Reviews: Tengami:

Tengami


Ein Adventure nach dem Vorbild eines japanischen Aufklappbuchs zu gestalten, ja, diese Idee hat ohne Zweifel ihren Reiz. In den letzten drei Jahren haben sich die Entwickler des kleinen britischen Indie-Studios Nyamyam eingehend damit beschäftigt. Das Resultat ihrer Arbeit trägt den Namen 'Tengami' und ist seit wenigen Wochen für iOS-Geräte zu haben. Bald soll auch noch auf PC/Mac und Wii U spielbar sein (jeweils als digitaler Download). Wir haben dieses interaktive Experiment für Euch unter die Lupe genommen.

 

Tengami

 

Vom Haiku zur Story

Tengami

Dieser Baum steht am Anfang der Reise

'Tengami' orientiert sich sichtlich an den alten japanischen Künsten. Das wird nicht nur visuell und akustisch deutlich, sondern auch im Storytelling: Im narrativen Mittelpunkt steht diesmal eine Art Haiku - also eine traditionelle japanische Gedichtform. Eben deshalb wirkt die Einleitung bei diesem virtuellen Aufklappbuch zu vage, als das man sie in einem Rahmen fixieren könnte und sollte. Diese Eigenheit ist sogar noch deutlicher ausgeprägt, als beispielsweise bei 'Lilly Looking Through'. Wahrscheinlich bietet sich auch bei diesem Spiel mehr als nur ein Erklärungsansatz an, was selbstverständlich durchaus einen eigenen Reiz haben kann. Verblassende Träume bilden in jedem Fall den Beginn der Reise unseres namenlosen Protagonisten, über den wir ansonsten kaum etwas erfahren. Das Problem bei einer solchen Form der Erzählung ist freilich, dass es nicht jedem leicht fallen wird, hier einen Zugang zu finden. Das 'Tengami' dennoch das Zeug hat, einige Leute zu begeistern, liegt aber ohnehin weniger an narrativer Finesse, denn an einer erfreulich starken Atmosphäre.


Mystisches, altes Japan

Tengami

Interessante traditionelle Gebäude sind zu entdecken

Nyamyam gelingt es nämlich sehr gut, den traditionellen japanischen Stil mit dieser interaktiven Geschichte einzufangen und so fühlt man sich tatsächlich oft wie in eine fremde Kultur versetzt, während die papierartige Spielfigur die verlassene Landschaft durchstreift, fernöstliche Gebäuden entdeckt und sich im letzten Akt mit dem Boot voran bewegt. Abgesehen von Wölfen, treffen wir in dieser alten Welt in der Regel leider auf keine Geschöpfe. Zudem versetzt uns die thematisch passende Musik in einen nachdenklichen, leicht melancholischen Zustand und wird durch passende Effekte wohl getragen. Das einer der Entwickler in Japan geboren wurde (Ryo Agarie), dürfte kein Nachteil gewesen sein. Mit Jennifer Schneidereit ist ansonsten übrigens auch jemand aus Deutschland im britischen Team. Selbst wenn jemand dem inhaltlichen Ansatz wenig abgewinnen kann, so besteht doch die Chance, dass man zumindest einige Freude an der liebevollen Visualisierung findet. 'Tengami' ist gerade einmal zwei Stunden lang und wird in dieser kurzen Zeitspanne angesichts schön gezeichneter Schauplätze wahrscheinlich nicht so schnell langweilig. Manch einer könnte sich angesichts der Kürze aber am Preis/Leistungsverhältnis stoßen, zumal der Einstiegspreis für die iOS-Fassung doch vergleichsweise hoch ist.



Überwiegend Casual-Kost

Tengami

Manchmal müssen wir Wegstücke in eine andere Form bringen, um hinauf zu gelangen

Was die spielerische Ebene anbelangt, offenbaren sich gravierende Ecken und Kanten. Immerhin ist die Steuerung der iOS-Fassung aber recht intuitiv und sauber gelungen: Per Doppelklick auf einen gewünschten Punkt, bringen wir die Spielfigur unkompliziert dazu, sich dorthin zu bewegen. Hotspots sind üblicherweise recht deutlich gekennzeichnet. Haben wir einen Eingang zu einem anderen Ort entdeckt, können wir mit einem eleganten Streich des Zeigefingers sozusagen die Seite im virtuellen Aufklappbuch wechseln. Im Verlauf des bunten Abenteuers gilt es, anhand kleiner Anhaltspunkte die Kombination eines Schlosses zu erraten, Statuen richtig zueinander zu positionieren, kleine Muster korrekt zu positionieren und fehlende Gegenstände einzusetzen. Ein Inventar gäbe es grundsätzlich sehr wohl, doch mehr als einen Gegenstand umfasst es nie. Selten fühlt man sich bei 'Tengami' gefordert und nicht immer scheinen die Ziele ausreichend klar formuliert. Vereinzelt kann es auch etwas dauern, ehe man den zugrundeliegenden Gedankengang begreift und realisiert, dass es eigentlich nicht sonderlich kompliziert gewesen wäre. Diese eventuell auftretende Schwierigkeit könnte auch daran liegen, dass das Adventure sich primär auf die nonverbale Ebene verlässt (eine deutsche Lokalisierung gibt es dennoch), was nicht immer überzeugend gelingt. Es gibt aber nur zwei, drei Stellen, wo das zu einem lästigen Problem ausarten kann und die geringe Anzahl an Interaktionspunkten erleichtert die Lösungssuche zusätzlich.


Galerien

Fazit:

Wertung: 67%

Inhaltlich mangelt es 'Tengami' an Substanz und auch das Gamedesign fand ich manchmal suboptimal, zumal Ziele für meinen Geschmack nicht immer klar genug formuliert sind. Warum ich 'Tengami' dennoch mochte, lag an der gelungenen künstlerischen Umsetzung, sowie dem interessanten fernöstlichen Setting und der unverbrauchten Idee mit dem japanischen Aufklappbuch. Geboten wird immerhin ein ungewöhnliches Abenteuer mit ansprechenden Ansätzen, das jedoch aufgrund mancher Schwachstellen polarisieren dürfte und obendrein sehr kurz geraten ist.

geschrieben am 17.03.14, Matthias Glanznig

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