Previews: Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten:

Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten


Vielen wird 'Das Schwarze Auge' oder kurz 'DSA' als eine Institution in Sachen Rollenspiel ein Begriff sein. Seit Entstehen der Marke in den 80er Jahren, wurde eine Vielzahl an Büchern, Rollenspielkampagnen sowie Brett- und Computerspielen veröffentlicht. Mit 'Satinavs Ketten' von Daedalic Entertainment gesellt sich nun auch bald ein klassisches Grafik-Adventure zur großen Spielewelt von 'DSA'. Wir haben im Hands On eine fertige Betaversion des Spiels komplett testen können und verraten euch, wie Point & Click dem Rollenspieldinosaurier zu Gesicht steht.


Der Vogelfänger bin ich ja, stehts lustig heißa hopsassa!


Noch ist Geron ein Einzelgänger. Gezwungenermaßen.

Mozart hatte ja keine Ahnung. Lustig ist der junge Geron schon seit langer Zeit nicht nicht mehr. Seit dem Tod seiner Eltern wächst Geron beim Vogelfänger Gwinnling auf und muss den Ruf eines Unglücksbringers mit sich herumtragen, seit ein Seher vor Jahren prophezeit hat, dass Geron großes Unheil über das Königreich bringen wird. Und Geron trägt schwer an der Last. Seine Altersgenossen meiden ihn oder sind ihm gegenüber feindselig. Der Rest der Einwohner betrachtet den Jungen mit Argwohn. Der Seher war ein böser Mensch und wurde für seine Greueltaten hingerichtet, aber seine letzte Prophezeiung, Gerons dunkles Schicksal, lebt in dem Jungen weiter. Umso härter trifft es Geron, als er eines Tages von Gwinnling hören muss, das der Seher angeblich wieder aufgetaucht ist – zurückgekehrt von den Toten. Der Vogelfänger will seinen Ziehsohn in die grausigen Pläne des Sehers einweihen, fällt jedoch einem heimtückischen Mordanschlag zum Opfer. Geron weiß: Will er den Ursprung seiner Prophezeiung ergründen, muss er den Seher finden und bestenfalls dessen Pläne durchkreuzen. Und er hat nur einen Anhaltspunkt. Der Seher jagt eine Elfe, die angeblich in den Wäldern vor der Stadt lebt. Genau dorthin geht Geron jetzt.


Ein würfelloses Abenteuer


Nein, hier wird kein kritischer Treffer ausgewürfelt. Das ist ein Zahlenrätsel.

'Satinavs Ketten' spielt sich als reinrassiges Point & Click Adventure. Es gibt also weder Kampfsystem, noch Charaktergenerierung oder das berühmt berüchtigte Aufleveln zur Verbesserung der Attribute. Der Spieler steuert den Jungen Geron auf einer Reise, die ihn durch verschiedene Orte des Kontinents Aventurien führt. Begleitet wird Geron dabei von der Elfe Nuri, die ihn auf seiner Reise tatkräftig unterstützt. Um im Spiel voran zu kommen muss Geron Rätsel lösen und kleinere und größere Aufgaben und Probleme bewältigen. Dabei bedient sich Daedalic guter und ehrlicher Hausmannskost. Geron muss mit Leuten reden, Gegenstände aufsammeln und miteinander kombinieren oder sie auf seine Umgebung anwenden. Auf Minispiele, Reaktionstests oder anderen Schnickschnack wird bei 'Satinavs Ketten' verzichtet und das ist auch gut so, denn das mittelalterliche Ambiente der Spielwelt passt hervorragend zu einem ehrlichen Adventure der alten Garde.
Lediglich eine kleine Besonderheit gesellt sich zum wichtigen Inventar dazu: Geron kann nämlich ein bisschen zaubern. Nicht viel, eigentlich ist es fast lächerlich. Aber immerhin kann er mit Gedankenkraft das tun, wofür andere Jungs mindestens eine Zwille brauchen würden. Geron kann Sachen kaputt machen. Kleine Sachen. Mit einem Mausklick auf ein Symbol am Rand der Inventarleise, kann Geron seine „Gabe“ auf verschiedene Dinge seiner Umwelt anwenden. Und auch Nuri hat Magie im Blut. Allerdings tut der kleinen Elfe das Zaubern nicht gut, sodass sie nur im Notfall davon Gebrauch macht. Als Spieler kann man Nuris magische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn sich Nuri in der Nähe von Geron befindet. Wie ein Yang zu Gerons Ying ist Nuri in der Lage, kaputte Dinge wieder zusammen zu flicken. Beide Fähigkeiten werden zur Lösung einiger Rätsel benötigt.

Die Synchronisation ist gut, die Dialoge ein wenig karg. Andererseits, das ist ein Rabe mit dem Geron da klönt.

Ein bisschen schade sind die fehlenden Dialogrätsel. Die meisten Charaktere wechseln mit Geron nur soviel Worte, wie eben notwendig um die Story voran zu treiben und die nächste Aufgabe zu erläutern. Smalltalk und in die Dialoge eingearbeitete Rätsel sucht man vergebens. Im Hauptmenü kann man eine schwere und einfache Variante des Spiels auswählen. Die schwere Variante entpuppt sich dabei aber lediglich als selbes Spiel wie die einfache, in der lediglich alle Hilfsfunktionen, die auch manuell im Spiel aus und eingeschaltet werden können, zu Beginn automatisch abgeschaltet sind.

Die Rollenspielelemente werden in 'Satinavs Ketten' nicht vermisst, aber wer sich im Universum von 'DSA' nicht auskennt, der merkt auch nicht unbedingt, das er in diesem Spiel nur einen kleinen Teil einer riesigen Welt erkundet. Dafür eignen sich Adventure nicht und schon gar nicht ein so gradliniges Spiel wie dieses. Querverweise und Insiderwissen hätte den Spielfluss aber höchstwahrscheinlich auch eher gebremst als gefördert und so kann ein Unwissender die Welt von 'Satinavs Ketten' gefahrlos betreten und muss sich keine Sorgen machen irgendetwas nicht zu verstehen. Naja, komplett gefahrlos dann nun auch wieder nicht. Schließlich laufen hier Orks rum.


Satinav braucht keine Ketten um zu fesseln


Zahnfleischbluten. Kommt bei großen Orkschädeln aus Stein häufiger vor.

Damit ein Adventure Spaß macht, darf neben guten Rätseln die Story nicht zu kurz kommen. 'Satinavs Ketten' beginnt zunächst ein wenig holprig. Von Gerons Vergangenheit bekommt der Spieler zu Beginn nur bruchstückhafte Informationen serviert. Dafür reden die Charaktere ein wenig zu bedeutungsschwanger miteinander und werden in ihrer Sprache nicht deutlich genug. Sicherlich ist das insofern förderlich, als dass der Spieler Gerons Orientierungslosigkeit und Zweifel besser nachvollziehen kann, hilft aber bei der Einführung der Charaktere nicht unbedingt weiter. Durch die erste Stunde muss man sich also durchbeißen. Dafür wird man im Laufe der Geschichte aber mehr als belohnt, denn die Geschichte entwickelt langsam und kaum merklich eine hervorragende Dynamik und wird sowohl dichter als auch spannender. Obwohl Geron und Nuri nicht besonders viel miteinander reden, es sei denn die Aufgabenstellung verlangt es, spürt man deutlich eine charakterliche Veränderung der Beiden und eine Annäherung aneinander. Das passiert ohne schnulzige und klischeebehaftete Dialoge und macht die beiden Hauptfiguren glaubwürdig und sympathisch. 'Satinavs Ketten' entwickelt einen Sog der sich am ehesten mit dem Lesen eines guten Buches vergleichen lässt. Man möchte noch ein bisschen weiterspielen um zu sehen wie es weitergeht. Heutzutage schaffen das Adventures leider viel zu selten.

Nuri und Geron kommen sich näher.

Es schadet dabei natürlich auch nicht, dass 'Satinavs Ketten' unverschämt gut aussieht. Die Hintergründe strotzen vor Details und wirken wie ein verzaubertes Gemälde auf dem sich alles bewegt. Besonders beeindruckend wirkt die Kulisse einer Hafenstadt, in der im Hintergrund die Meereswellen wie ein lebendig gewordener Pinselschwung einrollen. Die Farbpalette ist stimmungsvoll, düster und realistisch, sodass man mitunter das Gefühl hat, man befände sich im Europa des 16. Jahrhunderts und nicht im fiktiven Aventurien. Die Animationen sind meist flüssig und die Charaktere schön gezeichnet. Einige Figuren werden bei einer Konversation im Close-Up gezeigt wobei man die gelungene Lippenbewegung der Redenden bewundern kann. Auch die Synchronisation fällt bei 'Satinavs Ketten' positiv auf, wenn man einmal darüber weg ist, dass Geron sich die Stimme mit Tarzan von TKKG teilt. Lediglich die kurzen Zwischensequenzen, die Gerons und Nuris Reise zwischen den einzelnen Schauplätzen zusammenfasst, können nicht überzeugen, weil der Erzähler derart gelangweilt klingt, dass auch trotz bezaubernder Grafik keine echte Stimmung aufkommen will.


Kleinere und größere Kinderkrankheiten in der Betaversion


Bei der uns vorliegende Betaversion hakte es noch an einigen Ecken und Enden. Teilweise mussten einzelne Abschnitte noch einmal gespielt werden, weil ein Ereignis fälschlicherweise nicht getriggert wurde. Außerdem beendet sich das Spiel gerne unangekündigt selbst. Da kommt aber die gute Autosave-Funktion zum Einsatz, welche trotz dieser ärgerlichen Abbrüche meistens erlaubt genau da weiter zu spielen, wo das Spiel sich aufgehängt hat. Auch in der Spiellogik stimmt manchmal etwas nicht. Mal begrüßt Geron einen ihm unbekannten Charakter mit einem Satz der erst zu einem viel späteren Zeitpunkt des Geschehens Sinn macht. Mal stimmen die Hintergründe in den Close-Up Gesprächen nicht mit dem Background aus der Totale überein. Auch die Performance des Spiels ist mitunter sehr langsam. Nach Angaben von 'Daedalic' sind die Geschwindigkeitsprobleme aber bereits behoben. Auch die anderen größeren und kleineren Macken sind dann im fertigen Produkt hoffentlich ausgemerzt.


Galerien

Fazit:

Wertung: Sehr gut

'Satinavs Ketten' ist, abgesehen von den erwähnten technischen Problemen, ein sehr gutes Spiel, das seinen Reiz langsam entfaltet, den Spieler aber dann nicht mehr loslässt. Das liegt an den fairen, gut in die Story integrierten Rätsel, den interessanten Charakteren und vor allem daran, dass die anfangs noch etwas nebulöse Story mit fortschreitendem Spielverlauf immer spannender wird. Die Rätsel könnten manchmal noch etwas verschachtelter und fordernder sein, sind aber insgesamt gut durchdacht und machen Spaß. Daedalics Adaption von 'DSA' als klassisches Grafikadventure ist ein Erfolg und lässt sich am ehesten mit ihrem Titel 'The Whispered World' vergleichen, insofern als das es vom Grundton eher besonnener und melancholischer anmutet als die schrägen und bunten Spiele á la 'Harvey'. Freunde des Adventure-Genres können sich auf einen neuen großen Titel freuen.

geschrieben am 20.03.12, Hendrik Busse

Systemanforderungen Weitere Links

Windows XP/Vista/7
2,5 GHz Single-Core-Prozessor od. 2 GHz Dual-Core-Prozessor
2 GB Arbeitsspeicher (2,5 GB für Windows Vista/7)
OpenGL2.0-kompatible Grafikkarte mit 512 MB RAM (Shared-Memory wird nicht empfohlen)
DirectX9.0c-kompatible Soundkarte
5 GB freier Festplattenspeicher
DVD-Laufwerk
Maus (Maus mit dritter Maustaste und Scroll-Rad empfohlen)
Offizielle Homepage
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