Storyteller-Reviews: Portal 2:

Portal 2


Entwickler Valve zeigte sich im Jahr 2007 reichlich experimentierfreudig und landete mit dem First-Person-Puzzler 'Portal' sogleich einen grandiosen Überraschungshit. Mit Portal-Kanone im Anschlag und einer gehörigen Portion Humor im Gepäck ging es in Ego-Perspektive darum, knifflige Testkammern durch das überlegte setzen von Portalen und etwas Geschick gepaart mit Köpfchen zu meistern. Eigentlicher Star war dabei die künstliche Intelligenz GLaDOS, die als Gegenspielerin immer einen flotten Spruch und neue Herausforderungen auf Lager hatte und vor allem durch ihre Rolle im einfallsreichen Abspann so schnell auch nicht in Vergessenheit geraten wird. Das neuartige Spieldesign wurde hingegen stark von dem Studienprojekt 'Narbacular Drop' inspiriert, welches zwei Jahre zuvor am DigiPen Institute of Technology in den vereinigten Staaten fertiggestellt wurde. Die Mannen bei Valve waren von den Möglichkeiten solcher Portale schwer angetan und erweiterten kurzerhand ihr Team mit den Entwicklern von 'Narbacular Drop', um daraufhin an 'Portal' zu arbeiten. 4 Jahre später schickt uns Valve in eine zweite Runde und versucht erneut mit der Kombination aus Humor und Hirnschmalz zu punkten, garniert dies aber zusätzlich mit vielen neuen Ideen. Wir haben uns den Weg durch den Aperture Science Komplex geknobelt und verraten euch, ob 'Portal 2' eine ähnliche Faszination ausüben kann, wie seinerzeit der Vorgänger.


Alles auf Anfang

Eigentlich hätte alles so schön sein können. Nach dem großen Finale von 'Portal' und dem vorläufigen Ende von GLaDOS wähnte sich Chell, die ständig stumme Protagonistin des Spiels und Testsubjekt von Aperture Science, endlich am Ziel ihrer Anstrengungen. Nach den zahlreichen Herausforderungen in der Einrichtung konnte sie letzten Endes wohlverdient den Duft der Freiheit schnuppern - zumindest für kurze Zeit. Denn noch bevor Chell überhaupt richtig realisieren kann, wie ihr geschieht, wird sie einmal mehr zurück in die Anlage gezerrt und im Aperture Science Extended Relaxion Center dank künstlichem Schlaf vorübergehend ruhig gestellt. Erst als eine Notevakuierung ausgerufen wird, hat dieser Zustand schließlich ein Ende. Doch seit den Ereignissen aus 'Portal' ist sehr viel Zeit vergangen und es hat sich so manches dort unten verändert. Für Chell ist dies allerdings in erster Linie die passende Gelegenheit, ein für alle Mal den unterirdischen Mauern zu entfliehen. Und dieses Mal scheint sich Unterstützung anzubahnen, denn der leicht hyperaktive und kugelförmige Persönlichkeitskern Wheatley drängt förmlich auf, Chell auf ihrem Weg zur Oberfläche tatkräftig zu unterstützen. Und immerhin hat er Zugriff auf manche Systeme innerhalb des Komplexes und könnte sich damit als nützlicher Begleiter herausstellen. Doch ganz so einfach wird der neuerliche Abstecher durch die Anlage natürlich nicht, zumal auch eine alte Bekannte noch ein kleines Wörtchen mitzureden hat.

"Sie nur wie du durch die Luft segelst. Wie ein Adler. Ein fetter Adler."

Um sich einen Weg durch die verschiedenen Bereiche der Einrichtung zu bahnen, darf natürlich die namensgebende Portal-Kanone erneut nicht fehlen. Diese fortschrittliche Technologie ermöglicht es, zwei Portale auf eigentlich fester Materie zu platzieren und damit eine räumliche Verbindung zwischen ihnen herzustellen. Jegliche Objekte, die ein Portal daraufhin in die eine Richtung passieren, kommen auf der Seite des Gegenstücks in gleichem Zustand, mit gleicher Geschwindigkeit und zudem auch noch unversehrt wieder heraus. Was als Grundidee zunächst vielleicht interessant aber noch nicht übermäßig aufregend klingen mag, zeigt sich in Wahrheit natürlich ein wenig anspruchsvoller. Dieses moderne Transportsystem ist nämlich nicht nur ein nettes Spielzeug, sondern hilft Chell immer wieder dabei, mit etwas Überlegung verschiedenste Hindernisse zu überwinden, die ihren Weg zu Oberfläche erschweren.

Doch so innovativ das Spiel mit der Portal-Kanone im ersten Teil auch noch war, so schnell könnte sich Langeweile breit machen, wenn sich der Nachfolger nur als ein müder Aufguss mit einigen zusätzlichen Testkammern entpuppen sollte. Doch dafür ist Valve einfach schon zu lange im Geschäft, um dies nicht auch selbst zu wissen. Neue Impulse sind gefragt, und wie schon beim Team von 'Narbacular Drop' ist man schließlich erneut bei dem Ideenreichtum einiger Studenten der DigiPen-Hochschule fündig geworden. Das Spiel 'Tag: The Power of Paint' beruht auf dem simplen Spielprinzip, Bereiche innerhalb der Spielwelt durch Farbpistolen einzufärben, wobei jede Farbe eine andere Funktion aufweist. Ein bisschen veredelt und schon wird aus der Farbidee ein dickflüssiges Gel und daraus in 'Portal 2' eine weitere unglaublich spaßige und gleichzeitig nützliche Spielerei, die im Laufe der Handlung mehrmals zum Einsatz kommt.

Denn mit stetig steigender Lernkurve kommt im fortschreitenden Spielverlauf auch irgendwann die Zeit für neue Puzzleelemente und somit Handlungsmöglichkeiten. Neben dem bereits erwähnten Gel umfasst dies darüber hinaus auch Laserstrahlen, begehbare Lichtbarrieren, wahlweise auch als Deckungsmöglichkeit einzusetzen, sowie Excursion Funnels, die wie eine Art Traktorstrahl für den bequemen Transport von Gel, Mensch und was einem sonst noch so alles einfallen mag geeignet sind. Alle genannten Elemente haben dazu noch die überaus praktische Eigenschaft, ebenfalls durch die Portale beeinflusst und somit umgeleitet werden zu können. So kann die dickflüssige Gel-Masse, die vielerorts durch dicke Rohre der Einrichtung gepumpt wird, an vorgesehenen Stellen abgezapft und der Umgebung damit einen neuen Anstrich verpasst werden. Die Farbe eines Gels bestimmt zugleich die jeweilige Einsatzmöglichkeit, um mit entsprechender Unterstützung höher springen, schneller laufen oder Portale an sonst unmögliche Stellen setzen zu können. Daraus wird in der Kombination mit den anderen Puzzle-Elementen sowie den Portalen recht schnell eine umfangreiche Knobelei, die den vorgesehenen Lösungsweg dann nicht mehr ganz so trivial erscheinen lässt, wie noch zu Beginn des Spiels.

"I'm building the world's smallest trophy for you"

Zwar ist die 'Source'-Engine unverkennbar so langsam in die Jahre gekommen, seit sie anno 2004 in 'Half-Life 2' zum ersten Mal zum Einsatz kam, doch zeigt 'Portal 2' einmal mehr, dass zu einem guten Spiel mehr als nur eine Engine gehört, die ihre Muskeln spielen lassen kann. Denn auch wenn das Spiel in optischer Hinsicht keineswegs eine schlechte Figur macht, unter anderem weil sich der Stil der Spielwelt insgesamt als sehr stimmig präsentiert, die Stärken des Spiels liegen trotzdem an ganz anderer Stelle. Es ist diese Kombination aus den Rätseln, der Handlung und den Charakteren, die den Titel derart aus der Masse der oftmals viel zu farblosen Spiele herausstechen lässt. Dabei ist es nicht einmal Protagonistin Chell, die besonders im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Stattdessen schafft 'Portal 2' etwas, das nur äußerst wenigen Spielen gelingt, denn selbst dem unbedeutendsten Nebenakteur wird im Grunde noch in irgendeiner Form eine besondere Rolle zuteil.

Denn obwohl sich die meist nur passiven Interaktionen des Spielers mit anderen Charakteren einzig auf künstliche Intelligenzen beschränken, wirken diese dennoch dank unverwechselbarer Persönlichkeiten viel lebendiger als eine Vielzahl an Hauptcharakteren aus virtuellem Fleisch und Blut in anderen Titeln. Oder wer würde unter solchen Voraussetzungen schon vermuten, dass sich bereits einfache Geschütztürme mit der Zeit das Mitgefühl des Spielers verdienen könnten? Da trübt dann auch die sehr überschaubare Anzahl an Interaktionspartnern und der weitestgehend lineare Spielverlauf den Gesamteindruck nur wenig, da die Geschehnisse rund um Chell, Wheatley und GLaDOS jegliches Aufkommen von Langeweile durch Witz, Charme und interessanten Story-Wendungen viel zu gut zu vermeiden wissen.

Damit die Charaktere so gut funktionieren, hat sich Valve bei der Vertonung erneut mächtig ins Zeug gelegt, auch wenn die englischsprachige Synchronsprecherriege gegenüber den deutschen Pendants ein wenig die Nase vorne hat. Das liegt schon alleine daran, dass die unnachahmlich gut getroffene Stimme von GLaDOS es hervorragend schafft, gleichzeitig die notwendige Monotonie einer Maschine mit einer angemessenen Prise trockenem Humor und Boshaftigkeit zu würzen. Ebenso könnte der britische Western Country Akzent von Wegbegleiter Wheatley kaum besser getroffen sein, der bei der deutschen Synchronisation leider auf der Strecke geblieben ist. Bei einer derart hohen Messlatte schlägt sich aber auch die hiesige Vertonung mehr als nur ordentlich und kann gleichfalls mit überaus begabten Sprecher wie etwa Tobias Meister punkten, der neben Wheatley beispielswiese regelmäßig auch Brad Pitt und Kiefer Sutherland seine Stimme leiht. Zumindest beim Kauf von 'Portal 2' muss man sich aufgrund der Zwangsregistrierung des Spiels auf Steam sowieso noch nicht auf eine bestimmte Sprachversion festlegen. Stattdessen kann diese auf der Online-Plattform selbst ausgewählt und bei Bedarf auch wieder gewechselt werden.

Doppeltes Vergnügen

Eigentlich gibt es an der fesselnden Einzelspieler-Kampagne kaum etwas auszusetzen, doch ist sie aufgrund des eher niedrigen Schwierigkeitsgrades doch schneller vorbei, als einem wahrscheinlich lieb ist. Da zudem auch der Wiederspielwert eher überschaubar bleibt, stillt Valve den unweigerlichen Wunsch nach "mehr" mit einem zusätzlichen Mehrspieler-Modus, in dem zwei Spieler in die Blechkörper der reichlich albernen Charaktere ATLAS und P-body schlüpfen und mit ihnen kooperativ völlig neue Spielabschnitte gemeinsam bewältigen dürfen. Auch hier wird man natürlich erneut von der liebreizenden GLaDOS begleitet, die noch einmal fleißig in ihrer virtuellen Spruchkiste wühlt.

Wer nun aber denkt, das Spiel würde mit zwei Spielern und somit doppeltem Köpfchen noch einfacher werden, dürfte sich schnell eines Besseren belehrt sehen. Die Herausforderungen zeigen sich deutlich anspruchsvoller als noch im Einzelspieler-Modus. Um diese überhaupt erfolgreich bestehen zu können, ist vor allem Koordination und Teamwork gefragt. Einzelgänger und Solisten werden sehr schnell an ihre Grenzen stoßen und feststellen, dass eine derartige Herangehensweise an dieser Stelle nur wenig ertragreich ist. Damit es aber nicht zum vollständigen Chaos kommt, wenn es um die gemeinsame Abstimmung geht, lässt Valve die Spieler natürlich nicht alleine im Regen stehen und hat speziell zu diesem Anlass besondere Team-Features integriert, mit deren Hilfe man seinem Mitspieler Anweisungen und Hinweise geben kann, wo dieser z.B. hinzugehen oder sein Portal hinzusetzen hat. Und wem diese Art der Kommunikation nicht ausreicht, der darf natürlich auch gerne auf das Steam-eigene Voice-Tool zurückgreifen, welches zum regen Ideenaustausch mehr als nur gute Dienste leistet.

Abseits der kooperativen Denkarbeit soll das Vergnügen selbstverständlich auch nicht zu kurz kommen. Für die schöpferischen Pausen zwischendurch sind ATLAS und P-body immer mal wieder für kleinere Spaß-Aktionen zu haben, die außer witzigen Animationen und freischaltbaren Achievements teilweise sogar Spielrelevanz haben. Und sind wir doch alle mal ehrlich: Wer wollte nicht immer schon mal in einem Computerspiel das gute alte Stein, Schere, Papier spielen? Wahrscheinlich niemand. Macht aber nichts, geht nämlich trotzdem!

War's das schon?

Das war es natürlich noch nicht. Im vergangenem Oktober zeigte sich Valve einmal mehr spendabel und hat den kostenlosen DLC 'Peer Review' auf alle Spieler losgelassen, die nicht genug von 'Portal 2' bekommen können. Neben einem im Vorgänger bereits beliebten Challenge-Modus, bei dem Testkammern gegen die Zeit gelöst und mit anderen Spielern verglichen werden können, umfasst der Download-Inhalt vor allem neue Herausforderungen für den amüsanten Koop-Modus. Noch einmal hat Valve den Schwierigkeitsgrad leicht angezogen, woraufhin weitere zwei bis drei Stunden humorvolle Momente und knackige Denkaufgaben mit GLaDOS, P-body und ATLAS einzuplanen sind. Das ist mehr, als viele kostenpflichtige Zusatzinhalte anderer Spiele anbieten. Vorbildlich.


Galerien

Fazit:

Wertung: 91%

Zwar reicht es leider nicht ganz bis zur absoluten Perfektion, aber für mich ist 'Portal 2' ohne jeden Zweifel eines der charmantesten und humorvollsten Spiele der letzten Jahre geworden. Vor allem der Koop-Modus ist mit dem richtigen Spielpartner einfach eine wahnsinnig spaßige Knobeltour und würde für sich alleine schon beinahe die Investition rechtfertigen, wenn da nicht auch noch die Einzelspieler-Kampagne wäre, die trotz knapper Spielzeit und gemäßigtem Schwierigkeitsgrad dennoch rundum überzeugen kann. Im Grunde kann man Valve einfach nur gratulieren. Sie haben es geschafft, den Charme aus dem ersten Teil zu bewahren und gleichzeitig neue Charaktere und Spielfeatures zu integrieren, die für ganz frischen Wind in der eigentlich isolierten Aperture Science Einrichtung sorgen. So dürften sich nicht nur Rätselfreunde mit den Puzzle-Elementen wie zu Hause fühlen, auch wer großen Wert auf facettenreiche Persönlichkeiten und eine unterhaltsame Handlung legt, dürfte in 'Portal 2' voll auf seine Kosten kommen.

geschrieben am 19.04.12, Andreas Baumann

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Webseite (Englisch)
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