Reviews: Sunrise - The Game:

Sunrise - The Game


Die Erfurter TML Studios haben sich bisher eher im Genre der Flug- und Zugsimulationen durch innovative Neuerungen einen Namen gemacht. Nun möchten sie auch frischen Wind in das Adventuregenre bringen und in 'Sunrise' mit coolen Typen und harten Sprüchen begeistern. Ob ihnen das gelingt, könnt ihr in unserem Review nachlesen.

 

 

 

 



Auf den ersten Blick könnten der cholerische Rydec, der etwas klein geratene, aber dafür umso großmäuligere Max und der ebenso schüchterne wie geniale Wissenschaftler Brian wohl kaum unterschiedlicher sein. Dennoch verbindet die drei jungen Männer schon seit ihrer Sandkastenzeit eine enge Freundschaft und ein gemeinsamer Traum: Die genialste Erfindung aller Zeiten zu machen und nebenher noch schnell den Nobelpreis abzugreifen. Doch die Umsetzung dieser Idee geht gründlich daneben. Die selbstgebaute Apparatur, die eigentlich einen Blumentopf auf eine fünf Meter entfernte Plattform teleportieren sollte, fliegt dem ungleichen Trio nicht nur in Einzelteilen um die Ohren, auch die ganze Stadt New York ist mit einem Schlag menschenleer – wäre da nicht die unbekannte blonde Schönheit, die bewusstlos vor den Toren der angemieteten Fabrikhalle liegt. Die drei Freunde haben mehr als alle Hände voll damit zu tun, nicht nur die bewusstlose Patientin zu versorgen, sondern auch noch herauszufinden, was passiert ist und wie man es wieder ungeschehen machen kann...

Kein klassisches Adventure

Noch bevor es richtig mit dem Spiel losgeht, erwartet den Spieler das wohl witzigste Tutorial der Adventuregeschichte. Darin stellt der Protagonist Rydec auch gleich klar, dass es sich bei 'Sunrise' um kein klassisches Adventure handelt. Es gibt weder ein Inventar, noch werden Kommentare oder Dialoge wiederholt oder Gegenstände ohne triftigen Grund mitgenommen. Der Mauszeiger symbolisiert dem Spieler stets, ob man mit einem Gegenstand oder einer Person interagieren kann. Bei einem roten Cursor kann Rydec mit einem anderen Charakter sprechen, ein grüner Zeiger bedeutet, dass ein Gegenstand eventuell zu gebrauchen ist. Die Betonung liegt dabei, wie Rydec auch im Tutorial betont, auf eventuell. Beim ersten Mal anklicken bekommt der Spieler nämlich in der Regel einen zwar witzigen, aber meistens auch ziemlich unnützen Kommentar geliefert. Ob der Gegenstand wirklich zu gebrauchen ist, zeigt sich erst beim zweiten Klick, der entweder im pampigen Tonfall kommentiert wird, weil Rydec genervt ist, alles mehrfach anschauen zu müssen, oder zur gewünschten Interaktion mit dem Gegenstand führt. Dies kann in der Praxis schon mal recht lästig werden, da manche Gegenstände aufgrund des fehlenden Inventars erst angeklickt werden dürfen, wenn Rydec sie konkret für eine Aktion benötigt. Hier wäre es eleganter gewesen, wenn Rydec schonmal betrachtete Gegenstände bei Bedarf automatisch geholt hätte.
Als dritte mögliche Farbe symbolisiert ein blauer Mauszeiger den Ausgang eines Screens. Weil sich Rydec konsequent weigert zu laufen, ist es für ungeduldige Spieler wichtig, diese Farbe im Auge zu behalten, da ein Doppelklick mit der linken Maustaste einen sofortigen Raumwechsel ermöglicht. Im späteren Spielverlauf steht Rydec als zusätzliche Abkürzungsmöglichkeit auch noch ein Auto zur Verfügung, das sich bequem per Navigationssystem zu allen bekannten Locations steuern lässt.

Gute Grafik trotz Freeware-Engine

Es ist schon beeindruckend, was die TML Studios aus der etwas angestaubten 'Wintermute'-Engine rausgeholt haben. Anhand unzähliger Fotos von New York und anderer Schauplätze, ist es den Grafikern gelungen, über 140 Hintergründe originalgetreu darzustellen und den Flair der US-Ostküstenmetropole gut einzufangen.
Obwohl die Stadt menschenleer ist und man dadurch natürlich auch keinen anderen Personen über den Weg läuft, wirkt die Umgebung dank vorbeiziehender Wolken, Regen oder Raucheffekten nie steril oder unbelebt.
Allerdings scheint die Grafikengine bei den Charakteranimationen doch etwas an ihre Grenzen zu stoßen. Zwar fügen sich die etwas weniger detaillierten Figuren gut ins Gesamtbild ein, die Bewegungen wirken aber doch etwas behäbig und träge. Dennoch stellt die Grafik einen klaren Pluspunkt des Spiels dar.

Flotte Sprüche...

Auf der Spieleverpackung sticht dem geneigten Käufer als erstes der Untertitel "Coole Typen – Harte Sprüche" entgegen und lässt schlimmes erahnen. Eigentlich sollte man denken, dass so ein Claim nur pubertierende Jugendliche anspricht und demnach auch einen entsprechenden Inhalt des Spiels erwarten. Ganz so wild ist es dann aber nicht. Der Humor bedient die komplette Palette von feinfühligem Wortwitz, über deftige Fäkaliensprache bis hin zu knüppelhartem Holzhammerhumor. Sollte die Vielzahl der Sprüche und Kommentare einem Spieler zu viel werden, kann auf Wunsch auch jederzeit die standardmäßig eingeschaltete Extended Version deaktiviert werden. Rydec verkneift sich darauf hin so manchen Kommentar und kommt etwas schneller zur Sache. Allerdings beraubt man sich damit auch selber eines essentiellen Bestandteiles des Spielkonzeptes.
Wie auch immer man zur Qualität der Sprüche stehen sollte, die Qualität der Synchronisation von 'Sunrise' braucht sich vor keinem anderen Adventurespiel zu verstecken.
Andreas Fröhlich, die deutsche Stimme von Edward Norton, John Cusack oder Bob Andrews aus den 'Drei Fragezeichen' bzw. 'Die Dr3i' bzw. jetzt endlich doch wieder 'Die drei Fragezeichen' vertont den ständig Sprüche klopfenden Rydec mit Bravur. Eigentlich ist es vollkommen egal, ob ein derart hochbegabter Sprecher nun einen Film vertont, einen Spielcharakter mit Leben erfüllt oder das Telefonbuch vorliest, man hängt förmlich an seinen (nicht immer synchronen) Lippen. Doch auch für die anderen Charaktere wurden sehr passende und bekannte Stimmen ausgewählt. Neben den Hollywoodstimmen von Peter Lamb und Kate Winslet, konnte auch Torsten Michaelis, der Stammsprecher von Wesley Snipes und Martin Lawrence verpflichtet werden. Ihnen allen gelingt es hervorragend, den Figuren mit all ihren Ecken und Kanten Leben einzuhauchen.

...und rockige Musik

Auch musikalisch hat man bei 'Sunrise' ganze Arbeit geleistet. Die Songs, die eigens von der Hannoveraner Rockband Beyond all Limits für das Spiel geschrieben wurden, sind sehr hochwertig und haben absoluten Ohrwurmcharakter. Einziger Kritikpunkt daran ist, dass die Lieder nur in den Zwischensequenzen oder über das Autoradio im Spiel zu hören sind. Während des eigentlichen Spiels geht es eher ruhig zu. Trotzdem wird dank Regen-, Wind- und Maschinengeräuschen eine gute Atmosphäre des menschenleeren New Yorks erzeugt.

Multiple Lösungswege

Bei den Rätseln merkt man 'Sunrise' deutlich an, dass die TML Studios ursprünglich aus dem Simulationsgenre stammen. Ähnlich wie bei einer Flugsimulation hat Rydec immer genau eine Mission zu erfüllen, bevor es weiter geht. Diese Linearität wird aber dadurch ausgeglichen, dass es oft möglich ist, die Aufgaben auf komplett unterschiedlichen Lösungswegen zu meistern. So kann Rydec beispielsweise einen provisorischen Heizlüfter zusammenbauen, um die völlig durchnässte, bewusstlose Jennifer zu wärmen, oder dafür einen leistungsstarken Scheinwerfer verwenden. Ansonsten verbringt Rydec viel Zeit damit Botengänge für seine lauffaulen Freunde zu erledigen, oder mithilfe seines handliches Multi-Tools, das Zange, Messer und Schraubenzieher vereint, rumzuhantieren.
Sollte der Spieler einmal nicht wissen, was zu tun ist, lässt sich per Doppelklick auf Rydec ein Hilfesystem öffnen, in dem auf Wunsch genau geschildert wird, welcher Schritt als nächstes zu erledigen ist, um wieder voranzukommen.
An einer Stelle im Spielverlauf ist es möglich zu entscheiden, welche Aufgabe Rydec lieber selbst erledigen oder seinem Freund Max überlassen möchte. Auf diese Weise ist trotz der Linearität bei der Aufgabenreihenfolge ein hoher Wiederspielbarkeitswert vorhanden.


Galerien

Fazit:

Wertung: 83%

Die Erfurter TML Studios machen mit ihrem Erstlingswerk im Adventuregenre vieles richtig. Die Synchronstimmen passen perfekt zu den Charakteren, die rockige Musik schreit geradezu nach einer CD-Veröffentlichung und dank der multiplen Lösungswege gibt es einen hohen Wiederspielbarkeitswert. Auf der anderen Seite könnten jedoch einige Spieler ihre Probleme mit dem etwas speziellen 'Sunrise'-Humor haben. Wer mit den zahlreichen Sprüchen und Kommentaren von Rydec nichts anfangen kann, wird vermutlich nicht so recht glücklich werden. Es empfiehlt sich daher, zunächst die Demo des Spiels anzutesten, um zu sehen, ob man mit dem Humor auf einer Wellenlänge liegt. Sofern dies der Fall ist, kann man bedenkenlos zugreifen und sich auf rund 20 Stunden Spielspaß freuen.

geschrieben am 21.02.08, Matthias Mangelsdorf

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP/Vista
Pentium IV oder Athlon XP mit 1.2 GHz
512 MB RAM
8 GB freier Festplattenspeicher
DirectX 9.0c - kompatible Grafikkarte
DVD-ROM Laufwerk
DirectX - kompatible Soundkarte
Maus
Offizielle Homepage
Trailer im Adventure Corner Videoplayer
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Dieses Review gehört zu  Sunrise.




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Kommentare 3
ticki
19.10.2011, 20:32

habe das spiel grade mal durchgespielt und muss sagen es ist eigentlich ganz witzig vor allem die vielen "the rock-fells der entscheidung" zitate von rydec xD

Gast
05.10.2016, 15:18

Hey,

ich fande das Spiel auch ganz witzig, auch wenn die Synchro-Sprecher teilweise etwas seltsam klingen. Ich habe es einem Bekannten empfohlen, der mit mir auf einer Pflegestelle arbeitet und er findet das Spiel zum schießen :rofl:

advfreak
05.10.2016, 16:57

:top: hatte das früher auch mal gespielt aber leider nie durch, bin irgendwo hängen geblieben.

Da muss ich mir unbedingt mal ein LP davon geben! :D


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