Specials: Interviews: The Cave:

Interview mit Ron Gilbert

Im Januar meldet sich der Vater von Adventures wie 'Monkey Island', 'Maniac Manision' oder 'Zak McKraken' Ron Gilbert mit einem neuen Spiel zurück, dem Plattform-Puzzle-Adventure 'The Cave'. Wir hatten die Gelegenheit, ein paar Worte mit Ron zu wechseln und fragten ihn, warum er in 'The Cave' mit den Konventionen des klassischen Adventures bricht.

Das Video zu dem Interview findet Ihr in unserem YouTube-Kanal oder kann hier direkt angesehen werden.


Ron Gilbert



Adventure Corner: Hallo Ron und Danke, dass du dir die Zeit für dieses kleine Interview nimmst. Verrate uns doch mal ein wenig über 'The Cave'. Worum geht es in dem Spiel?

Ron Gilbert:
Gern. 'The Cave' ist ein Adventure-Spiel über sieben Charaktere. Man sucht sich drei davon aus und wagt sich mit denen in diese dunkle, fühlende und sprechende Höhle.


Adventure Corner: Wer hatte die Idee zu dem Spiel?

Ron Gilbert:
Die Idee zu 'The Cave' hatte ich schon vor über 25 Jahren, also noch bevor Garry und ich 'Maniac Mansion' gemacht haben. Die Idee war also eine lange Zeit in meinem Kopf. Ich dachte einige Zeit darüber nach, dann ließ ich es ruhen, bis die Idee wieder hervorkam. So ging es viele Jahre, ehe sich die Gelegenheit ergab, bei Double Fine zu arbeiten und mit ihnen das Spiel zu entwickeln.


Adventure Corner: Während der Präsentation hast Du uns von den Änderungen im Gameplay berichtet, die 'The Cave' von klassischen Adventures unterscheidet. Kannst Du unseren Lesern erzählen, was Du geändert hast und warum?

Ron Gilbert:
Nun, das sind drei grundlegende Dinge, die ich für 'The Cave' ändern wollte. Dafür habe ich mir angeschaut, was mich an klassischen Adventures wirklich stört. Eines dieser Dinge ist das Inventar. Mir kam es so vor, als ob das Inventar in Adventures immer mehr außer Kontrolle geraten ist. Man hat hunderte Gegenstände im Inventar und versucht nur noch den passenden Gegenstand darin zu finden. Ich glaube, es wurde zu einer Art Krücke für Gamedesigner. Es ist leicht, etwas im Inventar zu vergraben und es ein Puzzle zu nennen, den Gegenstand zu finden. Bei 'The Cave' habe ich komplett auf das Inventar verzichtet. Jeder der drei Charaktere kann immer nur einen Gegenstand tragen. Man sieht sogar, was sie in den Händen halten. Das wäre also eine Sache, die ich machen wollte. Die andere war die Bewegung. In den klassischen Adventures war es recht langweilig, von einem Ort zum anderen zu laufen. Wenn Du mit Guybrush über die Insel laufen musst, geht er nur langsam über den Bildschirm. Das fühlte sich damals nicht falsch an. Aber rückblickend. Wenn man die Adventures heute spielt, fühlt es sich ein klein wenig falsch an. Also habe ich in 'The Cave' dieses kleine, leichte Plattforming-Element eingebaut. Man rennt viel herum, springt an Seile oder klettert Leitern hoch. Aber dafür musst du keinen Skill entwickeln. Du musst dir keine Gedanken über perfektes Timing, spezielle Doppelsprünge oder etwas in der Art machen. Es geht nur darum, die Bewegung innerhalb der Spielwelt interessanter zu gestalten.


Adventure Corner: Wir hatten eben die Gelegenheit, 'The Cave' an der Xbox anzuspielen. Da funktioniert die Steuerung natürlich per Gamepad. Viele unserer Leser spielen klassische Adventures und haben vermutlich kein Gamepad zu Hause. Müssen sie sich für 'The Cave' eines kaufen?

Ron Gilbert:
Nein. Man kann 'The Cave' mit der Maus spielen. Du kannst Gegenstände anklicken, oder wenn du irgendwo hingehen möchtest, klickst du einfach und der Charakter geht dorthin. Wenn du etwas aufnehmen möchtest, kannst Du es anklicken und der Charakter geht zum Gegenstand und nimmt ihn auf.


Adventure Corner: Interessant. Brauche ich auch ein Keyboard zum Spielen?

Ron Gilbert:
Wahrscheinlich braucht man das Keyboard zum Umschalten zwischen den Charakteren. Und du kannst es nutzen, wenn du damit gern spielst. Wenn du den Charakter mit den WASD-Tasten bewegen möchtest, kannst du das natürlich auch machen. Aber ich wollte unbedingt ein gutes Maus-Interface für die Leute haben, die das gewohnt sind.


Adventure Corner: Gibt es in 'The Cave' ein Hilfssystem wie beispielsweise eine Karte, auf die ich schauen kann, wenn ich mich verlaufen habe?

Ron Gilbert:
Es gibt kein eingebautes Hilfssystem. Wir haben darüber vor einiger Zeit nachgedacht und uns gefragt, ob das Spiel ein richtiges Hilfssystem braucht. Ich bin der Meinung, dass 'The Cave' es nicht braucht. In Adventures geht es darum, Dinge herauszufinden und Puzzles zu lösen. Diese Momente, in denen man einen Moment lang verwirrt ist, sind meine Lieblingsstellen in Adventures. Also entschied ich, dass es kein Hilfssystem geben wird. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich ein Hilfssystem nutze, wann immer es eines gibt. Obwohl ich genau weiß, dass ich mir dadurch den Spielspaß kaputt mache, greift ein Teil von mir immer wieder zum Hilfssystem. Daher wollte ich keines im Spiel haben.


Adventure Corner: Das kann man nachvollziehen… Spielst Du eigentlich aktuell auch Adventures, speziell die von deutschen Entwicklern wie z.B. 'Deponia' oder 'The Book of Unwritten Tales'?

Ron Gilbert:
Ich habe nicht viele der Adventures gespielt, die in Deutschland erscheinen. Überwiegend deshalb, weil ich nie davon gehört habe. Es werden viele tolle Adventures in Deutschland veröffentlicht. Aber sie kommen nie aus dem Bereich heraus. Da muss man einen besseren Weg finden, wie man diese Titel bekannt macht. Es gibt auch in den USA viele Adventure-Fans, die diese Spiele sehr gern spielen würden, wenn sie denn von ihnen wüssten.


Adventure Corner: Ok, wir schicken Dir eine Liste von Spielen, die Du Dir unbedingt einmal ansehen solltest!
Nach der Kickstarter-Kampagne von Dir und Tim für das 'DoubleFine Adventure' starteten viele andere Spieldesigner ebenfalls eine solche Kampagne, um Remakes oder Fortsetzungen zu finanzieren, beispielsweise 'Larry Laffer' oder 'Baphomets Fluch'. Hast Du diese Kampagnen auch beobachtet?

Ron Gilbert:
Ja, ich habe mir das angeschaut und viele davon auch unterstützt. Ich spende viel auf Kickstarter. Viele meiner Freunde waren dort schon aktiv, bevor wir mit DoubleFine dort gestartet sind. Wenn ich mir die Projekte dort ansehe und überlege, was ich unterstützen möchte, schaue ich, ob die Entwickler etwas Neues, etwas ganz Anderes versuchen. Wenn sie etwas versuchen, das noch niemand anders gemacht hat und ich die Idee toll finde und ich mich frage, ob das überhaupt umsetzbar ist, gebe ich gern mein Geld dafür her.


Adventure Corner: Du suchst also eher nach neuen und unverbrauchten Ideen und unterstützt weniger solche Projekte wie die Neuauflage von 'Larry Laffer 1' oder 'Baphomets Fluch 5', mit dem die Entwickler ja explizit zurück zum klassischen Adventure-Gameplay gehen wollen?

Ron Gilbert:
Doch, schon. Ich unterstütze Leute, die Adventures machen. Ich habe zum Beispiel Al Lowe Geld für das neue 'Larry Laffer' gegeben und auch andere Adventure-Spiele unterstützt. Schon alleine, weil es Adventure-Spiele sind. Aber ich unterstütze eben auch gern Spiele, die keine Adventures sind, wenn die Idee toll ist.


Adventure Corner: Kannst Du uns etwas Neues zum 'Double Fine-Adventure' sagen?

Ron Gilbert:
Ich kann dazu leider nichts sagen. Tim kümmert sich um das Projekt und ich war mit 'The Cave' beschäftigt, da will ich ihm nicht auf die Füße treten, in dem ich hier darüber rede.


Adventure Corner: Schade, dann noch eine Frage zu 'The Cave'. Wie weit ist die Entwicklung? Ist das Spiel schon fertig?

Ron Gilbert:
Es ist fertig, wir müssen nur noch ein wenig an der PC-Version arbeiten. Alle anderen Versionen, für die PS3, die Xbox, die Wii-U sind fertig. Wenn ich aus Europa zurück bin, werden wir aber noch ein wenig an der PC-Version arbeiten. Es läuft zwar schon alles, aber ich möchte noch etwas an der Steuerung ändern, also werden wir uns damit noch beschäftigen.


Adventure Corner: Gibt es außer der Steuerung noch andere Änderungen zwischen der PC und den Konsolen-Versionen?

Ron Gilbert:
Nein, die Spiele sind identisch, lediglich die Steuerung ist angepasst. Es gibt keine andere Grafik oder so.


Adventure Corner: Gibt es noch etwas, das Du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Ron Gilbert:
Spielt weiter Adventure-Spiele!


Adventure Corner: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Dir viel Erfolg mit 'The Cave' und noch eine schöne Zeit hier in Deutschland.

Ron Gilbert:
Euch auch vielen Dank.


geschrieben am 28.12.2012, Tobias Maack




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Kommentare 2
eisbär
20.02.2013, 14:28

Auf die Frage hin, was er geändert hat, antwortet Gilbert: "drei grundlegende Dinge". Aber dann nennt er nur das Inventar und das Bewegen des Charakters. Ist das eine falsche übersetztung, oder hat er den dritten Punkt vergessen zu erwähnen? Oder hab ich ihn überlesen?

Indiana
21.02.2013, 07:53

Er hat tatsächlich nur zwei genannt aber gesagt, es sind drei Änderungen. Die Dritte Änderung ist, dass jeder Charakter einen eigenen Abschnitt hat, den die anderen nicht erreichen können.


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