Reviews: Ghost Pirates of Vooju Island:

Ghost Pirates of Vooju Island


Dieses Jahr kann man getrost auch zum Jahr der Piraten erklären, denn nicht nur Guybrush Threepwood trieb uns spielerisch mit neuen Abenteuern in den Wahnsinn, nein auch Bill Tiller und seine Crew von Autumn Moon sprangen auf diesen Zug mit auf und brachten Anfang November das mit Spannung erwartete 'Ghost Pirates of Vooju Island'. Obwohl Tiller ausdrücklich versicherte, dass das Adventure kein 'Monkey Island'-Klon wird, liegt ein Vergleich trotzdem sehr nahe. Zumal ihm, wie er selbst sagt, die Abenteuer um Guybrush ihm als Inspirationsquelle dienten. Kein Wunder, denn Tiller, der als Grafiker bei LucasArts maßgeblich an Teil drei der Threepwood-Geschichte mitwirkte, wollte endlich mal sein eigenes Piratenspiel machen. Ob die Geisterpiraten eine gute Portion Humor mitbringen und uns mit Voodo-Zauber an den PC fesseln konnten, erfahrt ihr in unserem Test.


Aller guten Dinge sind bekanntlich drei

Dreamteam Jane Starling, Papa Doc und Blue Belly müssen zusammenhalten.

Irgendwo tief in der Karibik. Äh nochmal. Irgendwo auf Vooju Island. Finstere Tage kommen auf die Menschen zu. Kapitän Green Beard, der nicht nur so heißt, sondern auch so aussieht, schmiedet ein finsteres Komplott gegen seinen Widersacher Kapitän Flint. Zusammen mit der hinterlistigen Hexe Queen Zimbi will er selbst der Herrscher über die Piraten werden und Flint hinterrücks ausschalten. Doch vorher gilt es sämtliche Mitwisser aus dem Wege zu räumen. Und das sind genau unsere drei Freunde: Blue Belly, Jane Starling und Papa Doc. Smutje Blue Belly arbeitet unter Green Beard und ist selbst sein bester Kunde, sichtbar an dem dicken Ranzen, den er vor sich her schiebt. Die wohlproportionierte Topspionin Jane arbeitet im Auftrag von Flint und ist ihm mehr als nur freundschaftlich zugeneigt. Der dritte im Bunde ist der gemütliche, trotzdem mächtige Vooju-Priester Papa Doc. Der hat das Pech der Ehemann von Queen Zimbi zu sein. Diese drei könnten den fiesen Plan verhindern. Also werden sie umgehend von Zimbi mit einem Fluch belegt. Dank Papa Doc wandern alle nicht sofort ins Jenseits, sondern führen fortan ein Leben als Geister. Unsichtbar für das menschliche Auge.

Und hier beginnt die eigentliche Handlung. In einem ausführlichen Dialog erklärt Papa Doc den Ausweg aus dieser misslichen Lage und verteilt entsprechende Aufgaben, damit die drei wieder in ihre menschlichen Körper zurückfinden und den Plan von Green Beard und Zimbi vereiteln können. Dazu müssen erstmal die Körper gefunden und geborgen werden. Das ist nicht ganz einfach und wird auch nicht die letzte Aufgabe der drei Geister sein.

Da geht noch was

Jane ist fasziniert von der Schönheit dieser versteckten Höhle.

'Ghost Pirates of Vooju Island' wartet mit handgezeichneten und farbenfrohen Hintergründen, die mit unter so detailreich sind, dass sie überladen wirken. Dennoch verhelfen sie dem Spiel zu einer sehr stimmungsvollen Atmosphäre. Immer wieder lässt man sich durch flackernde Kerzen oder umherschwirrende Glühwürmchen von der eigentlichen Handlung ablenken und erfreut sich an diesen kleinen Hinguckern. Leider lässt sich das nicht auf die Gestaltung der Charaktere übertragen. Diese wirken teilweise sehr steif in ihren Bewegungen und sind doch grober designt als ihre Umgebung. Vor allem bei Jane fällt die Umgelenkigkeit der Figur besonders auf.

Das Totenkopf-Interface vereinfacht die Steuerung.

Abgesehen von der Grafik, aus der man eindeutig noch mehr herausholen könnte, ist die klassische Point- und Klick-Steuerung simpel und verständlich gehalten, angelehnt an 'The Whispered World' oder 'A Vampyre Story'. Mit der linken Maustaste öffnet sich das Totenkopf-Interface für allseits bekannte Aktionen, wie Untersuchen, Sprechen und Benutzen. Die rechte Maustaste öffnet das Inventar. Eine Besonderheit ist, dass in diesem auch die Charaktere als Bilder angezeigt werden. Denn in 'Ghost Pirates of Vooju Island' kann der Spieler alle drei Charaktere steuern und beliebig zwischen diesen wechseln. Außerdem kann man eingesammelte oder gemerkte Gegenstände den Anderen zeigen, die auf Grund ihrer speziellen Fähigkeiten gute Tipps und Hinweise geben. Papa Doc beispielsweise kennt sich mit natürlich mit Vooju bestens aus und Jane kann Runen lesen oder verschlossene Türen öffnen. Ein kleines Manko ist der Fehler mit der Hotspot-Taste. Keine Angst, es gibt eine, aber diese liegt nicht wie beschrieben auf Space, sondern der Tab-Taste. Alte Hasen werden es durch probieren schnell herausfinden. Schlecht gelöst ist außerdem die Sache mit dem Doppelklick, der eigentlich die Zeiten bei Ortswechseln verkürzen sollte. Schade, aber in diesem Adventure funktioniert das nicht.

Fortschrittlicher erscheint da schon die Auflösung, bei der man zwischen der üblichen 1024x768 und der Breitbild-Variante 1280x800 wechseln kann. Das dies nicht immer von Vorteil sein muss, zeigt sich leider bei kleinen Schönheitsfehlern in der Grafik, die durch die eigentlich bessere Auflösung verstärkt werden.

Witz komm raus, du bist umzingelt

Lüsterne Anspielungen warten viele.

Die etwas lieblose Gestaltung der Charaktere überträgt sich leider auch auf deren Dialoge untereinander oder mit dem Spieler. Diese ähneln der Inspirationsquelle 'Monkey Island', aber der Witz ist unterwegs abhanden gekommen. Nur manchmal entlockt uns die ein oder andere Kabbelei zwischen den Dreien ein kurzes Kichern. Aber auch hier wäre eindeutig mehr drin gewesen. Den Charakteren fehlt es an Tiefgang und deren feste Einbindung in die Geschichte. Nur nebenbei werden Sorgen und Probleme der Charaktere erwähnt: Papa Doc erinnert sich schmerzlich an seine gemeinsame Liebesgeschichte mit Zimbi und Jane trauert Flint nach. Doch der größte Minuspunkt ist die Hauptgeschichte. Diese wird leider viel zu oberflächlich erzählt. Dem Spieler werden Brocken hingeworfen, deren Bedeutung er sich dann selbst zusammenreimen kann. Da fragt man sich manchmal: „Was tue ich eigentlich hier und wieso?“ Und das obwohl man sich alle Dialoge anhören muss, denn Abbrechen geht hier leider nicht. Das ist mitunter nervig, wenn man das zweite Mal einen Gegenstand untersucht und die gleiche Antwort noch mal mit anhören muss.

„Yamo sagt, ich brauche das nicht.“

Bei manchen Rätseln muss man stupide Probieren.

Das Rästeldesign fährt zum Nachteil des Spiels zweigleisig. Entweder sind die Rätsel zu einfach, das man ohne langes Nachdenken sofort auf die richtige Lösung kommt oder sie sind unlogisch. Bei einigen Puzzles muss man so verquer um die Ecke denken und wenn das nichts bringt, hilft nur stupides Rumprobieren. Manchmal weiß man erst nach einer erfolgreichen Lösung, warum man das eigentlich machen sollte. Dabei nerven doppelte Kommentare bei mehrmaligen Anklicken, die man leider nicht abbrechen kann. Außerdem weiß Papa Doc zum Beispiel eine Antwort auf eine Handlung, die noch nicht ausgeführt wurde, wie im Vooju-Tempel bei der man die Putzfrau erschrecken muss. Leider fehlt eine Hilfefunktion, denn wer hängt, der hängt richtig und dem bleibt nur noch die Spielelösung.

Mach doch mal lauter!

Queen Zimbi verfolgt andere Ziele, als man zu Anfang glaubt.

Das schönste an 'Ghost Pirates of Vooju Island' ist der erstklassige Sound. Viele abwechslungsreiche Stücke versetzen den Spieler in genau die richtige Stimmung zur jeweiligen Szene. Karibische Rhythmen, Voodo-Klänge und melancholische Variationen sorgen für genau die richtige Untermalung und man erwischt sich dabei, wie man im Takt mitwippt oder auf der Tischkante trommelt. Auch die deutsche Synchronisation aller Charaktere ist wunderbar gelungen. Da sieht man locker darüber hinweg, dass Stimme und Lippen nicht immer synchron sind.


Galerien

Fazit:

Wertung: 73%

Schade hoch drei oder Pirat ist eben nicht gleich Pirat. Den negativen Kritikpunkten der unausgeklügelten Grafik der Charaktere, der oberflächlichen Story und dem unlogischen Rätseldesign stehen positiv die liebevoll gestaltete Spielwelt und der erstklassige Sound gegenüber. Bill Tiller wartete zehn Jahre auf sein eigenes Piratenadventure, da hätten ein bis zwei Jahre mehr eigentlich auch nicht geschadet. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass 'Ghost Pirates of Vooju Island' eindeutig mehr drin gewesen wäre. Schade, denn so bleibt das Spiel leider nur Mittelmaß und ein wenig bedeutender Abklatsch anderer Piraten-Epen. Bleibt uns nur zu hoffen, das die ebenfalls aus der Feder von Bill Tiller stammende Fortsetzung zu 'A Vampyre Story' besser durchdacht und gestaltet wird.

geschrieben am 30.11.09, Simone Riecke

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP / Vista
Grafikkarte: DirectX kompatibel, 256MB
Arbeitsspeicher: 1024 MB
Prozessor: P4 1.8 GHz, AMD kompatibel, Intel Core2Duo
Festplattenspeicher: 4.0 GB
Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  Ghost Pirates of Vooju Island.




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