Previews: Tony Tough 2 - Der Klugscheißer kehrt zurück:

Tony Tough in A Rake's Progress


Er trägt eine Brille mit Gläsern so gross wie Porzellanteller und fühlt sich nur in seinem gelben Regenmantel richtig cool. Ausserdem ist er ein kleiner, arroganter Klugscheisser, der von Frauen genau so viel versteht, wie Pinguine von aufregenden Salsa-Partys. Der hochnäsige Möchtegern-Privatdetektiv Tony Tough ist zurück und dieses Mal dürfen wir mit ihm zusammen seine spektakulären Kindheitserlebnisse nachspielen.
Wir hatten die Möglichkeit, vor Ort bei Publisher dtp einen Blick auf 'A Rake’s Progress' zu werfen. Unsere Eindrücke dazu könnt ihr hier nachlesen.


In dem brandneuen Abenteuer werden wir nach Washington, New Mexico, zurück ins Jahre 1953 versetzt. Was ehemals eine kleine Siedlung nordmexikanischer Natives war, entwickelte sich innerhalb von rund hundert Jahren zu einer typischen, amerikanischen Kleinstadt. Durch finanzielle Stagnation und einer geografisch benachteiligten Lage, schaffte es die Stadt Mitte des 20. Jahrhunderts aber nicht, weiter expandieren zu können.
Klein Tonys Geschichte beginnt zu einer Zeit, als die Stadt einigen wenigen Renovationen unterzogen wurde, aber langsam schon der Misere entgegen schlenderte. Das Städtchen wirkt wie ausgestorben: Ein verschlafenes Nest, dessen aufregendste Ereignisse der letzten paar Wochen sich an einer Hand abzählen lassen.

Doch eines schönen, staubtrockenen Freitags – genauer gesagt dem 4. September – wird in der Nachbarschaft des kleinen Tony Toughs eingebrochen. Ein verwegener Einbrecher durchsucht das Haus der alten, schwarzen Dame Florence Cook. Allerdings findet er nicht, wonach er gesucht hat und nachdem er kurze Zeit in Haft verbrachte, flüchtete er sogleich über alle sieben kargen Hügel des nördlichen San José. Das tragische Schicksal ereilt kurz darauf ein zweites Mal die alte Cook, als diese an einem Herzanfall stirbt.
Es liegt natürlich nicht fern anzunehmen, dass dieses Geschehen ein ausschlaggebender Punkt für alle folgenden Ereignisse ist, die das kleine Städtchen aus seinem trockenen Schönheitsschlaf aufwecken soll. Immerhin ist sechs Jahre zuvor in dem nahe gelegenen Roswell angeblich ein UFO abgestürzt... Doch wo auch immer da die Zusammenhänge liegen könnten: Den kleinen Tony interessiert das natürlich nicht die Bohne. Ein paar Tage später wacht der kleine Satansbraten zu Hause friedlich in seinem Bettchen auf und merkt, dass er verschlafen hat und zu spät zur Schule kommt.

Habt ihr schon genug Wasser im Hirn, um das zu tun?

Und hier übernimmt der Spieler das Ruder, wobei man dem Tony nun natürlich aus der Patsche helfen soll. Der Lehrer ist nämlich total ungehalten über die dreiste Verspätung des Jungen und nach einer Standpauke muss sich Herr Tough brav hinsetzen und dem langweiligen Chemie-Unterricht frönen. Doch auch für die phänomenalen, wissenschaftlichen Erkenntnisse in Chemie und Physik zeigt der kleine Hobby-Detektiv keinerlei Interesse. Viel lieber will er sich eine Möglichkeit ausdenken, um aus diesem öden Schulalltag fliehen zu können und dazu ist eine klassische Kombinationsgabe gefragt – halt wie bei einem richtigen Privatdetektiv.
Das Denken für den Dreikäsehoch übernimmt ab sofort der Spieler. Tony setzt sich mies gelaunt zu seinem besten Kumpel Seymour, der neben ihm gerade gespannt dem Unterricht folgt. Da es vom Lehrer verboten wurde, führt man mit Kollege Seymour dann auch gleich ein kleines Schwätzchen. Hierzu ploppen am oberen Bildschirmrand mehrere Symbole auf, über die man sich durch diverse Gesprächsthemen klicken kann. Um den guten Zuhörern auch bei mehrmaligen Durchspielen von 'A Rake's Progress' was bieten zu können, sind verschiedene Gesprächsoptionen möglich, die je nachdem den Spielverlauf ein kleines bisschen verändern sollen. Little Tony darf also eigene Entscheidungen treffen. Wie weit diese sich aber tatsächlich auf den Spielverlauf auswirken, bleibt noch abzuwarten.

Viele Wege führen nach Rom... äh New Mexico?

Nicht nur die Gespräche verlaufen individuell, auch viele Rätsel sollen unterschiedliche Versuche zulassen. So durchsuchen wir zu Beginn des Spiels das Schulzimmer nach potentiellen Hilfsmitteln, die uns irgendwie helfen sollten, aus dieser bedrückenden Atmosphäre türmen zu können. Dabei entdecken wir unter anderem einen Reißnagel und ein Seil. Nachdem der miesepetrige Lehrer für kurze Zeit den Raum verlässt, versuchen wir uns mit dem Seil durchs Fenster nach draussen zu hangeln. Doch man merkt, der Tony, der hat noch viel zu lernen: Er wirft das Seil aus dem Fenster, ohne es vorher irgendwo anzubinden. Nun gut, was gibt es noch? Ah ja, den Reißnagel. Was macht man damit? Man legt ihn dem Lehrer auf den Stuhl. Dieser kommt sogleich zurück, setzt sich darauf... doch nichts passiert. Da fällt einem wieder ein, dass der Herr Professor irgendwann seine Hinterbacken im Krieg weggesprengt hatte und sich an der Stelle, wo mal sein Hintern war, nun ein hölzernes Gesäss befindet.
Ausprobieren kann man also viel, doch nur eine Sache verhilft dem Tony zur Flucht. Und wie in jedem Adventure heißt auch bei 'A Rake's Progress' die Devise: Alles mitnehmen was nicht niet- und nagelfest ist. Platz dafür hat Tony auf jeden Fall genug: Seine kleine Umhängetasche wiederspricht nämlich genauso den universellen Gesetzen von Raum und Zeit, wie die Hose von Guybrush Threepwood oder die Mütze von Simon dem Zauberer.

Modern oder Kunst? Moderne Kunst.

Nachdem sich Entwickler Prograph Research bereits mit dem italienischen Kinder-Adventure 'Prezzemolo in una giornata da incubo' in die Gefilde der 3D-Grafiken hervorwagte, gehört auch der neue Tony nun nicht mehr zu den dimensional benachteiligten Cartoon-Figuren. Mit Ausnahme von den vorgerenderten Hintergründen wurden jegliche manipulierbare Objekte und Charaktere mit hübschen 3D-Modellen umgesetzt. Laut Marco Pacifico, dem Chef-Entwickler von 'Tony Tough 2', wollte man bewusst auf die äusserst simple Retro-Optik des Vorgängertitels verzichten und einen völlig neuen "Style" schaffen. Dies ist den Südländern offensichtlich auch gelungen, denn trotz hoher Auflösung und aufwendigen 3D-Animationen, entfernt sich 'A Rake's Progress' nun mehr auch von dem knallbunten Klischee der Comic-Adventures. Das Washington in New Mexico wirkt verstaubt und dreckig und der neue Tony Tough könnte glatt einem Foto eines Zeitungsjungen aus der Great Depression entsprungen sein. Die Kolorierung der Hintergründe erinnert stark an die "art décorative" der 30er und 40er Jahre. Wer sich beispielsweise für die Kunst des Amerikaners Edward Hopper begeistern kann, kommt mit dem neuen 'Tony Tough' voll auf seine Kosten.
Ob man die bisher noch vereinsamt und unbelebt wirkenden Strassen aber deshalb unabdingbar auf die stilistische Aufmachung des Spiels zurückführen darf, ist noch unklar. Wie das Gesamtbild wirkt, werden wir aber erst im dritten Quartal dieses Jahres erfahren.


Galerien

Fazit:

Wertung: Gut

Hartgesottene 'LucasArts'-Adventure Fans schätzten das erste 'Tony Tough and the Night of Roasted Moths' vor allem wegen seines konventionellen Äusseren. Aufgrund der altbacken Comic-Grafik hielten sich die Verkaufszahlen allerdings in Grenzen. Doch mit einer neuen Grafikengine inklusive 3D-Modellen versuchen die Italiener nun ebenfalls auf der modernen Schiene zu fahren. 'Tony Tough: A Rake's Progress' dürfte deswegen sicherlich einige alte Fans verlieren, aber gerade wegen der neuen, unglaublich stilsicheren Optik auch viele neue dazugewinnen.
Trotzdem wird der neue Teil ein Adventure im klassischen Stil werden und verzichtet somit sympathischerweise auf experimentelle Actionelemente oder mühsame Tastatur-Steuerung. Wer sich mit dem rabenschwarzen Humor anfreunden kann, kommt aller Voraussicht nach auch in 'Tony Tough 2' wieder in den Genuss einer (hoffentlich) gelungenen Lokalisierung mit den Stimmen diverser Top-Comedians.
Ob 'Tony Tough 2' nun aber tatsächlich ein kleines Kunstwerk ist, wird sich noch zeigen. Dass Pacifico, Gualeni & Co. aber einen Draht zur qualitativ hochwertigen Kunst besitzen, beweisen sie schon mal mit der Namensgebung des Titels. 'A Rake's Progress' ist eine Anspielung auf die Geschichte des Lebemanns Tom Rakewell, dessen tragischer Werdegang bereits in einem Bildnis von William Hogarth visualisiert und sogar in einer Oper Strawinskis inszeniert wurde. Und was bedeutet das? Och, nichts, nur dass unser Tony wohl selbst auch ein kleiner, primitiver Wüstling ist und wir uns alle freuen dürfen, bald mit ihm weitere aufregende Stunden verbringen zu können.

geschrieben am 13.07.05, Philipp Thalmann

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 98/ME/2000/XP
800 MHz P3 oder vergleichbar
128 MB RAM
32 MB DirectX-kompatible Grafikkarte
DirectX-kompatible Soundkarte
700 MB freier Festplattenspeicher
Offizielle Homepage
Trailer im Adventure Corner Videoplayer


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Dieses Preview gehört zu  Tony Tough 2.




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