Previews: Primordia:

Primordia


Wo ein Retro-Adventure, da ist Wadjet Eye Games nicht weit. Nun... oft jedenfalls. Im Fall von 'Primordia' trifft dieser Spruch tatsächlich ins Schwarze. Allerdings fungiert dieses Team diesmal lediglich als Publisher. Ob das am 5. Dezember erscheinende Sci-Fi-Spiel trotzdem auf Eurer Watchliste stehen sollte, das könnt Ihr unserer Preview entnehmen. Diesmal führt die puzzelige Reise in eine ferne Zukunft, geprägt durch cyberpunkige Endzeit-Stimmung.



Die Menschen sind tot, lang leben die Maschinen

Zuhause bei Horatio nimmt alles seinen Anfang…

Willkommen in einer trostlos post-apokalyptischen Welt, die mit Schrottüberresten übersät ist und von mehr oder weniger funktionierenden Maschinen bevölkert wird. Die Menschheit gehört der Vergangenheit an, doch ihre posthume Spur bleibt weiterhin allgegenwärtig - seien es nun diverse Konstrukte, Bücher oder knochige Überreste. Auch Protagonist Horatio ist eine Maschine. Auf den ersten Blick gleicht er allerdings einem Menschen, charakterlich wie äußerlich. Fernab maschineller Zivilisation liegt es in seiner programmierten Natur, mit Einsamkeit Vorlieb zu nehmen und in seinem Zuhause über die eigene Freiheit und Unabhängigkeit zu wachen. Doch halt! Völlig alleine ist er natürlich nicht, hat er sich doch aus herumliegenden Roboterteilen einen fliegenden kleinen Kumpel mit Namen Crispin gebaut. Der steht ihm wortstark, rotzig und frech zur Seite.

Gleich zu Beginn der Geschichte wird die traute Lebensart allerdings gehörig auf den Kopf gestellt. Eine fremde Maschine dringt in sein Zuhause und stiehlt den lebensnotwendigen Energiekern. Nun muss Horatio alles daran setzen, rechtzeitig eine neue Energiequelle zu finden. Das zwingt ihn dazu, sich näher mit seiner Umwelt zu beschäftigen und in letzter Konsequenz auch mit sich selbst. Seine Zeit der Unabhängigkeit ist vorerst vorbei. Statt dessen wird er mehr und mehr in fremde Probleme und Konflikte verwickelt und ist erstmals auf Hilfe angewiesen.


Interessante Story mit Luft nach oben

Der Ausblick auf dem Dach von Horatios Zuhause kann sich sehen lassen

Das von den noch unbekannten Wormwood Studios entwickelte Adventure zeichnet sich neben einer interessanten Handlung, durch gut etablierte Charaktere aus. Insbesondere Horatio macht soweit einen vielschichtigen Eindruck. Während Wadjet Eye Games recht überzeugend gelungenes 'Resonance' aber vom Start weg gezielt Fragen aufwirft und ein recht hohes Tempo fährt, so schreitet 'Primordia' gemächlicher vor sich hin. Die Erzählmentalität erinnert im Ansatz an so manche Sci-Fi-Filme der 60er Jahre, wie 'The Last Man on Earth'. Wir hantieren uns bei der Suche nach einer Energiequelle langsam von Aufgabe zu Aufgabe, Ort zu Ort und erfahren daneben allmählich mehr über die Welt und die Hauptfigur. Auf den ersten Blick fühlt sich die Story vielleicht dünn an. Spätestens bei tieferer Reflexion wird deutlich, dass sie tatsächlich einiges hergeben dürfte. Die uns vorliegende Preview-Fassung deckt freilich nur zwei bis drei Stunden des fertigen Spiels ab, was laut Hersteller ein kleiner Teil sein soll. Angesichts dessen sind inhaltliche Schlussfolgerungen mit besonderer Vorsicht zu genießen.


Schöne Atmosphäre vs flache Grafik

Düstere Gänge sind keine Seltenheit

Präzisere Aussagen sind wiederum hinsichtlich der technischen Seite möglich. Der Stil der Grafik pendelt irgendwo zwischen 'Dreamweb' und 'Beneath a Steel Sky'. Einerseits wird eine atmosphärische Optik geboten, andererseits wirkt sie vor allem perspektivisch wenig überzeugend. Zahlreiche Hintergründe versuchen vergeblich räumliche Tiefe zu suggerieren, Bei 'Resonance' klappte das besser. Hinzu kommen die Animationen, die wenig zu einem besseren räumlichen Erlebnis beitragen und platt wirken. Der Endzeit-Atmosphäre tut es dennoch wenig Abbruch. Noch dazu vermag die Musik bislang zu überzeugen und die Sprecher der englischen Fassung machen einen guten Job. Auch darüber hinaus macht 'Primordia' einen positiven Eindruck. Die Point-and-Click-Steuerung funktioniert zufriedenstellend und gewohnt unkompliziert. Daneben steht uns eine Karte zur Verfügung, mittels der wir uns jederzeit binnen Sekunden an diverse Orte begeben können.


Puzzeln in der Fremde

Auch auf sonstige seltsame Bauten trifft man häufig…

Die Welt in der wir uns bewegen wirkt fremd und die Parallelen zur heutigen Gegenwart halten sich (zumindest vorerst) in Grenzen. Bei einigen Objekten ist die Funktionalität vermutlich schwer nachvollziehbar, zumal das Spiel teils mit Beschreibungen geizt (obwohl die Spielfigur nicht selten über mehr Wissen zu verfügen scheint). Der pixelige Retro-Look lässt des Öfteren unvollständige Rückschlüsse zur Beschaffenheit eines Gegenstandes zu. Diese Problematik kann zu lästigen Versuch/Irrtum Herangehensweisen führen. Ansonsten knüpft das abwechslungsreiche Rätseldesign aber gut an frühere Abenteuer von Wadjet Eye Games an und vermag angenehm zu fordern. Leichte wie komplexere Kombinationsaufgaben dürfen gelöst werden (z.B. 2-3 Objekte miteinander kombinieren, um sie mit einem weiteren Objekt in Verbindung zu bringen), Codes gefunden, Maschinen repariert und auch Dialogrätsel dürfen nicht fehlen. Auf eine Hotspots Anzeige wird wohl verzichtet werden und eine kleine Pixeljagd bleibt einem manchmal nicht erspart. Orte sollten stets besonders gründlich abgesucht werden. Tipps zu manchen Aufgaben werden beiläufig in die Kommunikation und manche Beschreibungen eingestreut.


Ein kommunikativer Sidekick

Horatio und Crispin aus nächster Nähe

Selbst Robo-Sidekick Crispin ('Beneath a Steel Sky' lässt grüßen) darf zur Lösung mancher Rätsel instrumentalisiert werden, wobei Horatio das Meiste alleine bewerkstelligt. Der Kleine kommuniziert übrigens ungefragt und frech mit seinem einsiedlerischen Schöpfer, wenn dieser für ein paar Sekunden passiv bleibt. Grundsätzlich eine nette Idee, die Dynamik ins Geschehen bringen kann. Leider ist es nicht möglich Aktionen zu setzen, während der schwebende Fratz mal wieder das Wort sucht. So wird man nicht bloß verbal gestört und muss einen Dialog dulden, sondern kann währenddessen auch nicht jene Handlung setzen, die man vielleicht gerade in diesem Moment vor hätte. Noch dazu hält sich der Witz dieses kurzen verbalen Intermezzos spätestens nach der dritten Wiederholung in einem ziemlich bescheidenen Rahmen. Kein dramatischer Kritikpunkt an der vorliegenden Kostprobe, doch auf Dauer kann es lästig werden.


Galerien

Fazit:

Wertung: Gut

'Primordia' dürfte sich aller Voraussicht nach gut in die Liste der bisherigen Veröffentlichungen von Wadjet Eye Games einordnen. Zwar trägt es noch ein paar Macken im Gepäck, zugleich offenbart es aber sehr vielversprechende Ansätze. Trotz flacher Grafik kann einen die Atmosphäre in ihren Bann ziehen – zumindest all jene, die sich mit einem Pixellook der alten Schule anfreunden können. In einigen Situationen geizt das Spiel jedoch an konkreteren Beschreibungen und erschwert damit eventuell eine logischere Herangehensweise. Andererseits wartet das Rätseldesign immer wieder mit interessanten Herausforderungen auf, was für so manche Raterei entschädigt. Auch die Handlung scheint gute Voraussetzungen für ein spannendes, ausgefallenes Adventure mitzubringen. Wenn es gelingt, das bisher gezeigte Niveau über die volle Distanz zu halten, dann ist mit einem guten Sci-Fi-Adventure zu rechnen.

geschrieben am 19.10.12, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links

Windows XP
Intel Pentium 3 @ 700 MHz / AMD Athlon @ 700 MHz Prozessor
64 MB RAM
1 GB freier Festplattenplatz
DirectX kompatible Grafikkarte mit 16 Mb
DirectX kompatible Soundkarte
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Dieses Preview gehört zu  Primordia.




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