Point of View:

Point of View: Ein Blick zurück

Inhaltlicher Anspruch und Computerspiele- zwei Felder, die sich nur höchst selten kreuzen. Wie es anders geht, zeigten hingegen 'Aftermath Media' mit ihrem ungewöhnlichen FMV-Titel 'Die Versuchung' im Jahre 1998. Auch wenn das Wort Spiel bei diesem interaktiven Film -samt Schauspieltitan John Hurt- wohl nur sehr unzureichend zutraf.Als heimlicher Beobachter eines psychologischen Dramas, gab es für Spieler nicht ein einziges Rätsel zu lösen, dafür aber im Leben der Betroffenen herumzuschnüffeln und neben Psychotests, Fragen zur Story zu beantworten, mit denen man den Verlauf der Handlung verändern konnte. Selbst nicht geringe Teile der Mainstream-Medien reagierten mit großem Wohlwollen auf das mutige Projekt, auch wenn dies 'Aftermath' nicht zu großen Verkaufzahlen verhelfen konnte.

Im Jahre 2001 war die Zeit für David Wheeler und Rob Landeros ,die Macher 'der Versuchung'- mittlerweile unter dem Banner Digital Circus Entertainment vereint- dennoch reif, einen weiteren FMV-Titel auf Basis eines ähnlichen Prinzips zu veröffentlichen: 'Point of View'. Heraus kam eine sorgfältige Charakterstudie um die traumatisierte Jane Dole, die den Arthausfilm ins FMV-Business lotste, lange nachdem die eigentliche Ära des interaktiven Filmes ohnehin vorbei war. Große Probleme mit dem Geldgeber und miserable bis nicht vorhandene Promotion sorgten dafür, dass dieses sperrige Projekt, das sich gegen jegliche Konvention auflehnte, niemals auch nur einen Bruchteil der Beachtung auf sich ziehen konnte, der der 'Versuchung' widerfuhr- so wurde 'Point of View' in Deutschland zb. erst gar nicht veröffentlicht. Wir werfen einen Blick zurück auf dieses kunstvoll-geflochtene Werk, dessen extrem niedriger Bekanntheits-Status keineswegs mit niedriger Qualität gleichzusetzen ist.


Anmerkungen: Dieser Artikel bezieht sich auf die DVD-Version von 'Point of View', die neben der Funktionalität auf PCs durch Programme wie WinDVD, PowerDVD oder dem Windows Media Player auch auf herkömmlichen DVD-Geräten abgespielt werden kann. Zur "Speicherung" kann man sich nach jedem Kapitel einen Code angeben lassen, mit dessen Hilfe man beim nächsten Mal exakt dort weitermachen kann, wo man das letzte Mal aufgehört hat.

Da in unsere Classic Corner nur Titel des alten Jahrtausends fallen und sich das ungewöhnliche Prinzip von 'Point of View' nur schwer in unserem Review-Wertungssystem erfassen lässt, verzichten wir auf eine Prozent oder Lupen-Wertung.


Dreh und Angelpunkt: Die mysteriöse Schönheit Jane.

Begleitet von den depressiv-treibenden Klängen der kanadischen Elektro-Pop-Band 'Payton Rule and Jefreejon' treffen wir auf Jane. Seit einem traumatischen Ereignis in ihrer Vergangenheit, das im Laufe von 'Point of View' gelüftet wird, hat sich die attraktive Jane weitestgehend von ihrer Umwelt isoliert. Lediglich ihre Freundin Mary ist so etwas wie eine Verbindung zur realen Welt. Ansonsten hält Jane ihre Umwelt bevorzugt in Fotografien und Bildern fest, so etwa ihren Nachbarn Frank, den sie heimlich fotografiert, in Gemälden verewigt und zum Teil ihrer Fantasie nach Glück, Geborgenheit und Liebe macht. Bald werden wir Zeugen, wie sich Jane und der sympathische Musiker und Zeitungsausträger Frank begegnen und es zu einem ersten behutsamen realen Kontakt kommt. Frank ist fasziniert von der mysteriösen Blondine und ihrem rätselhaften Wesen, ohne die Ausmaße ihrer Entfremdung und traumatischen Vergangenheit zu erahnen. Doch die Frage ob Jane ihre Ängste überwinden kann, sich Frank gegenüber öffnen wird und jemals mit ihm zusammen ein normales und glückliches Leben führen kann, ist bei weitem nicht die einzige Frage, mit der sich 'Point of View' beschäftigt.

Auch Lebenskünstler Frank ist fasziniert von Jane.

Nachdem Janes Freundin Mary ihr davon erzählt, sich per Zeitungsannoncen mit einem unbekannten Charmeur auszutauschen, verfolgt Jane heimlich die Zeitungs-Korrespondenz der beiden und als es nach wochenlangem Kontakt endlich zum Treffen zwischen Mary und dem geheimnisvollen "P" kommen soll, begeht Jane einen folgenschweren Fehler. Verkleidet begibt sie sich an den Ort des Treffen und wird dabei fälschlicherweise von "P" für Mary gehalten. Als Jane dem Soziopathen klar macht, dass es sich um eine Verwechslung handelt und sie nicht Mary sei, lässt sie bei ihrer abrupten Flucht eine Taschenuhr zurück, in die ihr vollständiger Name eingraviert ist. Am nächsten Morgen erfährt Jane in der Zeitung erschüttert vom angeblichen Selbsmord ihrer besten Freundin am letzten Abend. Ist "P" in Wirklichkeit ein eiskalter Frauenmörder, der es nun auch auf sie abgesehen hat? Nur wenige Minuten später klingelt auch schon das Telefon und ein nicht enden wollender Telefonterror beginnt. Bei der Polizei berichtet Jane vom Treffen zwischen Mary und "P", dass dieser Mary ermordet habe und nun hinter ihr her sei. Doch die Fakten sprechen gegen Jane und so muss die Polizei Peter -alias "P"- umgehend wieder laufen lassen. Hinzukommt, dass sich Jane schon bald mit zwei weiteren potentiell gefährlichen Männern auseinandersetzen muss, die die Frage aufwerfen, ob "P" überhaupt der jenige ist, der Mary auf dem Gewissen hat. Oder besteht womöglich sogar die Chance, dass Janes verletzte Psyche ihr etwas vorgaukelt, was sich zum größten Teil in ihrer Fantasie abspielt?

Der interaktive Blickwinkel

Eine von vielen Fragen, die es zu beantworten gilt.

Anders als in anderen interaktiven FMV-Titeln wie zb. 'Gabriel Knight II' oder der 'Tex Murphy'-Reihe haben wir es hier definitiv nicht mehr mit einem Adventure zu tun, sondern mit einem interaktiven Film in Reinkultur. Über 12 Kapitel verfolgen wir eine Charakterstudie, tauchen tief in das Leben und die Eigenheiten der diversen Charaktere ein. Nach jedem Kapitel gelangen wir in ein Menü, das die Funktionen enthält, die aus diesem Arthausfilm einen interaktiven Film machen. Wie schon in der 'Versuchung', beantworten wir per Multiple Choice Verfahren Fragen zum Inhalt, die sich zb. mit unseren Einschätzungen über die Charaktere auseinandersetzten, oder eben unser persönliches Empfinden zu dem gerade gesehenen abfragen. Hinzu kommt eine Reihe von allgemeinen, psychologischen Fragen, die sich nicht mit der Story an und für sich, aber zumeist mit Thematiken auseinandersetzen, die in 'Point of View' angeschnitten werden (zb. Entfremdung in der Großstadt). Anders als im vorherigen Titel der Entwickler haben unsere Antworten - bis auf das Finale- wenig Auswirkungen auf den Verlauf. Hier und da mal eine ganz leicht veränderte Szene, oder eine zusätzliche bzw. fehlende Filmszene und das war es dann auch schon. Der Punkt, den wir durch unsere Antworten hingegen wesentlich beeinflussen und der gemäß des Titels völlig auf unserem Blickwinkel basiert, ist die Endauflösung. Letzlich ist das Prinzip, dass der eigene Blickwinkel das Ende bestimmt, aber nur unzureichend ausgeführt. Zu ähnlich sind sich die verschiedenen Enden, lediglich die Figuren, die eine jeweilige Rolle einnehmen, ändern sich, zumal auch nicht jede der Endauflösungen besonders plausibel wirkt. In der 'Versuchung' war der Einfluss des Spielers auf die Handlung weitaus größer, führten die eigenen Antworten zu gänzlich verschiedenen Ausgängen und sorgten auch für mehr spürbare Abweichungen durch das ganze "Spiel" hinweg. Aber im Grunde kann man Wheeler und Landeros keinen Vorwurf machen, bedenkt man, wie ungleich höher die finanziellen Möglichkeiten beim Vorgänger waren und wie viel mehr Zeit man hatte um ausreichend Filmmaterial aufzunehmen.

Hoppla! Wer hat denn da Drogen im Gepäck?

Aber um zurück auf das Menü nach den Kapiteln zu kommen: Nach dem Beantworten der jeweiligen Fragen, haben wir die Möglichkeit tiefer in die Handlung einzutauchen, indem wir uns zum einen per Option "Encounters" Kommentare der im letzten Kapitel beteiligten Charaktere anhören können, die uns ihre aktuellen Positionen und Einschätzungen zu aktuellen Entwicklungen mitteilen. Dazu kommt zum anderen die Funktion "Explore", die uns eine Reihe an Gegenständen begutachten lässt, die uns deutlich mehr über die Hauptfiguren verraten. Das können zb. psychologische oder polizeiliche Gutachten sein, die Chronologie der Annoncen zwischen Mary und "P", oder in vielen Fällen persönliche Gegenstände der Charaktere, die deren Seelenlage Stück für Stück mehr offenbaren. Dieses sehr gelungene Feature präsentiert sich als hervorragende Kombination zum filmischen Element, denn Stück für Stück erhalten wir durch die persönlichen Gegenstände mehr Details über die Personen, so dass sich unsere Sichtweise gerade hierdurch mehr und mehr schärft. Speziell die Abgründe einiger Personen werden uns besonders durch diese Items immer deutlicher vor Augen gehalten. Wenn wir zb. masochistische Pornos und verzweifelt-verstörende Notizen im Besitz einer Person finden, dürfte dies sicherlich einen Eindruck auf unsere Beurteilung der Person hinterlassen. Im Grunde ersetzt die sehr simple aber ebenso effektive "Explore"-Möglichkeit die First Person-Engine der 'Versuchung', mit der wir im Quasi-Vorgänger – abseits der Filmsequenzen und "Fragerunden"- durch das Haus der Overtons schnüffelten.
Davon abgesehen, bietet das Menü noch die Möglichkeit das letzte Kapitel erneut zu betrachten, falls man sich einige Details vielleicht verdeutlichen möchte, was allerdings wohl kaum nötig sein dürfte.

Die Optik

Carol spendet Frank Trost.

Etwas schade ist die wechselhafte Qualität der DVD-Optik. Während einige Szenen relativ klar aufgelöst sind, warten so einige andere mit entweder sehr streifigem Bild oder einem stetigen Flimmern auf. Allerdings ist dies alles Klagen auf recht hohem Niveau, denn wirklich schlecht sieht das Ganze trotzdem nie aus, wenn auch eine durchgehend gleich gute Bildqualität zu wünschen gewesen wäre. Gelegentlich spielt das Spiel gekonnt mit Schwarz-Weiß-Tönen, die sich, neben dem hier besonders deutlich zu bemerkenden Flimmern, sehr gut in den künstlerischen Ton dieses interaktiven Films einfügen.
Generell hat Regisseur und Autor David Wheeler mit seinem auf digitaler Betacam gefilmten Drama einen hervorragenden Job als Regisseur gemacht. Die kostengünstige Filmtechnik liefert authentische Bilder, die stark an europäische Low Budget-Dramen erinneren und dabei den stets richtigen Ton treffen.

Der Sound

Payton Rule in Aktion.

Nicht wenige Szenen sind mit Musik der bereits erwähnten Elektro-Pop-Band 'Payton Rule and JefreeJon' unterlegt, die in 'Point of View' auch einen Live-Auftritt hinlegen. Egal ob im Vordergrund, oder in manchen Szenen dezent im Hintergrund eingesetzt, ist die kanadische Band stets präsent genug um dem Spiel ihren melancholischen Stempel aufzudrücken und die traurig-beklemmende Atmosphäre zu stützen. Von elektronischen Beats, über Klavier, Saxophon oder ruhige Gitarren, über denen zumeist die Stimme von Sängerin Payton Rule schwebt, haben Digital Circus hier seinerzeit – meiner subjektiven Meinung nach- eine gute Verpflichtung für den musikalischen Score getätigt. Auch ansonsten leistet man sich beim Sound keine Schwächen. Die stimmlichen Leistungen der Schauspieler sind hervorragend, die Hintergrundkulisse aus Möwenschreien und entferntem Straßenverkehr, die wir in Janes Wohnung wahrnehmen, sorgt für zusätzliche Authenzität.

Die Darsteller

Stefanie von Pfetten erweist sich als ideale Besetzung.

Keine Frage, ein Projekt wie 'Point of View' steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit der Darsteller. Und auch wenn David Wheeler und Rob Landeros dieses Mal nicht annähernd die finanziellen Möglichkeiten der 'Versuchung' zur Verfügung standen und sie keinen großen Star -wie seinerzeit John Hurt- aus dem Hut zaubern konnten, haben sie eine hervorragende Besetzung auf die Beine gestellt. Ein spezielles Augenmerk liegt hierbei natürlich auf der Rolle von Jane, da sie der Dreh und Angelpunkt dieses interaktiven Films ist. Umso erfreulicher, dass die – bis auf eine Hauptrolle an der Seite von Til Schweiger in der internationalen Drama-Koproduktion 'One Way' – weitestgehend unbekannte TV-Darstellerin Stefanie von Pfetten in ihrer intensiv gespielten, verzweifelten wie einfühlsamen Art absolut nicht von der Figur Jane zu trennen ist. In einer Mischung aus natürlicher Schönheit und jeder Menge Tiefgang, lässt Von Pfetten den tragischen Charakter real werden, mit dem der Zuschauer mitleidet, Beschützerinstinkte empfindet und sich ein positives Ende für Jane herbeisehnt.

Mit "P" ist nicht zu Spaßen.

Eine enorm wichtige Funktion nimmt auch der Charakter Frank ein. Die Sympathie zwischen Jane und Frank überträgt sich auch auf den Spieler, besonders da man den gutmütigen Lebenskünstler Frank in einer bedrohlichen Umgebung als so etwas wie den potentiell rettenden Anker für Jane wahrnimmt. Auch dies gelingt nur weil Darsteller Chris Bradford genau die Eigenschaften auf den Bildschirm bringt, die einen glaubwürdigen Charakter Frank erschaffen, mit dem man ebenso mitfühlen kann, wie mit Jane.
Von der reinen Schauspielqualität her ist neben Stefanie Von Pfetten aber wohl ganz besonders der "P"-Darsteller Paul Jarrett (hauptsächlich in einigen TV-Gastrollen wie 'Akte X' zu sehen gewesen ) hervorzuheben. Nie verfällt seine Figur ins stereotype- im Gegenteil, Jarretts authentisches Portrait einer gescheiterten Existenz voller Zwänge und Neurosen entblättert schonungslos das Innenleben dieser Person, die beängstigend reale Züge trägt.

Ltd. Edwards: Beschützer oder Bedrohung?

Dann gibt es da unter anderem auch noch den undurchsichtigen Polizisten Ltd. Edwards, der zwar mit anderen Neurosen zu kämpfen hat als "P", hinter dessen oberflächlicher Fassade sich aber im Laufe von 'Point of View' ein weiteres Sammelsurium aus Abgründen ergibt. Dargestellt wird dieser von Christopher Shyer, der neben Auftritten in einigen Kinofilmen unter anderem in mehreren Ausgaben der TV-Serien 'Monk' und 'The Practice' zu sehen war. Abschließen gilt es zu sagen, dass 'Point of View' im Bezug auf darstellerische Leistungen auf voller Linie punkten kann und das Projekt trotz namenloser Schauspieler nie Gefahr läuft, auf das Niveau einer billigen Soap Opera abzusinken.

Verfügbarkeit

Wenn man nicht mit ganz viel Glück mal beim deutschen Amazon Marketplace oder Ebay auf das Digital Circus-Werk stößt, bietet sich hier lediglich ein Kauf aus den USA an.Dort dürfte man diesen in Deutschland nie veröffentlichten interaktiven Film (eventuell mit etwas Geduld) zb. auf Ebay.com erwerben dürfen.

Wissenswertes rund um Point of View


Jane und Frank: Die Karten werden auf den Tisch gelegt.

Die Begleitumstände, unter denen das erprobte Team um Autor und Regisseur David Wheeler ('11.th Hour', 'Die Versuchung') und Produzent Rob Landeros ( '7.th Guest', '11.th Hour', 'Die Versuchung' )'Point of View' fertig stellte, könnte man wohl gelinde als katastrophal bezeichnen. Im Laufe der Post-Production ging der Geldgeber bankrott und sämtliche Kosten, die nun noch zu tragen waren, mussten von Wheeler und Landeros beglichen werden- die beiden haben für dieses Projekt nicht einen Cent an Gehalt bekommen.Da die Vertriebsfirma 'DVD International' ebenfalls mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte und sie eine finanzielle Beteiligung am anstehenden Marketing erwartet hatte, die Wheeler und Landeros- nachdem sie bereits ihr eigenes Geld investieren mussten, um das deutlich verspätete Projekt abzuschließen- nicht in der Lage zu zahlen waren, stellte sich DVD International stur. Sie veröffentlichten 'Point of View', allerdings ohne jegliche weitere Promotion, die Folgen kann sich jeder denken.

-Das Film-Budget für den in 12 Tagen aufgenommenen interaktiven Film nahm gerade einmal ca. 85.000 Dollar in Anspruch. Das gesamte Budget schätzt David Wheeler auf eine Summe von 250.000 Dollar ein. Zum Vergleich: Bei der Versuchung waren es noch rund 1.5 Millionen Dollar.

-Ursprünglich sollte das Projekt unter dem Namen 'The Watcher' veröffentlicht werden. Aufgrund der Veröffentlichung des gleichnamigen Filmes mit James Spader und Keanu Reeves musste man von diesem Plan allerdings absehen.

Das Fenster zum Hof.

- Das ursprüngliche Script enthielt eine deutlich höhere erotische Komponente (wie es auch schon in der 'Versuchung' der Fall war). Als Jane-Darstellerin Stefanie Von Pfetten kurz vor Drehbeginn diesbezüglich immer nervöser wurde und sich mit den sexuellen Inhalten der ' Versuchung' auseinandersetzte (zumindest vermutet David Wheeler hier drin einen wesentlichen Aspekt), weigerte sie sich nach ihrer vorherigen Zustimmung- sich für 'Point of View' auszuziehen. Verärgert darüber, dass Von Pfetten erst kurz vor Drehbeginn mit dieser Entscheidung auf David Wheeler zukam, überlegte dieser sogar noch, sie kurzfristig zu ersetzten. Da er Stefanie Von Pfetten aber als die perfekte Besetzung für Jane ansah, blieb er bei seiner exzellenten Wahl, verzichtete auf Nacktszenen und zeigte sich auch im Nachhinein sehr froh darüber, nicht auf die Schauspielerin verzichtet zu haben, auch wenn er den sexuellen Aspekt des Scripts vermisst.

-Die erste Planung sah voraus, dass die Band 'Payton Rule and JefreeJon' nur die zwei Stücke beisteuern sollte, die sie bei ihrem Liveauftritt – mit dem fiktiven Bandmitglied Frank- zum besten geben. Am Ende aber, übernahmen die Kanadier fast den kompletten Score.

-Während das komplette Script von Wheeler stammt, hat sein Gegenpart (und Produzent) Landeros sämtliche interaktiven Inhalte übernommen. So stammen zb. alle Fragen zwischen den Kapiteln, das Design der Menüs und sogar das Cover-Artwork von Landeros.

-David Wheeler oblag eine führende Funktion beim kürzlich veröffentlichten Videospiel 'The Bourne Conspiracy'. Aktuell arbeitet er als Content-Director am 'Ghostbusters'-Videospiel.

Als Quelle für die meisten dieser Details, diente ein extrem ausführliches Interview, das der Betreiber einer 'Point of View'-Fanseite vor Jahren mit Wheeler und Landeros führte.
Das aufschlussreiche Interview findet sich unter folgendem Link, enthält allerdings extreme Story-Spoiler.

Link zum Wheeler/Landeros-Interview

Zu unseren Point of View-Screenshot-Galerien

Zum Trailer

Zum Test von "Die Versuchung"




Fazit:

Es ist wahrlich kein leichter Stoff, den man von 'Point of View' serviert bekommt, menschliche Abgründe im Detail, wohin das Auge blickt (bis auf wenige Ausnahmen).Da hier – wie man es zb. von entsprechenden Filmen aus Frankreich kennt- weit mehr Wert auf ein möglichst intensives Auseinandersetzen mit den Charakteren (besonders mit Jane) gelegt wird, als auf eine möglichst spannende Handlung, sollte man sich bewusst machen, dass wir es hier teilweise (!) mit sehr langen Szenen zu tun haben, in denen nicht viel an Handlung stattfindet, sondern ein ausführlicher Einblick in das Leben von Jane gewährt wird. Insofern unterscheidet sich 'Point of View' auch von der 'Versuchung', das neben den sorgfältigen Charakterausarbeitungen mit seiner Story auch als Unterhaltungsprodukt gut funktioniert hat. 'Point of View' hingegen, treibt das Aufstreben gegen die Konventionen auf die Spitze (zumindest wenn wir es nicht als reinen Film, sondern als interaktives Erzählmedium ansehen) und versteht sich mit Sicherheit nicht als Unterhaltungsprodukt. Somit ist klar, dass dieser Titel für ein sehr begrenztes Publikum interessant sein dürfte und er voraussetzt sich auf das Konzept einzulassen. Wer aber Interesse an Arthausfilmen hegt, oder einfach Fan von sehr gut produzierten FMV-Titeln ist, kann hier absolut nichts falsch machen. Überzeugende Darsteller, allen voran die mitreißende Stefanie von Pfetten, exzellente Regiearbeit und die beklemmende Atmosphäre machen 'Point of View' nach wie vor zu einem faszinierenden Titel, der es nicht verdient, in völliger Unbekanntheit zu verschwinden. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass das Konzept der verschiedenen Enden letztlich nicht aufgeht, da diese einfach zu wenig voneinander abweichen.


geschrieben am 09.01.2009, Ingmar Böke




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