Reviews: Thaumistry: In Charm's Way:

Thaumistry


Anfang des Jahres startete Infocom-Legende Bob Bates einen Kickstarter, mit dem ein klassisches Textadventure finanziert werden sollte. Im Laufe der Kampagne kamen über 35.000 $ zusammen und 'Thaumistry: In Charm's Way' konnte entstehen. Nun ist das Spiel verfügbar und wir haben uns für einen Test aufgemacht in eine Welt voller Magie und seltsamer Erfindungen. Ob Textadventures auch heute Spaß machen können, verraten wir Euch hier.



Eric, der Erfolglose

Thaumistry

Wir lernen Zaubersprüche - Fußnoten geben weitere Informationen - Zum Teil mit Links zu Wikipedia

In 'Thaumistry' steuern wir den erfolglosen Erfinder Eric, den wir in seiner kleinen Erfinderwerkstatt finden. Hier arbeitet er an einem bahnbrechenden Laser, doch so richtig will seine Erfindung nicht laufen. Die Einrichtungsleitung, die seine Arbeiten finanziert, setzt ihm daher eine Deadline: Nur noch einen Tag hat Eric Zeit, seinen Laser zum Laufen zu bringen. Gelingt es ihm nicht, setzt man ihn vor die Tür.

Zur Unterstützung schickt man ihm einen Assistenten. Eigentlich sollten gleich mehrere Bewerber zur Auswahl antreten, doch vor Erics Tür steht lediglich eine Person, Jack. Dieser stellt sich als Bodger, ein Mensch mit magischen Fähigkeiten, vor und eröffnet Eric, dass auch er ein Bodger sein soll. Eric, der bislang nichts von seinen Fähigkeiten ahnte, staunt nicht schlecht, als er von Jack ein paar Zaubersprüch lernt, die er sogleich ausprobieren kann. Und tatsächlich: Eric kann zaubern!

Begeistert von seinen neuen Fähigkeiten erfährt Eric von Jack, dass alle Bodger in Gefahr schweben. Heute wird eine große Erfindermesse eröffnet, auf der am Abend verschiedene Geräte präsentiert werden sollen. Eines davon soll Magie sichtbar machen und verhindern können. Das Geheimnis der Bodger wäre damit enttarnt und alle Wesen mit magischen Fähigkeiten wären in Lebensgefahr. Eric ist als Erfinder der perfekte Kandidat, die Gefahr zu bannen. Im Gegenzug will Jack Eric bei seinem Problem mit dem Laser helfen.


Spielbares Buch mit Komfortfunktionen

Thaumistry

Man darf keine Angst vor viel Text haben.

Wer noch nie ein Textadventure gespielt hat, denkt ansich des vielen Textes auf den Screenshots vielleicht, dass es sich dabei um eine langweilige Sache handelt. Schließlich kommt 'Thaumistry' gänzlich ohne die "modernen Errungenschaften" wie Grafik, Sound oder Maussteuerung aus. Um voranzukommen, reicht die Tastatur. Doch langweilig ist 'Thaumistry' wirklich nicht, gute Englischkenntnisse vorausgesetzt.

Die Geschichte um Eric, Jack und die Erfindungen weiß durchaus zu fesseln und kann mit einigen humoristischen Situationen punkten. Nicht zuletzt tragen die kruden Erfindungen, die auf der Messe ausgestellt werden, dazu bei. Nicht weniger schräg sind die Charaktere, unter denen sich auch einige Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne finden und natürlich die Zaubersprüche, mit denen Eric allerhand Unsinn anstellen kann. Leider finden sich auch ein paar Ungereimtheiten in der Geschichte, diese stören jedoch kaum.

Als Komfortfunktion gibt es eine atomatisch erstellte Karte, die man einblenden lassen kann und die tatsächlich als Grafik vorliegt. Somit muss man nicht mehr selbst mitzeichnen, wie es bei den ersten Textadventures war. Leider kann man im Spiel nicht weitermachen, solange das Kartenfenster geöffnet ist, was bei großen Monitoren vom Platz her durchaus möglich gewesen wäre. Ebenfalls schade ist, dass die aktuelle Position von Eric nicht auf der Karte angezeigt wird.

Eine weitere Komfortfunktion richtet sich an Maus-Nutzer: Am oberen Bildschirmrand werden die verfügbaren Ausgänge aus dem aktuellen Raum angezeigt, ebenso gibt es einen Eintrag für das Inventar oder das Menü. Durch einen Klick auf diese Einträge läuft Eric entweder in die Richtung oder es wird das Inventar als Text ausgegeben. Schneller geht es über die Tastatur, denn die Richtungen können mit einem einzelnen Buchstaben abgekürzt werden, "W" steht beispielswiese für Westen. Über die Taste "I" wird ebenfalls das Inventar ausgegeben. Somit wird die Maus tatsächlich nur für die Steuerung im Menü selbst benötigt, alles andere geht schneller und besser per Tastatur. Auch andere Befehle können abgekürzt werden, per "X" beispielsweise untersuchen wir Objekte (Examine).


Rätseln durch New York

Thaumistry

Die Karte hilft bei der Orientierung

Im Laufe der rund 10 Stunden, die wir in 'Thaumistry' unterwegs sind, bereisen wir einige Orte in New York. Neben dem Museum mit der Erfindermesse geht es beispielsweise zur Börse oder in den Zoo. Die Nebenschauplätze sind oft nur wenige Räume groß, die meiste Zeit verbringen wir also im Museum. Dabei steigt der Schwierigkeitsgrad gemächlich an. Während es zunächst darum geht, sich in die Steuerung einzufinden, stellt uns das Spiel bald vor knackigere Aufgaben, die mitunter in einer bestimmten Zeit erledigt werden müssen.

'Thaumistry' zählt die Runden. Jede Befehlseingabe entspricht einer Runde, die eine Minute Spielzeit ablaufen lässt. Habe ich in einer Szene also fünf Minuten Zeit, bleiben mir für das Rätsel maximal fünf Eingaben. Das setzt den Spieler nicht unter Stress, da man sich zwischen den Befehlen beliebig viel Zeit lassen kann und uns zumindest im Test keine Dead-Ends aufgefallen sind. Schaffen wir die Lösung nicht in der vorgesehenen Zeit, können wir es direkt im Anschluss erneut probieren.

Sollten wir einmal wirklich festhängen, helfen Kommandos wie "THINK", das nocheinmal den aktuellen Stand der Geschichte zusammenfasst oder "HINT", mit dem wir in den Hilfebereich des Spiels gelangen. Hier erhalten wir eine gestaffelte Hilfe vom kleinen Hinweis bis zur komletten Lösung.


Galerien

Fazit:

Wertung: 74%

Auch im Jahre 2017 - rund 30 Jahre nach der Blütezeit des Genres - gelingt es Bob Bates mit 'Thaumistry: In Charm's Way', ein modern wirkendes Text-Adventure abzuliefern, in das man sich schnell einfindet. Wichtig sind in jedem Fall gute Englischkenntnisse und man sollte sich natürlich nicht von viel Text abschrecken lassen. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine motivierende und oft auch durchaus humorvolle Geschichte geliefert. Im Vergleich zu klassichen Textadventures gibt es einige Verbesserungen im Spielkomfort, so weit wie bei 'Code 7' gehen die Entwickler in der Bedienung jedoch nicht.

geschrieben am 16.10.17, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Projektseite bei Kickstarter
Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  Thaumistry: In Charm's Way.




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Kommentare 4
mikawa
18.11.2017, 11:02

Hm, für mich ist das Spiel ganz klar ein Fall für eine 90er Wertung. Die 74 Punkte sind wohl dem Umstand geschuldet, dass man dem Spiel Abzüge für fehlende Grafiken gibt. Die braucht es aber bei einem Textadventure nicht. Und "modern wirken" muss es auch nicht. Ein Buch wirkt ja auch nicht "modern". Bekommt es dafür weniger Punkte als der dazugehörende Film? Meiner Ansicht nach nicht, denn in der Mehrzahl der Fälle erweist sich das Buch als tiefbegehender, fesselnder und ansprechender als das verfilmte Pendant. Schade, dass Textadventures immer noch schlechter bewertet werden als Grafikadventures. Beide Genres sind schlecht vergleichbar. Vielleicht ist es eine Frage des Standpunkts und der Offenheit, sich mal auf etwas anderes einzulassen. Soweit meine Meinung, viele Grüße

Albaster
18.11.2017, 13:00

mikawa hat geschrieben:
Hm, für mich ist das Spiel ganz klar ein Fall für eine 90er Wertung. Die 74 Punkte sind wohl dem Umstand geschuldet, dass man dem Spiel Abzüge für fehlende Grafiken gibt.

Natürlich sind die Spieler absolut konditioniert, was Grafik im Gaming betrifft, dennoch sind Tests auch immer sehr subjektiv. Ich weiß jetzt nicht ob hier im Corner die Spiele mehrere Testerwertungen als Schnitt bekommen, wie auch immer halte ich ein Wertungssystem mit Punkten für überholt.

Was Textadventures betreffen, feiern die ja ein kleines Comeback, Stories Untold
https://superlevel.de/spiele/stories-un ... t-bedacht/
z.B. hat doch für etwas mehr Aufmerksamkeit gesorgt. Besonders im Mobile Gaming sind sie wohl sehr populär, wobei das ja meist diese Multiple Choice Adventures sind, in denen man halt Auswahlmöglichkeiten hat. Wobei dort ja eigentlich eine schriftstellerische Qualität mehr vom nutzen wäre als in den "echten" Textadventures. Ich glaube das Bates in diesem Bereich mit einem Mobil-Titel und seinen Namen und Schreibstil vielleicht mehr kommerziellen Erfolg gehabt hätte, aber er hat halt Bock auf ein TA gehabt und das ist gut so.

@mikawa
wenn du interesse hast kannst du gerne mal hier
viewtopic.php?f=24&t=21264
reinschauen und ein wenig schmökern, ist ein Hobby-Projekt. Mal schauen wie es sich entwickelt, bislang komme ich gut voran. :)

Auch noch mal eine Frage hat das Corner-Team: Gibt es noch einen Nachgang von der Adventure X-Messe? Gab es dort einen nennenswerten Bereich um die Interactive-Fiction Szene?

Mikej
18.11.2017, 14:19

Albaster hat geschrieben:
Auch noch mal eine Frage hat das Corner-Team: Gibt es noch einen Nachgang von der Adventure X-Messe? Gab es dort einen nennenswerten Bereich um die Interactive-Fiction Szene?


Dazu folgt später noch was. Bin noch nicht zum Video-Interview-Schneiden gekommen.

Im Text-Adventure-Bereich gab es jedoch kaum was Neues. Selbst das nächste Spiel von Inkle wird deutlich visueller und aufwändiger werden, als Sorcery oder 80 days.

Indiana
18.11.2017, 16:29

mikawa hat geschrieben:
Hm, für mich ist das Spiel ganz klar ein Fall für eine 90er Wertung. Die 74 Punkte sind wohl dem Umstand geschuldet, dass man dem Spiel Abzüge für fehlende Grafiken gibt. Die braucht es aber bei einem Textadventure nicht. Und "modern wirken" muss es auch nicht. Ein Buch wirkt ja auch nicht "modern". Bekommt es dafür weniger Punkte als der dazugehörende Film? Meiner Ansicht nach nicht, denn in der Mehrzahl der Fälle erweist sich das Buch als tiefbegehender, fesselnder und ansprechender als das verfilmte Pendant. Schade, dass Textadventures immer noch schlechter bewertet werden als Grafikadventures. Beide Genres sind schlecht vergleichbar. Vielleicht ist es eine Frage des Standpunkts und der Offenheit, sich mal auf etwas anderes einzulassen. Soweit meine Meinung, viele Grüße

Die Kritik möchte ich so nicht stehen lassen. Natürlich ist die Wertung nicht dem Umstand geschuldet, dass es keine Grafik gibt. Warum sollte man die in einem Textadventure erwarten? Zum nächsten Kritikpunkt, dass es nicht "modern" wirken muss, zitiere ich hier mal direkt aus dem Test:
Quote:
gelingt es Bob Bates mit 'Thaumistry: In Charm's Way', ein modern wirkendes Text-Adventure abzuliefern
. Hättest Du den Test also richtig gelesen, wüsstest Du das. Punktabzug gab es u.a. für ein paar Ungereimtheiten in der Geschichte, für die Tatsache, dass der Parser eben leider doch nicht an allen Stellen ganz so gut funktioniert (z.B. bei der Pod-Steuerung wo ansich logische Befehle nicht funktionieren), dass die Karte zwar eine gute Sache ist, ich aber nicht mit offenem Kartenfenster weiterspielen kann etc. Im Vergleich zu 'Thaumistry' finde ich den Parser von 'Code 7', das ebenfalls ganz aktuell ist, besser.


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