Interview mit Mathias Reinke (dtp-Special)



In unserem exklusiven Firmenportrait sprachen wir mit fünf Mitarbeitern von der Firma dtp. Der Hamburger Publisher etablierte sich im letzten Jahr als der europäische Publisher für Adventurespiele schlechthin.
Das folgende Interview unseres exklusiven Specials führten wir mit dem Azubi Mathias Reinke. Zu der folgenden Textversion findet ihr HIER ausserdem das dazugehörige, ca. 5 Minuten lange Interview-Video.


Erzähl uns doch zuerst was von deiner Tätigkeit bei dtp.

Ja, ich bin bei dtp in der Ausbildung zum IT Systemkaufmann, mache diese jetzt noch anderthalb Jahre und dann schaun wir mal, was soweit passiert. Ich bin auch der zweite Mann in der Technik und mitverantwortlich für Gametests, technische "Inhauslösungen" und dergleichen.

Du nimmst also auch Kundentelefonate entgegen?

Ja, also wir machen auch Support, wobei wir für die grösseren Spiele den Support jetzt ausgegliedert haben, aber falls Kunden mal zu uns durchkommen und ein Problem haben, versuch ich da natürlich trotzdem denen entsprechend zu helfen.

Und was haben die Kunden meistens für Probleme, die wegen einem Adventure-Spiel anrufen?

Hm, die Probleme die bei mir eigentlich normalerweise aufschlagen, sind dann Probleme technischer Natur. Das sind dann meistens Sachen, dass vielleicht irgendwas nicht hübsch aussieht, oder dass man was nicht zum laufen kriegt. Das kriegen wir in 99% der Fällen im Telefonat behoben, sodass der Kunde dann fröhlich loslegen kann. So richtige Fragen zur Spieldynamik hatte ich bis jetzt noch keine.

Gibt es dann auch Leute, die nur anrufen, weil sie das Produkt schlecht finden?

Oh doch, das passiert schon ab und zu mal, dass Leute anrufen und dann so etwas sagen wie: "Ich wollt' Ihnen nur mal erzählen, Ihr Spiel ist ja der letzte Kack und..."

Aber es gibt auch positive Stimmen?

Ja, positive Stimmen gibt's auch. Das ist dann wieder so ein Highlight, wenn am Tag die Leute anrufen und sich tausend mal darüber bedanken, was für ein schönes Spiel wir doch gezaubert haben. Und das macht dann richtig Spass, dann weiss man wofür man gearbeitet hat.

Was hälst du von der Spezialisierung dtp's auf die Adventure-Spiele?

Find ich persönlich perfekt gewählt. Man sieht es wenn man sich so den Markt anguckt: Wenn Publisher versuchen in andere Segmente vorzudringen, haben sie es super schwer, da sich Sportspiele oder Rennspiele ohne grossen Aufwand lokalisieren lassen. Bei Adventures ist das wieder ein anderes Problem. Wir versuchen hier ja jedes Adventure komplett deutsch zu synchronisieren, so richtig mit Aufwand. Das lohnt sich halt für die Grossen nicht, so dass ich das schon sehr schön finde, dass wir uns in diesem Bereich spezialisiert haben und dass wir uns da auch entsprechend einen richtigen Namen gemacht haben.

Spielst du selber auch Adventures?

Ja, klar! Angefangen damals mit 'Zak McKracken' auf dem C64, dann 'Maniac Mansion' auch noch auf dem C64, die 'Monkey Island'-Teile und 'The Dig'... also wirklich auch "Old-School" so dabei gewesen. Dann war ich ein bisschen enttäuscht von der 3D-Steuerung, die da mit 'Grim Fandango' aufkam, das hat mich ein bisschen frustriert. Für unsere neuen Adventures bin ich natürlich wieder Feuer und Flamme: 'Black Mirror', 'Sherlock Holmes' und 'The Moment of Silence'.

Findest du, dass die neuen Titel mit den ganz alten Klassikern mithalten können?

Ich glaube die Spiele sind gerade wieder am kommen. Wenn man sich so anguckt was auf dem Markt geboten wird, sind das überwiegend Shooter. Ich denke, die Leute haben mittlerweile keine Lust mehr sich nur auf stupide Ballerspiele einzulassen, wo viel Story versprochen, im Endeffekt aber nicht geboten wird. Der Doom 3 Hype ist da ein gutes Beispiel für. Ich seh das bei mir in der Berufsschule zum Beispiel, da gibt's Klassenkameraden die sagen: "Hast du nicht mal wieder irgendwie was? Wir möchten mal wieder was wo unser Kopf gefordert wird. Wo wir 'ne Story haben und wo wir eine Geschichte richtig miterleben können".
Deswegen bin ich der Meinung, dass die Adventures wirklich wieder am kommen sind und dass das Genre wieder einen schönen Boom erleben wird.

Dtp soll also auch in Zukunft bei den Adventure-Spielen bleiben?

Ja, seh ich schon so, dass wir unser Hauptaugenmerk wirklich auf Adventures legen sollten, um halt die Nachfrage die auf dem Markt entstehen wird entsprechend sättigen zu können.

Ist es dann nicht eher von Nachteil, wenn dtp in Zukunft genretechnisch expandieren will?

Nein, finde ich nicht. Es ist schön wenn man sein Hauptgenre hat, wo man Fuss gefasst hat – und das hat dtp – dann aber sagt, wir möchten die Qualität die wir für Adventures geleistet haben auf andere Bereiche ausdehnen. Gerade deswegen finde ich es sehr gut wenn wir sagen, mit 'Dungeon Lords' machen wir unseren Schritt ins Rollenspiel-Genre. So wie 'Dungeon Lords' sich mittlerweile entwickelt wird es auch ein sehr schöner Schritt werden.

Wird 'Dungeon Lords' also an den Erfolg der dtp-Adventures anknüpfen?

Ja, denke ich schon und zwar auch auf dem Hintergrund, dass die Engine um 'Dungeon Lords' herum sehr offen, d.h. auch sehr Community freundlich ist. Es kann dort später ein Software Developers-Kit nachgereicht werden, so dass sich die Community selber immer weiter selbst Geschichten schreiben kann. Deswegen denke ich schon, das 'Dungeon Lords' ein riesen Erfolg wird.

Wie stehst du zu Innovationen und neuen Ideen für’s Adventure-Genre?

Sobald wir anfangen übermässig viele Actionsequenzen oder einfach nur irgendwelche andere Sequenzen einzubauen um die Zeit zu denen – so jetzt z.B. die Kistenrätsel oder irgendwelche Jump and Run-Einlagen – finde ich, schiesst das übers Ziel hinaus. Solange wir sinnvolle Innovation haben, finde ich es in Ordnung, nur ich denke ein Adventure ist nicht für Spieler gemacht, die durchs ganze durchhetzen wollen, sondern eher für Leute, die sich auf die Story und die Atmosphäre einlassen wollen und meistens versuchen, alles zu erkunden. Wenn man jetzt zwangsweise immer mehr von solche Actionsequenzen einbaut, nimmt das für mich persönlich irgendwo diesen Reiz vom Genre weg.

Was hälst du von dem Adventure-Spieler an sich?

Über die Adventure-Spieler an sich. Oh, da muss ich jetzt aufpassen (lacht). Das ist schwer zu sagen, also ich denke mal, Adventure-Spieler sind vor allen Dingen Spieler, die in der modernen Zeit es nicht verlernt haben, ihre Fantasie wirken zu lassen. Und das sind Spieler, die mehr als nur den Alltagsbrei haben wollen, die wirklich bei den Spielen geistig gefordert werden, bzw. vernünftig unterhalten werden möchten. Das ist leider in der Zeit des heutigen Medienkonsums bei vielen Leuten nicht mehr so der Fall. Ich hab eigentlich eine sehr hohe Meinung von Adventure-Spieler.

Welcher Titel vom letzten Jahr, ist bisher dein persönlicher Favorit?

Wirklich Spass gemacht hat mir 'Black Mirror'. Als ich das das erste Mal vom Produkt Manager in die Hand bekommen habe, zum einen Blick drauf werfen und die Meinung abgeben, da hatte ich die englische Version. Die hat mir von der Lokalisierung allerdings nicht wirklich gefallen, da hätte ich dem Spiel schon fast gesagt: "Ne, komm. Das lohnt sich nicht." Dann hatten wir aber Gott sei dank die tschechische Version, also die Version mit der tschechischen Sprachausgabe, mit von den Entwicklern nachgereichtem Patch mit englischen Untertiteln und ich muss sagen, ab da hat es mich gefesselt. Ich hab dann auch die tschechische Version durchgespielt, entsprechend hat es aufgrund der Übersetzung an ein, zwei Stellen gehakt, aber seit dem ist/war 'Black Mirror', mein Highlight des letzten Jahres.

Welcher war dein persönlicher Flopp?

Ich würd' mal sagen, um vom Genre weg zu gehen: 'Doom 3'.


geschrieben am 09.02.2005, Philipp Thalmann




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