Reviews: Jurassic Park:

Jurassic Park


1993 sorgte der Film 'Jurassic Park' von Stephen Spielberg bei den Kinogängern für reihenweise offene Münder. Auf der großen Leinwand stapften doch tatsächlich prähistorische Riesenexen über ein kleines, paradiesisches Eiland namens Isla Nublar. Bei den Bewohnern der Insel sorgten die Dinosaurier allerdings eher für Angst und Schrecken, standen sie doch nicht mehr am Ende der Nahrungskette, sondern dienten T-Rex und Co. als Snack. Seit Spielberg seinen erfolgreichen Dino-Freizeitpark im Film eröffnete, gab es einige Fortsetzungen und natürlich auch Ableger in Form von Computerspielen, von denen allerdings keines richtig gut war. Nun versucht sich Telltale an der Lizenz und liefert mit 'Jurassic Park: The Game' ein Adventure ab, dass sich deutlich an 'Heavy Rain' orientiert. Wir haben die Reise auf die Dino-Insel angetreten. Wie uns der Ausflug gefallen hat, verraten wir in unserem Test.


Die Dinos, die ich rief

Auf der Flucht durch den Dino-Park begleiten wir vier Charaktere.

'Jurassic Park: The Game' spielt zum Teil parallel zu den Geschehnissen des ersten Filmes und greift dabei einige der offenen Handlungsstränge auf, verrät aber nichts über die Hintergrundgeschichte. Wer irgendwann einmal den Film gesehen hat, wird sich zwar erinnern und in der Welt zurechtfinden. Eine Auffrischung der Geschehnisse oder eine Zusammenfassung für Spieler, die den Film nicht kennen, liefert das Spiel jedoch nicht. Zentrales Thema der Geschichte sind die Dino-Embryos, die durch den unzufriedenen Computerspezialisten Dennis Nedry von der Insel geschmuggelt werden sollen, um sie am Festland zu verkaufen. Dieser Plan scheitert bereits im Film fatal, denn Nedry kommt auf der Fahrt zum Insel-Hafen mit den gestohlenen Embryos im Gewittersturm von der Straße ab und wird von Dinosauriern getötet. Genau an diesem Insel-Hafen startet unser Abenteuer. Wir schlüpfen in die Haut der Söldnerin Nima Cruz, die mit ihrem Begleiter Miles Chadwick vergeblich auf Dennis warten. Als dieser nicht erscheint, beschließen beide, ihm entgegen zu gehen und die Dino-Embryos selbst zu holen. Schon bald finden sie sein Auto im Dschungel der Isla Nublar und kommen so auch in den Besitz einer Dose Rasierschaum, in der Dennis die Embryos versteckt hatte. Leider werden auch einige Dinos auf Nima und Miles aufmerksam und es kommt zum Kampf, den Miles nicht überlebt. Auch Nima wird von einem unbekannten Saurier gebissen, schafft es aber gerade noch, zu fliehen.

Auch aus den Filmen bekannte Orte dürfen besucht werden.

Unterdessen sind der aus dem Film bekannte Chef-Veterinär Gerry Harding und seine Tochter Jess auf dem Weg zum Hafen. Eigentlich wollte Gerry seiner Tochter nur seinen neuen Arbeitsplatz zeigen, doch der durch Dennis Nedry verursachte Ausfall des Sicherheitssystems und die dadurch frei herumlaufenden Saurier machen den Ausflug zum Horrortrip. Auf ihrer Flucht zum rettenden Schiff treffen Sie auf die vom Saurierbiss stark gezeichnete Nima. Zusammen versuchen sie, ihr Leben zu retten und auch die übrigen Menschen von der Insel zu holen.

Das Team wird in der zweiten von vier Episoden von Billy Yoder komplettiert, der eigentlich ein Rettungsteam anführte. Doch auch die Rettung geht furchtbar schief und Billy sitzt selbst in der Falle.


Spielfilm oder Spiel zum Film?

Im Kampf ums Überleben zählt nur der richtige Tastendruck.

Telltales-Dinoabenteuer bietet interessante Charaktere, eine spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen und jede Menge Dinosaurier, also alles das, was man von einem 'Jurassic Park'-Film erwarten würde. Aber reicht das auch für ein Adventure? Nun, für wen das rechtzeitige Drücken von Buttons ein großes Abenteuer ist, der wird diese Frage mit Ja beantworten. Alle anderen wohl eher nicht, denn 'Jurassic Park: The Game' fühlt sich an, wie ein Film, in dem man hin und wieder die richtige Taste drücken muss, damit es weitergeht. Das Gameplay erstreckt sich größtenteils darauf, per WASD-Knopfdruck vor Dinos zu flüchten, Türen zu öffnen, sich zu verstecken oder auch einfach mal stillzuhalten, damit die eigentlich ausgestorbenen Viecher uns nicht bemerken. Ein falscher Tastendruck und unser Charakter endet als Dino-Happen. Was nicht sonderlich schlimm ist, denn vor jeder kniffeligen Szene legt das Spiel einen Speicherpunkt an. Haben wir also wieder einmal eine der unzähligen Todesszenen zu Gesicht bekommen, geht es wenige Sekunden vorher weiter. Versagen wir immer und immer wieder an derselben Stelle, werden die Tastenkombinationen mit der Zeit einfacher. Unterschiede macht das keine, lediglich in der abschließenden Kapitelbewertung kommen wir etwas schlechter weg.

Der Dino freut sich über einen Snack... und wir versuchen es gleich nochmal.

Wenn wir mal keine Actionsequenzen zu bestehen haben und in einem der ruhigeren Abschnitte unterwegs sind, kommt fast so etwas wie Adventure-Feeling auf. Es dürfen die Szenen nach interessanten Objekten abgesucht werden und natürlich wird auch der eine oder andere Dialog geführt. Das ist es dann aber auch schon. Weder dürfen wir uns frei auf der Insel bewegen, noch warten großartige Rätsel auf uns. Lediglich ein bis zwei Denkaufgaben hat Telltale in den einzelnen Episoden versteckt, und die sind auch allesamt nicht sonderlich schwer. Dennoch wundert man sich fast, dass man hier nicht auch per Tastendruck einfach dem Rätsel entkommen kann. Auch bei den anderen angesprochenen „adventuretypischen“ Aufgaben geht es lediglich darum, den richtigen Hotspot oder das passende Stichwort auszuwählen, damit der nächste Dino um die Ecke kommt. Für den Storyfluss ist das zwar von Vorteil, spielerischer Anspruch kommt aber nie auf.

Die Beziehung zwischen Chef-Veterinär Gerry Harding und seiner Tochter Jess ist nicht immer einfach.

Anders sieht es bei den Charakteren aus. Trotz der ganzen schnellen Action, gelingt es dem Spiel, seinen Charakteren Tiefe zu geben. So werden wir sowohl Zeuge vom schwierigen Verhältnis zwischen Gerry Harding und seiner pubertierenden Tochter als auch von der inneren Zerrissenheit der Söldnerin Nima. Etwas gestört wird dieser Eindruck nur durch die Dialoge. Es ist dem Spiel nämlich völlig egal, wie wir uns in den Gesprächen verhalten. Ob wir uns einfühlsam Nimas Geschichte anhören, oder sie in ihren Ausführungen einfach unterbrechen, um uns den Dinos zu widmen, macht für den Spielverlauf keinen Unterschied. Immerhin sind die Synchronsprecher gut gewählt und passen zu ihren Charakteren. Leider stimmt hier und da die Betonung nicht und auch die Abmischung zwischen dem erstklassigen Soundtrack, den Effekten und der Sprache ist nicht immer besonders glücklich. Wer lieber auf die englische Originalfassung zurückgreifen möchte, findet diese ebenfalls im Download-Paket und wird mit einer etwas besseren Vertonung belohnt.


Schicke Dinos

Die schicken Dinos lenken gut vom nicht so schicken Urwald ab.

Bei der Grafik haben die Entwickler sich auf das Wichtigste konzentriert: Die Dinosaurier und die Spielcharaktere. Während die Riesenechsen nicht viel schlechter aussehen als in der Filmvorlage, hinterlassen Harding, Jess und Co. ebenfalls einen sehr guten Eindruck. Dank geschickter Kamerafahrten und -einstellungen erinnert das Spiel vor allem in den Actionsequenzen mehr an einen Film denn an ein Spiel. Leider fallen dem Spieler dann doch irgendwann auch einmal die Hintergründe auf, die inzwischen doch arg kantig wirken.


Dino-Bugs

Zu der Zeit, als die Dinosaurier über die Erde liefen, hatten sie lediglich mit Käfern oder Mücken zu tun, störende Bugs gab es aufgrund fehlender Computer noch nicht. Dafür dürfen sich jetzt die Spieler damit beschäftigen. Besonders ärgerlich ist ein Fehler, durch den der Mauszeiger in bestimmten Szenarien fehlt. Hier hilft nur ein kompletter Neustart des Spiels. Weiterhin tritt auch in 'Jurassic Park' hin und wieder das Phänomen auf, dass die Sätze der Charaktere abgeschnitten werden und man dadurch das Ende nicht mehr hört. Dieses schon aus früheren lokalisierten Spielen bekannte Problem tritt aber nur noch sehr selten auf.


Galerien

Fazit:

Wertung: 69%

Um es gleich vorweg zu sagen: 'Jurassic Park: The Game' ist kein Adventure im klassischen Sinn. Eigentlich ist es gar kein Adventure und hat mit Titeln wie 'Tales of Monkey Island' oder 'Sam & Max' demnach auch nicht mehr viel gemeinsam. Dennoch ist es die bisher beste Spiel-Umsetzung des Dino-Epos, bietet eine spannende Geschichte, die in das Filmuniversum passt, interessante Charaktere, eine tolle Atmosphäre und jede Menge Action. Die wenigen in die Handlung eingestreuten Rätsel sind kaum mehr als kurze Verschnaufpausen vor dem nächsten Quick-Time-Event. Wem das dauernde Tastendrücken bei den Vorbildern 'Heavy Rain' oder 'Fahrenheit' schon zu viel war, sollte lieber auf diesen Titel verzichten, denn Telltale macht es fast zum einzigen Spielinhalt. So wird man in dem rund sechs Stunden dauernden Spektakel zwar gut unterhalten, aber viel mehr als ein interaktiver Film bleibt am Ende nicht übrig. Wir hoffen, dass Telltale zukünftig nicht nur auf solche Art Spiele setzt und seinen Wurzeln treu bleibt.

geschrieben am 14.01.12, Tobias Maack

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Kommentare 2
forenbenutzer
14.01.2012, 15:13

2x gleicher Screenshot...

Indiana
14.01.2012, 15:31

Gleich korrigiert. Danke. :)


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