Reviews: A Golden Wake:

A Golden Wake


Wer kennt sie nicht, Filme wie 'The Wolf of Wall Street', in denen sich die Hauptfigur vom Streben nach Erfolg verführen lässt und im Laufe der Jahre zusehends vom eigenen Weg abdriftet. Für das klassische Point-and-Click-Genre ist eine solche Geschichte untypisch und dennoch – oder vielleicht gerade deswegen - wagt das kleine Indie-Studio Grundislav Games mit 'A Golden Wake' einen Ausflug in dieses Gefilde. Das Retro-Abenteuer handelt vom Immobilien-Geschäft im Miami der 1920er, wo es dem ambitionierten, wie talentierten Alfred Banks nach Erfolg sinnt. Wir durften dieses historisch angehauchte Abenteuer für Euch unter die Corner-Lupe nehmen.

 


         A Golden Wake

 

 

Ein Mann mit Ambitionen

Alfred Banks ist zweifellos ein Mann mit hohen Zielen. Den Namen seiner Familie will er erstrahlen lassen, so wie es einst seinem Vater gelang. Diese Motivation treibt ihn Tag für Tag in jener New Yorker Immobilien-Firma, die sein alter Herr einst mitgründete. Da es seine Gabe ist Menschen zu überzeugen, ist er sehr erfolgreich in diesem Metier - schwer zum Leidwesen seiner Kollegen, die seine tollen Verkaufszahlen misstrauisch beäugen. Für ihren Job mutiert er zur Bedrohung, da sie mit ihm nicht ansatzweise mithalten können. Um nicht selbst gefeuert zu werden, setzen sie alles daran, damit er gegangen wird - notfalls mit unlauteren Mitteln. Im Immobilien-Geschäft der 1920er-Jahre heißt es fressen oder gefressen werden, soviel wird gleich zu Beginn deutlich und zieht sich fortan wie ein roter Faden durch die Geschichte.

A Golden Wake

Zunächst sieht alles sehr rosig aus, doch dann geht es steil bergab...

Doch ist unser Protagonist niemand, der sich von so einem heimtückischen Rausschmiss aus dem Konzept bringen lässt. Prompt fasst er ein neues Ziel ins Auge: Coral Gables in Miami. An diesem idyllischen Örtchen herrscht zu Zeiten der Prohibition ein Wohnungsboom und am fetten Immobilenkuchen will er mitnaschen. Es dauert nicht lange, ehe er George E. Merrick von sich überzeugen kann. Dieser gilt in diesem Geschäft als zentrale Anlaufstelle und prägt mit seiner Firma das Bild des Ortes.

 

Natürlich ist Alfie Banks fortan eine steile Karriere bestimmt, denn auch in seinem neuen Job schwimmt er wie der Fisch im Wasser... oder vielmehr wie ein Hai. So wird schon mal ein Mann aus dem Haus vertrieben oder ein Konkurrent hinterlistig ausgebootet. Nach Jahren im Geschäft will der erfolgreiche Emporkömmling sich jedoch nicht mehr damit abfinden, lediglich als Merricks redegewandter Handlanger zu agieren. Er hat weit größere Ziele und der Mobster Thomas “Fatty“ Walsh eröffnet ihm plötzlich eine bessere berufliche Perspektive...


Schwieriger Stoff für ein klassisches Adventure

A Golden Wake

Bei seiner Ankunft in Florida, gerät Alfie an die passende Adresse

In rund fünf Stunden erzählt 'A Golden Wake' eine Geschichte, für die schon so mancher Film drei Stunden benötigen würde. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre und führt uns von New York nach Florida und bis nach Kuba. Wenige Schauplätze besuchen wir oft und so ist einiges an Abwechslung im Angebot. Angesichts der Tatsache, dass Filme Szenen jedoch weitaus kompakter und vor allem kürzer formulieren können, ist so ein Stoff gerade für ein klassisches Adventure kein einfaches Unterfangen, insbesondere wenn es doch relativ kurz ist.

Die Umsetzung leidet phasenweise leider daran, dass das Geschehen stark auf der Aktionsebene verweilt, wo wir es häufig mit einer Aneinanderreihung von kleinen Jobs zu tun haben. Auf diese Weise gelingt es nur im Ansatz, einen persönlichen Zugang zum Protagonisten herzustellen, weil wir ihn vorwiegend im Beruf kennenlernen. Dabei wären gerade Szenen wie jene mit Banks' Bruder besonders einprägsam, die sich auf der Gesprächsebene bewegen und nicht krampfhaft in ein spielerisches Korsett gezwängt wurden. Von diesen Momenten hätte es getrost mehr geben können und womöglich hätte das dazu beigetragen, das Leben als Immobilien-Hai anschaulicher zu charakterisieren. Leider gelingt es Grundislav Games nur gelegentlich, die Schattenseiten des Immobilien-Berufs und der herrschenden Gesellschaft hervorzustreichen. Angesichts dessen entfaltet 'A Golden Wake' – trotz thematisch ansprechender Story - am Ende nicht jene emotionale Wirkung, die es gerne hätte.


Retro mit modernen Elementen

A Golden Wake

Diese spielerische Herausforderung könnte gut und gerne aus einem Wimmelbild-Spiel stammen...

Sowohl als Entwickler, als auch als Publisher steht Wadjet Eye Games für Retro-Adventures mit modernen Zutaten. 'A Golden Wake' tanzt hier nicht aus der Reihe und probiert einiges aus. Zentrales wiederkehrendes spielerisches Element ist diesmal - passend zu Alfred Banks - die Überzeugung: Dazu ist es notwendig, möglichst früh in einer Konversation die passende Strategie zu finden und konsequent auf diesem Gesprächsweg zu bleiben. Ist ein Gesprächspartner unsicher (die schlichte Mimik des Gegenübers gibt Auskunft darüber), sind jene Argumente zu wählen, die diese Unsicherheit provozieren. Ungewohnt für ein Adventure-Spiel ist dabei, dass uns – ähnlich wie im realen Leben - oft nur eine Chance bleibt. Gelingt uns das nicht, müssen wir unser Glück mitunter bei einer anderen Person versuchen oder überhaupt eine alternative Herangehensweise wählen (z.B. Bestechung). Dieser Aspekt wurde interessant umgesetzt und durchbricht manchmal die Linearität von 'A Golden Wake'.

A Golden Wake

Oft ist Überzeugungskraft gefragt...

Doch nicht alle Herausforderungen können überzeugen. Die Suche nach Verstößen in einem Haus, erinnert beispielsweise an Wimmelbildspiele, wobei die ungemein pixelige Grafik sich bei der Zuordnung als höchst unvorteilhaft erweist. Später erleben wir eine akrobatische Flugeinlage, bei der wir das Auto steuern und dafür sorgen sollen, dass eine Akrobatin vom fahrenden Gefährt auf ein fliegendes Flugzeug klettert. Ausgerechnet bei dieser Aufgabe schwächelt die Handhabung, denn aus irgendeinem Grund müssen wir nach einer Bewegung in eine Richtung ein paar Sekunden warte, ehe wir die nächste Aktion setzen können. Das ist unpraktisch, zumal es etwas auf Timing ankommt und man sich dadurch unnötig eingeschränkt fühlt. Abgesehen davon geht die Steuerung aber wie gewohnt in Ordnung - mit der linken Maustaste können wir wie üblich Objekte ansehen und mit der rechten benutzen.

 

Nebst kleiner Entscheidungsmöglichkeiten (die für die Haupthandlung kaum eine Rolle spielen) überwiegt ansonsten klassische Rätselkost mit leichten bis maximal durchschnittlich schweren kombinatorischen Herausforderunen. Diese wurden in der Regel ansprechend und logisch umgesetzt, ohne aber das hohe Niveau von Retro-Adventures wie 'Resonance' zu erreichen. Auffällig ist zudem, dass wir selbst für Adventure-Verhältnisse oft mit drei Aufgaben konfrontiert sind (z.B. beauftragt uns unser Boss drei Personen heimzusuchen, für eine Flugshow sind genau drei Dinge zu erledigen und so geht es immer weiter), was sehr künstlich wirkt. Die Reihenfolge der Durchführung bleibt uns zwar meist selbst überlassen, mehr Variantenreichtum hätte dem Gamedesign aber keineswegs geschadet.



Technisch solide Retro-Kost

A Golden Wake

Die Retro-Schauplätze wurden mal besser, mal weniger hübsch visualisiert

Retro-Spielen wie 'Blackwell Epiphany' kann man vom Stil her für gewöhnlich anmerken, dass sie nicht wirklich aus den 90er-Jahren stammen. Bei 'A Golden Wake' ist das über weite Strecken schwerer zu erraten. In vielen Abschnitten sieht es tatsächlich so aus, als wäre es den 90ern entwischt. Manchmal zum Leidwesen des Spielers, denn ein paar pixelige Anhäufungen sind nur mit viel Fantasie zu identifizieren. Die Ästhetik von 'A Golden Wake' reicht unterm Strich aber nicht an das Niveau von Hits wie 'Resonance', oder 'Blackwell Epiphany' heran. Vor allem die Animationen könnten flüssiger sein.

Auf solidem Niveau bewegt sich wiederum die englische Sprachausgabe, obgleich die Soundqualität deutlich besser sein könnte. Dafür wurden die Sprechrollen - fast - durchwegs recht zufriedenstellend besetzt. Aussicht auf eine deutsche Lokalisierung besteht vorerst allerdings nicht und somit sollte man über gute Englischkenntnisse verfügen, will man sich in diese Welt hinein wagen. Charme hat obendrein die musikalische Vertonung. Passend zum historischen Kontext, wurde überwiegend ein Jazz-Stil gewählt, wobei so manche Kompositionen zwischendurch an gute, alte Midi-Zeiten erinnern.


Wahre Begebenheiten

A Golden Wake

In Kuba erwartet uns dafür einer der stimmungsvollsten Schauplätze

Abseits genannter Mankos vermag 'A Golden Wake' dadurch zu gefallen, dass viele Ereignisse, Schauplätze und Persönlichkeiten, auf einen wahren historischen Hintergrund zurückgreifen. Coral Gables in Florida zählte beispielsweise tatsächlich zu jenen amerikanischen Ortschaften, wo es Anfang der 1920er Jahre früh einen gewaltigen Bau-Boom gab. Im selben Atemzug gilt es als frühes Beispiel für das Zerplatzen der Immobilien-Blase in den USA, was übrigens tatsächlich mit jenem Orkan einher ging, der ebenfalls Teil dieser Geschichte ist. Selbst den mächtigen Stadtplaner George E. Merrick gab es, wie auch den Mobster Thomas Walsh und weitere Persönlichkeiten. Die Geschichte des Protagonisten Alfred Banks ist wiederum frei erfunden, doch angesichts des historischen Kontextes ist es denkbar, dass es ähnliche Lebensgeschichten gegeben haben mag. Von den Eigenproduktionen von Wadjet Eye Games kennt man es zudem, dass einige Schauplätze sich an realen Orten orientieren. Gleiches gilt nun für 'A Golden Wake' und eben diese Parallelen zur Realität haben einen wesentlichen Anteil am Flair des Spiels.


Galerien

Fazit:

Wertung: 70%

Den Aufstieg eines Immobilien-Hais würde man vermutlich eher als filmische Umsetzung erwarten - zumindest eher, als in einem klassisch orientierten Point-and-Click-Adventure. Oft hatte ich das Gefühl, dass Grundislav Games sich mit 'A Golden Wake' doch etwas zuviel vorgenommen hat. Es ist bestimmt kein schlechtes Spiel, nein, aber mit aktuellen Retro-Hits wie 'Blackwell Epiphany' kann es einfach nicht mithalten. Schade ist zum Beispiel, dass wir Alfred Banks meist nur im Arbeitsalltag erleben. Lieber hätte ich mehr Einblick in sein Privatleben und Umfeld gehabt und vielleicht wäre mir die charakterliche Entwicklung des aufstrebenden Immobilien-Hais dann näher gegangen. Immerhin wirkt das junge Indie-Team aber stets bemüht, sich nicht auf 08/15-Herausforderungen auszuruhen und spielerische Abwechslung zu bieten. Oft geht die Rechnung auf, aber nicht immer und der Schwierigkeitsgrad könnte höher liegen. Interessant ist dieses Retro-Abenteuer jedenfalls schon ob des spannenden historischen Hintergrundes, der zuweilen recht geschickt mit der Handlung verwoben wurde. Genre-Fans können so gesehen einen Blick riskieren.

geschrieben am 09.10.14, Matthias Glanznig

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