Specials: Interviews: Alan Wake:

Interview mit Poets of the Fall (Teil 2)

Wir sind stolz, euch den zweiten Teil unseres Interviews mit der finnischen Rockband Poets of the Fall präsentieren zu dürfen, in dem wir uns ein bisschen mehr über Musik, Songwriting und Inspirationen unterhalten haben.

AC: Vielleicht können wir ein paar Schritte zurück gehen und darüber reden, wie ihr angefangen habt?

Marko:
Offiziell haben wir 2003 begonnen, als wir Poets of the Fall gebildet haben. Aber ich habe ja vorhin schon erzählt, dass Olli und ich vorher bereits in einer anderen Band waren und Songs geschrieben haben und schließlich diese Band verlassen haben, weil es für uns nicht so lief, wie wir uns das vorstellten. Wir haben uns also zwei Nächte pro Woche zusammengesetzt und Songs geschrieben und irgendwann dachten wir uns dann: "Warum gründen wir nicht eine Band und versuchen wirklich etwas daraus zu machen?" Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch normale Jobs und alles lief in Ordnung, aber irgendetwas fehlte.

(Alle lachen)

Und dieses Etwas war die Tatsache, dass wir professionell Musik machen wollten und versuchen wollten, damit unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. In demselben Jahr haben wir dann auch Captain getroffen und Poets of the Fall gegründet und nicht allzu viel später haben wir dann "Late Goodbye" geschrieben und als 'Max Payne 2' rauskam, wurde das unglaublich erfolgreich und plötzlich kannte man uns in ca. 82 Ländern oder so. Und seitdem werden wir ständig gefragt ob wir zu ihnen ins Land auf Tour kommen können. Aber natürlich braucht es dazu viel Zeit und Geld, also alles zu seiner Zeit. Hoffentlich werden wir es irgendwann schaffen, in all diesen Ländern zu spielen, in die man uns eingeladen hat.

AC:Wie kamt ihr auf den Namen "Poets of the Fall"?

Olli:
Ich habe ihn aus einer Liste ausgewählt.

(Alle lachen)

Marko: Im Grunde ist das aber, was passiert ist. Ich habe einfach Namen aufgelistet, die die Musik repräsentieren und in etwa die Stimmung der Musik transportiert. Ja, das war dann das zweite Din A4 Blatt voller Namen und irgendwann schrieb ich "Poets of the Fall" und wir dachten uns: "Ja, das ist es!"

Olli:/b] Es kam irgendwie ganz einfach, weißt du? Marko hat einfach die richtigen Worte gefunden, denn da waren hunderte Namen. Und dann plötzlich erschien es ganz natürlich zu sagen: "Ja, so und nicht anders."

Marko: Wir haben nicht wirklich darüber nachgedacht, dass das für manche Leute schwer auszusprechen sein könnte.

Olli: Speziell für das finnische Publikum ist das ein schwieriger Name.

Marko: Aber die Leute haben es ganz gut gelernt, es war nicht wirklich ein Problem. Aber es gibt natürlich immer Leute die sagen "Hey, was für ein Name ist "Poets of the Fall", der ist lang und schwierig und dumm." Aber wir haben uns da keine Gedanken drüber gemacht. Wir haben uns einfach gedacht, dass es zur Stimmung der Musik passt. Architekten der Zerstörung. Loser. Drehbuchschreiber des Untergangs.

(Alle lachen)

AC: Wenn du einen Song schreibst, was inspiriert dich/ euch?

Olli:
So ziemlich alles um uns herum.

Marko: Kleine Momente, wenn du etwas siehst, was dich berührt, wie zum Beispiel etwas, das nichts mit Musik oder so etwas zu tun hat. Jemand, der etwas schön und gut für jemand Anderen tut, oder auch wenn etwas Schlimmes passiert, dass dich dazu bringt über die Dinge nachzudenken. All jene Dinge, an die man sich auch nach einer Weile noch erinnert. Und dann, wenn du anfängst, zu schreiben, sind das die Stimmungen und die Momente, die auf eine gewisse Art aus einem selbst heraus kommen. Das Schreiben von Musik ist so ziemlich die Verarbeitung dessen, was du in dir gespeichert hast und dann fängst du an mit der Gitarre, mit dem Klavier oder einfach nur, indem man eine Melodie vor sich hin summt. Das ist im Grunde instrumental um die Dinge, die man in sich hat, zu verarbeiten. Der Mist, der Unsinn, oder was auch immer, beginnt sich zu verändern und kommt dann als Musik raus. So sehe ich das zumindest. Also, um Musik zu schreiben, musst du dein Leben leben und dann nach einer Weile, oder einem Jahr oder so, gehst du ins Bett, und es ist 23.30 und du bist fast einschlafen und dann ganz plötzlich beginnt etwas in deinem Kopf zu spielen, und du musst aufstehen und diese Melodie oder diese Worte sofort aufschreiben, oder du verlierst sie. Denn das ist genau das, was beginnt zu geschehen, wenn man genug von dieser Art Erfahrungen in sich hat.

AC: Gibt es Bands, die euch beeinflussen oder euch in der Vergangenheit beeinflusst haben?

Marko:
In der Vergangenheit, ja, heute wahrscheinlich nicht mehr so, weil wir so viel mit Musik arbeiten, dass wir selbst kaum noch Musik hören. Ich meine, wir sind meistens auf Tour und spielen jede Nacht auf der Bühne und den Rest der Zeit schläfst du, oder versuchst, das Radio zu vermeiden. Und dann, wenn du im Studio bist, bist du so involviert in das Schreiben und Komponieren der Musik, dass kaum Zeit bleibt, sich noch andere Bands anzuhören. Ich meine, als unser erstes Album herauskam, waren wir wirklich scharf auf alle Charts und wollten wissen, wie wir uns schlugen und kannten jede andere Band, die auf diesen Listen waren. Heute könnte man mir irgendeine Frage über die Charts oder so stellen und ich hätte keine Ahnung. Wir saßen gerade heute im Taxi und unsere Promoterin hat bei so ziemlich allen Songs mitgesungen, die im Radio liefen. Sie kannte alle Bands und alle Songtexte. Und wir dachten uns "Moment, wir sind doch hier die Musiker, und wir wissen nicht das geringste über diese Songs." Ich persönlich wurde aber beeinflusst von, nun ja, vielen Bands. Alles Mögliche, von U2 bis Panthera, Metallica, Scorpions, im Grunde alle möglichen Rock- Gruppen. Aber auch traditionelle irische Musik. Gut, die kann man nicht immer hören, macht aber Spaß, vor allem wenn man nur die Musik, also ohne Gesang, hört.

Captain: Ich höre viel klassische ...

Olli: Pink Floyd!

Captain: Ja, Pink Floyd, hätte ich fast vergessen. Und dann viel klassische Musik und Film-Soundtracks und ..

Marko: Depeche Mode!

Captain:
Ja, Depeche Mode. Und eine Band namens Electric Light Orchestra, das ist wohl die großartigste Band von all denen.

Olli: Ich kann wohl sagen, ich habe meine eigenen speziellen Lieblingsbands. Ich mag natürlich Gitarristen verschiedener Kategorien, Jazz, Rock, dann gibt es die gleichen Bands, die wir alle hören: Metallica, Panthera, Nirvana, Pearl Jam und die Scorpions.

Marko: Der Grunge-Ära war immens wichtig für uns.

Olli: Rage against the Machine natürlich. Aber weißt du, ich habe auch noch meine persönlichen Favoriten. Früher habe ich zum Beispiel viel Modern Talking gehört, oder die Dire Straits, Michael Jackson, diese Art Musik. Später dann mehr Van Halen und Dream Theater und heute ist es mehr Jazz.

Marko: Gibt es eine Band, die wir noch nicht erwähnt haben?

(Alle lachen)

AC: Keine Wichtigen.

(Alle lachen)

Olli: Led Zeppelin.

Marko: Ich habe mir Stairway to Heaven vor langer, langer Zeit mal angehört, und es war wirklich genial. Und dann später versuchte ich weitere Lieder, also auch mal ein ganzes Album von ihnen anzuhören, das konnte ich einfach nicht. Mochte ich überhaupt nicht. Aber sie sind nichtsdestotrotz eine großartige Band!

Olli: Was wirklich lustig war, dass ich Zeppelin erst vor zwei Jahren oder so für mich entdeckt habe. Und dann hörte ich mir das erste Album an und dachte mir "Ooookay, da habe ich wirklich was verpasst." Und dann habe ich alle ihre Alben gekauft und bin nun ein riesiger Fan.

Marko: Ja, der Grund, warum du das verpasst hast, war wahrscheinlich, dass du geboren bist, nachdem die Band sich getrennt hat.

Olli: Aber irgendwie sehe ich die ganze Musik, wie eine riesige Bibliothek, durch die ich mich nur langsam durcharbeiten kann und ich bin jetzt an diesem Punkt, und ich habe wahnsinnig viel Musik, die nur darauf wartet, von mir gehört zu werden. Ich finde das total schön. Ich versuche, so viel Musik in meinem Kopf wie möglich zu bekommen. Ich versuche, so viel Musik zu kaufen, wie ich mir leisten kann. Ich meine, ich lese natürlich auch Bücher, aber weißt du, meine Bibliothek sind die CD's die ich habe.

AC: Als ihr "Twilight Theater" eingespielt und geschrieben habt, hättet ihr gedacht, dass es dermaßen gut ankommt?

Marko:
Also natürlich hofft man immer das Beste, versucht aber, sich darauf vorzubereiten, dass es auch mal nicht so toll laufen könnte. Wir waren aber wirklich super glücklich, als es in Finnland auf Platz Eins der Charts stieg und so weiter. Aber na klar, man tut, was man tut und hofft, dass es einen im Leben voran bringt. Das ist im Grunde das einzige, was man tun kann. Und natürlich das "Tun" zu genießen, nicht nur darauf zu schauen, was es einem bringen könnte.

AC: Habt ihr Favoriten auf dem Album? Und wenn ja, warum?

Marko:
Nun, alle. Weil sie wirklich persönlich sind. Im Grunde wie eigene Kinder und es ist wirklich schwer zu sagen. Sie alle haben ihre eigene Persönlichkeit und es ist wirklich schwer zu sagen "Oh, ich mag Maddie lieber als Heather". Sie sind alle irgendwie individuell, anders und in jedem Einzelnen steckt ein Stück von dir selbst und jeder Song hat eine besondere Bedeutung für dich. Du hörst diesen Song heute und morgen einen anderen, weil es ein anderer Tag ist und du dich anders fühlst. Sie sind alle gleichwertig und man kann sie nicht wirklich einordnen. Das macht es natürlich auch schwierig, auszuwählen, welches Lied die Single werden soll. Welches ist das Beste, das erste, das wir der Öffentlichkeit präsentieren werden und das sich alle ansehen werden und dann den Rest anhand dieser einen Single beurteilen werden. Wir haben "Dreaming Wide Awake" einer Menge Leute vorgespielt und sie gefragt, ob es das Album gut repräsentieren würde, auch weil es der erste Song des Albums ist. Wir hatten so viele Songs, eigentlich alle und alle mussten sich alle Songs anhören, bis wir dann entschieden haben: "Ja, mit dieser Single fangen wir an."

AC: Eure Vorgängeralben hatten immer einen gewisse Unterton, entweder ein wenig melancholisch oder wie zum Beispiel, "Revolution Roulette" das einen etwas härtere Gangart einschlug. Wie ist also der Unterton von "Twilight Theater" und wie würdet ihr ihn beschreiben?

Marko:
Ähm. Das ist eine gute Frage.

Olli: Dramatischer, mit viel Orchester.

Marko: Oh ja, das ist gut. Das Drama ist etwas, das wir wirklich haben wollten. Irgendwie sogar cineastisch, filmisch. Ja, so könnte man das beschreiben. Es ist vielleicht sogar hin und wieder überraschend, denn du hast diese riesigen, eindrucksvollen Momente und dann plötzlich kommt dieser winzige, kleine Schmetterling und das ist dann der Song und du denkst dir: "Wow, das ist wie ein LSD-Trip." Ich meine, natürlich ist es nicht so abgehoben, wie die wirklich psychedelischen Songs damals in den Sechzigern, aber für uns als Poets of the Fall ist dies auf jeden Fall ein sehr experimentelles Album

AC: Und hofft ihr ... Dumme Frage. Manchmal notiert man sich eine Frage und wenn man sie dann fragen will, denkt man sich... Nein.

(Alle lachen)

AC: Also in Finnland seid ihr wahnsinnig erfolgreich, was wir uns hierzulande natürlich nur schwer vorstellen können, denn hier kennt euch niemand. Wie habt ihr vor, das zu ändern?

Marko:
Oh ja, besonders dieses Jahr wenn wir nach Deutschland kommen mit 'Alan Wake' und unserem neuen Album, das hier im September, glaub ich, auf jeden Fall im Herbst, erscheinen wird. (29. Oktober, Anm. d. Red.) Also hoffen wir, dass wir das vielleicht ein wenig ändern können. Besonders wenn man auf einem Indie Label ist, ist jedes Land ein neues Territorium und es geht immer in Baby- Schritten voran. Etwas wie "Hey, wir stecken einfach eine Million Euro ins Marketing und plötzlich sind wir die größte und bekannteste Band und Lady Gaga ist Nichts im Vergleich zu uns!" Nein, es geht immer von Land zu Land, Stück für Stück und dann sehen wir einfach, wie weit wir so kommen. Und wenn wir 75 sind, vielleicht werden wir dann riesig in Deutschland. Dann sind wir wirklich die "Old Gods of Asgard".

AC: Ach, macht einfach beim Grand Prix mit, dann kennen euch auf einen Schlag alle. Und hassen euch.

(Alle lachen)

AC: Eure Songs sind sehr poetisch. Habt ihr einen lyrischen, oder poetischen Hintergrund?

Marko: Ich weiß es nicht. Vielleicht.

Captain: Die Schule des Lebens.

Marko: Ich glaube es ist eher, dass ich es wirklich liebe, mit Worten zu spielen. Und vielleicht habe ich da ein Talent für, weil es mir so leicht fällt...

Olli: Ich denke vor allem, dass diese Art zu schreiben auch gut zu der Art Stimmung passt, die ich von der Gitarre bekomme. Die poetischen Texte passen wirklich in den gleichen Kontext.

Marko: Wenn ich Musik höre, wie zum Beispiel, alles Mögliche, von Skid Row über Metallica bis zu U2, dann lese ich jeden einzelnen Songtext. Ich wusste immer jeden Songtext auswendig und habe versucht, sie zu interpretieren. Und als ich aufwuchs, ging mir das Songschreiben irgendwie in Fleisch und Blut über. Als eine Art, mich selbst auszudrücken. Ich meine, ich habe auch Kurzgeschichten und Romane geschrieben und so. Nein, nicht Romane, die sind mir zu lang. Aber Kurzgeschichten. Und ich hatte immer ein Faible fürs Schreiben. Genauso habe ich immer in Bands gespielt, seitdem ich klein war, also wurde dann auch das Schreiben von Songtexten irgendwann etwas ganz normales und ich denke, daraus entwickelte sich eine gewisse Lyrik.

AC: Okay, ich glaube, ich habe keinerlei weiteren Fragen. Vielen Dank für das Interview!


geschrieben am 30.12.2010, Ulrika Tegtmeier




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