Reviews: Baphomets Fluch Director's Cut :

Baphomets Fluch - The Director's Cut


„Gute Dinge können nicht sterben!“ Vielleicht hatte das Team um Charles Cecil und Revolution Games dieses bewegende Zitat aus dem Film 'Die Verurteilten' im Kopf als sie sich dazu entschieden den mittlerweile 13 Jahre alten Titel 'Baphomets Fluch', der 1996 einen beachtlichen Erfolg feiern konnte und drei offizielle Fortsetzungen nach sich zog, dieses Jahr für Nintendos Wii-Konsole neu aufzulegen. Dabei beließ man es aber nicht bei einem schlichten Remake sondern liefert mit 'Baphomets Fluch – The Director’s Cut' eine neue Version ab, die neben einer erweiterten Story nun auch Nicole Collard zu einem spielbaren Charakter macht. Man bemühte sich redlich das hervorstechendste Feature der Wii, seine Steuerung durch die Wiimote, ins Spielgeschehen zu integrieren. Aber kann man einem alten Klassiker wie 'Baphomets Fluch' noch einmal Leben einhauchen? Um dieses Rätsel zu lösen müsst ihr einfach weiter lesen.


Paris, die Stadt der Liebe…

Nicole ist in Paris unterwegs.

… der Romanze und der Träume. So denken viele. Auch ich habe einmal diese Gefühle mit meinem Paris assoziiert. Bis zu dem Tag als ich, Nicole Collard, Monsieur Carchon, einem der einflussreichsten und wohlhabendsten Politiker Europas zu einem Interview treffen sollte. Schon vor seiner Tür hätte ich eine grauenhafte Ahnung dessen kriegen sollen, was da auf mich zu kam, denn ein Pantomime versperrte mir den Weg zu Carchon’s Eingang. Eigentlich hasse ich Pantomimen, aber wenn man nicht mitspielt, lassen sie einen nie in Ruhe. So bückte ich mich und tat so als zwängte ich mich durch die kleine imaginäre Pforte die der Mime gerade für mich geöffnet hatte. Er verbeugte sich und ich nickte ihm zu. Dann klingelte ich am Haupttor des prächtigen Appartementblocks. Madame Carchon, von der Öffentlichkeit schlicht Eiskönigin genannt, öffnete die Tür per Summer und sagte durch die Gegensprechanlage, dass ich sie im ersten Stock antreffen würde. Der Empfang durch die Eiskönigin war, wie erwartet, äußerst kühl, aber Monsieur Carchon trat schnell hinzu und das wärmte die Situation beträchtlich. Er erwähnte noch, dass er ein persönlicher Freund meines Vaters gewesen war, eine Tatsache, die mir bis dahin völlig unbekannt gewesen war. Aber bevor ich auch nur eine Frage stellen konnte drang ein schepperndes Geräusch aus Carchons Arbeitszimmer. „Sicher wieder deine Katze“, wandte er sich wütend an seine Frau und entschuldigte sich um kurz nach dem Rechten zu sehen. Kaum aber das er das Zimmer betreten hatte gab es erneut Krach. Diesmal hörte sich das Geräusch allerdings an wie ein Schuss. Carchons Frau erstarrte. Ich rannte in sein Arbeitszimmer und sah Carchon auf dem Boden liegen. Der Pantomime von draußen kniete über ihm. Er machte ein erschrockenes Gesicht und winkte mich zu sich. Wie in Trance taumelte ich in seine Richtung und sah das Carchon blutete. Ich hätte besser vorsichtig sein sollen, aber nachher ist man immer schlauer. Bevor ich die Situation durchschauen konnte schlug mir der Mime mit seiner Faust ins Gesicht. Und ich dachte immer Mimen dürften nichts berühren… alles wurde schwarz…


Mord vor malerischem Hintergrund

Mit Carchon ist nicht mehr viel los.

So fängt 'Baphomets Fluch – The Director’s Cut' an. Adventure Veteranen wird aufgefallen sein, dass es George Stobard, eigentlicher Held und Protagonist der 'Baphomets Fluch'Reihe nicht mehr vorbehalten ist, die einleitenden Worte zu sprechen. Das ist aber kein Grund zur Sorge, denn wer sich mit dem vor dreizehn Jahren erschienenen Original bereits vertraut gemacht hat, der dürfte von den Neuerungen im Director’s Cut begeistert sein. Die Originalstory ist komplett umgesetzt, wurde aber hier und da um kleine Kapitel verlängert, die es einem möglich machen nun auch Nicole Collard zu steuern, die ihrerseits ebenfalls zur Lösung des Geheimnisses der Tempelritter beiträgt. Dabei sind ihre Episoden plausibel in den Verlauf der Story integriert und stören den bekannten Spielfluss zu keiner Zeit. Dafür ergänzen die Informationen aus Nicoles Abschnitten die Geschichte und machen die Story noch spannender und interessanter. Die Menüführung bleibt gleich und ist so unauffällig wie möglich ins Spielgeschehen integriert. Durch einen Wiimote-Klick auf ein Taschensymbol am unteren Rand des Bildschirms öffnet man das Inventar, ein Klick auf ein Notizblock-Symbol am oberen Rand führt zum Menü. Hier kann man neben Speichern und Laden auch die Sprache wechseln (denn das Spiel kommt gleich vollsynchronisiert in fünf Sprachen) und die Hilfsfunktion in Anspruch nehmen, die auf Nachfrage nützliche Tipps zum Lösen des aktuellen Rätsels gibt. Aber Obacht, das Spiel zählt die Häufigkeit der Inanspruchnahme. Was genau die Konsequenzen sind, vermag ich nicht zu sagen, aber wer will schon am Ende des Adventures als Rätselversager dastehen.

Extra für die Steuerung der Wii gibt es einige neue Geschicklichkeitsrätsel.

Wie in alten Zeiten steuert ihr eure Protagonisten per Point & Click durch das Abenteuer. Die Wiimote ersetzt hierbei die Maussteuerung. Um 'Nintendos' einzigartige Steuerungsmöglichkeit noch stärker ins Spielgeschehen zu integrieren wurden die neuen Abschnitte mit Nicole mit einigen Rätseln gespickt, die Fingerspitzengefühl erfordern. Knifflige Verschiebe-Rätsel oder das knacken eines Safes verdienen auf jeden Fall das Prädikat innovativ. Nur mit der Umsetzung hapert es an einigen Stellen, denn nicht alle dieser Prüfungen gehen leicht von der Hand und daran ist leider manchmal die Steuerung Schuld, die nicht immer so sauber und feinfühlig ist, wie man sich das wünscht. Letztendlich bleibt aber eher ein positives Gefühl diese Neuerung betreffend hängen, denn die speziellen Rätsel sind wirklich fabelhaft ins Spielgeschehen eingefügt (was bei heutigen Adventures leider Gottes Seltenheitswert hat) und selbst wenn es manchmal ein wenig hakt, schmeißt man doch zu keiner Zeit die Flinte ins Korn (oder die Wiimote in den Fernseher).

Erstmalig darf Nicole auch an der Action teilhaben.

Überwiegend lebt das Spiel aber immer noch von Atmosphäre, cleveren Dialogen und einer Story wie aus einem guten Roman. Eine Filmumsetzung wird übrigens für nächstes Jahr erwartet. Das Mordkomplott, das immer weitere Kreise zieht und dank neuen Storyelementen Nicole Collard von einer Nebenrolle zur zweiten Protagonistin macht, greift nach und nach weitere spannende Aspekte auf und wird fließend vom Thriller zum Abenteuer zum okkulten Geschichtsunterricht. Nebenbei darf man sich auf malerische Schauplätze wie eine irische Burg, ein spanisches Landhaus oder die erbarmungslose syrische Wüste freuen. Das Spiel lahmt zu keinem Zeitpunkt daher möchte man eigentlich immer noch ein wenig weiter spielen. Eigentlich beste Voraussetzungen…


Was die Zeit vergaß – Grafik und Sound

Leider sind Grafik und Sound nicht optimal umgesetzt worden.

… wäre da nicht das leidige Thema Grafik und Sound. 1996 sorgte das Original für offen stehende Münder, so prachtvoll waren die Hintergründe, so detailliert die Animationen und so professionell die Sprachausgabe. Zwar hat man beides original vom Vorgänger übernommen, aber leider zu Lasten des Spielers. Nur mit einem großen LCD-Fernseher und mit HD-Kabel sind Konturen und Schrift klar zu erkennen. Wer das Spiel auf einem kleinen 60 Hertz-Fernseher mit Bildröhre zocken möchte, der wird schnell feststellen, dass der geschriebene Text der gesprochenen Dialoge äußerst schwer zu entziffern ist. Die Herren von Revolution Games scheinen nicht bedacht zu haben, dass man normalerweise bedeutend weiter vom Fernseher weg sitzt, als vor dem Computer. Das ganze Bild wirkt auf einem 4:3 Fernseher leicht gestaucht, die Konturen der Figuren verschwimmen und das führt des Öfteren dazu, dass man die Augen zusammen kneifen muss um erkennen zu können, was George da gerade gemacht hat. Die Sache mit dem schwer entzifferbaren Schriftbild ist ärgerlich, aber verzeihbar, hat man doch die astreine Synchro auf die man zurückgreifen kann… oder? Denkste, denn auch hier hat Revolution Games ein wenig Schindluder getrieben. Alle neu eingesprochenen Dialoge sind hervorragend aufgenommen und kommen klar rüber. Der Löwenanteil aber stammt noch von 1996 und wurde nicht neu eingesprochen sondern gesampelt. Dabei scheint aber etwas schief gelaufen zu sein, denn sämtliche Sätze aus dem Original klingen muffelig, wie aus einem kaputten Radio. Das wird besonders deutlich wenn in einem Gespräch zwischen George und Nicole ein Satz neu und der nächste alt ist. Nicht nur, dass dieses Manko in Verbindung mit der leicht verschwommenen Grafik es teilweise schwer macht den Dialogen zu folgen, es trübt auch einfach allgemein den Spielspaß. Das Problem mit dem Sound hat übrigens jede Sprachversion, egal ob Deutsch, Englisch oder Französisch.

Eine grafische Neuerung die insgesamt positiv auffällt, ist das Einblenden von Close-Ups auf das Gesicht des Charakters um in Gesprächen dessen Stimmung besser wiederzugeben. Leider werden die Lippenbewegungen und die wechselnden Gesichtszüge schnell äußerst rar. Zu oft sieht man lediglich das Gesicht von George oder Nicole in dem sich, egal in welchen Bahnen das Gespräch verläuft, nichts regt. Hier hätte man mehr draus machen können.
Hat man aber einen großen Fernseher zur Hand, dann kann man sich auch im Jahre 2009 noch über die prächtige Grafik freuen. Egal ob man sich in einem kleinen irischen Dorf umsieht, die Straßen von Paris unsicher macht oder auf einem Marktplatz in Syrien um einen Gegenstand feilscht, die gezeichneten Hintergründe sind immer bildschön und unglaublich detailreich.

Trotz kleiner Mängel macht das Spiel immer noch mächtig Spaß.

Die spärlich eingesetzte Hintergrundmusik, die meistens nur Cutszenen untermalt wirkt stimmungsvoll und setzt, gerade ob ihres begrenzten Einsatzes, die kleinen gezeichneten Filmchen gut in Szene. Den meisten Sound bezieht das Spiel aus Ambience. Zwitschernde Vögel, ein hupendes Auto oder ein Geigenspieler, was auch immer gerade am Ort des Geschehens für Geräusche sorgt wird ins Spiel mit eingearbeitet und vermittelt eine authentische Stimmung. Manchmal ist der Sound leider ein wenig zu laut, beziehungsweise die Sprache zu leise, was bei den ohnehin schon dumpfen Stimmen zu Verständnisproblemen führen kann.


Galerien

Fazit:

Wertung: 78%

'Baphomets Fluch' ist auch nach 13 Jahren ein immer noch erstklassiges Adventure. Die Idee, den Klassiker auf der Wii neu zu inszenieren ist begrüßenswert, da Nintendos Konsole durch ihre einzigartige Steuerung für Point and Click Adventure gut geeignet ist. Auch das Aufpeppen der Story durch Nicole als spielbaren zweiten Charakter ist gelungen und macht das Spiel auch für diejenigen interessant, die es schon damals gespielt haben. Die etwaigen aufgeführten Mängel sind dabei aber wirklich ärgerlich, allem voran die etwas vermurkste Synchronisation. Bei einem Spiel das viel Wert auf die Ästhetik setzt, fällt sowas natürlich doppelt auf. Die Denkaufgaben und Geschicklichkeitsrätsel die extra für die Wiimote entwickelt wurden sind nicht immer gut, hier sollte aber eher der kreative Ansatz bewertet werden, der Hoffnung auf weitere Passagen dieser Art in anderen Spielen macht. Die Idee ist klasse und das neue Sachen manchmal etwas unausgegoren sind ist nachvollziehbar. Mit ca. 45 Euro liegt das Spiel in der normalen Preiskategorie und kann im Konkurrenzkampf mit anderen Wii-Abenteuern, wie z.B. 'Tunguska' oder 'Runaway 2' mithalten. Kleine Mängel verhindern aber, dass diese Version das brillante Ergebnis des Originals erreicht.

geschrieben am 27.04.09, Hendrik Busse

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