Reviews: Bear With Me:

Bear With Me


Ursprünglich hätte es zu 'Bear With Me' fünf Episoden geben sollen. Diesen Plan hat Exordium Games im Zuge der Entwicklung aufgegeben und so ist die Staffel des schwarzweißen 2D-Noir-Adventures nach drei Episoden tatsächlich komplett. Im Zentrum der plüschigen Krimi-Geschichte steht das junge Mädchen Amber, die gemeinsam mit Teddy Ted I. Bear in Paper City ihren vermissten Bruder Flint sucht. Die Stadt befindet sich jedoch im Ausnahmezustand.

 

Im Review betrachten wir das komplette Abenteuer und versuchen Spoiler wie gewohnt zu vermeiden. Die Wertung am Ende unseres Tests bezieht sich auf sämtliche Episoden.

Bear With Me

Der letzte Fall...

Zu Beginn der ersten Episode erwacht die erst zehnjährige Amber aus einem Albtraum und findet sich in ihrem Zimmer wieder. Unsanft geweckt wurde sie von einem ihrer Spielzeuge: Die gebrechliche Giraffe Millie warnt sie vor einem Mann in Rot, der damit begonnen hat, Paper City in Brand zu stecken und der selbst vor Mord nicht zurückschreckt. Die Stadt befindet sich deshalb im Ausnahmezustand. Niemand darf hinein, niemand hinaus. Und es kommt noch schlimmer, denn aus irgendeinem Grund interessiert sich diese finstere Gestalt vor allem für die kleine Amber und dürfte beim Verschwinden ihres Bruders Flint eine Rolle spielen.

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Die Geschichte wird manchmal durch solche Sequenzen vorangetrieben

Das junge Mädchen will den Ereignissen auf den Grund gehen. Allein wäre das viel zu riskant, weshalb sie widerwillig auf die Hilfe des routinierten Privatschnüfflers Teddy Ted. I. Bär spekuliert. Leichter gesagt, als getan. Mit dem alten Brummbär ging sie nicht im Guten auseinander. Noch dazu wiegt er sich im Ruhestand und will in seinem Büro, genauer gesagt im Kleiderschrank des Kinderzimmers, lieber ungestört seinen Fruchtsaft genießen. Trotzdem erkennt er den Ernst der Lage. Er willigt ein, wohl wissend, dass letzte Fälle selten gut für einen Detektiv im Ruhestand ausgehen.

 

Beide Spielfiguren sind in 'Bear With Me' spielbar und begleiten uns fortan durch das schwarzweiße 2D-Noir-Abenteuer.


Gangster-Hai, Polizeihunde und ein Schwein als Bürgermeister

In den ersten Stunden machen wir uns ein Bild davon, wer in Paper City das Sagen hat: Ein Hai zieht im Untergrund die Fäden und sowohl im Bürgermeisteramt, als auch bei der Polizei, dürfte Korruption kein Fremdword zu sein. Bei einer Hommage an diverse Noir-Streifen ist das wenig verwunderlich. Am Wichtigsten ist jedoch Amber selbst und 'Bear With Me' macht von Anfang an keinen Hehl daraus, dass wir uns nicht in einer realen Welt befinden. Die zentrale Frage ist wohl aber, was es mit der Suche nach dem Bruder auf sich hat? Eine Antwort darauf bekommen wir im Finale präsentiert, nach in Summe etwa sechs Stunden Spielzeit.

Bear With Me

Der Bürgermeister ist ein Schwein

Zwar ist das Abenteuer reich an Humor und Anspielungen. Jedoch stellten wir uns beim Testen des Öfteren die Frage, wie gut denn diese Noir-Fantasiewelt zu einem so jungen Kind passen kann. Für uns war das nicht wirklich stimmig. Grusel-Momente treten ansonsten rasch in den Hintergrund und die paar, die es gibt, harmonieren weder besonders gut mit dem eigentlich ziemlich humorbetonten Grundton der Geschichte, noch sind sie unheimlich. Wem Grusel-Momente wichtig sind, der ist wahrscheinlich mit Adventures wie 'The Cat Lady', oder auch 'Fran Bow' deutlich besser bedient.


Klassische Point&Click-Kost

Der markante visuelle Stil der 2D-Schwarzweiß-Grafik wird konsequent bis zum Ende durchgezogen und trägt zu einer interessanten Stimmung bei. Zwischendurch gibt es immer wieder nette Zwischensequenzen, die die Handlung in Comic-Bildern rekapitulieren, oder auch vorantreiben. Zufriedenstellend ist auch die hauptsächlich recht gut gelungene englische Sprachausgabe, wobei deutsche Untertitel zur Auswahl stehen.

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Das Rätseldesign ist nicht immer rund, erreicht aber in Episode 3 ein recht gutes Niveau

In spielerischer Hinsicht wird gewohnte Genre-Kost geboten: Objekte können betrachtet, teilweise benutzt werden und es gibt ein Inventar für kombinatorische Experimente. Nur in Episode drei kann es knackiger werden (hier haben sich die Entwickler deutlich mehr einfallen lassen, was sich positiv auswirkt). Davon abgesehen bleibt es überwiegend einfach, zumal die paar im Inventar verfügbaren Gegenstände die Lösung nicht selten gleich vermuten lassen. Ein Problem, das viele klassische Adventures teilen.

 

Wie gewohnt wird via Maus gesteuert und es gibt automatische, wie auch manuell wählbare Speicherpunkte. Bei der Suche nach Hotspots kann man sich mit der optionalen Hotspot-Anzeige behelfen. Positiv ist darüber hinaus, dass zahlreiche Objekte in der Umgebung betrachtbar sind und oft mit netten Bemerkungen versehen wurden.


Mängel im Bereich Feedback und Übersichtskarte

Suboptimal ist die unübersichtlich designte In-Game-Karte von Paper City, die den Zweck hat, mehrere Schauplätze direkt erreichbar zu machen. Leider stechen diese Orte oft nicht gleich ins Auge und man muss die Karte absuchen. Ab und zu geizt 'Bear With Me' auch mit für die Knobelei nützlichen Hinweisen und nur selten erweist sich eine Nebenfigur als informativ. Eine positive Ausnahme ist in Episode zwei zu finden, die für einen der amüsantesten Momente sorgt.

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Manchmal würde man sich mehr Feedback wünschen

Wer einen Gegenstand erhalten, aber nicht aufgepasst hat, was damit zu tun ist, der hat später unter Umständen Pech gehabt, da das Inventar diesbezüglich nicht immer informativ ist. Etwas störend fällt zudem auf, dass einzelne Aufgaben lösbar sind, ohne wichtige Zwischenschritte zu berücksichtigen. Wenn Amber eine Zahl notiert, über die sie noch nicht Bescheid weiß, ist das für die Immersion störend. Generell hätte es sich angeboten, dass Amber und Ted häufiger über den Stand der Ermittlungen miteinander plaudern. Das Duo hat zwischendurch leider kaum Gesprächsstoff.

 

In Episode drei wirken die Rätsel unterm Strich aber viel runder und sind deutlich komplexer aufgebaut. Auf dieser spielerischen Weiterentwicklung können die Entwickler von Exordium Games zweifellos aufbauen.


Langsames Tempo

Bear With Me

Doppelklick ist möglich, um schnell zum nächsten Schauplatz zu gelangen, doch die Laufwege sind ansonsten zäh

Auffällig ist das träge Tempo, was sowohl an eher ausschweifenden Texten liegen mag, wie auch am langsamen Gehtempo beider Hauptfiguren. Das Indie-Studio aus Zagreb neigt ein bisschen dazu, in lange Dialoge und Monologe zu verfallen, die zwar für gewöhnlich ein buntes Sammelsurium an Einfällen sind, aber letztlich viel Zeit benötigen, um auf den Punkt zu kommen. Dabei geht der Humor zuweilen verloren.

 

Obwohl die Erzählung im finalen Kapitel an Fahrt gewinnt, gilt dieser Kritikpunkt auch dort. Zudem ist in diesem Abschnitt spürbar, dass nicht von Anfang an geplant war, die Geschichte in nur drei Episoden zu erzählen. Ein paar Abläufe wirken in der ersten Hälfte der letzten Episode etwas gerafft. Vom Umfang her ist diese aber deutlich über die anderen zu stellen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 65%

'Bear With Me' ist reich an Einfällen und witzigen Anspielungen. Leider sind die ausschweifenden Texte selten knackig auf den Punkt gebracht und an manchen Orten verbringt man rund eine halbe Minute damit, der Spielfigur dabei zuzusehen, wie sie gemütlich von einem Bereich des Bildschirms zum anderen spaziert. Die Geschichte an sich hätte definitiv ihren Reiz, obgleich die Mischung aus Noir, kindlicher Fantasiewelt und kleinen Horrormomenten gewöhnungsbedürftig sein kann und die Noir-Anspielungen wenigstens für mich nicht zu einem Kind in diesem Alter passen wollen. 'Bear With Me' ist dennoch ein nettes Adventure für Zwischendurch, das gerade im narrativen Bereich allerdings noch ausbaufähig ist. Im spielerischen Bereich steigert sich die letzte Episode ordentlich und zeigt, dass das kroatische Indie-Studio im Adventure-Genre gut aufgehoben ist.

geschrieben am 05.10.17, Matthias Glanznig

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