Reviews: Shelter:

Shelter


Survival-Games sind aktuell in Mode. Für gewöhnlich ist bei diesem Genre vor allem das Überleben von Menschen in Gefahr. Einen etwas anderen Zugang wählt nun das skandinavische Indie-Studio Might and Delight und schickt uns in 'Shelter' zusammen mit einer Dachsfamilie in die gefährliche Natur hinaus. Wer mag, hat hier also Gelegenheit zu erleben, wie es einer schutzlosen Dächsin so ergehen könnte. Für uns war dieses experimentelle Spiel in jedem Fall ungewöhnlich genug, um einen Blick darauf zu werfen...

 

 


Familie auf Abwegen

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Hier ist die Dachswelt noch in Ordnung

Bei 'Shelter' dreht sich alles um eine Dachsmutter, die sich mit ihrem jungen Nachwuchs auf die Suche nach Nahrung begibt. Da ihre Kids echte Nimmersatts sind, entfernen wir uns immer weiter vom Bau und durch einen unglücklichen Zufall kommen wir schließlich vom Weg ab. Damit beginnt die echte Bedrohung, denn ohne Unterschlupf hat ein Dachs schlechte Karten in der Wildnis. Während der Nachwuchs allmählich erwachsen wird, durchquert unsere kleine Familie die Natur, sucht nach Nahrung (Pflanzen, Frösche und andere Tiere) und immer wieder geraten wir in Situationen, wo wir als Dachsmutter versuchen müssen, alle Kinder möglichst unbeschadet durch Bedrohungen zu manövrieren. Die recht experimentelle Geschichte wird übrigens primär durch die im Spiel erlebten Ereignisse erzählt. Es gibt weder Erzähler, noch Dialoge.

 

 

Individuelles Spielerlebnis

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Bei Dunkelheit ist das Sichtfeld der Dachsmutter stark eingeschränkt...

Bei Survival-Spielen geht es oft weniger um eine originelle Story, als darum, dass man als Spieler emotional in eine sehr lebensbedrohliche Situation eingebunden wird. In diesem Sinne ist auch 'Shelter' bestimmt kein Kandidat für den Drehbuch-Oscar, aber die inhaltliche Ausgangslage kann sich immerhin unterschiedlich entwickeln. Eben hier ruht eine wesentliche Stärke, obwohl es für sich genommen ein lineares Spiel ist. Sieht man sich in einer Situation gezwungen, ein völlig kraftloses Junges mitten in der Nacht wehrlos zurückzulassen? Passiert beim Überqueren eines Flusses ein taktischer Fehler mit verheerenden Folgen? Steht man früh ohne Kinder da und hat völlig versagt? Schützt man lange erfolgreich den Nachwuchs, nur um sich dann für die eigenen Nachkommen opfern zu müssen? Abhängig vom Erfolg des Spielers kann sich die kurze Geschichte in solche und andere Richtungen entwickeln und emotional durchaus unterschiedlich wirken.

 

 

Survial-Adventure-Simulation

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Im Bild ist der drohende Schatten eines Greifvogels zu sehen, der seine Kreise zieht

Einerseits ist 'Shelter' also ein exploratives Survival-Adventure, das eine kritische Situation im Leben eines Tieres vermittelt. Zugleich bewegt sich dieses Abenteuer phasenweise nahe an einer Dachs-Simulation. Die lebendige Geräuschkulisse vermittelt einen realen Eindruck und auch das Verhalten der Tierwelt wirkt relativ authentisch. So hält sich der Nachwuchs stets nahe bei der Mutter und ahmt ihr Verhalten nach, was bei Gefahr lebenswichtig sein kann. Beim Anblick von Nahrung werden die Kids laut und unruhig und drängen auf Fütterung. Bloß schade, dass man eher selten in der Umgebung auf andere Tiere trifft. Vermutlich hätte es die beschränkten Möglichkeiten der kleinen Indie-Produktion überschritten. Wohl aus demselben Grund gibt es keine offene Welt und das Design der einzelnen Kapitel gibt stets eine klare Marschrichtung vor, selbst wenn das Drumherum etwas Spielraum für Erforschung und Jagd ermöglicht. Die Abschnitte sind allerdings nie sonderlich groß, weshalb das experimentelle Vergnügen nach ein bis zwei Stunden für gewöhnlich ein Ende findet. Aus diesem Grund drängt sich beim Kauf vermutlich die schwierige Frage nach dem Preis-/Leistungsverhältnis auf.

 

 

Rätsel und Entdeckungsdrang

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Kommen wir hier unbeschadet zur anderen Seite?

Die geistige Herausforderung beschränkt sich vorwiegend auf basale Aspekte des Dachs-Alltags: Bedachtes Futtermanagement und aufmerksame Untersuchung der Begebenheiten im Hinblick auf mögliche Gefahren, sowie Nahrungsbeschaffung. Zudem geht es darum, die Gruppe im Blick zu behalten und gerade bei Dunkelheit kann sich jeder Moment der Unachtsamkeit bitter rächen. Selbst beim Jagen kommt man ohne den Funken von Taktik nicht weit. Die Lösung der diversen Aufgaben gestaltet sich geradlinig und simpel, dafür aber gut nachvollziehbar. Etwas knackiger hätte es zuweilen dennoch sein können. Typischen Adventure-Knobeleien gibt es diesmal also keine. Wahrscheinlich würden sie ohnehin nicht in den tierischen Alltag passen. Wer knifflige Rätsel sucht, sollte zu einem anderen Spiel greifen.

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Auch Feuer stellt eine akute Bedrohung dar!

Die spielerischen Herausforderungen scheinen an der Realität orientiert: Kreist ein Vogel über einem Feld, sucht man sich eben eine geeignete Deckung und bewegt sich von dort aus vorsichtig vorwärts, immer auf den Anhang achtend. Geht es darum, einen Fluss zu überqueren, dann wählt man einen Übergang, mit genügend Steinen zum Festhalten im Notfall und wartet schlicht und einfach auf den rechten Moment für eine Überquerung. Wahrscheinlich würden zu verkopfte Aufgaben zudem nicht gut zum tierischen Alltag passen und wer knifflige Rätsel sucht, sollte ohnehin zu einem anderen Spiel greifen. Fans von Titeln wie 'Journey', 'Flow' und 'Flower' könnten möglicherweise Gefallen daran finden.

 

'Shelter' gelingt es jedenfalls, ein recht ausgeprägtes Bewusstsein für diese andere Lebensform zu vermitteln. Somit könnte es nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder aus pädagogischer Sicht interessant sein. Allerdings kann es passieren, dass ein Dachs von einem Greifvogel getroffen und davon getragen wird - mit dieser Form der dezent gesetzten Gewalt sollte man zurechtkommen.

 

Technische Umsetzung

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Die Gafik ist ungewöhnlich

Visuell fällt sofort der eher minimalistische, mitunter gewöhnungsbedürftige Grafikstil auf, der dennoch stilsicher eine klare künstlerisch Linie fährt! Ganz unerfahren ist der Entwickler Might and Delight nicht, hat das Kernteam doch bereits an Titeln wie 'Mirror’s Edge', 'Battlefield', 'Killzone' und 'Bionic Commando: Rearmed' zusammengearbeitet. Hin und wieder passieren im Spiel allerdings Clipping-Fehler und bei Veränderung der Kameraperspektive kann es passieren, dass ein Baum oder dergleichen das Bild für einen Augenblick völlig verdeckt, was in einer kritischen Situation unangenehm sein kann. Aber solche Momente sind eher die Ausnahme.

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Durch kurze Inserts werden wir über die Steuerung informiert

Wir steuern die Dachsmutter direkt via Tastatur und Maus. Hinweise zur Bedienung gibt es nach und nach im Spielverlauf und zwar durch kurze visuelle Einblendungen, die erklären, welche Taste in einer bestimmten Situation zielführend ist. Diese Information erhält man nur einmal und muss sie später selbstständig einsetzen. Gamepad wird diesmal nicht unterstützt, aber die Mischung aus Tastatur und Maus funktioniert grundsätzlich sehr passabel. Ausgerechnet zu Beginn geizt 'Shelter' allerdings etwas an Hinweisen zur Steuerung, weshalb die erste Aufgabe zu einem kleinen Ratespiel ausarten kann. Nicht optimal ist zudem das Speichersystem. Zu Beginn wird nicht klar kommuniziert ob und wann gespeichert wird. Letztlich gibt es lediglich einen Speicherstand, der immer nur zu Beginn jedes Kapitels aktualisiert wird. Später ist es nicht möglich, ein beliebiges Kapitel auszuwählen. Andererseits ist das Spiel ohnehin so kurz, dass dieses Manko zu verschmerzen ist und das Spielerlebnis ist deutlich intensiver, wenn man es am Stück durchspielt. Ansprechend gelungen ist dafür die recht atmosphärische musikalische Untermalung. Sie drängt sich nur in Gefahrensituationen stärker in den Vordergrund und sorgt ansonsten für die passende Stimmung.


Galerien

Fazit:

Wertung: 75%

Wie wirkungsvoll die Story ist, hängt bei 'Shelter' sehr davon ab, was der Spieler aus der Ausgangslage macht und wie ernsthaft er die tierische Rolle ausübt. Die Handlung hat durchaus Potential um emotional zu packen und könnte nicht nur für manche Erwachsene, sondern auch für Kinder eine interessante Wahl sein. Und wie oft hat man schon Gelegenheit, sich in eine andere Lebensform spielerisch hinein zu versetzen? Die gewöhnungsbedürftige visuelle Umsetzung ist zwar sehr minimalistisch, dafür aber stilsicher und stimmungsvoll. Schade bloß, dass Might and Delights ungewöhnlicher Überlebenstrip nach nur ein bis zwei Stunden vorbei ist und die Umgebung nicht größer und etwas belebter ist. So hat man rasch alles gesehen. Dennoch ein außergewöhnliches, wenn auch sehr spezielles Abenteuer.

geschrieben am 13.09.13, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Minimum system requirements: Windows XP / Vista / 7 / 8, Processor: Pentium D at 2,8Ghz+, or AMD Athlon 64 x2, Memory: 1GB, Hard Disk Space: 2GB, Video: NVIDIA GF 7800GTX or ATI X1300 with DirectX 9.0c. Minimum system requirements (Mac): OS X 10.6.8 or later.Processor: Pentium D at 2.6GHz+, Memory: 1GB of RAM, Hard Disk Space: 2GB, Graphics: OpenGL 2.0 compatible video card. Recommended two-button mouse, or Apple mouse with Secondary Button / Secondary Click enabled Offizielle Webseite


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