber nachdenken, ob wir der neuen Generation nicht wenigstens eine kleine Chance geben wollen. Denn Revolution, Lucas Arts oder Funcom wollen die bedrohte Tierart der Adventures garantiert nicht auslöschen...


geschrieben am 07.09.2003, Matthias Holz



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Kommentare 3
kresi82
26.01.2004, 01:16

Sauber, ich glaub das hat einige vielleicht mal aufgeweckt ;)

3d ist gar net so schlecht und die Tastatur hat sich dem PC-Spiele Markt seit 20 Jahren nicht verwehrt :D

Dem Argument mit der Grafik (und den vorurteilen schon vorher) kann ich nur beipflichten, hab selbst in meiner clique solche mimosen (nehmt euch net zuviel an, diejenigen die sich angesprochen fühlen) *g*

Vernünftige Kritik &
Lob für dieses Statement!

Ich bin dafür! :)


EDIT:

uuuuuppppssss... :)
hab grad erst das datum der kolumne gesehen :D *rotwerd*
na egal, ich lass es mal so stehn *gg*

kresi82
26.01.2004, 01:48

achja noch was:

Woher holen sich die Leute immer die förmlichkeitsausdrücke wie das "horizontale gewerbe" ? ich hab tränen gelacht, bitte mehr davon :D

HintKeeper
15.03.2004, 08:30

Ich habe mich nie über eine falsche Grfikengin aufgeregt, werder hier, das ist auch kaum mlöglich, noch woanders.

Mir hat die Grfik und Steuerung in Grim Fandango sogar ganz gut gefallen. Ok die Grafik in Monkey Island 4 war gewöhnungsbedürftig, aber und jetzt kommt es die Story war der letzte Müll.

Wenn ich in einem Adventure Action Szenen wünsche, dann kaufe ich mir Tomb Raider oder eines der Zahlosen Sequels. Ich will in einem Adventure mit einer witzigen Geschichte unterhalten werden, wo ich selber Teil von bin, in der ich also auch agieren kann.
Ich will nicht wie verrückt auf meiner Tastaur rumhauen oder mir mein Mauspad kaputt scheuern.

Ich verstehe nicht, warum die Adventureschieden, das Genre so kaputt machen? Ich habe von noch keinem Adventurefan gehört: "Oh schade, die Kiste hätte ich jetzt gerne verschoben" oder "Ich würde so gerne eine Waffe in die Hand nehmen und den Dähmlichen Clown über den Haufen schießen weil er mir nicht weiterhelfen kann" Nein die "echten" Adventurefans sagen: "Was kann ich für den Clown tun, damit er mir hilft."

Adventures waren immer ein Kontrast zu anderen Games und Monkey Island hat es auf den Punkt gebracht: "Was ist schärfer, dein Verstand oder deine Klinge".


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