Previews: Still Life:

Still Life - Hands On


Im vergangenen Jahr konnte sich kaum ein Adventurefan angesichts solcher Titel wie 'Black Mirror', 'Myst IV' oder 'Syberia 2' über mangelnde Beschäftigung beschweren. Und da wir uns deshalb schon daran gewöhnt haben, beinahe monatlich ein neues Schmuckstück auf unserer Festplatte begrüßen zu dürfen, möchten uns die Adventure-Entwickler und -Publisher natürlich nicht enttäuschen und fahren mit 'Nibiru', 'Fahrenheit' und Co. dicke Geschütze auf. Ein Spiel, dass im Vergleich dazu jedoch noch recht wenig Aufmerksamkeit genossen hat, ist 'Still Life', das neueste Abenteuer von Microids. Wer jetzt aber wie bei 'Syberia' auf eine märchenhaft erzählte Geschichte hofft, der ist auf dem falschen Dampfer. 'Still Life' ist eher das genaue Gegenteil...


Chicago im Jahre 2004. "Can you believe this motherfucking weather?", fragt der Kollege, der den Eingang eines halbzerfallenen Hauses bewacht. In der Tat: In den vergangenen Tagen war der Himmel mehr von Wolken bedeckt, die Schnee über die Stadt brachten, als dass die Sonne sich hätte blicken lassen. Hinzu kommt noch die klirrende Kälte - bloss gut, dass wir einige Becher Kaffee dabei haben.
Drinnen angekommen, in der ersten Etage, wartet auch schon ein weiterer Kollege. Musste wohl feststellen, dass übel zugerichtete Leichen nichts für schwache Mägen sind. Jetzt lehnt er jedenfalls an einem Kühlschrank und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Egal, einen Kaffee nimmt er trotzdem.
Einige Räume weiter schließlich, der, naja, Ort des Schreckens - das Bad. In der Wanne liegt eine junge Frau, die fünfte innerhalb der letzten Wochen, und wenn man nicht wüßte, dass sie auf grausamste Art und Weise ermordet würde, könnte man annehmen, sie wäre vielleicht in ihrem eigenen Blut ertrunken. Aber zumindest hat die anwesende Kollegin auch noch einen Kaffee genommen, so dass die Arbeit jetzt richtig beginnen kann...

Auf jedem Begräbnis gibt es einen guten Lacher - mindestens

Ihr möchtet es mir bitte nachsehen, aber diese ersten drei Absätze dieser Vorschau sind ein Versuch, 'Still Life' zu so beschreiben, wie es ist - böse, gemein und voller schwarzem Humor. Denn bei aller thematischen Ernsthaftigkeit driftet das Spiel nicht in übertriebene Darstellung von Ermittlungsarbeit ab, sondern bleibt angenehm realitätsnah. Victoria und ihre Kollegen sind trotz ihres nervenzerrenden Jobs immer noch ganz normale Menschen, die ein ganz normales Leben führen, inklusive Familie und Hobbies. Dass im Falle unserer Protagonistin die Familie, und um genauer zu sein, die Vorfahren, noch eine ganz besondere Rolle spielt, passt dann natürlich besonders gut in das Gesamtbild.
Denn 'Still Life' könnte man als Quasi-Nachfolger von 'Post Mortem' bezeichnen. Gus McPherson, Hauptcharakter aus eben jenem vor drei Jahren veröffentlichten First Person-Adventure, ist nämlich der Großvater von unserer Victoria. Und da man im Hause Microids scheinbar Gefallen an dieser Figur gefunden hat, taucht der gute Gustav nicht einfach nur in den Aufzeichnungen, die Victoria auf dem Dachboden ihres Vater findet, wieder auf, sondern feiert sein Comeback als spielbarer Charakter im Prag der 20er Jahre. Dort ermittelt er als Privatdetektiv im Rotlichtmilieu, das von einer Serie brutaler Morde heimgesucht wird. Und wie's der Zufall so will, weist dieser Fall beängstigende Parallelen zu den Geschehnissen in der Gegenwart auf, welche die Frau Enkelin beschäftigen...
Die ganze Geschichte ist so aufgebaut, dass ihr zuerst in einem Kapitel die Kontrolle über Victoria ergreift, bevor dann im nächsten Abschnitt Gus zum Zuge kommt.

Syberia-Technik + Post Mortem-Atmosphäre = Erfolg?

Man mag es kaum glauben, aber die obenstehende Gleichung könnte tatsächlich aufgehen. Dass die beiden 'Syberia'-Spiele zu den durchgestyltesten Adventures der letzten Jahre gehören, darüber brauchen wir gar nicht erst diskutieren. Einen dicken Kritikpunkt gab es aber selbst dort noch: Zu unbelebt sei die Welt um Kate Walker, schallte es von vielen Seiten. Und irgendwie scheint das auch bis zu Microids durchgedrungen sein, denn anders läßt es sich einfach nicht erklären, dass 'Still Life' bereits in dieser nicht endgültigen Fassung in puncto Hintergrundgrafik, Animation und Detailgrad jedes andere hübsche Point & Click-Adventure der jüngeren Vergangenheit drei Mal in die Tasche steckt. Dass die vorgerenderten Zwischensequenzen dem in Nichts nachstehen, versteht sich von selbst.
Ach, und um noch mal auf's Blut zurückzukommen: das gibt's in 'Still Life' literweise. Auf Böden, an Wänden, in Badewannen... Die Entwickler scheuen sich ferner auch nicht davor, misshandelte Leichen in der Nahansicht zu zeigen - doch, keine Bange, die Grenze des guten Geschmacks wird zumindest in unserer Vorab-Version trotz allem nicht ganz überschritten. Gewöhnt euch aber schon mal daran, dass die Charaktere durchaus recht locker mit ihrer Arbeit umgehen und desöfteren mit äußerst sarkastischen Bemerkungen zum Schmunzeln anregen.

Nichts für schwache Ohren

'Still Life' unterscheidet sich jedoch nicht nur in puncto Gewaltdarstellung von den meisten Genrekollegen. Wer schon keine CDs kauft, auf denen der "Parental Advisory"-Aufkleber wegen einmaliger Verwendung des durchaus wohlklingenden Wortes "fuck" prangt, der ist beim neuen Microids-Adventure sicherlich nicht wirklich gut aufgehoben. Inwiefern diese Gossensprache aber den Weg in die deutsche Version findet, können wir bisher nicht abschätzen. Jedenfalls wurde uns während eines Vorort-Besuchs bei Flashpoint versprochen, dass wir 'Still Life' auch hierzulande unzensiert genießen werden. Anzunehmen ist auch, dass bis zur Veröffentlichung die Lippensynchronität weiter verfeinert und für die vielen unterschiedlichen Sprachen, in denen das Spiel erscheint, angepasst wird, so dass 'Still Life' perfekt auf den internationalen Markt vorbereitet sein sollte.

Nur noch zwei Monate schlafen!

Die Veröffentlichung von 'Still Life' soll nach bisherigen Informationen Mitte April stattfinden. Neben einer PC-Version erscheint gleichzeitig auch eine Umsetzung für Microsofts Xbox.


Galerien

Fazit:

Wertung: Sehr gut

Schon auf der letzten Games Convention war ich mir sicher: 'Still Life' hat das Zeug dazu, in diesem Jahr jedes andere Adventure locker zu übertrumpfen. Und was soll ich sagen? Natürlich hatte ich Recht. Nach bisherigem Ermittlungsstand lassen sich nämlich nur folgende Schlüsse ziehen: Grafik jetzt schon top, Story spannend, Gameplay abwechselungsreich und interessant. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass die deutsche Lokalisation mit dem englischen Original mithalten kann - ich drücke beide Daumen.

geschrieben am 14.02.05, Matthias Holz

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP
PIII 800 CPU
128MB RAM
600MB HD
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