Reviews: Tales of Monkey Island:

Tales of Monkey Island (deutsch)


Die Abenteuer mächtiger Piraten – auch auf Deutsch

Ahoi, Adventure-Fans. Diejenigen unter Euch, die schon länger mit den Episodenspielen 'Tales of Monkey Island' geliebäugelt haben, aber bisher vor der englischen Sprachfassung zurückschreckten, werden sich freuen. Publisher Daedelic hat pünktlich zum Weihnachtsgeschäft die neuen Abenteuer von Guybrush Threepwood, mächtiger Pirat, in einer deutschen Übersetzung auf den Markt gebracht. Die Box umfasst die gesamten fünf Episoden, sodass der Spieler der epischen Handlung von Anfang bis Ende folgen kann, die laut Verpackungstext mehr Wendungen als der Darm einer Seekuh hat. Wir haben die Lokalisation mal genauer unter die Lupe genommen …


Voodoo-Malzbier hat es in sich

Im Intro muss Guybrush mal wieder seinem Erzfeind gegenübertreten.

Alles beginnt damit, dass LeChuck mal wieder Elaine in seinen untoten Klauen hat und sie auf seinem Boot entführt. Guybrush eilt seiner Angebeteten zur Hilfe und segelt ihr nach. Da ein gewöhnliches Schwert nicht ausreicht, den bösen Zombiepiraten LeChuck zu töten, muss Guybrush es einer Spezialbehandlung mit Voodoo-Malzbier unterziehen. Doch dabei läuft etwas schief, was fatale Folgen hat. Anstatt LeChuck den Garaus zu machen, verwandelt Guybrushs Schwert seinen Erzfeind wieder in einen Menschen. Und es kommt sogar noch schlimmer: Gleichzeitig wird Guybrushs Hand mit LeChucks Pocken infiziert und führt von nun an ein Eigenleben. Dummerweise fängt dann auch noch das Schießpulver an Bord Feuer. Die darauffolgende Explosion katapultiert Guybrush an den Strand von Flotsam Island und trennt ihn erstmal von Elaine und LeChuck. Hier hat unser mächtiger Pirat dann gleich mit einer ganzen Reihe an Widrigkeiten zu kämpfen: Guybrush hat kein Schiff und selbst, wenn er eins hätte, käme er nicht von der Insel weg, da der Wind stets landeinwärts weht. Aus diesem Grund ist bereits so manch anderer Pirat dort gestrandet und sitzt nun fest. In der ersten Episode muss sich Guybrush also darum kümmern, von der Insel zu entkommen. Dabei rückt ihm ein neuer Gegenspieler auf die Pelle: der Wissenschaftler Marquis de Singe, der es auf die LeChuck-Pocken an Guybrushs Hand abgesehen hat.

Im weiteren Handlungsverlauf breiten sich LeChucks Pocken immer mehr über die Luft aus und bald schon laufen sämtliche Piraten der Karibik Gefahr, sich damit zu infizieren. Ein Heilmittel muss her, und das schnell. Ob Guybrush so etwas findet, wird an dieser Stelle jedoch nicht verraten. Nur soviel sei gesagt: Sein Weg führt ihn an so abstruse Orte wie das Innere einer Seekuh und sogar ins Geisterreich. Die Story greift folglich bei den fünf Episoden ineinander über, was es natürlich praktisch macht, alle im Paket zu bekommen.

Wir sind ganz Ohr

Die Texte fallen manchmal leider buchstäblich aus dem Rahmen.

Bei der Übersetzung hat man sich sichtlich Mühe gegeben. Als Guybrush wurde wieder Norman Matt verpflichtet, den der treue Monkey-Island-Fan bereits aus den Vorgängerspielen kennt. Guybrush kommt gewohnt gutmütig und verpeilt daher. Es macht Spaß, seinen Kommentaren zu lauschen. Doch auch alle anderen Sprecher leisten sehr gute Arbeit und die Vertonung kann sich hören lassen.

Bei der Übersetzung hat man versucht, dem Stil des Spiels treu zu bleiben und sich außerdem sehr am englischen Original orientiert. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich einige Dinge einfach schlecht ins Deutsch übertragen lassen oder im Original besser wirken. Ein Beispiel: Guybrush trifft seine alte Bekannte, die Voodoo-Lady, wieder und erfährt mehr über ihre Vergangenheit. Einst war sie mit einem Mann verbandelt, dessen Behausung Guybrush im Laufe der Geschichte aufsucht. An einer Wand hängt eine Skizze der Voodoo-Lady mit üppiger Oberweite. Direkt daneben sind mehrere Blechbüchsen an einer Schnur aufgefädelt. Wenn man die Skizze anklickt, sagt Guybrush: „Nice cans“ … In dem Moment schwenkt die Kamera schnell von der Skizze weg auf die Dosen und er stottert verlegen: „I mean, nice cans“. Der Satz ist auch genauso übersetzt worden, wirkt aber im Englischen einfach besser. Ein anderes Beispiel ist das Malzbier, das Guybrush für die Verzauberung seines Schwerts braucht. Im Englischen nennt sich das Gesöff Root Beer und ist laut Wikipedia insbesondere in den Vereinigten Staaten und Kanada bekannt. Früher zählte Wurzelrinde zu den Zutaten, heute wird ein entsprechender Aromastoff verwendet. Guybrush benötigt also eine Wurzel für die Zutaten. Das macht beim Root Beer natürlich mehr Sinn als beim Malzbier. Funktionieren tut es aber trotzdem.

Im Großen und Ganzen ist die Umsetzung sehr gut gelungen und Wortwitz und Charme haben es auch ins Deutsche geschafft. Wo ist also der Haken? Leider gibt es bei den Dialogoptionen ein Platzproblem, denn die Texte laufen häufig aus dem Kästchen hinaus, das sie einrahmen soll. Bei besonders langen Sätzen läuft der Text sogar aus dem Bildschirmbereich hinaus und das letzte Wort oder der letzte Buchstabe ist nicht mehr zu lesen. Außerdem mangelt es an einigen Stellen an passender Lippensynchronität. Wen das zu sehr stört – oder wer ohnehin lieber das Original spielen will – hat die Möglichkeit, das Spiel beim Setup auf Englisch zu installieren.

Probieren geht über Studieren

Um Guybrush aus seiner misslichen Lage zu befreien, muss man ein wenig tüfteln.

In der Rätselkiste ist von Allem etwas dabei: Einige Gegenstände muss man im Inventar kombinieren, um im Spiel weiterzukommen. Andere Objekte wiederum müssen an Ort und Stelle manipuliert werden. Und ein passendes Ablenkungsmanöver sollte man auch im Ärmel haben, wenn es darum geht, anderen wackeren Piraten Gegenstände unter der Nase wegzustehlen. Bei einigen Rätseln muss man etwas tüfteln, aber nie zu lange, denn dafür hätte man den Schwierigkeitsgrad noch mal etwas anziehen müssen.




Farbenfrohe Karibik

Der Comicstil überspielt die Detailarmut ein wenig.

Grafisch hat sich nichts verändert. 'Tales of Monkey Island' erinnert an das letzte Spiel aus der Reihe, 'Flucht von Monkey Island'. Wir haben es also wieder mit einer 3D-Grafik im Comicstil zu tun, der dem Stil der anderen Monkey-Island-Spiele ähnelt. Das kommt nicht von ungefähr, denn zum Entwicklerteam zählten auch Zeichner und Animatoren der früheren Werke. Der Comicstil täuscht etwas darüber hinweg, dass die Grafik noch zu steril ist, und zaubert hübsche, bunte Bilder auf den Monitor. Schade nur, dass diese etwas detailarm geraten sind. Immerhin reicht die Auflösung von 640 x 480 Pixeln bis hin zu 1440 x 900 Pixeln. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Spiel im Fenstermodus laufen zu lassen.


Steuerung

Ein Pfeil zeigt die Richtung an, in die man gerade läuft.

Auch bei der Steuerung hat sich gegenüber der englischen Download-Version nichts getan. Nach wie vor lässt sich der Held des Spiels mithilfe der WASD-Tasten steuern oder alternativ mit gedrückter, linker Maustaste. Drückt man gleichzeitig die Shift-Taste, fängt Guybrush an zu rennen. Die Steuerung ist etwas umständlich und manchmal auch ungenau. So kann es vorkommen, dass man mehr als einen Anlauf braucht, um eine Treppe hinaufzugehen. Es braucht also einige Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat, doch das sollte einen nicht vom Spielen abhalten.


Arr, da bleibt kein Auge trocken

Die DVD hält einiges an Bonusmaterial bereit.

An dieser Stelle sollte das Bonusmaterial nicht vernachlässigt werden. Auf der DVD befinden sich unter anderem Artconcepts, die teilweise sogar das LucasArts-Feedback an Telltale enthalten. Außerdem gibt es Wallpaper, Avatare und Trailer. Besonders interessant sind die Videokommentare des Teams zu jeder einzelnen Episode. Die sind dann zwar leider nur auf Englisch, dürften aber dennoch gut bei interessierten Fans ankommen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 80%

'Tales of Monkey Island' kann nicht so sehr begeistern, wie es die alten Klassiker konnten. Dennoch ist das Spiel sehr unterhaltsam und witzig. Die Rätsel könnten an manchen Stellen knackiger sein, aufgrund des Umfangs von fünf Episoden ist man dann aber dennoch eine ganze Weile beschäftigt. Die Spielzeit beträgt zwischen 18 und 20 Stunden. Begrüßenswert ist, dass man wahlweise die deutsche oder die englische Version installieren kann, wobei sich Erstere nicht zu verstecken braucht. Im Gegenteil: Die deutsche Umsetzung ist sehr gut gelungen. Umfangreiches Bonusmaterial rundet das Ganze noch ab. Wer für Weihnachten noch ein Geschenk sucht und wem der aktuelle Preis von ca. 40 Euro nicht zu viel ist, kann 'Tales of Monkey Island' näher unter die Lupe nehmen.

geschrieben am 23.12.10, Maren Keitel

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP / Vista
2.0 GHz +
512MB
DirectX 8.1 kompatible Soundkarte
DirectX 8.1 kompatible Grafikkarte mit 128MB
DirectX 9.0c
Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  Tales of Monkey Island.




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Kommentare 8
Balder
27.12.2010, 12:56

Ich finde das Spiel gut und es macht mehr freude als die bisherigen Sam and Max Veröffentlichungen.
Nur die Steuerung finde ich sehr nervig :-/

marenk
27.12.2010, 13:20

Naja, die hätte zwar besser sein können, aber ich finde, man gewöhnt sich dran. Ansonsten macht das Spiel aber wirklich Spaß :).

Balder
30.12.2010, 22:48

So habs nun durch und muss sagen die letzte Folge ist die Schwächste da mal wieder in Monkey Island 2 Mannier man vor Le Chuck weg rennt , so was nervt immer auf Dauer :-/
gibt es schon einen Anhaltspunkt wann es weiter geht?

Indiana
31.12.2010, 09:11

Nein, den gibts noch nicht. Aber da TOMI wohl recht erfolgreich war und alle irgendwie Geld verdienen wollen, wird da sicher was kommen.

Dolgsthrasir
31.12.2010, 12:59

Wobei man auch abwarten muss, wie die neue LucasArts-Führung solche außer Haus Entwicklungen sieht.

Mr.Brain
31.12.2010, 20:08

Pestilence hat geschrieben:
Wobei man auch abwarten muss, wie die neue LucasArts-Führung solche außer Haus Entwicklungen sieht.


Mir wäre lieber, die würden das wieder Inhouse betreiben und dann statt der Episodenform wieder ein Vollpreisadventure designen. Ich kann mich nach wie vor einfach nicht mit Episoden-Adventures anfreunden...

Minniestrone
01.01.2011, 03:36

wenn sie denn wenigstens ein ordentliches In-House Entwickler Team hätten.

Blondbart
24.03.2011, 17:47

Mich schreckt die Detailarmut der Grafik zu sehr ab, ich will Stimmung und Ambiente. Außerdem bezweifle ich, dass die Musikuntermalung mit den älteren Titeln mithalten kann. Ich zock lieber nochmal MI3 durch.


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