Reviews: Safecracker - Das ultimative Puzzle Abenteuer:

Safecracker


'Safecracker' ist das neue Spiel der Adventure Company. In Deutschland wird das Spiel von CDV vertrieben, die dem geneigten Abenteurer bestens bekannt sein dürften.
Bereits 1996 erschien ein gleichnamiger Titel für IBM-PCs, der von Daydream entwickelt wurde. Das vorliegende Spiel jedoch wurde vom Pariser Kheops Studio programmiert und hat, außer dem Spielprinzip nichts mit dem 10 Jahre älteren Halbbruder zu tun. – Weitere Titel des Studios sind u.a.: 'Das Geheimnis der vergessenen Hölle' (2005) und 'The Secrets of Da Vinci' (2006). Wem das alte 'Safecracker' gefallen hat, dem sei jetzt schon gesagt, daß er auch an diesem Titel Gefallen finden könnte.
'Safecracker' ist ein 1st-Person-Adventure und bezeichnet sich selbst als „Das ultimative Puzzleabenteuer“. Im nun folgenden Test erfahrt Ihr, ob dieses Spiel wirklich ultimativ ist.


Die Geschichte spielt im Innern eines Herrenhauses, dessen Eigentümer – ein exzentrischer Millionär – in eben diesem Anwesen insgesamt 35 Safes versteckt hat, die es zu finden und natürlich zu knacken gilt. Angeheuert werden man als professioneller Panzerknacker von der Familie des jüngst Verblichenen, um das Testament des Herrn Adams zu finden. So viel zur Story, mehr ist es nicht. Gelegentlich findet man einen Brief oder eine Seite eines Tagebuches und wird über völlig uninteressante „Details“ der Familiengeschichte unterrichtet. Sehr langweilig. Die Fragmente, die man findet sind so rar, so öde und tragen meistens null zum Weiterkommen bei, daß man bald anfängt, die Briefchen wegzuklicken, wenn sie einem vom Synchronsprecher vorgelesen werden. Sollte man aber nicht tun, denn – o Freude – ein- oder zweimal ist sogar ein Tipp dabei, den man braucht, um einen der Safes zu öffnen.

Das Menü und die erste Spielminute

'Safecracker' beginnt und leitet uns, wie gewohnt, ins Menü, wo man zunächst das eine oder andere einstellen kann, bevor man loslegt: Neues Spiel, Spiel laden, Optionen, Credits, Spiel beenden lauten hier die Wahlmöglichkeiten. Unter den Optionen gibt es den ersten Lapsus. Die Untertitel lassen sich zwar an- und abstellen und auch die Geschwindigkeit der Kamera läßt sich regeln, wenn man aber auf „Lautstärke“ klickt passiert... gar nichts. Null. Die Lautstärke läßt sich in unserer Testversion nicht anpassen. Sei es drum.
Wenigstens sieht das Menü schön aus.


Das Spiel beginnt

Gleich zu Anfang läuft ein Minifilm ab, der uns kurz einweist. Wie schon beschrieben: Alter Mann stirbt, hinterläßt ein Testament. Letzteres ist nicht auffindbar. Wir bekommen einen Brief, in dem wir gebeten werden, der Familie zu helfen. Schwupps! Da sind wir auch schon im Haus und stehen in der Einganghalle.
Hier hatten es die Entwickler eilig, denn der Synchronsprecher rast geradezu über den Text und vergißt dabei ein wenig die Intonation. Etwas gelangweilt stellt er fest: Wir müssen suchen...

Ein Bug gleich zu Beginn: wenn man per Tab-Taste kurz aus dem Spiel hinausgeht, um kurz darauf weiterzocken zu wollen, ist im Spiel die Musik aus und läßt sich auch nicht wieder reaktivieren. So geht ein guter Teil der Stimmung, die am Anfang sehr erwartungsvoll ist, gleich wieder verloren.
Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Die Atmosphäre ist gut, es gibt stimmungsvolle Musik und schön designte Räume. Um einzelnen Punkten etwas vorzugreifen, sei hier angemerkt, daß die Grafik einen ordentlichen Eindruck macht und der Sprecher halbwegs gut ausgewählt wurde, wenn es auch besseres im Genre gibt. Die Steuerung ist intuitiv und in klassischer Point & Click-Manier gehalten. Man findet sich sofort zurecht. Auch Anfänger haben hier sofort den Einstieg gemeistert. Keine Hürden. Gut so.


Die Steuerung

Wie bereits erwähnt steuert man 'Safecracker' komplett mit der Maus. Ist etwas zu tun, verändert der Cursor seine Form entweder zu einer Lupe (hier gibt es also etwas zu betrachten, zu lesen etc.) oder formt sich zu Zahnrädchen, die dem Spieler bedeuten, daß es hier etwas zu tun gibt. Per Rechtsklick gelangt man ins Inventar – an dessen rechter unterer Seite ist eine Tür abgebildet, hier gelangt man zu den Optionen. An der linken unteren Seite befindet sich eine Karte, auf der noch nicht geöffnete Safes vermerkt sind und die ansonsten die verfügbaren Räumlichkeiten abbildet. Alles ist sehr übersichtlich.
Die einzelnen Räume werden betreten, indem man sich dreht (durch einfache Mausbewegung) und auf den nächsten Durchgang klickt. Ganz „horrorfilmmäßig“ wird man dann in den nächsten Raum hineingezoomt. Die Laufwege halten sich in Grenzen. Es gibt nur zwei Stockwerke und einen Dachstuhl und man muß sich öfter durch etliche Zimmer klicken, es hält sich also alles im Rahmen.
Alles geht sehr leicht von der Hand. Hier gibt es keine Kritikpunkte.


Die Grafik

Es handelt sich nicht um ein grafisches Highlight, die Präsentation des Spieles ist aber recht gelungen. Schöne vorgerenderte Hintergründe und hübsch eingerichtete Zimmer lassen das Game gut aussehen. Davon abgesehen gibt es aber nichts, das man besonders hervorheben müßte.

Der Sound

Die Musik in 'Safecracker' ist eintönig, aber stimmungsvoll und ändert sich kaum. Es gibt im Grunde nur ein einziges vorherrschendes Thema, das ab und an für eine gewisse Zeit abgedudelt wird. Außer einem „Bing“ für einen geöffneten Safe, den einzelnen Geräuschen beim Bedienen der Elemente eines Tresors etc. gibt es keinerlei Neben-Sounds. Das Haus scheint komplett unbewohnt, man begegnet keinen anderen Personen, es spielt kein Plattenspieler, es kocht kein Wasser auf dem Herd, es plätschert kein Brunnen... alles sehr steril. Hier hätte man wirklich mehr machen können.
Die Synchronisation ist mittelmäßig. Da wird ein englischer Name immer deutsch ausgesprochen, der Herr Detektiv nuschelt und intoniert bisweilen wie ein Roboter mit defektem Sprachprozessor. Hat man sich auf ein Soundlevel eingestellt, kommt die nächste Überraschung: ein Brief wird bspw. in normaler Lautstärke vorgelesen, der nachfolgende Kommentar wird einem dann aber fast entgegen gebrüllt.


Die Rätsel

Liebhaber klassischer Adventure im Stile von 'Monkey Island', 'Longest Journey' oder 'Syberia' werden hier enttäuscht. Das Spiel spricht definitiv 'Myst'-Spieler an, die mit Logik und Trial-and-Error-Konzept vertraut sind und diese Art der Knobelei schätzen. 'Myst'-Veteranen dürften aber sogar etwas unterfordert sein. Die Rätsel sind eigentlich alle mit Geduld und Logik lösbar – ich gestehe frei, daß ich an dem einen oder anderen Mechanismus schier verzweifelt bin; irgendwann fällt es einem aber immer wie Schuppen von den Augen. Einige der Puzzles machen wirklich Spaß, andere wiederum sind einfach nur Fleißarbeit, wieder andere haben als besonderen Kniff einen Zufallsgenerator eingebaut, der zwar nichts am Lösungsprinzip ändert, das Öffnen eines Safes aber durchaus erschwert.
Was sehr schade ist: Es gibt außer bei den Türen und Safes keinerlei Interaktionen. Man muß rein gar nichts absuchen, mit niemandem sprechen und keine Schubladen öffnen. Puristen könnten entgegnen, man könne sich so wenigsten auf die Knobeleien konzentrieren, ich meine, auch hier hätte man dem Spielerlebnis etwas auf die Sprünge helfen können.
Fakt ist aber, daß die Rätsel durchaus motivieren und somit ihren Zweck erfüllen, zumal die Safes oft nur Beiwerk sind und sich die Apparaturen einer netten Vielfalt erfreuen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 61%

'Safecracker' spielt sich wie ein Software gewordener Logik-Trainer des P.M.-Magazins. Die Spiellänge variiert gemäß den Fähigkeiten des Spielers von vielleicht 10 bis 30 Stunden, wochenlang ist man aber sicher nicht beschäftigt. Was den angepriesenen ultimativen Puzzle-Charakter anbelangt, sei festgehalten, daß es hier sicher besseres gibt, aber auch schlechteres. Das Spiel eignet sich besonders auch zum gemeinsamen Knobeln, aber wohl eher für zwischendurch. Ein Dauererlebnis ist es nicht. Das Spiel ist für Fans der Art aber definitiv zu empfehlen. Der geneigte Käufer sollte aber keine Wunder erwarten.
Es soll Leute geben, die auch in ihrer Freizeit IQ-Tests lösen, stundenlang Sudoku spielen oder tagelang mit Inbrunst Schrauben und Mutter nach Größe sortieren. Diese Zielgruppe ist hier angesprochen (ohne jemanden beleidigen zu wollen, der einen Schrauben-Fetisch hat).
Wie gesagt: Etwas mehr Animation, etwas mehr Sound und etwas mehr Story hätten dem Spiel gut getan.
'Safecracker' ist keinesfalls eine Gurke, aber es ist auch absolut kein massenkompatibler Titel (was ja kein Nachteil im eigentlichen Sinne sein muß).
Eine Frechheit ist allerdings der Preis des Spiels: 40 bis 50 Euro sind einfach maßlos überzogen für diesen Spielumfang, zumal das Spiel in den USA, wo es bereits seit längerem auf dem Markt ist, vom Erscheinen an lediglich ca. 20 Euro gekostet hat.
Zuletzt sei angemerkt, daß der Wiederspielwert nicht besonders hoch ist, wenn man sich gleich noch einmal an alle 35 Tresore ranmachen will. Schließlich weiß man ja, wie es geht und kennt die Lösungswege, auch wenn einige der Schieberätsel auch beim zweiten und dritten Spielen eine Herausforderung sind.


geschrieben am 25.09.06, Sebastian Fischer

Systemanforderungen Weitere Links
PIII 800 CPU
64MB RAM
700 MB HD Speicher
16fach CD- bzw. DVD-ROM-Laufwerk
64 MB Grafikkarte


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