Reviews: The Westerner 2 - Fenimore Fillmore's Revenge:

The Westerner 2 - Fenimore Fillmore's Revenge


Nach Revistronics 'Three Skulls of the Toltec' und der Fortsetzung 'Fenimore Fillmore – The Westerner' die 2004 durch die Bank weg gute Kritiken einheimsen konnte, gibt es nun, fünf Jahre später das dritte Abenteuer um den Westernhelden Fenimore Fillmore. In 'The Westerner 2 – Fenimore Fillmore’s Revenge' schlüpft ihr abermals in die Cowboystiefel des Revolverhelden Fillmore, der sich dieses Mal, unterstützt von der schönen Rhiannon Starek aus dem zweiten Teil, auf die Suche nach einem Grab voller Gold macht. Leider ist er nicht der einzige der sich diesen sagenhaften Schatz unter den Nagel reißen will und so wird Fenimores drittes Abenteuer zu einem Wettlauf gegen Banditen bei dem neben dem Schatz auch noch das Leben seiner Freundin Rhiannon auf dem Spiel steht. Warum bei dem Wettlauf der Verlierer schon von Beginn feststeht und es sich in diesem Fall leider um den Spieler handelt lest ihr hier.


Brennend heißer Wüstensand…

Der Westen ist hart und grausam - genau wie das Spiel.

„In einer von der Macht der Gewehrläufe dominierten Welt lauert hinter jeder Ecke der Tod. Auf jeder Kugel steht ein Name und jedes namenlose Grab birgt die Geheimnisse eines ausgelöschten Lebens. Willkommen im Wilden Westen, wo ein falscher Schritt entweder den Beginn eines neuen Abenteuers oder das Ende eines Lebens voller Gefahren, Verbrechen und Grausamkeit bedeuten kann.“ Harte erste Worte, die einem da aus der Anleitung vom neuen 'Westerner' entgegenspringen. Das will so gar nicht zum fröhlich, ulkigen Cartoonvibe passen, den Spieler noch aus dem ersten und zweiten Teil kennen. Und tatsächlich macht 'The Westerner 2 – Fenimore Fillmore’s Revenge' Schluss mit der Verniedlichung des Wilden Westens und zeigt ihn so wie er war: hart und unbarmherzig. Gleich zu Beginn begrüßt uns eine schön animierte Videosequenz die die Einleitung zum Adventure wird. Fenimore und Rhiannon finden bei einem Ritt durch die Prärie den verwundeten Carson, der ihnen kurz bevor er stirbt, noch den Namen auf einem Grabstein verraten kann, welches mit Gold gefüllt sein soll. Aber Carsons Leiche ist noch nicht mal kalt, da kommt auch schon der Gauner Stevens samt Gefolge angeritten, der auf der Suche nach Carson und dem Gold ist. Kurzerhand schießt er Fenimore nieder (natürlich in den Rücken, wie es sich für einen Gauner gehört) und nimmt das Cowgirl gefangen. Fenimore wacht irgendwann in einer Hütte auf. Der Mann der ihm das Leben gerettet und ihn gesund gepflegt hat ist Baker, der mit Stevens und Carson zusammen einst das Gold stahl und jetzt, ebenso wie Stevens auf der Suche nach dem Grab ist, in dem Carson, der seine Komplizen hinters Licht führte, das Gold versteckte. Da er aber eher Abenteurer als Mörder ist, tut er sich mit Fenimore zusammen. Er hilft ihm Rhiannon zu befreien, wenn Fenimore ihm hilft die Beute wieder zu beschaffen. Das Abenteuer kann losgehen.

„Wichtig ist nur eins – das man sterben muss!“

Das ständige Wechseln der Kamera lässt einen schnell die Übersicht verlieren.

Hätte Revistronic sich dieses berühmte Zitat von Corbuccis Western-Klassiker 'Django' zu Herzen genommen, dann wäre Fenimore nach dem gemeinen Schuss in den Rücken erledigt und das Spiel vorbei gewesen. Leider scheint der Mann mit dem Maschinengewehr im Sarg den Herren von Revistronic nicht geläufig und so nimmt das Schicksal seinen Lauf, denn 'The Westerner 2' ist ein durchweg vermurkstes Spiel. Da wäre zunächst einmal das verwirrende Perspektivenspiel, mit dem sich der Spieler auseinandersetzen muss. In allen 3D modellierten Umgebungen gibt es einige feste Standkameras die mitschwenken und bei Verlassen des Einflussbereichs umschalten. Die neue Perspektive wird aber völlig ungeachtet der vorigen gewählt, was zur Folge haben kann, das man sogar in einer winzigen Blockhütte komplett den Überblick verliert und Fenimore sich bei der Suche nach der Tür auf zehn Quadratmetern verläuft da man oft über Stellen läuft auf denen die Kamera mehrmals wechselt. In Kombination mit der, hinsichtlich der detailreichen Backgrounds völlig unverständlichen, Hotspotarmut, die beim Spieler tatsächlich das Gefühl von Wildwest-Ödland erzeugen, wird die Suche nach einem Item so zu einem absoluten Krampf. Bis ich den winzigen Flachmann auf dem Tisch entdeckt habe, das einzige anwählbare Item auf dem gesamten Bildschirm, hab ich die Location schon dreimal durchkämmt.
Steuerungstechnisch präsentiert sich das Spiel ebenfalls unterdurchschnittlich. Ihr fahrt mit dem Mauscursor über den Bildschirm auf der Suche nach interaktiven Gegenständen oder gar Menschen, aber wehe wenn der Cursor nicht haargenau auf dem anwählbaren Item landet. Aufgesammelte Items werden in einem einblendbaren schwarzen Balken am oberen Bildschirmrand gesammelt. Per rechtem Mausklick verwandelt sich der Cursor entweder in eine Lupe, eine Hand oder eine Sprechblase. Eine ordentliche „Untersuchen“-Funktion gibt es in dem Spiel dennoch nicht. Die wenigen Dinge, die tatsächlich interaktiv sind, können durch die Lupenfunktion bloß näher betrachtet werden. Die Kameraperspektive wechselt dann, je nachdem wo sich die Spielfigur gerade befindet, in eine On-Board-Perspektive und kann ebenfalls geschwenkt werden, was aber herzlich wenig bringt. Kein einziges Wörtchen verlieren Fenimore und Rhiannon über die Dinge die sie am Wegesrand finden und so bekommt man auch keinerlei Hinweise darüber, wie man die Rätsel, die da gelöst werden wollen, in Angriff nehmen soll. Ein derart wortkarges und interaktionsarmes Adventure findet man tatsächlich selten. Da hilft auch nicht, dass die Spielfigur kapitelweise zwischen Fenimore und Rhiannon wechselt. Es macht tatsächlich überhaupt keinen Unterschied.

Die Dialoge sind rar und ohne Witz und Einfall.

Dabei ist der Dialog, oder wenigstens Monolog, in einem Adventure so unendlich wichtig. Über ihn wird die Story vorangetrieben und Stimmung vermittelt, sei es Horror, Comedy oder Noir. Durch ihn erfahren wir mehr über die Protagonisten, über ihre Wünsche, Ängste und ihre Motivation das Abenteuer zu bestehen. Bleibt das gesprochene Wort jedoch so unglaublich rar wie in diesem Fall, dann macht es nicht nur die Stimmung kaputt, es verhindert ganz einfach, dass jemals eine aufkommt. Fenimores Gefährte Baker stellt sich in manchen Abschnitten als Gesprächspartner zur Verfügung, aber der ist eben, wie es sich für einen echten Cowboy gehört, verdammt wortkarg und hilft nur in den seltensten Fällen mit einem Tipp aus. Auf Sprechblasenknopfdruck öffnet sich dann das Dialogauswahlmenü das die Anfänge der zur Auswahl stehenden Sätze anzeigt, neben einem kleinen Bild vom Gesicht des Protagonisten, dass möglicherweise die passende Mimik darstellen soll, bei allen, aber auch allen Sätzen komplett identisch aussieht. Die wenigen Sachen die die Protagonisten von sich geben sind dann auch noch teilweise falsch übersetzt. Möchte man beispielsweise zwei Items kombinieren, womit Rhiannon nicht einverstanden ist, dann bekommt der Spieler ein aufrichtiges „Ja, richtig!“ zu hören. Jeder vernünftige Mensch muss daraus schließen, dass die geplante Aktion korrekt war und wird sich wundern, dass sie völlig ergebnislos bleibt. Im englischen macht das richtig intonierte „Yeah, right!“ viel mehr Sinn, da es das Äquivalent zum sarkastischen „Ja klar!“ im deutschen ist. Einen derart simplen Satz zu verhauen wirft auch ein schlechtes Licht auf das die deutsche Überarbeitung.

Die Rätsel besthen größtenteils aus Try-and-Error Aufgaben.

Dadurch, dass es über keinen Gegenstand Informationen von der Hauptfigur gibt, verkommen sämtliche Rätsel zu Try-and-Error –Aufgaben. Das ist aufgrund der Geradlinigkeit der Rätsel meistens kein allzu großes Hindernis, hin und wieder ärgert man sich aber einfach schwarz. Wie einfach wäre es gewesen kleine Hinweise in Beobachtungen der Charaktere einzubauen. Ein „Das Pferd scheint hungrig zu sein“ hätte den Spieler wenigstens darauf hingewiesen, dass man möglicherweise auf Futtersuche gehen sollte, damit der Gaul kooperativer wird. So muss man erst mal von selber darauf kommen, zweimal die irgendwo im Perspektivenirrgarten stehende Vogelscheuche zu „benutzen“, was zur Folge hat, das Fenimore die Scheuche zunächst mitten in die Pampa schmeißt, sie dann aber doch auf den Balken vor der Koppel ablagert. Dann muss man sie noch mit dem Messer bearbeiten bevor das Stroh herausquillt und das Pferdchen seinen Hunger stillen kann.
Der lineare Aufbau des Adventures lässt keine Wechsel zwischen Orten zu, daher ist man immer auf eine bestimmte Location und eine bestimmte Aufgabe beschränkt, die es zu lösen gilt. Die Unterteilung des Spiels in mehrere Kapitel beschneidet die Freiheit des Spielers weiter. Kein freier Wechsel zwischen Rhiannon und Fenimore, was das Spiel vielleicht ein wenig interessanter und kurzweiliger hätte gestalten können, ist möglich. Stattdessen gibt es klare Vorgaben, wann der Spieler welche Figur steuert, was dem Spiel etwas Episodenhaftes gibt. Die drei Actionsequenzen, von denen nur zwei echte Action haben, wurden Steuerungsmäßig so dermaßen verbockt, dass es sich nicht lohnt darüber ein Wort zu verlieren.

Auch die Actionsequenzen machen dank vermurkster Steuerung keinen Spaß.

Ob die lächerlich kurze Spieldauer ein positiver oder negativer Kritikpunkt ist, ist nicht klar definierbar. Einerseits kann ein jeder Spieler nur froh sein, wenn dieses hundsmieserable Spiel endlich vorbei ist. Aber andererseits grenzt die durchschnittliche Spieldauer von ca. drei bis vier Stunden bei einem Kaufpreis von ca. 40 Euro an Betrug. Selbst wer über alle aufgeführten Mängel erhaben ist, kann eine so kurze Spieldauer bei einem Vollpreis-Game nicht gut heißen. Eine 'Sam und Max' Episode für ca. 6 Euro bietet neben besseren Leistungen in sämtlichen Kriterien auch noch eine längere Spielzeit. Das darf einfach nicht sein.

Und sie ritten in den Sonnenuntergang…

Die animierten Zwischensequenzen sind definitv das Highlight des Spiels.

Die grafische Präsentation von 'The Westerner 2' ist dagegen ziemlich gelungen. Detailreiche Hintergründe und opulente Panoramen vermitteln ein glaubwürdiges Wildwest-Feeling. Auch die Charaktere sind gut animiert und nett gezeichnet, obwohl sie neben der ernsten Stimmung und vor den realistischen Hintergründen zu comichaft wirken. Gleiches gilt für die cliché Cartoon-Soundeffekte, die völlig fehl am Platze sind und ständig unangenehm auffallen. Die animierten Zwischensequenzen sind das Beste was 'The Westerner 2' zu bieten hat und überzeugen durch flotte Schnitte und professionell wirkende Kameraarbeit. Betrachtet man sie im Zusammenhang mit der Filmrolle im Speichern/Laden-Menü und den Kinostreifen die den Bildschirmausschnitt einrahmen so wird die Ambition von Revistronic deutlich, das Ambiente eines Westernfilms zu schaffen, anstelle eines echten Western.
Die Musik, obwohl äußerst spärlich eingesetzt, ist ebenfalls angenehm pathetisch und unterstützt den Hollywood-Western-Stil, dessen Stärken sich ebenfalls in schönen Landschaftstotalen und klasse Soundtrack offenbaren.
Erhältlich ist dieser Viehdieb von einem Adventure für den PC in den Softwareabteilungen größerer Kaufhäuser und als Downloadversion bei einigen Internetportalen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 45%

'The Westerner 2 – Fenimore Fillmore’s Revenge' ist ein wirklich schlechtes Spiel. Alles was ein gutes Adventure ausmacht, ist hier mangelhaft. Rätsel werden nach dem Zufallsprinzip gelöst, gesprochen wird kaum, die Charaktere vermissen jegliche Tiefe, die Actionszenen spielen sich fürchterlich. Wie man es dreht und wendet, 'The Westerner 2' macht letztenendes einfach überhaupt keinen Spaß. Auch der unausgereifte Mix zwischen ernstem Western und Comicadventure findet nie seinen eigenen Weg. Freigegeben is t das Spiel zwar ab 12, die Pegi-Empfehlung ist aber ab 16 Jahren. Zwar wird im Vorspann Fenimore in Super Slow-Motion von einer Kugel durchbohrt, die aber einfach so durch ihn hindurchfliegt, ohne eine Wunde zu hinterlassen. Auf der Verpackung des Spiels kann man klar die Philosophie des Publishers (oder der Entwickler) erkennen, denn Fenimore selbst hält sich im Hintergrund – stattdessen scheint die Hauptrolle, und gleichzeitig das Kaufargument nummer 1, das mit Doppel-D-Vorbau ausgestattete Cowgirl Rhiannon zu spielen, die auch im Spiel genug Dekoltee zeigt um den vorpubertären Sprössling für fünf Minuten zu begeistern. Die Grafik ist tatsächlich gut, bleibt aber das einzige Feature, auf welches das zutrifft. Zusammen mit klaren Programmierfehlern (z.B. Untertitel funktionieren bloß Teilweise) einer halbherzigen Übersetzung und müde wirkenden Synchronsprechern ist 'The Westerner 2' tatsächlich niemandem zu empfehlen. Selbst hardcore Fenimore-Fans oder Westernfanatiker lassen hier besser die Finger von.

geschrieben am 07.04.09, Hendrik Busse

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 2000/XP/Vista
Pentium 4 mit 2 GHz
2 GB Ram
4 GB freier Festplattenplatz
DirectX 9.0c kompatible Grafikkarte mit 512 MB
DirectX kompatible Soundkarte
Offizielle Homepage


Spiel kaufen

Bei Amazon kaufen (Affiliate Link)
Ähnliche Spiele

Dieses Review gehört zu  The Westerner 2.




+1 Gefällt mir
Kommentare 0

Als Gast kommentieren

Benutzername
Zeichenkombination eingeben: ee7fd2


Anmelden

Name
Passwort

[ Registrieren | Passwort vergessen? ]
 







PCGamesDatabase.de Tayrint-Lets Play Adventures-Kompakt Adventuresunlimited.de Tentakelvilla.de All-Inkl Serverhosting

Der Adventure Corner Award
 Newsfeeds!  Twitter!  Become a fan!