Klassiker-Tests: Die Blackstone Chroniken:

Die Blackstone Chroniken


Entwickler Red Orb Entertainment brachte in Kooperation mit Horror Bestseller Autor John Saul 1998 seine Schreckensvisionen der 'Blackstone Chroniken' in medialer Form auf die PC Bildschirme. In gerenderten 3D Hintergründen untersucht man die von Geistern bewohnte Blackstone Nervenheilanstalt, in der der frühere Klinikdirektor Malcolm Metcalf grausame Experimente an den Insassen vornahm. Ob der Quasivorgänger von Spielen wie 'Scratches' oder 'Darkness within' dabei hochwertige Gruselkost oder seichte Multimediaunterhaltung bietet, erfahrt ihr in unserem Klassiktest...


 

Nein, in dieser Anstalt geht es nicht so humorvoll zu wie in Edna bricht aus.

Grausige Dingen gingen in der Blackstone Heilanstalt vor sich, daran bestand unter der Bevölkerung von Blackstone kein Zweifel. Direktor Metcalf hingegen, sah seine menschlichen Experimente als notwendig an, um die psychiatrischen Heilmethoden zu revolutionieren. Die erwünschte Anerkennung blieb ihm aber auf Grund seiner Methoden verwehrt und so will er sich nun Jahre nach seinem Tod, an der Bevölkerung von Blackstone rächen. Zu diesem Zweck entführt der böse Geist des Malcolm Metcalf, den kleinen Jungen seines eigenen Sohnes Oliver Metcalf, um ihn zu zwingen, seine Rache für ihn auszuführen.
In Form von Oliver müssen wir uns nun in die alte Anstalt, die- nachdem sie für Jahrzehnte leer stand mittlerweile zu einem Museum umfunktioniert wurde -begeben. In der Geisterbevölkerten Anstalt gibt uns Malcolm zwei Möglichkeiten: Entweder wir verhelfen ihm selbst zu seiner Rache, oder für den Fall dass sich Oliver weigert ihm zu helfen, droht Malcolm seinen Enkel aufzuziehen und ihn zum ausführenden seiner finsteren Pläne zu erziehen. Olivers Sohn - Joshua - ist in einem Geheimraum der Anstalt versteckt.

Der Mann mit dem eigenem Folterkeller: Malcolm Metcalf.

Oliver erhält jedoch die Chance ihn zu retten, falls er es schaffen sollte, diesen vor der Morgendämmerung zu finden. Unterstützt wird er dabei von den gepeinigten Seelen der ehemaligen Anstaltinsassen, die allesamt bei Metcalfs Experimenten ums Leben kamen oder Selbstmord begingen.
Vorkenntnisse von John Sauls Bestsellern sind im Übrigen nicht nötig, da das Spiel vor den Büchern spielt. Für Kenner der Bücher dürfte das Spiel aber aus dem Grunde interessant sein, da sie das ihnen bekannte Universum, nun auch am PC erkunden können. Auf der anderen Seite dürfte eine große Anzahl von Sauls Lesern aber auch durchaus enttäuscht sein, doch dazu mehr im Laufe des Tests.

Grusel in 3D

Stimmungsvolle Farbgebung im Büro des Direktors.

Die gerenderte Anstalt ist stimmungsvoll und auch für heutige Verhältnisse immer noch ansprechend gestaltet. Frei bewegen können wir uns durch die Anstalt allerdings nicht. Wie man es aus Spielen wie 'Ripper' oder 'Black Dahlia' kennt, klicken wir uns über Pfeile zum nächsten Bildausschnitt. Dies kann gelegentlich das Problem beinhalten, dass man einen Bildausschnitt übersieht, da man sich nicht im richtigen Winkel zu einem Teil des Screens befindet. Dennoch funktioniert die Steuerung hier wesentlich unproblematischer, als in den beiden zuvor genannten Titeln. Durch wunderschön animierte Render Cutscenes, wird die Fortbewegung zum nächsten Ausschnitt dargestellt. Positiv ist, dass man diese Cutscenes überspringen kann, und sich so in Sekundenschnelle durch die Räume fortbewegen kann, was bei einem 'Ripper' beispielsweise eine Ewigkeit dauerte. Überhaupt haben die Entwickler sich bei den Cutscenes sehr viel Mühe gegeben. In teils stimmungsvollen, düsteren Bildern kommt das Innere der Anstalt in diesen Szenen, durchaus gespenstisch rüber und schafft es zumindest teilweise eine schaurige Atmosphäre aufkommen zu lassen.

Der Sound: Zwischen stimmungsvoll und peinlich

Die stylische Kapelle der Anstalt.

Im Großen und Ganzen ist der Sound der 'Blackstone Chroniken' recht gelungen.Die Musik verstärkt das beklemmende Gefühl, sich allein in einem Haus voller übernatürlicher Lebewesen zu bewegen. Stimmungsvoll bewegt sich die Musik zwischen klassisch und bedrohlich. Bei der deutschen Sprachausgabe zeigt das Spiel allerdings zwei Gesichter. Viele Sprecher machen einen professionellen Eindruck was ihre stimmliche Qualität angeht, nur hören sich die Geister alle etwas sehr fröhlich an, wenn man bedenkt auf wie grausame Art sie an diesem Ort gefoltert wurden und ihr Leben verloren haben. Der Hauptcharakter hört sich nicht minder entspannt an, obwohl sowohl das Leben seines Sohnes, als auch sein eigenes auf dem Spiel stehen. Durch nicht näher erklärte Kräfte kann Oliver des Öfteren mit seinem Sohn kommunizieren. Diese Dialoge sind so grottenschlecht, dass sogar Ed Wood im Grabe rotieren würde. Der Sprecher von Joshua scheint sich am Tage der Sprachaufnahmen in der Tür geirrt zu haben, so peinlich kommt er rüber.

Gameplay

Wir schnüffeln durch das Tagebuch eines Geistes.

Wenig anspruchsvoll präsentiert sich das Spiel auf der Gameplay Seite.Wir bewegen uns durch das Haus, betrachten die einzelnen Räume und die darin befindlichen Gegenstände, zu denen in der Regel entweder Malcolms Geist, oder die Geister die die jeweiligen Räume bewohnen, ihre Kommentare abgeben. Dabei sammeln wir allerlei Gegenstände auf und versuchen diese anzuwenden.
Die meisten der Geister hingen in ihrer Zeit als Psychiatrie Insassen besonders an einem speziellen Gegenstand, der ihnen von Malcolm entwendet wurde.
So begeben wir uns auf die, sich ständig wiederholende Suche, nach diesen Gegenständen. Haben wir einen davon gefunden, gibt es immer eine Art von Bestrafungsaktion von Malcolm. Wir finden uns in einem tödlichen Folterinstrument eingesperrt wieder und müssen uns unter Zeitdruck daraus befreien. Schaffen wir dies nicht rechtzeitig, können wir jedes Mal an den Punkt zurückspringen, bevor wir den Gegenstand angeklickt haben und in Lebensgefahr geraten sind. Alternativ kann man sich nach dem Ableben auch eine Hilfestellung einblenden lassen, die uns einen entscheidenden Tipp zur rechtzeitigen Befreiung gibt.
Zu Beginn des Spieles finden wir einen riesigen Schlüsselbund, da sich aber dutzende von Schlüsseln daran befinden, brauchen wir nähere Informationen, mit welchem Schlüssel welche der vielen verschlossenen Türen geöffnet werden.
Wenn wir den Geistern ihre geliebten Gegenstände wieder beschafft haben, zeigen sich diese sehr erkenntlich darüber und liefern uns verschiedene Hinweise die wir auf der Suche nach Joshua dringend benötigen.

Eine von vielen Todesfallen.

Oft hat ein Geist die Information zu einem Schlüssel, der eine spezielle Tür öffnet und so wiederholt sich dieser Vorgang durch das ganze Spiel- Gegenstand besorgen, aus Todesfalle befreien, Gegenstand zurückbringen, Information über einen Schlüssel erfahren, neuen Raum öffnen und das ganze von vorn. Gelegentlich muss man auch mal einen Code eingeben, das Herausfinden dieses Codes liegt aber meist sehr schnell auf der Hand und bremst nie den Spielfluss. Das Spiel sieht zwar 'The 7th Guest'
nicht unähnlich, aber auf die Logikrätsel des Selbigen wird bei den 'Blackstone Chroniken' komplett verzichtet. Der Schwierigkeitsgrad ist sehr niedrig angesiedelt. Bedingt dadurch, dass man Zugang zu wenigen Räumen hat (obwohl das Haus sehr groß ist), kommt man stets schnell hinter die Lösung eines Rätsels.

Kurzes Vergnügen

Das Innere der Blackstone Anstalt.

Die Geisterhausatmosphäre kommt passabel rüber. Das Beschäftigen mit allerlei Foltermethoden und Folterinstrumenten, mag aber nicht für jeden das Gelbe vom Ei sein. Das Spiel ist gruselig, hätte aber deutlich gruseliger ausfallen können.
Gemessen an klassischen sechziger oder siebziger Geisterhausfilmen, kommt das Spiel sogar recht brav rüber und John Sauls Bücher sind mit Sicherheit wesentlich psychologisch ausgereifter als das Spiel (An dem er selbst mitgewirkt hat und zu dem er auch ein ausführliches Vorwort im Handbuch geschrieben hat). Interessant sind die in den meisten Räumen (bis auf in den geheimen Abschnitten) vorhandenen Infotafeln, in denen man einiges über die Geschichte der Geisteskrankheiten und die Historie der psychiatrischen Behandlung erfährt. Nach nicht viel mehr als fünf(!) Stunden ist das Spiel dann aber auch schon wieder beendet und das unspektakuläre Ende lässt einen mit einem etwas schalen Beigeschmack zurück.

Funktionalität auf modernen Rechnern

Das für Windows 98 designte Spiel sollte auf der Vielzahl an heutigen Rechnern ohne Hilfsmittel problemlos funktionieren

Verfügbarkeit

Wenn man immer mal wieder einen Blick auf Ebay oder Amazon Marketplace wirft, dürfte man nicht allzu lange warten müssen, bis man eine Chance erhält 'Die Blackstone Chroniken' zu kaufen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 2.5 / 5

Red Orbs Versoftung der 'Blackstone Chroniken' ist ein solides 3D Grusel- adventure, welches in den meisten Belangen weder sonderlich hervorragt noch schlecht in ihnen ist. Es gibt weitaus bessere Horroradventures und mir persönlich hat das umstrittene - ebenfalls in einem riesigen alten Gemäuer samt bösem Dämon spielende - 'Phantasmagoria' deutlich mehr Spaß gemacht. Wer Spiele wie Scratches mag, wird sich aber durchaus für dieses Spiel begeistern können. Schade ist aber, dass das Szenario die Möglichkeit zu einem deutlich besseren Spiel angeboten hat.

geschrieben am 12.02.08, Ingmar Böke

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 95 / 98

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Dieser Klassiker-Test gehört zu  Die Blackstone Chroniken.




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