Specials: Interviews: Black Mirror - Der dunkle Spiegel der Seele:

Interview mit David Nathan (Synchronsprecher Samuel Gordon)



David Nathan dürfte den Wenigsten unter euch ein Begriff sein, obwohl ihr seine Stimme vermutlich schon oft genug gehört habt: Der 33-jährige Berliner lieh nämlich bereits Hollywood-Größen wie Johnny Depp oder Christian Bale sein beeindruckendes Sprachorgan. Dass Adventurefans ihn schon sehr bald erneut ausführlich zu Ohren bekommen werden, hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass der Spielepublisher dtp David als Synchronstimme für Samuel Gordon, den Protagonisten des Gruseladventures 'Black Mirror', engagierte. Wir hatten bei den Tonaufnahmen des Spiels in den Hamburger Toneworx-Studios Gelegenheit, ihn ein wenig nach seinem Beruf zu befragen...

Wann und wie bist Du Synchronsprecher geworden?

Mein Vater hat mich da hinein gebracht. Der ist Schauspieler und ich hab dort immer mit rumgesessen und irgendwann haben sie dann zu mir gesagt: "Geh du ans Mikro und mach mal." Und dann hat sich das einfach so ergeben, wie das bei Kindern von Schauspielern so ist - die gehen ja oft in dieselbe Richtung.

Bist Du dann durchgängig dabei geblieben, oder hast Du zwischendurch eine Pause gemacht?

Ich hab eine Pause gemacht, aber das war mehr eine Zwangspause, weil wir in der DDR gelebt haben und einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Dann kamen noch das Abitur oder die Schauspielschule dazwischen. Das fiel so in das Alter von 16 Jahren und man war dann einfach abgeschrieben. Ich hab deshalb zwischendurch einen praktischen Beruf gelernt, nämlich Anstreicher auf dem Bau. Aber als wir dann ein Jahr vor dem Mauerfall übergesiedelt sind, hab ich das dann ganz schnell wieder sein gelassen und bin wieder Synchronsprecher geworden.

Wurde Dir dann direkt die Rolle von Johnny Depp angeboten?

Ja, die kam relativ schnell. Der erste Film war 'Don Juan'. Ich glaub das war so vor sieben bis acht Jahren, '94 schätze ich, weiß ich aber nicht genau.

Welche Rollen außer Johnny Depp sprichst Du sonst noch?

Viele, einen Haufen Serien natürlich. Auf 'Buffy' werde ich oft angesprochen, auf meine Rolle als Spike. Ich hab aber zum Beispiel auch Christian Bale in 'American Psycho' gesprochen.

Wirst Du manchmal aufgrund Deiner Stimme erkannt und angesprochen?

Selten, weil die nicht so markant ist. Manche Kollegen werden ja von jedem Taxifahrer erkannt, ich jedoch nur sehr selten. Fast nie.

Bist Du häufiger Sprecher in Computerspielen wie 'Black Mirror', oder kommt so was eher selten vor?

Es wird immer häufiger. Wahrscheinlich werden die einfach immer besser produziert in letzter Zeit. Es gibt ja auch immer mehr Spiele und so wird für uns Sprecher der Markt natürlich auch größer. Also es kommt schon öfter vor, dass man gebucht wird, oder es gibt ein Spiel zur Serie oder zum Film und dann ist man ja automatisch dabei. Das kann von mir aus ruhig noch mehr stattfinden.

Bereitest Du Dich auf Rollen in Computerspielen anders vor, als auf Filmrollen?

Nein. Computerspiele sind da oft noch gar nicht fertig oder es gibt kein richtiges Bild davon. Da gibt es wenig Möglichkeiten sich vorzubereiten - und eigentlich bereite ich mich auch gar nicht vor. Ich versuche das so zu gestalten, wie ich denke, dass es ok ist. Wenn ich die Story kennen lerne, was meist erst an dem Tag geschieht, an dem ich anreise, dann hoffe ich, dass das so gut wird, wie ich es mache.

Gibt es einen Schauspieler, den Du besonders gerne synchronisieren würdest?

Ich muss sagen, dass ich mit dem Johnny Depp schon zufrieden sehr bin, weil der wirklich besondere Filme macht. Es gibt eigentlich keinen, den ich jetzt unbedingt gerne sprechen würde.

Also macht Dir die Arbeit an Johnny Depp Filmen auch am meisten Spaß?

Das sind schon Filme, die mir am meisten Spaß machen, ja. Es gibt natürlich auch kleinere Filme, die gar nicht im Kino laufen, aber ganz tolle Rollen sind. Jedoch nimmt niemand Notiz davon, weil es einfach kein Publikum dafür gibt. Das gibt's natürlich auch. Ich hab jetzt aber auch keinen Lieblingsfilm, den ich gesprochen habe.

Schaust Du Dir die Filme, in denen Du synchronsprichst, auch im Kino an?

Früher, hab ich sie mir öfters angesehen, als es los ging mit großen Rollen und Hauptrollen im Kino. Da bin ich schon mal hingegangen, um mir das zu geben, aber mittlerweile stehe ich den ganzen Tag im Studio und hab mit Filmen zu tun und kenne die ganzen Kollegen in- und auswendig und muss da nicht abends noch im Kino sitzen und mir das anhören. Ich gehe sehr selten ins Kino.

Hast du schon mal einen der Schauspieler, die Du synchronisiert hast, kennen gelernt, oder weißt, wie sie auf Deine Stimme reagiert haben?

Man kriegt sehr wenig Feedback. Manchmal wird man ja eingeladen zu Premierenfeiern, wo dann auch die Jungs auftauchen. Aber da gab's schon viele peinliche Situationen von Kollegen, die sich dann am kalten Buffet getroffen haben und dann so was zu hören kriegen, wie: "I like your voice" oder so. Das brauch ich mir nicht geben. Ich weiß doch, wie es ist, wenn man im Kino sitzt, sich selber in einem Film sieht, den man gespielt hat, und plötzlich ist da eine andere Stimme drauf. Das kann einem ja gar nicht gefallen. Sicherlich würde ich Johnny Depp gerne mal kennen lernen, weil das mit Sicherheit ein interessanter Mann ist, aber nicht auf diese Art und Weise.

Im normalen Gespräch kann man Dir Deine Berliner Herkunft recht deutlich anhören. Ist es da schwierig in Deinen Rollen vollkommen akzentfrei zu sprechen?

Ne. Da ist ja Teil des Berufes. Das Hochdeutschsprechen muss man schon können. Das hab ich auch gelernt. Aber das heißt ja nicht, dass ich, wenn ich nicht arbeite, so reden müsste. Das machen eigentlich nur Schauspielschüler oder Leute, die sehr arrogant sind, dass sie die ganze Zeit immer so gestochen reden müssen. Dazu bin ich viel zu faul.

Wie kann man denn am Besten Synchronsprecher werden?

Zu allererst sollte man ausgebildeter Schauspieler sein - ist meine Meinung. Ich selbst war zwar nie auf einer Schauspielschule, hab aber Theater gespielt und gedreht. Ich bin durch meine Familie da natürlich auch vorbelastet. Aber wenn man so völlig unbeleckt ist, dann ist es, glaube ich, sehr schwierig. Es gibt einen Synchronregisseur aus Berlin, der an der Volkshochschule einen Kurs gemacht hat. Um sich dafür anzumelden zu können, muss man aber auch Schauspieler sein. Und da kann man das bei dem lernen. Aber man kann es eigentlich nicht wirklich lernen, nur indem man es ausübt.
Aber wie in allen Branchen ist es natürlich schwer da reinzukommen. Die nehmen natürlich zuerst die Leute, die sie kennen und jemand Neues muss erstmal eingearbeitet werden, muss erstmal die Routine kriegen. Und das dauert.

Spielst Du auch selber Computerspiele?

Ja, gerne. Ich hab eine Playstation und die ist bei mir eigentlich ständig in Benutzung. Aber ich persönlich mag Sportspiele, 'Pro Evolution Soccer' zum Beispiel. Und am Computer spiel ich auch, aber eigentlich eher Strategiespiele oder Wirtschaftssimulationen. Also keinen Rollenspiele oder so was.

Wir bedanken uns bei David Nathan für dieses Interview!


geschrieben am 26.03.2004, Matthias Mangelsdorf




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