Reviews: Demetrios - The BIG Cynical Adventure:

Demetrios - The BIG Cynical Adventure


Das humorvolle Point&Click-Adventure 'Demetrios: The BIG Cynical Adventure' stammt von einer Person, Fabrice Breton. Der Großteil ist selbst finanziert. Lediglich für den Endspurt wurde Kickstarter in Anspruch genommen, wodurch deutsche Untertitel erst möglich wurden. Bei rund 15.000 Dialogzeilen ist das nicht zu unterschätzen. Nur wenige Adventures haben mehr aufzuweisen. Als Vorbild dient dem Franzosen insbesondere die 'Baphomets Fluch'-Reihe. Es geht um einen bestohlenen Antiquitätenhändler in Paris, der bei der Suche nach der Wahrheit nicht locker lässt und zusammen mit seiner Nachbarin in eine komplizierte Angelegenheit hineinrutscht. Mehr dazu gibt es jetzt im Test.

 

Demetrios

Nächtlicher Diebstahl

Die kurze Vorgeschichte wird uns zu Beginn in Comic-Form präsentiert: Der Pariser Antiquitätenhändler Bjorn Thonen kehrt nach einer feuchtfröhlichen Nacht heim und wird bewusstlos geschlagen. Seltsamerweise fehlt später nur eine kleine Tafel mit Gravur, die zu einer merkwürdigen Vogelstatue gehört. Warum ausgerechnet dieses hässliche Ding gestohlen wurde? Immerhin ist seine Wohnung voll mit antiquierten Ramsch (und Porno-DVDs). Diese Frage lässt ihm keine Ruhe. Nicht nur deshalb, weil der notorisch erfolglose Geschäftsmann ohnehin nichts besseres zu tun hat.

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Zu Beginn und zwischen den Kapiteln gibt es kurze Comic-Sequenzen

Der Fall wird immerhin mysteriöser. Tage zuvor wurde anderswo ein Antiquitätenhändler ermordet, der in Besitz einer identischen Statue gewesen ist. Nachdem die Pariser Polizei komplett unfähig ist, nimmt er die Angelegenheit selbst in die Hand. Jedoch wäre es zu viel der Ehre, den einfältigen Bjorn als intelligenten Menschen zu bezeichnen. Vor absurden Blödheiten schreckt er nie zurück. Völlig auf sich gestellt ist er aber nicht: Seine hübsche blonde Nachbarin (von der er sich mehr erhofft) und ihre nervtötende Tochter leisten ihm immer wieder Gesellschaft.

Bald wird deutlich, dass viel auf dem Spiel steht und es längst nicht nur um Bjorns Schicksal geht. Die Spur führt nach Nogo, wo es ein geheimnisvolles Rätsel zu lösen gilt, das tief mit der Geschichte dieses fernen Landes verwurzelt ist.


Einfältiger Antiquitätenhändler auf Reisen

Für ein kleines Indie-Abenteuer ist die Geschichte jedenfalls überraschend umfangreich geraten (um die 10 Stunden Spielzeit). Gefährliche Verbrecher, ein angeblicher Schatz und ein uraltes Bauwerk... was will das Abenteurerherz mehr?

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Bjorn hat Hilfe von Sandra und ihrer nervigen Tochter

Dass 'Baphomets Fluch' diesem Point&Click-Adventure als Inspirationsquelle gedient hat, ist spürbar, obwohl die thematisierten historischen Hintergründe frei erfunden sind. Zwar sind sämtliche Story-Wendungen vorhersehbar, doch im Gegensatz zum Vorbild mit George Stobbard und Nico Collard steht bei 'Demetrios: The BIG Cynical Adventure' ohnehin primär der Humor im Zentrum, kein gepflegtes Storytelling. Fast alles und jeder wird durch den Kakao gezogen, wobei leider auch ein paar billige Stereotype bedient werden (dumme Blondine vom Land, übertrieben unfähige Polizisten...). Da unterm Strich niemand gut wegkommt, sieht man über derartige Details wahrscheinlich eher hinweg.

Anfänglich funktioniert das Konzept halbwegs gut. Im weiteren Verlauf wird immer wieder krampfhaft noch ein Schäuflein draufgelegt: Hat die Spielfigur vorher auf dem Kopierer ihr Geschäft verrichtet, tut sie später so, als würde sie den Unterschied zwischen einem Wasserspender und einer Toilette nicht mehr kennen. Aufgrund der zunehmenden Absurdität bleibt der Humor teils auf der Strecke. Mit der Zeit wirken die Charaktere zu überzeichnet und lächerlich, um sich mit ihnen anfreunden zu können. Da nahezu jeder vorwiegend durch dumme Aktionen und unverschämte Aussagen in Erscheinung tritt, bleibt am Ende nicht viel von einer individuellen Persönlichkeit übrig. Sympathieträger gibt es keine.

Schade, zumal es zwischendurch sehr wohl lustige Momente gibt, doch darauf muss man mitunter geduldig warten und einigen Blödsinn erdulden. Wer kindische Gags ablehnt, sollte so gesehen einen Bogen um 'Demetrios' machen. Tja und wer schon mit Rufus in 'Deponia' ein Problem hatte, ist hier sowieso an der falschen Adresse.

 

UPDATE 23. SEPTEMBER 2016: Ein offizielles Update wurde veröffentlicht, um den "Toilettenhumor" ausschalten zu können oder auf ein geringeres Maß zu reduzieren. Damit sind die Schwächen des Spiels zwar noch lange nicht ausgebügelt, aber es ist zumindest eine kleine Verbesserung.

 

Demetrios

 

Bunte Rätsel-Palette

Im Gegensatz dazu ist das breit gefächerte Rätseldesign gut gelungen und lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Der Schwierigkeitsgrad ist gehobener Natur, ohne übertrieben schwer zu sein. Nebst kombinatorischer Herausforderungen, die zuweilen abstraktere Denkprozesse erfordern, gibt es anders geartete Aufgaben, wie z.B. das Suchen eines Schatzes auf der Karte auf Basis von diversen verschachtelten Informationen, oder die Entzifferung einer Botschaft anhand von Symbolen. Für gewöhnlich ist das Prinzip nachvollziehbar, doch gibt es auch ein paar Aufgaben mit nicht ganz sattelfester Logik (z.B. die Reparatur einer Leiter). Die integrierte Lösungshilfe kann sich da als hilfreich erweisen. Mehr dazu später.

 

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Häufig kann Bjorn sterben oder auch eingesperrt werden, was individuell an die jeweilige Situation angepasst ist

Vergleichbar mit der 'Deponia'-Reihe gibt es viele Mini-Games, die üblicherweise einfach und fair zu bewältigen sind: Angeln, Schießübungen, Regenwurmrennen, ein Flipperautomat und weitere Aktivitäten stehen auf dem Programm. Überspringbar sind diese Aufgaben nicht. Lediglich eine Aufgabe, wo eine immer länger werdende Blinkabfolge zu reproduzieren ist, kann die Nerven strapazieren. Bei Versagen wartet der Tod, womit wir beim nächsten Stichwort gelandet wären...

Wer die Sterbemöglichkeiten in den Original-Fassung der ersten beiden Teile von 'Baphomets Fluch' gehasst hat, sollte Vorsicht walten lassen: 'Demetrios' bietet mehr als 60 Arten, das Zeitliche zu segnen oder ins Gefängnis zu wandern. Anfangs kann das lustig sein, gerade weil man oft vor die Wahl gestellt wird, etwas zu tun, wo von vornherein klar ist, dass es nicht gut enden wird. Die Konsequenzen im Spiel sind abgesehen davon leicht zu verschmerzen, da man automatisch bis unmittelbar vor dem Tod zurückversetzt wird und nicht extra speichern muss. Das Problem ist allerdings, dass die Todesarten mit der Zeit immer willkürlicher und häufiger werden und allmählich richtig zu nerven beginnen. Auch hier wäre weniger mehr gewesen.


Nette Umsetzung

Minimalistischer geht es dafür im grafischen und akustischen Bereich zu. 'Demetrios' ist keineswegs aufwändig geraten und Animationen sind in den 2D-Schauplätzen meist spärlich gesät. Bei einem Ein-Mann-Projekt kommt das nicht überraschend, insbesondere deshalb, weil es unerwartet viele Schauplätze zu erkunden gibt und die Geschichte sehr umfangreich ist. Der schlichte Comic-Stil hat durchaus Charme und die Hintergründe erinnern ein wenig an die 'Ace Attorney'-Reihe, was wohl auch an der First-Person-Grafik liegen mag. Stimmig implementiert wurden die kurzen Comic-Sequenzen zwischen den Kapiteln, die recht gut in den Fluss der Geschichte passen.

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Nicht nur die Texte wurden lokalisiert, auch die Grafik wurde an die deutsche Sprache angepasst

Trotz First-Person-Optik funktioniert 'Demetrios' wie ein normales Point&Click-Adventure, also mit Inventar und zahlreichen Interaktions- und Erkundungsmöglichkeiten. Erfreulich viele Item-Kombinationsvarianten haben einen individuellen Kommentar zur Folge, was zusätzlich Laune zum Herumprobieren bereitet. Erfahrene Genre-Fans wissen das mit Sicherheit zu schätzen. Die Inventar-Objekte sind per Mausrad bequem auswählbar oder alternativ per Mausklick auf den Rucksack im linken unteren Bildschirm-Eck, was ab und zu jedoch den Nachteil mit sich bringt, dass manche Exits ähnlich positioniert sind, weshalb man sich leicht verdrücken kann.

Das bescheidene Budget geht jedoch mit dem Fehlen einer Sprachausgabe einher. Bei rund 15.000 Dialogzeilen bedeutet das viel Lesestoff. Die Lesegeschwindigkeit kann der Spieler stets selbst bestimmen. Dialogteile bleiben immer so lange ersichtlich, bis weitergeklickt wird. Nicht nur der Text wurde auf Deutsch übersetzt, sondern auch die Hintergründe entsprechend angepasst, was für einige Pointen Sinn macht. Das komplette Spiel ist problemlos per Maus bedienbar, ohne zwischendurch zur Tastatur wechseln zu müssen. Wer lieber mit dem Gamepad spielt, kann wiederum auch das tun.


Keks für Tipp

Demetrios

Keks?

Wie bereits erwähnt, bietet bietet 'Demetrios' ein spezielles Hintsystem: an jedem Schauplatz wurden drei, vier Kekse versteckt. Wer einen solchen Snack gefunden hat, darf ihn später bei Bedarf gegen einen Rätsel-Tipp eintauschen. Eigentlich eine hervorragende Idee. Leider dauert es oft lange, ehe die Frage beantwortet wird, die einen gerade beschäftigt (zuvor bekommt man einige Dinge zu hören, die man eh schon weiß). Sind mehrere Ziele parallel zu bewältigen, besteht keine Möglichkeit zu bestimmen, auf welche Aufgabe sich der Hinweis beziehen soll. Im Benutzerinterface ist immerhin ersichtlich, wie viele Kekse an einem Ort noch unentdeckt sind, weshalb leicht abschätzbar ist, ob es Sinn macht, den Ort danach abzugrasen und es gibt deutlich mehr Kekse, als man es benötigen wird.


Galerien

Fazit:

Wertung: 72%

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein One-Man-Indie-Projekt mit einem so vielfältigen Rätseldesign aufwartet. Klar, nicht jede Herausforderung überzeugt restlos, doch die Palette ist zeitgemäß und diesen Aspekt von 'Demetrios: The BIG Cynical Adventure' mochte ich. Auch die Spieldauer ist positiv zu bewerten und der Humor für ein paar Lacher gut. Schade nur, dass die Pointen allzu oft ins übertrieben Kindische und Lächerliche abdriften und die Charaktere vorwiegend durch blöde Aktionen und Äußerungen auffallen. Auf Dauer kann das ziemlich anstrengend sein. Trotz solcher und anderer Schwachstellen fühlt sich 'Demetrios' aber tatsächlich an, wie der humorvolle kleine Bruder von 'Baphomets Fluch' und wer mit arg überzeichneten Charakteren klarkommt, der kann einen Blick darauf werfen oder die Demo-Version probieren.

geschrieben am 31.05.16, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Auch PSVita Betriebssystem: XP, 7, 8.1, 10 Prozessor: 1.5 GHz Dual Core Arbeitsspeicher: 2 GB RAM Grafik: Intel HD Graphics, Nvidia or ATI card with at least 256MB VRAM DirectX: Version 9.0c Speicherplatz: 600 MB verfügbarer Speicherplatz Soundkarte: DirectX Compatible Sound Card Informationen und Link zur Demo
Offizielle Webseite
Steam


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Dieses Review gehört zu  Demetrios - The BIG Cynical Adventure.




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Kommentare 1
Indiana
22.01.2017, 15:48

Ich habe es nun auch endlich mal spielen können und das Spiel war eine der besseren Kickstarter-Investitionen. Toll gemacht, wenn man bedenkt, wie wenig Budget dahinter steckt und dass es nur einen Entwickler gab.


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