Reviews: Detention:

Detention


Ein Horror-Abenteuer aus Asien, welches im Taiwan der 1960er-Jahre spielt? Das unverbraucht wirkende Setting von 'Detention' hat vor einigen Tagen unser Interesse geweckt. Doch was darf man sich davon erwarten? Ist es als Point&Click-Adventure zu verstehen, ein gewöhnlicher 2D-Plattformer, oder gar ein reines Puzzlespiel? Und welche Art von Horror steht auf dem Programm? Blutig und brutal? Subtil und psychologisch? Im Review erfahrt Ihr mehr über solche und andere Dinge.

Detention

'Detention' stammt von Red Candle Games. Es spielt in einer fiktiven Welt in Taiwan, lehnt sich aber an reale Begebenheiten an. Wir befinden uns in den 1960er-Jahren, also zur Zeit des Ausnahmezustands in diesem Land. Zwei Schüler erwachen im verlassenen Schulgebäude, während draußen ein schweres Unwetter tobt. Ihr erster Impuls ist es, die Heimreise anzutreten, doch dieses Vorhaben wird später von einer zerstörten Brücke unterbunden. Surreal wird es, als sie den in Rot gefärbten Fluss erspähen. Blut? Oder ist eine nahe gelegene Fabrik für dieses ekelhafte Spektakel zuständig?

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Ein verlassenes Schulgebäude steht am Anfang dieser Geschichte.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgt langsam. Allmählich gewinnt das Horror-Abenteuer an Surrealität und wird bedrückender. Nicht nur erfahren wir mehr über verschiedene Charaktere, sondern auch über die undemokratischen Verhältnisse jener Zeit, die die Spielfiguren und die Gesellschaft prägten. Geboten wird keine Geschichte, die sofort auf der Hand liegt, sondern eine mit Symbolik, die zum Nachdenken anregen soll und bei der manches Detail ohne den kulturellen Background wahrscheintlich leicht übersehen wird. Trotz fehlenden Vorwissens, sind wir damit gut genug zurechtgekommen.

 

Die Spielzeit liegt bei etwa drei Stunden. Aktuell gibt es keine deutsche Fassung, sondern lediglich englische und chinesische Texte.


Stimmungsvolle Umsetzung

Gruselfaktor, Atmosphäre und Gameplay von 'Detention' sind vergleichbar mit 'The Cat Lady', welches die Entwickler - neben 'Silent Hill' und 'Lone Survivor' - als Inspirationsquelle anführen. In visueller, wie auch in spielerischer Hinsicht, ist es deutlich runder gelungen. Die Geschichte erreicht nicht ganz das hohe Niveau des Werks von Michalski, gut ist sie allemal. Nur gegen Ende hätte man sich vielleicht mehr Zeit nehmen können.

Detention

Manuelles Speichern erfolgt bei so einem Altar.

Das Indie-Team aus Taiwan holt viel aus der seitlichen 2D-Perspektive heraus und inszeniert die Geschichte auf eine recht ästhetische Art und Weise. Zwischendurch wird die schon mal Perspektive gewechselt. Zum Beispiel bei Rätseln, wo Objekte zwecks Interaktion aus der Nähe betrachtbar sind, oder um ein narratives Detail dramaturgisch zu betonen. Gelegentlich verdichten kurz eingeblendete Motive die Atmosphäre: Augen in der Finsternis, ein von einem Sack verdeckter Kopf... die Bedeutung erschließt sich erst nach und nach. Auch das erinnert an 'The Cat Lady' oder das neue 'Downfall', die jedoch morbider und blutiger sind.

 

Was die Horrorelemente anbelangt, so werden diese nicht oft eingesetzt, aber dafür gezielt und effektiv. Selbiges gilt für Jump-Scares und dergleichen. Red Candle Games ist ein unheimliches Spiel gelungen, welches die Nerven strapazieren kann und für Horror-Neulinge dennoch aushaltbar sein sollte.


Side-Scroller oder Adventure?

Auf den ersten Blick wirkt 'Detention' nicht wie ein Point&Click-Adventure, kann jedoch problemlos als solches verstanden werden. Story, Exploration und Rätsel sind eng miteinander verwoben. Die Steuerung des Horror-Abenteuers erfolgt rein per Maus und es gibt ein Inventar. Darin finden wir zwar nie viele Objekte, doch zuweilen ist es erforderlich, einen Gegenstand mit der Umgebung zu kombinieren.

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Die Rätsel orientieren sich offensichtlich an anderen Point&Click-Adventures.

Story und Atmosphäre haben Priorität und die Rätsel geben nie das Gefühl Selbstzweck zu sein. Die abwechslungsreich Palette reicht von „kombiniere Stab, um Objekt aus einem Schacht zu holen“ Herausforderungen, bis hin zu „spiele eine eben gehörte Melodie auf dem Klavier nach“ oder man muss zum Beispiel einen Code anhand der Aufzeichnungen entschlüsseln. Der Schwierigkeitsgrad pendelt sich im leichten Bereich ein, wobei es vereinzelt knackiger werden kann.

 

Bei ungelösten Aufgaben sehen wir ein Fragezeichen aufleuchten, was für die Orientierung hilfreich ist. 'Detention' erfordert, dass die Spielfigur mehrere Stockwerke und Räumlichkeiten erkundet. Je länger das Spiel dauert, desto mehr Bereiche sind betretbar. Nicht jedes Rätsel ist gleich lösbar, was mit längeren Laufwegen einhergehen kann. Das bewegt sich im erträglichen Rahmen. Wichtig sind zuletzt auch die in der Umgebung verstreuten Notizen, die manchmal nützliche Hinweise enthalten.


Point&Stealth

Abseits typischer Point&Click-Aspekte sind Stealth-Elemente von Bedeutung: Vereinzelt ist es notwendig, geisterhaften Gestalten auszuweichen. Die in der Umgebung verstreuten Notizen liefern mitunter auch dazu Hinweise. Anfangs reicht es, die rechte Maustaste zu drücken, damit die Spielfigur die Luft anhält, während sie an einem Geist vorbei schleicht. Allerdings muss sie irgendwann Luft holen, weshalb diese Aktion halbwegs rechtzeitig erfolgen sollte. Selbst bei einem Fehler bleibt üblicherweise genug Zeit, um sich zum nächsten Ausgang vorwärts zu klicken. Momente dieser Art dienen primär dem psychologischen Horror und sind kaum als echte spielerische Herausforderung oder Geschicklichkeitsübung gedacht.

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Bei geisterhaften Gestalten ist Vorsicht geboten...

Die einzigen beiden "gefährlichen" Passagen muss man beim Ableben noch nicht einmal wiederholen, weil einem der automatische Speicherpunkt hier sehr entgegenkommt. Trotzdem ist das manuelle Speichersystem ungewohnt, denn dazu suchen wir einen von mehreren Gebetsaltären auf. 'Detention' speichert wie gesagt auch automatisch ab, doch diese Speicherstände können etwas weiter auseinanderliegen. Wer zwischendurch eine Pause einlegen möchte, tut so gesehen gut daran, die Altäre zu berücksichtigen, um nicht einige Aktionen wiederholen zu müssen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 82%

'Detention' verlässt sich nicht nur auf das historisch gefärbte Setting, sondern wartet mit einer ausgereiften Umsetzung auf, die auch in narrativer Hinsicht gut unterhalten kann. Diesen bedrückenden Horror-Trip kann man tatsächlich als Point&Click-Adventure verstehen, obwohl die Stealth-Momente für Genre-Fans ungewohnt sein dürften. Sie halten sich aber in Grenzen. Dass 'The Cat Lady' zu den Inspirationen zählt, wird früh spürbar und 'Detention' muss den Vergleich absolut nicht scheuen. Geboten wird keine Mainstream-Kost, doch wer künstlerisch verpackte, symbolträchtige Geschichten zu schätzen weiß, der ist hier an der passenden Adresse. Sehr gelungen!

geschrieben am 25.02.17, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  Detention.




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Kommentare 2
Tom Yorke
26.02.2017, 20:49

Danke für den Test. Ihr macht mich immer wieder auf neue Adventures aufmerksam.

Mikej
27.02.2017, 10:09

Tom Yorke hat geschrieben:
Danke für den Test. Ihr macht mich immer wieder auf neue Adventures aufmerksam.



Danke für das Lob :)


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