Reviews: Full Pipe:

Full Pipe


Sieben Jahre ist es schon alt, doch erst jetzt bringt Daedalic 'Full Pipe' auf den deutschen Markt. Eigentlich stammt das Spiel von der russischen Entwicklerschmiede Pipe Studios und ist schon online über Steam erhältlich und zwar für nur knapp fünf Euro. Lohnt es sich wirklich die 20 Euro für die zugegebener Maßen edle Verpackung inklusive Poster auszugeben?


 

 

Ein Held in blauen Pantoffeln

Huch, es gibt also doch Monster unterm Bett.

Die Geschichte ist kurz erzählt: Unser Held namens Dude, eine kleine bebrillte Kugel mit Schneckenhaus auf dem Rücken, schläft seelenruhig in seinem Bett, als eine riesige Hand, unter seinem Bett hervor kommend, einfach einen seiner blauen Hausschlappen klaut. Ohne Furcht und ganz beherzt springt Dude der Hand hinterher und landet unverhofft in einem verzweigten Tunnelsystem, das allerlei bizarre Gestalten beherbergt. Gleich im ersten Raum findet er seinen Pantoffel, zieht ihn an und macht sich auf, die Räume zu erkunden. Ab jetzt ist der Spieler gefragt, der sich bestimmt schon denkt: Wie komme ich hier bloß wieder raus?

Skurrilitäten-Kabinett des Dr. Maximov

Bizarre Gestalten lauern überall.

'Full Pipe' ist ein liebevoll von Hand gezeichnetes Adventure im Comicstil. Verantwortlich für die Gestaltung ist der preisgekrönte russische Animationsfilmer Ivan Maximov, der mit seinem Stil die Atmosphäre im Röhrensystem sehr gut rüber bringt. Dabei setzt er auf klare Linien, geht wenig ins Detail und verwendet gedeckte Farben, die gut zur Lage unseres Helden tief unter der Erde passen. Die Figuren sehen alle außergewöhnlich aus: Nicht nur unser Dude selbst, nein er trifft auf eine knollige Figur, die eine Schublade im Bauch hat oder auf Wächter, die ein bisschen an übergroße Kartoffelsäcke erinnern, aber doch schon gern Brillen tragen. Es macht Spaß, einfach zu erraten, welche bizarre Figur den Dude in einem noch unentdeckten Raum erwartet, denn außer den Wächtern gleicht kein Wesen dem Anderen.

Sehr einfach gehalten, ist die typische Steuerung mit der Maus. In diesem Spiel kommt der Spieler mit sehr wenigen Klicks vorwärts. Der Cursor verwandelt sich in einen Fuß, auch schon mit Richtungspfeilen bestückt, damit der Dude genau weiß, in welche Richtung er

Praktisch- die Minimap.

gehen soll. Verwandelt sich der Cursor in ein Handsymbol, ist Action angesagt. Entweder müssen Gegenstände aufgehoben, benutzt oder abgegeben werden. Dabei fällt auf, dass die Steuerung stellenweise sehr ungenau arbeitet. Erst wenn der Spieler seinen Mauszeiger sehr mittig auf das Objekt bewegt, tut sich auch etwas. Die erworbenen Gegenstände sammelt der Dude in seinem Inventar, das am oberen Bildschirmrand eingeblendet wird, sobald sich der Mauszeiger dahin bewegt. Ein großer Vorteil, ist die auch oben rechts eingeblendete Minikarte, mit deren Hilfe sich der Spieler kurz und schmerzlos in bereits entdeckte Räume „beamen“ kann. Sehr praktisch, denn das verzweigte Röhrensystem besteht aus scheinbar endlos vielen Räumen in unterschiedlichen Ebenen.

Die zahlreichen Minispiele werden ebenfalls mit der Maus gesteuert, indem je nach Geschicklichkeitsaufgabe gehüpft, geworfen oder gesprungen werden kann. Ein kleines Menü am rechten unteren Bildschirmrand, zeigt dann die Funktionsweise der jeweiligen Maustaste, zum Beispiel links für springen.

Frustration oh oh oh

An den Mäusen muss man ziehen, damit sie nicht den Weg der Blase behindern.

Zentrales Rätselelement in 'Full Pipe' ist der Tausch von Gegenständen und das scheinbar ohne Sinn, also Trial und Error, wie der fachmännische Tester sagen würde. Es ist anfangs überhaupt nicht ersichtlich, warum der Dude einer Figur eine Schublade gibt, die sich diese aufsetzt und dem Dude dafür ihre Sonnenbrille gibt. Da verzweifelt der logisch denkende Spieler schon mal, vor allem, wenn die Gegenstände später wieder zurückgeholt werden und dann irgendwo erneut eingetauscht werden. Doch das ist nicht das einzig frustrierende am Rätseldesign. Es sind die zahlreichen Minispiele, die anscheinend den Tauschhandel auflockern sollen, die aber erfolgreich absolviert werden müssen, um vorwärts zu kommen. Obwohl ohne Hotspot-Funktion ausgetstattet, gibt es bei den Spielen eine kleine Hilfestellung, die aber wenig hilfreich ist. Zum Beispiel muss der Dude sich auf einer Schaukel per Mausklick hin und her bewegen und im richtigen Moment abspringen, um eine Röhre zu treffen, durch die er dann in einen neuen Raum gelangt. Klingt leicht, ist aber nicht so einfach, denn zuerst einmal muss man immer an der richtigen Stelle klicken, damit der Dude auf der Schaukel auch Schwung holt und sich nicht selbst ausbremst, und das auch im richtigen Rhythmus, und dann muss er auch noch exakt abspringen. Jump und Run-Feeling kommt auf, wenn der Dude über ein Laufband rennen muss, an dessen Ende zwei Figuren warten. Die eine wirft grüne Bälle, bei denen sich der Dude ducken muss, die andere spuckt rote Bälle, über die der Dude hüpfen muss. Bei einem Fehler wird der Dude immer wieder ein Stück zurück geschoben und fängt notfalls noch mal ganz von vorn an. Eine sehr frustrierende Aufgabe, die den Tester schon manchmal an den Rand völliger Verzweiflung brachte, denn hier half auch keine Spielelösung. Einfach nur stupides Ausführen der Aufgabe, mit der Hoffnung, irgendwann im richtigen Moment den richtigen Klick zu setzen.

Ohne Worte

Grimassen ja - Dialoge nein.

Die Geschichte kommt ganz ohne Worte aus, dafür mit einem tollen Sound, der die unterirdische sowie bizarre Welt klanglich wiederspiegelt. Es hört sich teilweise so an, als sitzt man in einer Jazzbar. Das einzige Manko ist die Wiederholung der einzelnen Stücke, die aber sehr schlecht zusammengefügt sind. Teilweise ist es so, dass eine Pause entsteht, in der kein Sound kommt, der irgendwann dann doch, wie verspätet, einsetzt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 47%

Warum Daedalic? In den knapp fünf Stunden Spielzeit ist des öfteren große Geduld gefragt und der Spielabbruch lag nahe, aber wir haben uns dennoch tapfer durchgekämpft. Teilweise war die Lösung der beste Freund des Spieletesters. Aber bei den Minispielen ist man vollkommen auf sich allein gestellt. 'Full Pipe' ist daher wirklich nur was für Hardcore-Nussknacker, die einfach gern um die Ecke denken oder schon gern mal stundenweise stupides Ausprobieren praktizieren. Die Verpackung ist zwar toll, auch das Poster begeistert, aber warum soll man, abgesehen vom der liebevollen Grafik und dem guten Soundtrack, zwanzig Euro ausgeben, wenn man das Spiel auch für fünf Euro bei Steam bekommt. Einsteiger im Adventure-Genre finden hier wahrlich keine Freude.

geschrieben am 16.08.10, Simone Riecke

Systemanforderungen Weitere Links

Windows 7 / VISTA / XP / 2000 / ME / 98 / 95
500 MHz Prozessor (Pentium 3 od. vergleichbar), 128 MB RAM
560 MB freier Festplattenspeicher
DirectX-kompatible Grafikkarte (Bildschirmauflösung mind. 800x600), DirectX -kompatible Soundkarte, DirectX-Version 8.0 oder besser
Maus, Tastatur, CD-ROM-Laufwerk
Offizielle Website (Englisch)
Offizielle Website


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