Klassiker-Tests: Vollgas - Full Throttle:

Vollgas


Im Jahr 1995 veröffentlichten Lucas Arts mit 'Vollgas – Fullthrottle' ein Adventurespiel der etwas anderen Art. Nach einer Idee von Tim Schafer durchlebt man als Biker Ben ein interakives Roadmovie und begibt sich auf einen spannenden Rachefeldzug. Als ein absolutes Novum zu dieser Zeit wurde 'Vollgas' zum ersten Mal in der Geschichte von Lucas Arts ausschließlich auf CD-ROM veröffentlicht. Außerdem wurde das Rätseldesign zugunsten der Inszenierung etwas in den Hintergrund gerückt. Ob sich 'Vollgas' dadurch nahtlos in die einst ruhmreiche und hoch gelobte Adventuresparte von Genreprimus Lucas Arts einfügen kann, erfahrt ihr in einem weiteren Test für die Klassiker Rubrik.

 

Der Beginn des neben Loom wohl ungewöhnlichsten Lucas-Adventures.

Die Vereinigten Staaten in einer nicht allzu fernen Zukunft. Das Verkehrsgeschehen ist beinahe zum Erliegen gekommen und wird von Hovercraft ähnlichen Fahrzeugen dominiert. Treibstoff ist knapp geworden und auf den Straßen regieren die Biker. Ein Vertreter dieser Zunft ist Ben, seines Zeichens der Anführer der Polecats, die auf den Highways von Amerika zu Hause sind. Die Geschichte nimmt ihren Anfang, als ein gewisser Malcolm Corley, letzter verbliebener Hersteller von Motorrädern, in seiner Limousine eine heftige Diskussion mit seinem Geschäftspartner Adrian Ripburger führt. Die zwei sind auf dem Weg zur alljährlichen Corley Motors Aktionärsversammlung und Ripburger möchte ihn davon überzeugen, dort mit einer Motorradgang vorzufahren. Die Diskussion wird jäh unterbrochen, als Ben und seine Gruppe auftauchen und dieser mit seinem Bike über das Dach der Limousine braust. Corley ist von dieser rüden Art fasziniert und befiehlt seinem Chauffeur, die Verfolgung aufzunehmen. Die Verfolgungsjagd endet am Kick Stand, einer Straßenkneipe. Corley entschließt sich, die Kneipe aufzusuchen. Da diese jedoch nur für Biker zugelassen ist, lässt er Ripburger im Auto warten.

Als sein Geschäftspartner nach einiger Zeit nicht mehr aus dem Kick Stand herauskommt, beschließt Ripburger nach dem Rechten zu sehen. Insgeheim hat er schon darauf gehofft, daß die Polecats seinem Geschäftspartner die Leviten gelesen haben. Als er die Kneipe betritt, findet er jedoch seinen Partner zufrieden und wohlbehalten vor. Corley war es schnell gelungen, mit seinen Motorradgeschichten mit Ben und seiner Truppe Freundschaft zu schließen. Die Runde wird jedoch jäh unterbrochen, als Ripburger seine waren Ziele offenbart und seinen Geschäftspartner fragt, ob er mit der „Verhandlung“ Erfolg gehabt hätte. Corley legt daraufhin lautstark seinen Protest ein, was Ripburger dazu verleitet, mit Ben vor die Türe zu gehen um dort ungestört weiter verhandeln zu können.

Vor der Kneipe erzählt ihm Ripburger, das sein Geschäftspartner nur noch wenige Monate zu leben hätte und es sein größter Traum wäre, wenn Ben und die Polecats ihn auf die diesjährige Aktionärsversammlung begleiten würden. Ben bedauert zwar die nur noch sehr kurze Lebenserwartung von Corley, lehnt jedoch das Angebot mit der Begründung ab, das er und seine Polecats nicht zu Mieten wären. Als Ben das Angebot auch ein zweites Mal ausschlägt, wird er plötzlich von Ripburgers Handlanger Bolus hinterrücks mit einem Holzbrett niedergeschlagen und verliert das Bewusstsein. Bolus schnappt sich anschließend Ben`s Motorrad und fährt weg. Ripburger hingegen betritt nach dem Ereignis wieder die Kneipe und behauptet, das Ben bereits vorausgefahren wäre und er alles mit ihm geregelt hätte. Die Polecats setzen sich daraufhin mit Corley als Beifahrer in Bewegung und fahren ihrem vermeintlichen Anführer hinterher.

Kurze Zeit später kommt Ben mit Kopfschmerzen und schlechter Laune in einem Müllcontainer zu sich. Nachdem er seine Motorradschlüssel durch leichte Gewaltanwendung vom Barkeeper des Kick Stand zurückbekommen hat, setzt er sich auf sein Motorrad und fährt los. Die Warnung, das Ripburger erwähnte, etwas wie einen Unfall aussehen zu lassen, schießt Ben jedoch in den Wind. Nachdem er während der Fahrt ein verfeindetes Gangmitglied der Rottwheeler vom Bike gefegt hat, gibt Ben auf dem Highway Vollgas. Eine schlechte Idee, wie sich jetzt herausstellen sollte. Offenbar wurde das Motorrad sabotiert, denn das Vorderrad löst sich plötzlich aus der Verankerung und Ben verliert die Kontrolle über sein Gefährt.

Das Setting von Vollgas...

Er überschlägt sich einige Male und wird bewusstlos. Mit heftigen Blessuren und einem kaputten Motorrad erwacht er in der Werkstatt von Maureen, einer Mechanikerin, die ihn ärztlich versorgt hat. Jetzt muss Ben dringend Ersatzteile für sein kaputtes Bike auftreiben, um erneut die Verfolgung von Ripburger und seinen Gehilfen aufnehmen zu können. Schließlich hat er mit diesen skrupellosen Personen, die nicht einmal vor einem Mord zurückschrecken noch ein mächtiges Hühnchen zu rupfen. Das interaktive Roadmovie beginnt an Fahrt aufzunehmen….

Das Gameplay, mit gelegentlichen Actioneinlagen kombiniert

...wartet mit jeder Menge Gefahren auf.

Mit 'Vollgas' betrat Lucas Arts in Sachen interaktiver Geschichtenerzählung firmenintern absolutes Neuland. Brillierten sämtliche zuvor veröffentlichten Adventures mit einem vielfältigen und fordernden Rätseldesign, so rückte dieses hier deutlich in den Hintergrund. Die Rätsel sind logisch nachvollziehbar und sehr einfach gehalten und im Inventar tummeln sich extrem wenige Gegenstände. Längere Rätselketten sind jedoch nicht existent.
Zudem gibt es im Spiel zahlreiche Hinweise, so daß langes herumprobieren entfällt und der Lösungsweg relativ schnell ersichtlich ist. Somit richtet sich 'Vollgas' perfekt an Gelegenheitsspieler und Neulinge, die nicht sofort durch unfaire Rätsel überfordert werden und sich somit voll auf die Geschichte konzentrieren können. Apropos Geschichte.

Der Fokus liegt hier eindeutig auf einer filmreifen Geschichtenerzählung, die im Vergleich zu anderen Lucas Arts Adventures erfrischend ernst gehalten ist. Neben 'The Dig' markiert 'Vollgas' somit das einzige Adventure Spiel, das auch ernstere Töne anschlägt. Schwerpunktmäßig wird die Geschichte dabei über schön animierte Renderfilmchen im Zeichentrickstil vorangetrieben. Doch keine Bange. Auch der berühmte Lucas Arts Humor ist natürlich wieder mit dabei und entfaltet sich wieder vortrefflich über die gut geschriebenen Dialoge.

Als weitere Neuheit kommen an einigen Stellen spielrelevante Actioneinlagen zum Einsatz. Diese Actioneinlagen sind nach einer kurzen Eingewöhnungsphase jedoch relativ leicht zu meistern und fügen sich nahtlos in das Bikerszenario ein. Konkret handelt es sich hierbei um kleine Kampfeinlagen, die auf dem Motorrad ausgetragen werden. Auf der Old Mine Road tritt der Spieler gegen diverse Gegner an, die wichtige Gegenstände mit sich führen. Kommt zunächst nur die Faust und der Fuß als „Waffe“ zum Einsatz, so kann man mit zunehmendem Erfolg auf eine Kettensäge, Eisenstange und andere Gegenstände zurückgreifen. Ziel ist es immer, den Gegner vom Motorrad zu befördern. Wird man selber einmal abgeworfen, wird die Sequenz einfach automatisch wiederholt. Generell kann Ben im gesamten Spielverlauf nicht sterben. Die entsprechende Sequenz wird bei einem Fehlschlag einfach automatisch wiederholt. Neben der Old Mine Road gibt es gegen Ende des Spiels auch noch ein kurzes „Demolition-Derby“, indem man in Draufsicht ein Auto steuert und zwei Gegner ausschalten muss.

Die Grafik – Auch heute noch stimmig

Biker Ben in Aktion.

Trotz des stolzen Alters von beachtlichen 13 Jahren sieht die Grafik von 'Vollgas' immer noch recht gut aus. Wie von Lucas Arts gewohnt, besticht das Spiel durch wunderschöne, handgezeichnete und detaillierte 2D-Grafik. Auch die schönen Hintergründe können überzeugen. Die Animationen sind zwar nicht so butterweich animiert wie bei Revolution Softwares 'Baphomets Fluch Serie', jedoch fällt dies nicht besonders negativ ins Gewicht. Zwar ist die Grafik bedingt durch das eher ernstere Szenario in einigen Passagen betont düster gehalten, dieses Stilmittel festigt jedoch die Glaubwürdigkeit des Szenarios und ist eindeutig als Pluspunkt zu werten. Besonders die Detailverliebtheit in Bezug auf die Kleidung der Charaktere sowie das Design der Motorräder ist den Grafikern von Lucas Arts wirklich vortrefflich und überzeugend gelungen.

SCUMM-Version 7

Fortschritt auf zwei Rädern.

In 'Vollgas' kommt die bereits in 'Sam and Max' verwendete Version 7 des bewährten SCUMM-Systems zum Einsatz. Das bedeutet, daß die aus früheren Lucas Arts Klassikern bekannte Verbenleiste im unteren Bildschirmdrittel entfernt wurde. Somit erstrecken sich die Spielgrafik und die Interaktion über den ganzen Bildschirm. Im Vergleich zu 'Sam and Max' wurde die eigentlich sehr gute Bedienung noch einmal verfeinert. Klickt man mit der linken Maustaste, bewegt sich der Protagonist in die gewünschte Richtung. Hält man die linke Maustaste jedoch gedrückt, öffnet sich ein Totenkopf, aus dem man dann aus verschiedenen Aktionen wählen kann. Durch Betätigung der rechten Maustaste kann das Inventar aufgerufen werden. Die Bedienung geht wie bei allen Lucas Arts Adventures dieser Zeit nahezu ohne Probleme und gewohnt routiniert von der Hand.

Der Soundtrack


Was Lucas Arts hier auffährt ist schlichtweg grandios! Neben den passend besetzten Sprecherrollen, wie der dt. Synchronstimme von Luke Skywalker, die ihre Arbeit gewohnt routiniert verrichten, gilt ein besonderes Extralob dem tollen Soundtrack. Hier wird von Lucas Arts geklotzt statt gekleckert. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte wurde kein interner Komponist zu Rate gezogen. Im Gegenteil. Die Wahl viel auf die Kalifornische Hard Rock Band „The Gone Jackals“, die mit ihrem Soundtrack einfach prädestiniert für dieses Spiel sind und damit einen maßgeblichen Anteil an der Glaubwürdigkeit des Szenarios beitragen. Bereits der Opener stimmt mit voller Wucht auf das Spiel und den weiteren Verlauf der Geschichte ein und weiß zu überzeugen. Aber auch die vielen anderen Stücke wissen zu gefallen und man kommt immer wieder in Versuchung, diese mit zu summen. Der Soundtrack schafft es vortrefflich, das Bikerszenario authentisch wiederzugeben. Ich kann Lucas Arts zu dieser ausgezeichneten Wahl nur beglückwünschen!

Die Verfügbarkeit


'Vollgas' ist aufgrund der Dichte an Zwischensequenzen und der tollen Sounduntermalung das erste Spiel von Lucas Arts, das ausschließlich auf dem Speichermedium CD-ROM verkauft wurde. Damit fand eine lange Firmentradition ein Ende, in der die Spiele auch parallel in einer Diskettenversion angeboten wurden. Neben Ebay und Amazon Marketplace ist das Spiel heute immer noch über den regulären Spielehandel wie Media-Markt oder Saturn als Budgetversion erhältlich.

Die Funktionalität


'Vollgas' ist ein reines DOS Spiel und bereitet selbst unter Windows 95 große Probleme. Zum Glück gibt es findige Programmierer, die in Form des nützlichen Tools ScummVM ein effektives Stück Software programmiert haben. Damit sollte Ben`s Rachefeldzug nichts mehr im Wege stehen.

Trivia

Hat leider nie das Tageslicht erblickt: Vollgas 2: Hell on Wheels

Ursprünglich sollte der Protagonist im Spiel Ben Throttle heißen. Da es während der Entwicklung des Spieles eine Trickfilmserie mit diesem Namen gab, wurde der Nachname sowie sämtliche Hinweise darauf aus marketingrechtlichen Bedenken entfernt.

Kurz vor Start des „Demolition Derbys“ ist George Lucas als einer der Teilnehmer zu erkennen.

Obwohl 'Vollgas' immer etwas im Schatten der großen Marken wie 'Monkey Island', 'Indiana Jones' oder 'Sam and Max' stand, wurde bereits nach der Veröffentlichung an einem Nachfolger gearbeitet. Der Titel sollte 'Full Throttle: Payback' lauten. Als Chefentwickler wurde Larry Ahern engagiert und Bill Tiller übernahm den Job als Grafiker. Nach ca. 6 Monaten wurde die Entwicklung jedoch gestoppt, ohne zuvor eine offizielle Ankündigung gemacht zu haben.

In 2002 wurde dann 'Full Throttle: Hell on Wheels' angekündigt, das sich jedoch massiv von dem herkömmlichen Adventurekonzept entfernte und mehr in Richtung Action ging. In 2003 wurde das Projekt im Zuge der Neuausrichtung der Firma sowie wegen qualitativer Mängel eingestellt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 4 / 5

Mit 'Vollgas' ging Lucas Arts neue Wege und wagte den Schritt, das Rätseldesign etwas in den Hintergrund zu rücken und dafür den Schwerpunkt auf die Inszenierung zu legen. Zwar hat das Spiel immer noch einige Rätsel vorzuweisen, jedoch sind diese ungewohnt einfach ausgefallen. Dafür wurde die Geschichte spannend inszeniert und durch die zahlreichen Zwischensequenzen und dem tollen Soundtrack fühlt man sich gleich an Roadmovies wie 'Easy Rider' erinnert. Zwar fällt der Spielumfang von ca. 5 Stunden nicht besonders hoch aus, dafür gibt es aber auch keine unnötigen Längen. 'Vollgas' bietet sich daher vor allem für die Art von Spieler an, die einfach eine gute Geschichte erleben wollen, ohne große rätseltechnische Strapazen auf sich nehmen zu müssen. Aus diesem Grund kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung gerade an Adventure Neulinge aussprechen, da diese mit dem Spiel eigentlich nicht überfordert werden. Zwar sind Actioneinlagen bei vielen Adventures zu Recht verpönt, aber in diesem Fall fügen sich die Motorrad Duelle erfreulich gut in das Spiel ein und unterstreichen sogar die Glaubwürdigkeit des Szenarios. Aus diesem Grund kann man mit 'Vollgas' eigentlich nicht viel falsch machen und damit ohne Bedenken die eigene Sammlung erweitern.

geschrieben am 01.08.08, Mr. Brain

Systemanforderungen Weitere Links
ScummVM
Download von ScummVM
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Dieser Klassiker-Test gehört zu  Vollgas.




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