Reviews: Rakuen:

Rakuen


Dass die RPG-Maker-Engine auch für reine narrative Abenteuer gute Dienste erweisen kann, ist spätestens seit Kan Gaos Indie-Hit 'To the Moon' kein Geheimnis mehr. Den großartigen Soundtrack hat dort Laura Shigihara mitgeprägt, die Entwicklerin von 'Rakuen'. Mit ihrem eigenen 2D-Point&Click-Abenteuer möchte sie sich als Entwicklerin beweisen. Wie gut das gelungen ist, nehmen wir im Review unter die Lupe.

Rakuen

Entzweite Seelen

Im Herzen von 'Rakuen' stehen entzweite Beziehungen, seien diese familiärer, partnerschaftlicher oder freundschaftlicher Natur. Wir übernehmen die Rolle eines kleinen Jungen, der im Krankenhaus lebt. Warum er dort ist, wird lediglich angedeutet. Beim Erkunden erlangen wir allmählich ein besseres Verständnis für seine Situation, aber auch für die Welt um ihn herum. Bezüge zu einer nicht lange zurückliegenden Katastrophe gewinnen an Deutlichkeit. Die Besuche seiner Mutter lenken ihn von seiner Situation ab. Sie liest ihm aus Rakuen vor, seinem Lieblingsbilderbuch.

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Die Hauptfigur steht im Krankenhaus unter Beobachtung, darf aber herumspazieren

Eines Tages stellt er fest, dass die Fantasy-Welt aus dem Buch tatsächlich existiert und es magische Türen gibt, die dorthin führen. In ihm keimt neue Hoffnung auf. Morizora, der Wächter des Waldes, könnte ihm einen Wunsch erfüllen. Immerhin ist dieses Wesen dafür bekannt, Kindern zu helfen. Der Junge bittet seine Mutter, ihn bei der Reise durch Morizoras Forest zu begleiten. Ganz so einfach entpuppt sich die Sache dann doch nicht, denn um den Wächter zu wecken, soll das Kind einigen Patienten im Krankenhaus bei ihren privaten Problemen helfen.


Ein berührendes Märchen

Ein trauriges, verträumtes Mädchen, das Murmeln sammelt, die für sie reale magische Welten repräsentieren. Ein Mann mit schwerer Demenz, der sich aus irgendeinem Grund ständig heimlich davon schleicht, um etwas zu tun. Ein alter Griesgram, der mit letzter Kraft an einer kaputten Musikbox festhält. Sie alle haben etwas, oder jemanden verloren. Sie alle haben ausserdem ein Alter Ego in Morizoras Forest in Fabelwesen-Gestalt und damit kann der Junge interagieren, um mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren. Kann er ihnen helfen, sie vielleicht sogar mit ihnen wichtigen Menschen wieder zusammenbringen?

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Im Krankenhaus entdeckt der kranke Junge magische Türen, die in eine Fantasiewelt führen

Wer 'To the Moon' und 'A Bird Story' mochte, der wird sich in diesem einfühlsamen Anime-Märchen vom Laura Shigihara vermutlich rasch zuhause fühlen. 'Rakuen' ist ähnlich gut darin, eine sehr berührende Geschichte mit einfachen Mitteln zu erzählen. Deprimierende Momente werden immer wieder durch erheiternde aufgelockert. Obgleich die Anime-Grafik kindlich wirken mag, ist die zugrundeliegende Geschichte eine sehr erwachsene. In die wichtigen Charaktere und ihren Kummer kann man sich gut hineinversetzen.

Während die ersten Stunden hervorragend gelungen sind, zieht es sich im Mittelteil etwas in die Länge, da praktisch jedes persönliche Drama der anderen Patienten in dieselbe narrative Kerbe schlägt und in der Regel sehr ausführlich behandelt wird (etwa zwei Stunden pro Fall). Mehr Tempo wäre phasenweise besser gewesen. Der berührende Schlussteil ist dafür gut gelungen. In inhaltlicher Hinsicht kommt es unterm Strich nicht ganz an die emotionalen Werke von Kan Gao heran, dafür ist das Gameplay um einiges ansprechender.


Point&Click mit Rätseln und Exploration

Die meiste Zeit wird in 'Rakuen' damit verbracht, die riesige 2D-Pixel-Umgebung zu erkunden, mit vielen Personen zu sprechen, Gegenstände zu sammeln und Rätsel zu lösen. Was die Spielzeit anbelangt, so dürfte diese etwa im ambitionierten 10-Stunden-Bereich liegen. Trotz Top-Down-Rollenspiel-Look wird auf Kämpfe verzichtet. Dennoch erinnert auch die charmante Erzählweise an alte 'Zelda'-Abenteuer und dergleichen.

Rakuen

Die putzig Spielwelt ist umfangreich und lebendig

Selbst ohne Kämpfe gibt es bei diesem Fantasy-Adventure genug zu tun: Objekte sind in der richtigen Reihenfolge zu betätigen, ein Höhlenlabyrinth zu erforschen, Materialien für ein Werkzeug sammeln, Hinweise zu deuten, um Geheimgänge zu finden und vieles mehr. Viele in der Umgebung versteckte Notizen informieren uns über die Charaktere und die Welt um uns herum. Zwischendurch gibt es auch witzige Situationen, wie eine Teeparty, bei der man den passenden Tee für bestimmte Gäste herausfinden muss. Aktuelle Ziele werden übrigens im Tagebuch vermerkt, was für die Orientierung hilfreich sein kann.

 

Der Schwierigkeitsgrad ist nicht schwer, aber man muss dennoch immer wieder nachdenken. Selten gesellt sich dann doch ein Stressfaktor hinzu, zum Beispiel wenn ein unter Wasser gesetzter Schalter in einer vorgegebenen Zeit erreicht werden soll, oder es darum geht, sich an bedrohlichen Wesen vorbei zu schleichen. Weiter geht die Action nicht und tödlich enden relativ diese harmlosen Situationen ohnehin nie.


Stimmungsvolle Musik - altbackene Grafik

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Auch kleine Rätsel gibt es immer wieder

Überwindung erfordert wahrscheinlich die altbackene Pixel-Optik. Die Auflösung ist niedrig und das 4:3-Format wird auf 16:9-Monitoren automatisch in die Länge gestreckt, was aber kaum auffällt. Schade, dass den Machern nicht mehr Budget zur Verfügung stand. An Ideen mangelt es nicht. Für die schlichte Technik entschädigt dafür der schöne, melodiöse Soundtrack, der die Atmosphäre des Spiels entscheidend prägt. Zwischendurch wird sogar gesungen, denn ja, auch das spielt bei 'Rakuen' eine wesentliche Rolle. Das ist übrigens einer der wenigen Fälle, wo eine Stimme zu hören. Für gewöhnlich gibt es nämlich keine Sprachausgabe und die Texte sind auf Englisch.

Was die Steuerung anbelangt, so steht dem Spieler frei, ob er alles per Maus erledigen möchte, per Tastatur (WASD), oder per Gamepad. Man kann sogar problemlos zwischendurch wechseln, ohne etwas im Menü einstellen zu müssen. Während die Gamepad-Steuerung sich hölzern anfühlt, kamen wir mit Maus und Tastatur gut zurecht. 'Rakuen' ist also tatsächlich wie ein richtiges Point&Click-Adventure spielbar. Es gibt sogar ein jederzeit einsehbares Inventar, doch damit interagiert man für gewöhnlich nicht direkt: Hat man einen Gegenstand gefunden, den eine andere Person möchte, wird im Gespräch meist automatisch Bezug darauf genommen, und man kann entscheiden, ob man den Gegenstand überreichen möchte, oder nicht. Nur einmal ist etwas gezielt im Inventar zu benutzen. Das hätte ruhig öfter passieren können.


Galerien

Fazit:

Wertung: 80%

'Rakuen' ist ein bisschen, als würde 'Legend of Zelda' aus dem SNES die Kämpfe links liegen lassen und stattdessen mehr auf Rätsel und Dialoge setzen. Die Mischung funktioniert, trotz aus heutiger Sicht altbackenem RPG-Maker-Look. Für visuelle Defizite entschädigt die Musik, wo die Entwicklerin Laura Shigihara die meiste Erfahrung hat. Gut gelungen ist aber auch die herzerwärmende Story, obwohl wir uns im Mittelteil mehr Tempo gewünscht hätten.

Es macht Spaß, sich in der lebhaften Fantasy-Spielwelt umzusehen und mehr über die Bewohner in Erfahrung zu bringen. An kreativen Ideen mangelt es nicht und die Spielzeit ist sehr ordentlich. Wer 'To the Moon' und 'A Bird Story' zu schätzen wusste und mit zuckersüßen Dramen kein ernstes Problem hat, der ist bei 'Rakuen' mit hoher Wahrscheinlichkeit an der richtigen Adresse. Empfehlenswert.

geschrieben am 16.05.17, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  Rakuen.




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