Reviews: Dracula: Origin:

Dracula: Origin


Nach diversen Rätselmarathons mit 'Sherlock Holmes' Setting, bei denen man solche Dinge wie Story und Spannung gerne mal vernachlässigte, war durchaus Skepsis geboten, als zuerst bekannt wurde, dass sich ausgerechnet Frogwares, mit 'Dracula: Origin', der Bram Stoker Lizenz annehmen würden. Doch Preview wie Trailer, schürten die Hoffnung auf bislang unentdeckte Qualitäten des Entwicklerteams. Wie viel von dieser Hoffnung - nach dem Kampf gegen die Mächte der Finsternis - überlebt hat, erfahrt in unserem Review.



 

Der Graf bei der Arbeit.

Eine sorgenvolle Botschaft erreicht den niederländischen Vampirexperten Abraham Van Helsing aus dem fernen Transsylvanien. Sein Schützling Jonathan Harker hat bei dem Versuch sich in das Schloss des Vampirfürsten Dracula einzuschleichen, versagt und nun großes Elend über seine Frau Mina gebracht. Seit Jahrhunderten forschte Dracula wie ein besessener daran, eine Formel zu finden, mit der er die Seele seiner großen Liebe wieder zum Leben erwecken könnte. Und als wäre es nicht genug, dass der böse Graf von der Existenz eines Manuskriptes erfährt, dass ein Ritual beschreibt, mit dem Tote ins Leben zurückgeholt werden können- Ausgerechnet auf einem Foto von Jonathan Harker, welches seine Frau Mina zeigt, entdeckt Dracula aufgrund ihrer starken Ähnlichkeit, zu seiner vor Jahrhunderten verstorbenen Liebe, den passenden Wirt, der den Körper für die verblichene Seele stellen soll. Selbstredend kann Professor van Helsing dies nicht zulassen und so gilt es nun Mina aus den Klauen der ewigen Verdammnis zu entreißen und möglichst vor dem Grafen das Sagenumwobene Manuskript in die Hände zu bekommen. In einer weiteren Variation von Bram Stokers klassischen Motiven, beginnt ein Duell, welches Van Helsing von London, Kairo und Wien bis ins Reich der Finsternis – nach Transsylvanien - führen wird.

Auf zur Vampirjagd

Van Helsing auf der Suche nach der verschollenen Story.

Erfreulicherweise sind Frogwares in 'Origin' von der Egosicht ihres letzten Titels wieder zu klassischem Point and Click zurückgekehrt. Mit der linken Maustaste bewegen wir Abraham van Helsing durch die Schauplätze und aktivieren die zahlreichen Hotspots, die wir uns durch drücken der Spacetaste, auch komfortabel hervorheben lassen können. In vielen Fällen können wir beim Anklickens eines Screenausgangs, per Doppelklick, direkt in den nächsten Screen wechseln. Mit der rechten Maustaste öffnen wir ein Menü, dass jedem 'Sherlock Holmes'Spieler direkt vertraut vorkommen dürfte. Hier befinden sich Inventar, bereits geführte Dialoge, Dokumente und Berichte, die der holländische Gelehrte bei neuen Erkenntnissen anlegt. Gelegentlich finden wir in Dialogen konkrete Lösungshinweise, wie etwa im Falle eines Friedhofwärters, der uns entscheidende Denkansätze zum Öffnen eines Zahlenschlosses liefert.
Doch im Normalfalle befinden sich Hinweise auf die Systematik eines Rätselsystems, beziehungsweise allgemeine Hinweise zu Rätsellösungen in unseren Dokumenten. Wollen wir einen Gegenstand in unserem Inventar benutzen, klicken wir diesen im Inventar an und wechseln zurück zur Spielansicht, der Gegenstand wird dann beim Anklicken eines Hotspots automatisch benutzt. Ebenso verfahren wir, wenn wir einer Person einen Gegenstand aus unserem Inventar zeigen wollen.

Mac Gyver lebt

Der Professor weiß: Wer Vampire jagt, kann auch heimwerken.

In der Tat und zwar in Form von Abraham Van Helsing. Im Laufe des Spiels gibt es sehr viele Inventarrätsel zu lösen. In kurzen Abständen sammeln wir oft etliche Items ein, die wir des Öfteren miteinander kombinieren müssen, um uns neue Gegenstände aus ihnen zu basteln. Wenn wir also zum Beispiel eine Fackel oder eine Hacke benötigen, lohnt es sich einfach mal unsere Gegenstände solange mit einander zu benutzen, bis aus der Summe vieler Einzelteile, das gewünschte Resultat entsteht. Vereinzelt liegen diese Kombinationen allerdings nicht immer auf der Hand: Für ein Rätsel benötigen wir ein Symbol, welches eine Waffe gegen Vampire symbolisiert. Hier wäre ein Spiegel nicht schlecht, leider passt unserer aber nicht in die entsprechende Vorrichtung. Also müssen wir mit unserem Messer, aus einer Halskette, einen Diamanten ausschneiden, da wir mit dem Diamanten durch Glas schneiden können und somit den Spiegel auf die gewünschte Form trimmen können. Gut ist, dass sich das schnell füllende Inventar immer wieder entrümpelt und wir so nicht ewig mit riesigem Inventar über den Globus reisen.

Sherlock Holmes 5? Sherlock Holmes5!

Puzzletour um den Globus.

Der Spielinhalt besteht gemischt aus Inventarrätseln und allerlei Logikrätseln, wie man sie aus den vorherigen Frogwares Spielen bestens kennt. Oft gilt es dabei die Logik von Mechanismen zu verstehen, um der Lösung auf die Spur zu kommen. Viele dieser Logikrätsel sind von gelungener Qualität, mit etwas nachdenken gut zu lösen und sogar für mich - einen Befürworter eines eher klassischeren Gameplays - das unterhaltsamste an 'Dracula: Origin'. Hier und da kommt es aber auch mal vor, dass sich die Logik und Funktionsweise des x.ten Rätsels, einem einfach nicht erschließen will und das ganze in wilden Trial and Error Versuchen ausartet, die allerdings nicht immer sehr Erfolgsversprechend sind. Trotz der Überzahl an guten Logikrätseln, stellt sich schnell spielerischer Stillstand ein. Wer eine Stunde mit dem Spiel verbracht hat, hat im Grunde das ganze Spiel gesehen. Standardmäßig wird zwischen den beiden genannten Rätselvarianten hin und her gesprungen, alle Jubeljahre gibt es mal so etwas wie ein lustlos eingefügtes Storyfragment und das war es auch. Das Spiel lebt vom Rätseln und spart sich dafür so "nebensächliche Dinge" wie gruselige Atmosphäre oder etwa eine Story. Neben guten ersten 30 Minuten kommt lediglich ein einziges Mal im Spiel, nämlich beim Auffinden des Londoner Verstecks von Dracula, ganz kurz Spannung auf. Wir entdecken des Grafen Tagebuch, lesen die zahlreichen, spannend geschriebenen Einträge unseres Lieblingsvampirs und plötzlich ist sie da, die Hoffnung, dass die Story so etwas wie Tiefgang bekommen würde, dass eine "richtige Geschichte" erzählt würde. In diesem Falle starb die Hoffnung allerdings nicht zuletzt, sondern bereits kurze Zeit später.

Das äußere zählt?

In der Höhle des Löwen.

Wenn schon der Inhalt so dürftig ist, schadet es natürlich nicht, wenn man zumindest an der Oberfläche ein paar Pluspunkte sammeln kann, was 'Origin' größtenteils schafft.Sich sehen lassen, können die größtenteils stimmigen Hintergründe. So wissen besonders der Londoner Friedhof und das Schloss des Grafen, in ihrer schwermütigen Farbgestaltung zu überzeugen. Auf dem Friedhof sorgen ein paar Details wie Vögel, herabfallende Blätter, oder einige sich bewegende Gräser dafür, etwas Leben in die ansonsten recht leblosen Screens zu zaubern. Leblos ist im Übrigen ein gutes Stichwort, denn auch wenn die Hintergründe technisch gefallen, wirken sie recht steril und ein bißchen zu glatt und poliert. Doch hauptsächlich ist es die nicht vorhandene Spannung, die so etwas wie Atmosphäre nach der Friedhofspassage, nicht mals im Keim aufkommen lässt. Gelegentlich mal etwas deplaziert wirken die nicht schlecht animierten Charaktere, was auch an ihren teils hakligen Bewegungsabläufen liegt. Animationen beim Aufnehmen von Items, werden nicht ganz ausgeführt, will heißen, Van Helsing deutet ein Aufnehmen an und der Gegenstand "verschwindet" in seinem Inventar. Technisch überzeugen können hingegen wieder die prachtvollen Cutscenes, die mit sehr scharfer Bildqualität daherkommen. Leider gibt es im Spiel allerdings nur sehr wenig Gelegenheit, sich an diesen Szenen zu erfreuen.

Die alte Leier

Dieses Ritual sieht leider spannender aus, als es ist.

Bei der Musikuntermalung wurde ein sehr überschaubarer Aufwand betrieben. Wie schon in 'Sherlock Holmes jagt Arsene Lupin', müssen wir innerhalb einer Hauptlocation, in der Regel, mit exakt dem gleichen Musikstück auskommen, so dass wir im Normalfall über einen längeren Zeitraum mit den selben Klängen beschallt werden, was irgendwann schlichtweg nervig wird, auch wenn die, den Locations stimmungsmäßig angepassten, Musikstücke keinesfalls schlecht sind. Würde ein Soundtrack als Merchandisingartikel erscheinen, dürfte dieser also kaum die 5 Minutengrenze überschreiten. Was die Dialoge angeht, so wirken diese gerne mal (nicht ausschließlich) etwas trashig und fast immer sehr hölzern. Dies war auch bei den Dracula Verfilmungen aus den Hammerstudios nicht anders, nur dass diese den Vorteil hatten, nebenbei auch noch kurzweilige Unterhaltung zu bieten. Ihren Beitrag zum Trashfaktor liefern auch die Sprecher "vorbildlich" ab.
Der Sprecher von Professor Van Helsing zeigt, dass er stimmlich durchaus professionell ist, aber durch seine unfreiwillig komisch-überzogenen Kommentare wirkt Van Helsing am Ende noch steifer, als er ohnehin schon daherkommt. Die anderen Sprecherleistungen sind oftmals ebenso steif und bestenfalls durchschnittlicher Natur. Was außerdem einen leicht negativen (wenn auch verschmerzbaren) Beigeschmack hinterlässt, ist die Tatsache, dass Van Helsing ein paar Standardkommentare auf Lager hat, die sich gerne mal wiederholen- Wie auch bei der Musik hätte es hier gerne mehr Aufwand sein dürfen.

Der Hintergrund

Die tragische Legende: Bela Lugosi.

Fluch und Segen - Christopher Lee in seiner Paraderolle.

Isabelle Adjani und Klaus Kinski in Werner Herzogs Nosferatu.

Sowohl in Gedichtform von Goethe, oder als Kurzgeschichte von Tolstoi, war der Vampir lange vor Bram Stoker ein literarisches Thema. Doch erst der Roman 'Dracula' - des Iren Stoker aus dem Jahre 1897 -, machte einen von ihnen, zu einem der größten literarischen Weltstars aller Zeiten - Den Grafen Dracula. Als Vorbild diente Stoker in seinem, durch die Erzählform von Tagebucheinträgen, wie ein Tatsachenbericht wirkendem - Meisterwerk, die historische Figur Vlad Tepes, dessen grausame Taten als Fürst der Walachei ihm auch den Namen "Vlad the Empaler" einbrachten (Vlad der Pfähler). Sehr stark inspiriert wurde Stoker bei seinem Roman allerdings von dem irischen Autoren Joseph Sheridan Le Fanu, der in seiner - weit weniger bekannten- Schauernovelle 'Carmilla', die weibliche Vampirin Carmilla, in Österreich auf die Suche nach einer weiblichen Gefährtin schickte. Da der große Erfolg des 'Dracula'romans sich allerdings erst gemächlich einstellte, sollte Stoker selbst nicht mehr viel davon erleben. Aber gerade durch die unzähligen Verfilmungen des letzten Jahrhunderts, erlangte Stokers Roman posthum Weltruhm. Das erste Mal fand der Graf (trotz nicht vorhandener Lizenz und somit umbenannt) 1922 in Friedrich Wilhelm Murnaus expressionistischem Meisterstück 'Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens', den Weg auf die Leinwand. Der Film gilt bis heute als einer der künstlerisch wichtigsten, der deutschen Filmgeschichte. Doch es war der legendäre Ungar Bela Lugosi, der 1931 in der ersten Hollywood Adaption das Bild vom majestätisch, elegantem Vampir schuf, wie wir es heute kennen (Und wie es auch 'Origin' leidlich darzustellen versucht). Eine neue Welle der Dracula Euphorie schufen die englischen Hammerstudios von 1958 bis 1974 mit ihren zahlreichen 'Dracula'filmen, durch die Christopher Lee zum Weltstar wurde. Im Gegensatz zu den reinen Unterhaltungsfilmen der Hammerstudios, schuf die deutsche Regielegende Werner Herzog, mit Klaus Kinski und Isabelle Adjani in den Hauptrollen, mit 'Nosferatu- Phantom der Nacht', eine Hommage an Murnau, voll inhaltlicher Tiefe und Melancholie, samt unvergesslichen Szenen und Bildeinstellungen. Auch vor Herzogs Film und lange danach (z.B. Mit Francis Ford Coppolas´ 'Dracula' Verfilmung 1992) erschienen etliche weitere Filme, die sich des Themas bedienten und bis heute ist die Faszination für Vampire und die unterschwellig mitschwingenden Inhalte ungebrochen und ein Ende nicht absehbar.

Bram Stoker vs Frogwares

Ein Succubbus - Nicht zwangsläufig das nette Mädchen von nebenan.

Als großer Fan von Bram Stoker und als Anhänger der klassischen Vampirfilmära komme ich mir von 'Dracula:Origin' doch etwas hinters Licht geführt vor. Während dem Großteil der Spieldauer, habe ich die Lizenz als Gerüst für Rätseleinlagen wahrgenommen. Spannung, eine Geschichte die einen Vorlagegerecht völlig in ihren Bann zieht, oder eine halbwegs angemessene Vampiratmosphäre habe ich vergeblich gesucht. Letzten Endes spielt es keine Rolle, dass auf der Verpackung dieses Spiels 'Dracula' steht, denn der komplette inhaltliche Teil wird so oberflächlich und Leidenschaftslos umrissen, dass man leicht ein Spiel mit austauschbarer Thematik hätte daraus machen können.
Der Graf bleibt – in seinen geschätzten anderthalb Minuten auf dem Monitor-, entgegen seinem eigentlichen Naturell, sagenhaft blass, was auch für den guten Professor Van Helsing gilt, der völlig ohne Charaktereigenschaften durch die Rahmenhandlung (Mehr als eine Rahmenhandlung gibt es auch nicht) stolpert. Was für charismatische Draculas haben wir schon von den 20ger bis 70ger Jahren auf Film gebannt bewundern dürfen, was für einen sagenhaft-markanten Van Helsing gab der große Peter Cushing ab. Dass man nicht an diesem Maßstab messen darf ist ohnehin klar, doch zumindest einen ganz kleinen Ansatz davon darf man voraussetzen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 74%

Nein, ein schlechtes Spiel ist 'Dracula: Origin' nicht, es ist nur einfach erschreckend belanglos und seicht. Eine extrem spartanische Story, ohne Höhepunkte und Spannung, oder Grusel (Nachdem der Friedhofabschnitt zu Beginn durchaus die Lust auf mehr geweckt hat) sorgt dafür, dass das Spiel trotz einiger guter Rätsel und ansehnlicher Optik, bis zum banal - missratenen Ende, lustlos vor sich hinplätschert. 'Sherlock Holmes' Fans dürften – trotz deutlich geringerer Spieldauer - dennoch große Freude an 'Origin' haben. Fans von Bram Stoker, klassischen Vampirfilmen, oder spannend inszenierten Gruseladventures hingegen werden enttäuscht. So blass die Charaktere, so dröge der Inhalt. Dass Frogwares etwas von Rätseln verstehen ist bekannt - den Beweis, dass sie inhaltlich starke und spannende Adventures abliefern können, bleiben sie aber mal wieder schuldig. Kurzum: 'Origin' ist dank relativ unterhaltsamem Gameplay ein solider Titel, aber letzten Endes halb Fisch, halb Fleisch. Schade um die starke Lizenz, aus der rein gar nichts herausgeholt wird. Bram Stoker hätte wesentlich mehr verdient!

geschrieben am 24.06.08, Ingmar Böke

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP / Vista
PIV 1,5GHz CPU
512MB RAM
2500MB HD
3-D-Karte
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Dieses Review gehört zu  Dracula: Origin.




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