Reviews: >observer_:

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'>observer_' ist das neue Horror-Adventure der 'Layers of Fear'-Macher und führt uns in eine düstere Cyberpunk-Zukunft. Im Zentrum steht diesmal ein Polizist, dessen investigative Wahrnehmung augmentiert wurde. Ein nächtlicher Besuch in einem Wohngebäude in den verregneten Slums von Krakau entwickelt sich bald zu einem sehr blutigen Mordfall. Die Ermittlungen werden zudem rasch persönlich. Im Review nehmen wir das Spiel aus Polen unter die Lupe.


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2084, Krakau

'>observer_' schildert eine Cyberpunk-Zukunft, die von der sogenannten Nanophage geprägt ist: Unzählige Menschen, deren Körper und Geist durch Technologie verbessert wurde, fielen einer tödlichen digitalen Plage zum Opfer. Auch ein Krieg zwischen Ost und West hat Spuren hinterlassen und letztlich zur Machtübernahme des Chiron-Konzerns in Polen geführt.

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Der Hausmeister ist einer der wenigen NPCs, mit denen wir von Angesicht zu Angesicht kommunizieren

Protagonist des Cyberpunk-Horror-Krimis ist Detective Lazarski (vertont von Rutger Hauer), ein "Beobachter" im Dienst des allmächtigen Konzerns, dessen investigative Talente für diesen Job augmentiert wurden. Durch sein Interface kann er Tatorte auf mehreren Ebenen analysieren. Sogar Hacken per Knopfdruck ist möglich, was für Codes von Terminals praktisch sein kann. Seine wichtigste Fähigkeit ist aber das Eindringen in die Erinnerungen anderer Menschen, was durch eine neurale Verlinkung passiert und mit oder ohne Einverständnis der Betroffenen.

Sein neuer Fall beginnt zunächst relativ unscheinbar mit einem nächtlichen Besuch bei seinem Sohn, mitten in den Slums von Krakau. Im Wohnhaus angekommen, stößt er bald auf eine geköpfte Leiche und ein Alarm hat die Abriegelung zur Folge. Ist sein Sohn noch am Leben? Es sieht nicht gut aus. Die Wahrnehmung des Ermittlers wird fortan zunehmend chaotischer, die Unterscheidung zwischen Realität und Einbildung immer schwieriger.


Tolles Setting, interessante Ausgangslage, aber etwas chaotische Story

Die spannende Vorgeschichte des First-Person-Abenteuers sorgt für einen gelungenen Auftakt und die Spielwelt präsentiert sich ungemein atmosphärisch. Beim ersten Vorfall hat man ausreichend Zeit, um den Tatort zu untersuchen und Informationen zu sammeln. Computer lassen sich durchstöbern, das Blut der Leiche per Tastendruck analysieren, wie auch Kratzspuren und andere Details. Noch dazu gilt es einen geheimen Code herauszufinden, dessen Lösung uns ein Gegenstand im Raum verrät.

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Manche Terminals sind komplett hackbar, bei anderen muss man Teile des Codes selbst herausfinden

Während wir im Zuge der weiteren Ermittlungen von einer Haustür zur nächsten wandern, oder den Portier befragen, mehren sich die surrealen Vorfälle. Die sehr häufigen Horror-Einlagen lenken dabei zeitweise vom Hauptgeschehen ab. Will man in Ruhe ermitteln und sich auf die Handlung konzentrieren, wird man prompt ins nächste Horror-Szenario gedrängt und irrt von einem abgedrehten Raum zum nächsten, gepaart mit schnellen Zeit- und Ortswechseln.

Anfangs ist das sehr spannend und visuell eindrucksvoll, mit der Zeit nutzt sich das Konzept ab - insbesondere dann, wenn man 'Layers of Fear' kennt, das auf sehr ähnliche Horror-Elemente zurückgreift (die Mischung klappt dort aber harmonischer). Noch dazu ziehen sich einige dieser Sequenzen unnötig in die Länge. Die Story hat viel Potenzial, könnte unterm Strich aber mehr Fokus vertragen. Wenigstens zwei verschiedene Enden gibt es und die Spielzeit bewegt sich im Bereich um acht Stunden herum.


Weit mehr als ein Walking-Simulator

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Verschiedene Sichtmodi machen uns andere Informationen zugänglich

Bloober Team zeigt sich bemüht, '>observer_' mit echten interaktiven Elementen zu versorgen. Das Gameplay ist anspruchsvoller als jenes von 'Layers of Fear' und bietet mehr Rätsel sowie Schleicheinlagen zwischendurch. Zudem kann man beim Untersuchen von Tatorten beliebig zwischen verschiedenen Sichtmodi wechseln, wobei der eine geeignet ist, um Blutspuren und dergleichen visuell hervorzuheben und der andere sich auf Geräte und sonstige Hinweise konzentriert. Auch ein Nachtsichtmodus steht uns zur Verfügung und Details können gescannt werden, was vereinzelt neue Hinweise bringt.

Im Gesprächen mit NPCs gibt es für gewöhnlich zwei, drei Gesprächsoptionen - wobei der Spielraum diesbezüglich sich in Grenzen hält. Viele dieser Unterhaltungen werden über Terminals vor verschlossener Tür geführt, die es an fast jeder Wohnungstür im Gebäude gibt. Nur zu wenigen Personen hat man direkten Kontakt, was im narrativen Kontext freilich Sinn macht. Hier gibt es sogar kurze optionale Gespräche, die nicht essentiell für die Haupthandlung sind, aber unterhaltsam sein können.


Lange Laufwege, Rätsel und Monster

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In den Horror-Sequenzen ist Sterben möglich und Schleicheinlagen sind mitunter erforderlich

Im verwinkelten Gebäude und anderen surrealen Schauplätzen verliert man leicht die Übersicht. Das mag für die Horror-Wirkung förderlich sein, doch wenn man oft zwischen diversen Stockwerken hin- und her wechseln muss, ist das nicht immer ideal. Ähnlich wie im letzten Horror-Projekt der Spieleschmiede, muss man sich hin und wieder vor einem Monster in Acht nehmen. In solchen Situationen ist man gut beraten, geduckt und außer Sichtweite zu bleiben. Zum Beispiel in einer Szene, bei der es darum geht, einige Geräte in einem Raum zu aktivieren, während so eine Kreatur herumschleicht.

Davon abgesehen bietet '>observer_' viele kleine Rätseleinlagen, die abwechslungsreich sein können und bei denen es längst nicht nur darum geht, Codes herauszufinden. Einiges läuft darauf hinaus, dass wir relevante Hinweise in der Umgebung finden, zum Beispiel, um in einem Labyrinth die richtigen Ausgänge zu erwischen und gewisse Cues richtig zu deuten. Ein Inventar fehlt, aber teilweise kann man Gegenstände nehmen und mit anderen Hotspots benutzen. Zuweilen kommt es auch darauf an, den richtigen Sichtmodus auszuwählen, um einem surrealen Szenario erfolgreich zu entkommen.

 

Gespeichert wird übrigens automatisch, aber dafür sehr häufig. Noch dazu ist ersichtlich, wie lange der letzte Speichervorgang zurückliegt.


Visuell klasse mit guter Spielzeit

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Die Horror-Momente bringen visuelle Abwechslung mit und liefern uns zusätzliche Informationen

Acht Stunden Spielzeit sind bei '>observer_' in etwa einzuplanen, was wenig Grund zur Klage bietet. Manche Abschnitte hätten dennoch ruhig kürzer sein können und mehr auf den Punkt gebracht. Die 3D-Grafik ist dafür ähnlich überzeugend, wie schon jene von 'Layers of Fear'. Angepasst wurde sie selbstverständlich an das digital geprägte Cyberpunk-Setting. Interessanterweise wird die Sicht im Spiel nach einer Weile immer pixeliger, wenn wir lange auf das Einnehmen von Medikamenten verzichten. Die braucht unser Detektiv, um eine Desynchronisation zu vermeiden. Auch das trägt positiv zur Immersion bei.

 

Bloober Team erweist sich zudem als geschickt darin, mit Effekten und Musik die bedrohliche Stimmung zu intensivieren. Wenn es nicht visuelle Reize und investigative Entdeckungen sind, die unsere Laufwege beeinflussen, dann erfüllen klug eingesetzte Geräusche diese Aufgabe. Auch die englische Vertonung geht absolut in Ordnung: Mit Rutger Hauer - als Detective Lazarski - gibt es sogar einen routinierten Star mit sehr viel Hollywood-Erfahrung. Leider bleibt seine Figur sehr an der Oberfläche kleben, was aber v.a. den Autoren zuzuschreiben ist. Eine schriftliche deutsche Übersetzung gibt es.


Galerien

Fazit:

Wertung: 74%

Wer sich ein 'Layers of Fear'-artiges Adventure mit Cyberpunk-Setting und interessanterem Gameplay erhofft, der liegt mit '>Observer_' nicht falsch. Der Horror ist ähnlich gestrickt, die etwas verwirrende Story hat unterhaltsame Momente und die technische Umsetzung ist gewohnt stark. Allerdings ziehen sich die zahlreichen Horror-Passagen streckenweise in die Länge und verwässern das Storytelling. Auch die Laufwege werden nicht jedem zusagen und Sterben ist an einigen Stellen möglich. Die PS4-Fassung hatte zum Testzeitpunkt auch zwei, drei Bugs, die nur mit einem Neustart vom letzten Speicherstand zu überwinden waren. Dennoch wird hier in Summe ein recht spannendes Spielerlebnis geboten, das Horror-Fans gefallen könnte.

geschrieben am 27.08.17, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  >observer_.




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Kommentare 1
Amberl
27.08.2017, 13:03

Übrigens gibt es bei Gameware auch eine Limited Edition Box für den PC, die offiziell nur in Polen veröffentlicht wurde (27,99€) http://www.gameware.at/info/spaces/game ... 3Aobserver


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