Previews: A New Beginning:

A New Beginning - Hands on


Der Erscheinungstermin von Daedalics mit Spannung erwartetem neuen Adventure 'A New Beginning' rückt näher und eine neue Testversion gab der Presse schon mal einen guten Eindruck davon, was den Spieler ab dem 8.10. am heimischen Computer erwartet. Fünf der geplanten acht Kapitel, waren in der für uns zugänglichen Version spielbar und rätsel- und storytechnisch soweit auch fertig. Woran noch fleißig gebastelt wird, sind vor allem Synchronisation, Cutscenes und Musik. Das Material, was über unsere Bildschirme flimmerte, war aber mehr als ausreichend um sich ein fundiertes Urteil über die Tauglichkeit von 'A New Beginning' zu bilden.


Die Erde im Jahr 2500

Düstere Aussichten in Daedalics neuem Abenteuer.

'A New Beginning' startet mit einer dramatischen Eröffnungssequenz, die von nicht weniger als den letzten Tagen der Erde erzählt. Dafür brauchte es keine äußere Einwirkung von Monstern, tödlichen Viren, Aliens oder Kometen, denn in Daedalics neuem Spiel haben wir unser eigenes Grab geschaufelt und die Erde durch Ausbeutung und Umweltverpestung langsam selbst zerstört. So gravierend sind die Schäden am Erdball, dass die letzten verbleibenden Menschen keine Hoffnung für seine Zukunft sehen. Aufgegeben haben sie dennoch nicht. Da ein nahender Sonnensturm die Erde in Kürze komplett auslöschen wird, und die kurze Zukunft somit genauso gewiss wie desaströs ist, suchen die Überlebenden die Lösung in der Vergangenheit: ein kleines Team aus Zeitpiloten wird durch die Zeit geschickt, um unter dem Namen Operation Phönix, die Fehler der eigenen Rasse zu verhindern und ihre eigene Gegenwart zu verändern. Leider unterläuft der Nachforschungsabteilung im Vorfeld ein verhängnisvoller Fehler und die einzelnen Einheiten des Teams werden an verschiedene Punkte ins Jahr 2050 transportiert – einem Punkt im Raum-Zeit-Kontinuum, an dem für die Erde schon jede Rettung zu spät ist...


Die Erde im Jahr 201X

Bent trauert um seine Frau.

Bent Svensson, der sein Leben und seine Gesundheit der Forschung geopfert hat, versucht in der norwegischen Einsamkeit mit seinem forcierten Vorruhestand fertig zu werden. Seine Ehe ist zerstört und sein Lebenswerk, das Forschen nach alternativer Energie, musste er an seinen Sohn Duve weiterreichen. Während sein ehemaliges Team die Forschung an der Blaualge weiterführt, sitzt Bent in Skandinavien und versucht mit Hilfe einer penetranten Psychologin seine immer stärker werdenden depressiven Schübe in den Griff zu bekommen. Als er gerade dabei ist, seinen Generator wieder flott zu kriegen, landet ein Hubschrauber vor seinem Haus. Eine junge Frau steigt aus. Gehetzt beschwört sie Bent, mit ihr zu kommen, denn seine Forschung an der Blaualge ist die letzte Hoffnung für das Fortbestehen der menschlichen Rasse. Die junge Frau ist Fay, Funkerin des Zeitpiloten-Teams aus der Zukunft und eine der wenigen Überlebenden der Operation Phönix. Aber das weiß Bent nicht. Für ihn ist die Frau ein Eindringling in seine Privatsphäre, eine Nervensäge, die mit der Blaualgenforschung auch noch einen wunden Punkt in seiner Vergangenheit rührt. Er weißt sie barsch zurück. Aber Fay lässt nicht locker. Sie weiß, wenn Bent nicht kooperiert, ist die Erde verloren und alles war umsonst. Sie bittet ihn, wenigstens ihre Geschichte anzuhören und danach zu entscheiden. Bent erlaubt es – widerwillig.

Zeitlose Unterhaltung

Funkerin Fay reist durch die Zeit um den drohenden Weltuntergang zu verhindern.

Das Story-Gerüst von 'A New Beginning' baut auf einer komplexen und gut funktionierenden Erzählstruktur auf, die, wie Funkerin Fay, durch die Zeit springt und so den Spieler einen Teil der Handlung in Rückblenden Fays und den Rest in der Gegenwart spielen lässt. Wenn man bedenkt, dass dabei die Protagonistin aus der Zukunft kommt und ein weiteres Mitglied ihres Teams zwischen Bents Gegenwart und Fays Gegenwart im Jahr 2050 fest sitzt, kann einem schon leicht schwindelig werden. Da hilft es, dass sich 'Daedalic' bei Steuerung und Präsentation auf ganz wesentliche Tugenden besinnt. Gesteuert wird die Spielfigur per Mausklick. In vorgezeichneter, teilanimierter und detailreicher Umgebung wird nach Hotspots gesucht, die mit der Maus entdeckt und dann angezeigt werden. Ein längerer Mausklick öffnet ein simples Ringmenü, in dem bis zu vier Aktionen angeboten werden, mit denen man das Objekt manipulieren, bzw. mit der Person interagieren kann. Gesammelte Gegenstände werden in einem Kästchenmenü am unteren Bildschirmrand gesammelt, das mit Klick auf die rechte Maustaste eingeblendet wird. Ein Druck auf die ESC-Taste führt ins Hauptmenü, wo man Grundeinstellungen wie Vollbild- oder Fenstermodus, Soundeinstellungen und Untertitel vornehmen, sowie laden und speichern kann. Mit anderen Worten, die Handhabung des Spiels ist die eines klassischen Grafikadventures und auch für Neulinge des Genres intuitiv schnell verständlich. Nichtsdestotrotz bietet 'A New Beginning' zu Beginn des Spiels ein kurzes Tutorial an, das mit einem, im späteren Spielverlauf wieder auftauchenden, kleinen Helfer die Steuerung erläutert.

Die Rätsel sind knifflig, machen aber immer Spaß.

Die Rätsel, die der Spieler lösen muss, damit Fay’s Mission erfolgreich verläuft, sind vielfältig, interessant und oft auch innovativ. Dabei liegt die Innovation nicht immer im Was, denn natürlich gibt es in 'A New Beginning' die für Grafikadventure typischen Item-Kombinations- und Dialogrätsel, sondern häufig im Wie, denn die Aufgaben werden stets tief im Storygerüst vergraben und wirken nie deplaziert oder als Mittel zum Zweck konzipiert. Die Lernkurve verläuft dabei mit moderatem Steigungsgrad, ist aber von Anfang an relativ Anspruchsvoll. So soll es aber auch sein; nur wenige Sachen sind für ein Adventure ungünstiger, als ein zu niedriger Schwierigkeitsgrad. Die oft komplexen Tüftel-Rätsel, die mit dem Reparieren oder Bedienen verschiedener Geräte zusammenhängen, dürfen nach ein paar erfolglosen Anläufen auch per Knopfdruck übersprungen werden. Befriedigender ist’s natürlich, wenn davon kein Gebrauch gemacht wird.

Im Spiel wechselt man je nach Kapitel zwischen zwei Spielfiguren hin und her - ein Konzept, dass sich schon in vielen Vorgängern bewährt gemacht hat. In 'A New Beginning' sind es Fay und Bent, die zunächst für sich, und später gemeinsam das Abenteuer bestreiten. Ein interessanter und erfrischender Aspekt ist dabei, dass Bent keineswegs von Anfang an mit Fay kooperiert, sondern sich von ihr bedroht fühlt und daher eher versucht, aus dem Abenteuer heraus als hinein zu kommen. Ein cleveres Script lässt Bent so verdeckte Punkte in Fays Vergangenheit beleuchten und macht die Story durch seine skeptische Haltung dichter und spannender.

Demonstranten protestieren vor der Klimakonferenz.

Und spannend ist die Story auf jeden Fall. Sie verbindet Öko-Thriller und Zeitreise-Drama, immer mit einem Schuss Action und Sci-Fi, um das Adventure abzurunden. Bent und Fay sind so grundverschieden, dass man eine echte Weitwinkelperspektive gewinnt und die verschiedenen Nuancen der Geschichte, wie die Schwierigkeit der Balance zwischen Beruf(ung) und Familie und die Last der Verantwortung, die jeder einzelne Mensch an der Gesundheit des Planeten trägt, immer von mehreren Seiten betrachten kann.


Graphic-Novel-Look

Der Comic-Look ist gut gelungen.

Ein wenig schmunzeln muss man über die Titulierung der visuellen Präsentation schon. Comic-Look passt eben nicht zum ernsten Background und der erwachsenen oder zumindest reiferen Zielgruppe, für die das Spiel konzipiert wurde. Sämtliche Schnittszenen, welche immer wieder die Handlung vorantreiben und die Dramatik intensivieren sollen, wurden nämlich nur spärlich oder gar nicht animiert sondern finden in Comic-Panels statt, die sich peu a peu auf dem Bildschirm präsentieren und so die Atmosphäre eines modernen elektronischen Comics erzeugen. In diesem Bereich befindet sich auch noch eine der größten Baustellen, die vor dem Erscheinen noch stark verändert werden. In der Testversion will der Funke nämlich noch nicht überspringen und die Dramatik geht durch fehlendes Timing oder noch im Entstehen begriffene Musik-Cues verloren. Der Ansatz ist aber dennoch interessant und macht definitiv Lust auf mehr. Da die Presseversion schon mit entsprechenden Hinweisen auf diese Baustellen ausgeliefert wurde, besteht wenig Zweifel daran, dass Daedalic die paar Probleme in den Griff bekommt.

Wie schon in 'The Whispered World' ist die Grafik ein Augenschmauß.

Die visuelle Ingame-Präsentation ist, wie schon im letzten großen Daedalic-Adventure 'The Whispered World', in detailreicher und farbenfroher Comicgrafik gehalten und erinnert zeitweise an so schöne Klassiker wie 'Baphomets Fluch'. Obwohl die Animationen teilweise noch ein klein wenig flüssiger laufen dürften, sind sie doch ausnahmslos gut geraten. Lediglich Fays staksiger Gang mutet ein wenig merkwürdig an. Ihr Hohlkreuz ist so beträchtlich, dass es schon fast vorsätzlich aussieht; schließlich musste das arme Mädchen die meiste Zeit ihres Lebens unter der Erde verbringen und sich deswegen ihr Vitamin D auf künstlichem Weg besorgen.

Die hervorragende Mimik der einzelnen Charaktere (und davon gibt es in 'A New Beginning' eine Menge) fällt besonders ins Auge. Ganz im Stil des Comic-Ambiente, schalten sich manchmal , in den via Rückblende erzählten Kapiteln, Bent und Fay in die Geschichte ein und erscheinen dann im Close-Up am oberen Bildschirmrand, eingerahmt in ein Comicpanel – Bent um die fahrige Erzählweise der Funkerin zu kritisieren, Fay um ihre Story zu verteidigen. Das ist ein stilistisch cleverer Einfall, der des Öfteren auch benutzt wird, um den einen oder anderen Gag zu zünden.

Die Synchronsprecher von Fay und Bent sind perfekt auf die Hauptdarsteller abgestimmt – die Schauspieler leisten ganze Arbeit, den Figuren Leben und Charakter zu verleihen. Beim Rest des Casts schwankt die Qualität dann aber doch noch beträchtlich. Aber auch hier ist 'A New Beginning' noch in der Bauphase. Ebenso wie die Musik, die momentan zwar nett im Hintergrund spielt, aber noch keine Kinoqualität à la 'The Whispered World' erreicht.


Galerien

Fazit:

Wertung: Sehr gut

Letztendlich sind die wenigen Punkte, an denen man beim Spielen noch Verbesserungspotenzial erkennen kann, genau die, auf deren Unvollkommenheit schon im Briefing hingewiesen wurde. Soweit spielbar, macht 'A New Beginning' einen phantastischen Eindruck. Es ist spannend, schlau und lang. Die Grafik ist ein echter Hingucker und die beiden Hauptfiguren entwickeln komplexe Persönlichkeiten, mit denen sich der Spieler identifizieren kann und die einem ans Herz wachsen. Die Story führt den Spieler durch mehrere Länder und ebenfalls durch mehrere Zeitebenen, und lässt ihn auf dem Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft, viele interessante Charakter treffen, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen und mit den verschiedensten Mitteln überzeugt oder überlistet werden müssen, damit Fay und Bent Erfolg haben. Ob 'A New Beginning' Daedalics grandiosen Vorgänger noch übertreffen kann ist noch nicht ersichtlich – aber ist das wirklich wichtig? Der Spieler darf sich so oder so im Oktober auf ein Adventure-Schmankerl freuen. Und dann wird sich zeigen ob die Erde noch zu retten ist. Nach der eingehenden Story, darf man wohl eine Verpackung aus recyclebarem Material erwarten.

geschrieben am 02.08.10, Hendrik Busse

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 2000/XP/Vista/7
Pentium 2 GHz oder gleichwertig
1 GB RAM
DirectX9.0c-kompatible Soundkarte
DirectX9.0c-kompatible Grafikkarte mit 256 MB Grafikspeicher
4 GB Festplattenplatz
DVD-Laufwerk, Maus
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