Reviews: Sandra and Woo in The Cursed Adventure:

Sandra and Woo in The Cursed Adventure


Das Erstlingswerk der deutschen Spieledesigner Feline Fuelled Games, die sich zuvor mit Mods zu Rollenspielen wie 'Dragon Age: Origins' einen Namen gemacht hatten, basiert auf dem Webcomic 'Sandra and Woo'. Dieser erscheint seit 2008 mit schöner Regelmäßigkeit, über 800 Comicstrips wurden seither veröffentlicht. Im Jahr 2013 begannen Feline Fuelled Games mit der Entwicklung des dazugehörigen Adventures. Wir haben uns angesehen, ob Sandra und ihr sprechender Waschbär den Sprung ins Adventuregenre geschafft haben und ob das Spiel hält, was es verspricht. Wir haben natürlich auch getestet, ob es für Spieler geeignet ist, die vom Webcomic noch nie etwas gehört haben.


 

 

Digitalisiere mich! Wie man in einem Computerspiel landet

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Sandra muss mitten in der Nacht ein Kostüm basteln.

Die 12-jährige Sandra North lebt mit ihrem Vater und dem sprechenden Waschbären Woo in einer Stadt irgendwo im Norden der USA. Sie geht natürlich noch zur Schule, hat bereits den ersten Freund und eine pyromanisch veranlagte beste Freundin. Dabei ist Sandra (zum Glück!) kein Klischee-Mädchen. Poster mit Sonnenuntergängen findet sie kitschig, und in ihrer Spielkiste befinden sich nicht etwa Puppen, sondern ein Zauberstab und eine Spielzeugpistole.

Die Handlung setzt in einer friedlichen Nacht ein: Sandra erwacht aus einem Albtraum, der sie daran erinnert, dass am nächsten Tag Premiere des Theaterstücks an ihrer Schule ist und sie noch kein Kostüm hat. Unsere erste Aufgabe ist es also, Sandra dabei zu helfen, ein Schwanenkostüm zu basteln und Woo, der friedlich in seinem Körbchen schläft, daran zu hindern, immer wieder das Licht auszuschalten. Klingt etwas schräg, aber soweit erst mal harmlos.

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Hier geht etwas Merkwürdiges vor.

Das ändert sich jedoch rasch: Kaum hat sich Sandra nach getaner Arbeit wieder schlafen gelegt, springt ihr Laptop an, schickt grellgrüne Suchstrahlen durchs Zimmer – und dann befinden sich Sandra und Woo urplötzlich in einer Art Strudel. Wohin sie dieser führt, erfahren wir vorerst nicht. Dafür darf uns ein Klischee-Nerd erklären, was mit den beiden Helden passiert ist: Sie wurden digitalisiert und in den Laptop hinein gesogen, genauer gesagt, in ein Spiel, das in einem Fantasy-Setting angesiedelt ist und das Sandra und Woo in der Folge ordentlich auf Trab halten wird. Gleichzeitig sucht Sandras Freund Cloud, benannt nach einer Figur aus der 'Final Fantasy'-Reihe und geübt im Umgang mit dem Katana, nach dem Mädchen. Unterstützt wird er dabei von Larisa und deren Freund Landon. Bald wird klar, dass nicht nur Sandra und Woo gerettet werden müssen, sondern dass die Welt, in der sie gelandet sind, in ernster Gefahr schwebt.

Die Story ist ganz klar eine der Stärken des Spiels, vorausgesetzt, man mag Spiele, die sich auf der Metaebene mit dem Hobby Gamen auseinandersetzen, mit Popkultur-Referenzen nur so um sich werfen und dabei auch Rollenspielelemente sowie das Fantasy-Genre als solches durch den Kakao ziehen. Es dauert eine Weile, bis die Geschichte ins Rollen kommt. Dass wir uns in den ersten beiden Stunden nur in der Realität bewegen und nach einem relativ kurzen Intermezzo in der Spielwelt wieder in die Realität wechseln, fand ich etwa nicht so gelungen, einfach, weil man aus dem Fantasy-Setting rausgerissen wird, gerade dann, wenn es anfängt, spannend zu werden. In der zweiten Spielhälfte ist das Verhältnis von Fantasy und Realität ausgewogener, was dann auch deutlich mehr Spaß macht.


Schöne Comic-Grafik trifft auf teils unterirdische Sprachausgabe

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Die Comic-Grafik glänzt mit Liebe zum Detail.

Die Grafik orientiert sich sehr stark an jener der Comicstrips, was vor allem bei Fans des Webcomics für Begeisterung sorgen dürfte. Schließlich ist der Wiedererkennungswert entsprechend hoch. Aber auch für Leute wie mich, die ich von Sandra und Woo zuvor nichts gehört hatte, funktioniert die Comic-Grafik sehr gut. Die Charaktere erinnern dabei mit ihren großen Augen oder auch ihrer Mimik mitunter an Manga-Figuren, ohne dass das gesamte Spiel gleich wie ein Manga aussieht. Die Hintergründe wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet, oft bewegt sich auch irgendwas auf dem jeweiligen Screen, und wenn es nur eine Libelle ist, die über einem kleinen Gartenteich ihre Runden dreht. Es gibt eine Fülle von Orten zu besuchen, wobei gerade die Fantasy-Welt sehr gut gelungen ist. Hier finden wir so ziemlich alles, von der belagerten Burg über eine Burgküche bis hin zur Drachenhöhle. Dazu gesellt sich ein Sammelsurium an teils schrägen Charakteren. Wir treffen unter anderem auf einen Drachen, einen Oger, einen etwas verwirrten König und eine von Krähen gemobbte Vogelscheuche. Für Abwechslung ist also nicht nur storytechnisch, sondern auch optisch gesorgt.

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Bei manchen Dialogen kann man sich die Sprachausgabe sparen.

Weniger gelungen ist die Sprachausgabe. Zumindest die deutsche Lokalisation kann mitunter richtig nervtötend sein, weil manche Sprecher ihre Texte herunterleiern, dabei gleichzeitig gewisse Silben extrem überbetonen oder schlicht und ergreifend schlecht besetzt sind. Teilweise hatte ich auch den Eindruck, dass hier Laien am Werk waren – engagierte Laien zwar, die sicher mit Freude bei der Sache waren, aber eben Laien. Wenn dann noch in derselben monotonen Tonart die immer gleichen Sprüche abgefeuert werden, um anzuzeigen, dass man einen Inventargegenstand nicht benutzen oder mit einem anderen Gegenstand kombinieren kann, dann werden die Nerven schon mal aufs Äußerste strapaziert. Speziell das Kapitel mit Cloud und Larisa am Anfang hat mich dermaßen genervt, dass ich irgendwann kurzerhand die Sprachausgabe abgedreht habe. Sprüche wie „Sowas mache ich nur bei Vollmond“ oder „Magier, einen Intelligenzbuff und ein Tischchen, bitte“ mögen zwar lustig gedacht sein, verlieren aber völlig an Witz, wenn sie uninspiriert heruntergeleiert und einem bei jeder Gelegenheit um die Ohren gedroschen werden.

Leider hört man auch, dass die beiden Jungs von Mädchen bzw. jungen Frauen gesprochen werden, die versuchen, ihre Stimme etwas zu verstellen und tiefer zu sprechen. Das nervt mit der Zeit gewaltig und ist auch unerklärlich. Man hätte doch einfach zwei Burschen im passenden Alter für die Rollen engagieren können. Das hätte dem Spiel bzw. der Qualität der Sprachausgabe wirklich gut getan. Der Witz an der Sache ist: Auch in der englischen Version haben Cloud und Landon weibliche Sprecher. Es fällt allerdings nicht so dramatisch auf. Überhaupt ist die englische Lokalisation deutlich besser gelungen. Da werden Emotionen in die Stimme gelegt, es wird nicht heruntergeleiert, die Charaktere werden insgesamt greifbarer und bleiben stimmlich besser im Gedächtnis, als das bei der deutschen Version der Fall ist.

Die deutsche Sprachausgabe „glänzt“ obendrein mit teilweise grauenhaften Besetzungen speziell bei den Nebencharakteren, dazu gesellen sich schwankende Tonqualität – man hört immer wieder ein leichtes Rauschen oder hat den Eindruck, der jeweilige Sprecher war zu nah am Mikrofon – und Lautstärke. Diese kann man zwar über das Optionsmenü regeln, teilweise übertönt die Musik dennoch die Sprachausgabe, einfach, weil manche Dialogzeilen zu leise eingespielt wurden. Stellenweise war ich von der fehlenden Qualität der gesprochenen Dialogen so genervt, dass ich entweder den Ton abgedreht oder die Dialoge weitergeklickt habe, nachdem ich sie gelesen hatte. Man kann nämlich optional Untertitel zuschalten. Die sind übrigens in der deutschen Version nicht ganz fehlerfrei, aber da kann man ja noch ein Auge zudrücken. Wer einigermaßen Englisch kann, sollte das Spiel auf Englisch angehen. Die Sprache wird bei Spielstart festgelegt und lässt sich danach nicht mehr ändern, außer, man beginnt ein neues Spiel.

Bleiben wir noch kurz beim Sound: Das Spiel wird von verschiedenen Musikstücken untermalt, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. Der starke Fokus auf elektronische Musik kann mitunter nerven, und oft passt die Musik aus dem Computer einfach nicht zur jeweiligen Szene. Daneben gibt es aber auch stimmungsvolle Stücke, die zur Atmosphäre beitragen. Auch Hintergrundgeräusche, wie plätscherndes Wasser, Vogelgezwitscher oder das Schnarchen eines Drachen tragen ihren Teil zur Soundkulisse bei.


Trial & Error, Minispiele: Das Gameplay

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Eines von mehreren Minispielen.

'Sandra and Woo' ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure und leicht zu bedienen. Wir brauchen nur unsere Maus, in manchen Minispielen auch die Tastatur. Mit Rechtsklick können wir etwas untersuchen, mit Linksklick wird interagiert. Die Leertaste zeigt uns alle verfügbaren Hotspots an, das Inventar befindet sich links oben – es genügt, den Mauszeiger in die linke obere Ecke zu bewegen und auf das Rucksacksymbol zu klicken. Alternativ lässt sich das Inventar auch mit Druck auf die Taste I oder mit Hilfe des Mausrades öffnen.

Wir steuern im Spiel insgesamt vier Charaktere: Sandra, Woo, Cloud und Larisa. Das sorgt für einiges an Abwechslung, da jede dieser Figuren anders an bestimmte Situationen herangeht. Während sich Cloud z.B. weigert, die Post der Norths zu durchsuchen, hat Larisa diesbezüglich keine Hemmungen. Das bedeutet, dass wir manche Gegenstände nur mit einer bestimmten Figur benutzen können, wobei wir nicht entscheiden können, mit wem wir gerade spielen. Das passiert automatisch.

Die Aufgaben, denen wir uns stellen müssen, sind teilweise durchaus knackig. Das liegt in erster Linie daran, dass wir oft nicht wissen, was eigentlich zu tun ist. Also probiert man alle Gegenstände im Inventar miteinander und mit allen Hotspots in der Umgebung aus, nur um per Zufall die richtige Lösung zu finden. Die erscheint einem dann auch völlig logisch, weil die Rätsel in der Regel auch logisch sind. Dies wird oft durch unkontrolliertes Einsammeln von Gegenständen überdeckt, die Rätselketten sind in sich auch nicht immer ganz geschlossen. Meistens geht es darum, die richtigen Gegenstände miteinander oder mit etwas in der Umgebung zu kombinieren – das Inventar ist unser bester Freund und für gewöhnlich randvoll mit Dingen, die wir brauchen können. Aus Gesprächen oder Bemerkungen der Charaktere ergibt sich oft ein Hinweis darauf, was als Nächstes zu tun ist. Ähnlich häufig spielt man jedoch Trial & Error. Wird ein Gegenstand nicht mehr benötigt, verschwindet er automatisch aus dem Inventar. Gegen Ende treffen wir zudem auf Rätsel, für die mehrere Lösungswege vorgesehen sind, je nachdem, was man noch im Inventar hat.

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Das Inventar ist stets gut gefüllt und unser bester Freund.

Zu den Inventarrätseln gesellen sich Minispiele. Unter anderem müssen wir Memory spielen, eine Luftpumpe betätigen, indem wir farbige Quadrate in der richtigen Reihenfolge anklicken, und wir müssen uns in den Computer hacken. Die Hacker-Minispiele kann man sich etwas erleichtern, indem man CDs einsammelt, die überall in der Spielwelt herumliegen. Diese verschaffen einem Bonuspunkte, und diese Bonuspunkte wiederum sorgen dafür, dass wir in einem Hacker-Spiel zusätzliche Plättchen haben, die wir bei Bedarf austauschen können. Es lohnt sich also, die CDs einzusammeln. Außerdem schalten sie am Ende Bonus-Minispiele frei. Ein Minispiel verneigt sich schließlich vor Tetris und kombiniert die bekannten Tetris-Steine mit einem Schieberätsel, für das man nur begrenzt Zeit hat, das man aber nach mehreren Versuchen ebenfalls überspringen kann, wenn man das möchte.


Galerien

Fazit:

Wertung: 68%

Das Erstlingswerk von Feline Fuelled Games macht vieles richtig, weist aber leider auch einige Schwächen auf. Während Story und Grafik zu überzeugen wissen, ist die deutsche Lokalisation stellenweise unerträglich schlecht, was sich maßgeblich auf den Spielspaß auswirkt. Die Geschichte kommt nur langsam ins Rollen und erfordert speziell in den ersten beiden Spielstunden viel Geduld. Mit der Zeit nimmt die Story zum Glück an Fahrt auf, auch die Charaktere wachsen einem langsam ans Herz. Man muss den Webcomic nicht zwingend kennen und lieben, um mit 'Sandra & Woo' klar zu kommen oder um die Charaktere zu mögen. Die Rätsel können durchaus frustrierend sein, weil man nicht immer Hinweise darauf bekommt, was zu tun ist. Oft führt man auch einfach Handlungen aus, ohne zu wissen, wozu das gut sein soll. Toll ist die Idee, einige Aufgaben mit unterschiedlichen Lösungswegen zu versehen, was den Wiederspielwert ebenso erhöht wie Steam-Achievements, die teilweise an Zufallshandlungen geknüpft sind – Trial & Error wird mitunter also auch belohnt. In Summe ist 'Sandra & Woo' ein nettes Spiel, das einen gut und gerne neun bis zehn Stunden beschäftigt.

geschrieben am 11.05.17, Susanne Lang-Vorhofer

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Dieses Review gehört zu  Sandra and Woo in The Cursed Adventure.




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