Klassiker-Tests: Day of the Tentacle:

Day of the Tentacle


Im Jahre 1993 setzte Lucas Arts - unter der Regie von Tim Schafer - nach 'Monkey Island' und 'Indiana Jones' bereits seine dritte Hitserie fort. Dieses Mal war nun 'Maniac Mansion' an der Reihe. Wie in den beiden anderen Serien, wurde auch dieser Nachfolger zu einem Meilenstein des Genres und beerbte würdevoll einen der Pioniere der Point & Click Adventures. 'Day of the tentacle' nannte sich das Werk, welches den Spieler erneut in Doktor Fred Edisons durchgeknalltes Anwesen schickte. Was dabei an unbändigem Witz und originellen Einfällen herauskam und warum 'Day of the Tentacle' für jeden Adventurefreund Pflichtstoff darstellt, lest ihr in unserem Klassikertest.

 

 

Fast so böse wie Darth Vader: Purpur-Tentakel

Purpur Tentakel ist enorm böswillig und verschlagen. Besonders helle ist er allerdings auch nicht- Dies ändert sich allerdings schlagartig als er von Dr. Freds Matschmaschine, verseuchtes Flusswasser trinkt und zur Intelligenzbestie mutiert. Somit scheint seinem Ziel der Welteroberung nicht mehr viel im Wege zu stehen. Aber der Reihe nach- Was um aller Welt ist eigentlich ein Tentakel? Nun dabei handelt es sich um eine von Dr. Fred erschaffene Spezies, die durch ihren Mangel an Beinen ziemlich unbeholfen durch die Gegend watschelt.


Jedenfalls ist Purpurs gutmütiger Genosse Grün Tentakel nicht sehr erbaut über die Pläne seines Tentakelkollegen und bittet seinen alten Freund Bernhard um Hilfe. Dieser hatte einige Jahre zuvor bereits die Bekanntschaft mit Purpur und Dr. Freds Therapiereifer Familie gemacht. Zusammen mit seinen Freuden – dem leicht unterbelichteten, dafür umso übergewichtigerem Heavy Metal Roadie Hoagie und der chaotisch, durchgeknallten Studentin Laverne- macht sich die Intelligenzbestie auf den Weg zum Haus der Edisons. Dort werden sie gerade noch Zeuge, wie Purpur Tentakel die neueste Entdeckung des Doktors (Eine Zeitmaschine) missbraucht um mit ihr seine wahnsinnigen Pläne in die Tat umzusetzen.

 

Dies können die drei natürlich nicht zulassen und so besteigen sie die drei anderen zur Zeitmaschine umgebauten Toilettenhäuschen- Wäre da bloß nicht der Geiz des Doktor Fred Edison gewesen. Statt dem für die Maschine benötigtem hochkarätigem Diamanten benutzte er ein Imitat- mit fatalen Folgen. Hoagie strandet 200 Jahre in der Vergangenheit, Laverne 200 Jahre in der Zukunft. Bernhard hingegen, landet mit einem Mordsmäßigen Schädel wieder in der Gegenwart, im Labor von Doktor Fred. Ohne Stromquelle für die Zeitmaschine hängen Hoagie und Laverne nun in der Zeit fest. Hoagie könnte mit Hilfe von Dr. Freds Ururururururahn vielleicht einen Weg zurück finden- Gleichzeitig brüten im Hause des verrückten Wissenschaftlers Thomas Jefferson und George Washington an ihren Verfassungsentwürfen. Dass Hoagie diesen Vorgang in einem Meer aus Chaos zu ertränken droht, verwundert nicht. Noch schlimmer hat es Laverne erwischt. Sie findet sich in der Zukunft in einer Welt wieder, in der die Tentakel dank Purpur die Weltherrschaft übernommen haben und die Menschen in Zwingern halten(Planet der Affen lässt grüßen). In der Gegenwart versucht Bernhard nun alles, um seinen Freunden eine Rückkehr zu ermöglichen und trifft im Edison Haus der Gegenwart auf allerlei Kuriositäten, rund um die Familie der anderen Art.

 

Die Zeitreise beginnt...

Kann Purpur Tentakels Plan revidiert werden? Werden unsere Freunde jemals wieder in die ihnen vertraute Zeit zurückkehren können? Haben sich die Therapiestunden des Dr. Fred Sprösslings Ed gelohnt und erlaubt der Plan die Welt zu retten es, alte Damen die Treppe runterzuschmeissen? Und wie um alles in der Welt können eigentlich armlose Tentakel Gitarre in einer Rockband spielen? Nur einige Fragen auf die 'Day of the Tentacle' (größtenteils) eine Antwort parat hat.



Scumm

Bernhard: Was für ein "Scu(m)mbag".


1987 entwickelte Ron Gilbert für 'Maniac Mansion' das Benutzerinterface Script Utility for Maniac Mansion (kurz Scumm). Dieses bestand aus einer Liste von ausführbaren Verben, mit dem wir den Charakteren Anweisungen gaben. Auch im Nachfolger kommt eine abgespeckte Variante des Scumm-Systems zum Einsatz. Auf mittlerweile 9 Verben geschrumpft (unter anderem: Rede, Gib, Nimm, Öffne, Benutze) dirigieren wir dank Scumm, Bernhard, Laverne und Hoagie durch die Screens. Gespräche führen wir im Übrigen in komfortablen Multiple Choice Dialogen.



Benutze Hamster mit Gefriertruhe

Erst seit DOTT weiß man, was für tolle Dinge man mit Mumien anstellen kann.

Die Rätsel des 2D-Point-and-Click-Adventures sind einer der Stars des Spiels. So originelle Rätsel wie hier habe ich wirklich selten gesehen. Der Schwierigkeitsgrad ist durchwegs knackig. Die Rätsel sind durchaus logisch (Ausnahmen bestätigen die Regel), aber teilweise so herrlich abgedreht, dass man auf Anhieb schwer auf die richtige Lösung kommt. Im ersten Moment- wenn man die Lösung eines Rätsels herausgefunden hat – wundert man sich vielleicht über den Sinn des Ganzen.

 

Aber schnell stellt man fest, dass es tatsächlich einen Grund gab, beziehungsweise dass die Rätsellösung etwas anderes in Gang gebracht hat, das im Nachhinein absolut Sinn macht. Und auch in den wenigen Fällen, in denen es scheinbar keine besonders logische Erklärung gibt, ist die Lösung meistens so erfrischend amüsant, dass man auch dies gerne verzeiht.

 

Durch den Umstand, dass wir durch die Zeitmaschinen zwischen allen drei Protagonisten Gegenstände austauschen können und dass Dinge die wir z.B. in der Vergangenheit tun, konkrete Auswirkungen auf die Gegenwart haben und uns erst das Lösen eines Rätsels ermöglichen, ergibt sich endgültig eine vor Einfallsreichtum überschäumende Mischung.

 

Laverne im Tentakel Gefängnis.

Ein Beispiel: In der Zukunft findet Laverne einen Generator der Strom für die Zeitmaschine liefern könnte. Dieser Generator wird durch ein Hamsterlaufrad betrieben. Im Edisonhaus der Gegenwart, haben wir in Eds Raum einen Hamster gesehen, also packt Bernhard kurzerhand den Hamster in die Gefrierbox. Dort nehmen wir den armen Kerl mit Laverne – 200 Jahre später- aus der Gefrierbox und nach dem wir ihn in der Mikrowelle wieder aufgetaut haben und ein paar andere Bearbeitungen vorgenommen haben, kann er sich nun im Laufrad für uns ins Zeug legen(Somit wird Eds Hamster nach dem Vorgängerspiel nun bereits zum zweiten Male übel mitgespielt).

Solcherlei Rätsel gibt es nicht wenige und neben ihrer Originalität begeistern diese auch durch ihren aberwitzigen Humor. Tim Schafers Spiel ist durch und durch politisch inkorrekt. Hier werden Hamster in Mikrowellen gesteckt, tote Familienmitglieder der Edisons misshandelt und dass waren nur einige Beispiele. Allerdings findet das ganze stets mit einem Augenzwinkern statt und auf die Idee dieses Spiel sonderlich Ernst zu nehmen, dürfte wohl ohnehin niemand kommen.



Grafik und Sound

Das ganze Spiel ist ein Zeichentrickfilm auf hohem visuellem Niveau. Die vielen, grell-bunten Farben betonen perfekt den abgedrehten Humor des Spiels. Die Charaktere sind alle wunderbar schrullig dargestellt und wer sich genauer mit den einzelnen Screens beschäftigt, wird feststellen wie viele humorvolle kleine Details innerhalb der Grafik versteckt sind.'Maniac Mansion 2' ist also auch heute optisch noch ein echter Hingucker.

Hoagie und der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater von Doctor Fred-Oder so ähnlich.


Die Synchronisation ist ein Volltreffer ins Schwarze. Sämtliche Stimmen passen hervorragend zu ihren Charakteren. Ob es der steife Bernhard, der leicht rammdösig- vertrottelte Hoagie oder der panisch-durchgeknallte Dr. Fred ist- Die Stimmen verpassen dem Spiel genau die richtige Note, die der Humor erfordert. Natürlich ist ein gehöriger Trash Effekt dabei, aber wer die Storybeschreibung gelesen hat, dürfte darüber wohl nicht verwundert sein.


Auch die Musik passt perfekt ins Gesamtkonzept. Genauso wie der Rest des Spiels, ist sie sehr skurril und amüsant. Es wäre wohl nicht die Art Musik die sich jemand freiwillig in seinem CD Player anhören würde, aber im Kontext des Spieles funktioniert sie hervorragend.



Das Spiel im Spiel

Nach Roberta Williams der nächste Meilenstein der Point and Click Evolution: Maniac Mansion 1

Eine sehr interessante Entdeckung wird man machen, wenn man mit Bernhard den Computer von Ed Edison benutzt. Auf diesem können wir nämlich uneingeschränkt den kompletten Vorgänger durchspielen. Wer eine Runde 'Maniac Mansion' gespielt hat und wieder zum Nachfolger zurückkehren will, speichert einfach das Spiel ab und wann immer man will spielt man das Kultspiel von Ron Gilbert weiter. Hier kann man also nebenbei noch eine Bildungsreise in Sachen Adventuregeschichte unternehmen.


Funktionalität auf modernen Rechnern und Remastered Edition

Wie bei allen Lucas Arts Klassikern braucht es nur das Programm ScummVM und der Tag des Tentakels kann steigen. Allerdins gibt es seit 2016 eine für aktuelle Betriebssysteme angepasste Remastered Edition samt verbesserter Grafik im hochauflösenden Stil.


Langanhaltende Spaßgarantie

Eine durchschnittliche Spielzeit für 'Day of the Tentacle' zu errechnen fällt schwer. Die benötigte Stundenzahl kann sehr stark variieren, je nachdem wie gut man mit den abgedrehten (aber wie erwähnt meistens letztlich logischen) Rätseln zu Recht kommt. Viele Stunden wird es so oder so dauern, bis der Abspann über den Bildschirm flimmert und Purpur Tentakel hoffentlich in seine Schranken gewiesen wurde. Mit Sicherheit wird auch jeder der dieses Spiel gespielt hat, es noch mal spielen- Ein Abnutzungseffekt ist auch nach 15 Jahren beim besten Willen nicht festzustellen.

'Day of the Tentacle' ist keines dieser Spiele, bei denen man beim ersten Mal über einen Witz lacht und beim 2. Mal bereits mäßig begeistert ist. Man merkt in jedem einzelnen Teilaspekt, dass hier ein Teil der Creme de la Creme des Adventuregenres beteiligt gewesen ist. Nach Spielen wie diesem und 'Monkey Island' (bei dem Tim Schafer ebenfalls zum Team gehörte) ist es kein Wunder, dass Tim Schafer heute als Adventurelegende gilt. Aber ohne Ausnahme jeder, der an diesem Spiel beteiligt gewesen ist, beweist Ausnahmetalent (Wie es für damalige Lucas Tage ja schon fast unheimlich normal war).


Galerien

Fazit:

Wertung: 5 / 5

Wo soll man bei so einem Spiel nur anfangen sein Fazit zu ziehen? Vielleicht bei den negativen Seiten - Problem hierbei, Ich habe keine gefunden.
So wie auch die anderen Lucas Arts Spiele der Zeit, bietet der 'Maniac Mansion' Nachfolger perfekte Unterhaltung, die selbst 15 Jahre nach Veröffentlichung aber auch rein gar nichts ihrer Qualität verloren hat. So abgedreht wie hier ging es wohl in kaum einem anderen Spiel zu. Die Charaktere sind einfach so durchgeknallt, dass man sie einfach lieben muss.Der Humor ist Lucas Artstypisch unschlagbar- Jede Pointe sitzt. Besonders was sich aus der Zeitreisesituation an brüllend komischen Absurditäten ergibt, ist einfach nur brillant.
Um der Genialität dieses Titels wirklich gerecht zu werden, müsste wohl eine Reihe an neuen Superlativen erfunden werden. 'Day of The tentacle' ist nicht nur eines der besten Adventures aller Zeiten, sondern auch eines der witzigsten und originellsten- mit einigen der besten Rätsel überhaupt. Es gibt einfach einen kleinen, exklusiven Kreis an Spielen, die jeder Adventurefan gespielt haben sollte - 'Day of the Tentacle' ist definitiv eines davon!

geschrieben am 01.03.08, Ingmar Böke

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Dieser Klassiker-Test gehört zu  Day of the Tentacle.




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