Reviews: Das Geheimnis der vergessenen Höhle:

Das Geheimnis der vergessenen Höhle


Wieder einmal melden sich die Franzosen zu Wort: Nachdem wir in 'Egypt 3' Ramses II. vor einem tragischen Schicksal bewahrt und es nach der 'Rückkehr zur geheimnisvollen Insel' mit Hilfe eines kleinen Äffchens wieder zurück in die Zivilisation geschafft haben, versetzen uns die Kheops Studios nun einige hunderttausend Jahre zurück, zum Ursprung der Menschheit. In 'Das Geheimnis der vergessenen Höhle' (Originaltitel: 'Echo: Secrets of the Lost Cavern') muss man als Cro-Magnon Jäger so einige Probleme lösen, die die damaligen Frühlingstage so mit sich brachten. Wir haben uns das interaktive Lehrbuch übers Fischen, Jagen, Feuermachen und Wegscheuchen prähistorischer Bestien einmal genauer angeschaut und uns zusammen mit dem jungen Fährtenleser nach Périgord in Frankreich, um 15 000 vor Christus begeben. Was wir dort erlebt haben, könnt ihr hier, in unserem ausführlichen Testbericht nachlesen.


Weg mit Papier und Bleistift, dafür ran an Pigmentfarben und nackte Höhlenwände: In 'Das Geheimnis der vergessenen Höhle' schlüpft ihr in die Rolle von Arok. Arok lebt rund 17 000 Jahre in der Vergangenheit, im Gebiet des heutigen Westfrankreichs. Er gehört zu den ersten modernen Menschen, deren Fähigkeit es war, sich an praktisch jede Umgebung auf dem Planeten anzupassen. Wie für die sogenannten Cro-Magnon-Menschen typisch, ist Arok ein Jäger und Sammler.
Wie viele Male zuvor, macht er sich auch an diesem Tag auf, um Wild für das tägliche Mahl zu jagen. Trotz des Frühlingseinbruchs liegt noch immer Schnee auf dem Land, womit die Jagd nicht besonders leicht verläuft. Als Arok nach langer Suche endlich auf einen Hirsch trifft, stürzt plötzlich eine zähnefletschende Höhlenlöwin auf ihn zu. Von Panik ergriffen rettet er sich in eine nahegelegene Höhle.
Als er sich dort etwas umsieht, bemerkt er an den Wänden die Malereien seines alten Mentors Klem. Arok begegnete ihm zuletzt als kleines Kind und erinnert sich nun daran, dass er absolut keine Ahnung hat, wo der Alte eigentlich abgeblieben ist. Also wird er sich auf die Suche nach dem Schamanen begeben, doch zuerst sollte er einmal herausfinden, wie er die Höhle wieder verlassen kann, ohne dass ihn diese prähistorische Bestie am Eingang in Stücke reisst...

Yaba-Daba-Doo? Na ja, nicht ganz...

Anders als wie in unzähligen Hollywood-Komödien oder klassischen Zeichentrickserien, hielten unsere knapp bekleideten Urväter keine Dinosaurier als Haustiere oder verbrachten ihre Freizeit mit Bowling und Fernsehen. Wie es sich für gute Historien-Abenteuerspiele gehört, hat Entwickler Kheops Studios während der Entwicklung intensiv historische Recherche betrieben und sich bei der Umsetzung ihrer fiktiven Geschichte um Arok und dessen Suche nach dem Schamanen Klem, ziemlich genau an die damaligen Fakten gehalten.
So ist Arok auch nicht einfach nur irgendein Urmensch, sondern er gehört zu den 25 000 Jahre alten Cro-Magnon-Menschen, deren Existenz im 19. Jahrhundert durch fossile Funde belegt wurde. Zur Umsetzung eines Adventurespiels in der Prähistorie eignete sich wohl diese, eher modernere Art von Urmensch am besten, da die Cro-Magnons bereits damals schon fähig dazu waren, Waffen (wie Speere, Pfeile, Steinschleudern oder Bögen) herzustellen, sowie ein Verständnis für Kunstobjekte, Schmuck und Höhlenmalerein zu entwickeln.
Selbst die im Spiel vorhandene Flora und Fauna stützt sich auf durch die Archäologie und Urgeschichtsforschung gesicherten Belege. Die im Spiel dargestellten Tiere, wie zum Beispiel die Höhlenlöwin oder der Riesenhirsch, soll es tatsächlich gegeben haben. Besonders interessant ist aber vor allem die legendäre Höhle Lascaux, um die es sich auch im Spiel handelt. Diese wurde nämlich 1940 in Frankreich entdeckt und stand sogar bis zum Anfang der 60er Jahre für Touristen zur Besichtigung offen. Darin zu sehen sind einige der bedeutendsten Kunstwerke der frühen Menschheit. Dieses prähistorische Vermächtnis wird im Spiel authentisch dargestellt.
Trotzdem bedienen sich die Franzosen diverser fantastischer Elemente in der Erzählung der Geschichte. Um die kleine Odyssee Aroks ein bisschen aufzupeppen, ranken sich allerlei mysteriöse Tatsachen um die urzeitlichen Malerkünste. Während seines Abenteuers widerfahren dem jungen Mann auch einige Sachen, die sich anschliessend nicht immer so einfach erklären lassen.

Die Höhle, der Cro-Magnon und die fiese Urzeit-Löwin

In 'Das Geheimnis der vergessenen Höhle' werden wir also hauptsächlich mit Problemen konfrontiert, die damals an der Tagesordnung standen. Ob es nun dazu gehört, Feuer zu machen, Wild zu jagen oder Waffen und Gebrauchsgegenstände herzustellen: Tatsächlich benutzen kann man nur das, was uns die Natur auch zur Verfügung stellt.
Wie schon in 'Die Rückkehr zur geheimnisvollen Insel' ist man dabei absolut auf sich allein gestellt. Es mag zwar später im Spiel vorkommen, dass man mit einem NPC über neue oder erledigte Aufgaben ein Multiple Choice-Schwätzchen hält, gerätselt wird allerdings durchwährend alleine.
Ganz zu Beginn befinden wir uns wie erwähnt in der kleinen Höhle, die uns als Zuflucht vor der hungrigen Steinzeitlöwin dient. Nachdem wir uns kurz ein wenig umgeschaut haben, entdecken wir auch gleich erste brauchbare Gegenstände. Dazu gehört unter anderem ein Bündel Feuerholz, trockenes Gras und ein Stück weiches Holz. Die drei Sachen legt man nacheinander auf eine nahegelegene Feuerstelle und versucht mit Stöckchen und Stein durch Reibungskraft ein Feuerchen zu entfachen. Dabei schlägt das Pfadfinderherz aller Adventure-Spieler höher und selbst bei späteren, experimentelleren Rätseln erfüllt es den einsamen Jäger mit Stolz, wenn er es geschafft hat, Arok einen Schritt weiterzubringen.
Das ganze Spiel über wechselt sich die Art der Rätsel ab. Neben dem Kombinieren und Bearbeiten von Gegenständen (vor allem in der ersten Hälfte des Abenteuers), muss man später nicht selten auch einige kleine Schiebe-, Klang- und Logikrätsel lösen.
Genau wie beim Campingurlaub kann man irgendwelche Gegenstände aber nicht einfach in der Hose zum nützlichen Gebrauch mit einem anderen kombinieren. In der freien Natur von Aroks Heimatland finden sich oft grosse, flache Steine, die dem Cro-Magnon als Arbeitsfläche dienen. Dort werden dann mit nützlichen Werkzeugen z.B. Löcher in Leder gehauen oder Hirschgeweihe zu Speerwerfer umfunktioniert. Die meisten Rätsel dieser Art verfolgen allerdings, wie schon gesagt, einen konsequenten Hintergrund, d.h. hat Arok beispielsweise Hunger, liegt es an uns, mit einem geeigneten Gegenstand beispielsweise auf Fischfang zu gehen, um das Bedürfnis des Hauptcharakters stillen zu können.
Anders verläuft es mit den mechanischen Rätseln, die durch ihre Präsenz eher die Rätselvielfalt fördern und sich nur schwach ins Pfadfinder-Konzept einbinden lassen. Trotzdem macht es Laune, sich auch diesen Aufgaben anzunehmen, vor allem da der Schwierigkeitsgrad im Vergleich zu vielen anderen First-Person-Adventures nicht über die Schmerzgrenze hinaus geht und die Rätsel dadurch immer fair bleiben. Hartgesottene Adventure-Fans dürfte einzig die etwas überraschenden Game Over-Sequenzen etwas erschrecken, allerdings haben die Programmierer darauf geachtet, vor den plötzlich eintretenden Enden das Spiel an vorgelegten Checkpoints kurz vor der Gefahr neu zu starten.

Wenn schon "Abenteuer Steinzeit", dann auch mit Reiseführer

Ebenfalls anders als zum letzten Adventure des französischen Entwicklers zeigt sich der grobe Spielablauf: Die Ergründung der Geheimnisse der vergessenen Höhle laufen deutlich vorgegebener ab. Kommt man also irgendwo nicht weiter, heisst es Zähne knirschend weiter probieren.
Die Linearität wird durch das vorhandene Tagebuch noch weiter unterstrichen. Arok schreibt nämlich fortlaufend seine Erlebnisberichte auf, die im Menü oder übers Inventar am unteren Bildschirmrand zu jeder Zeit abrufbar sind. Dabei wird immer das aktuelle Ziel Aroks beschrieben und eine vergangene Szene aus seinem Blickwinkel erzählt. Eine grosse Hilfe ist das Tagebuch eigentlich nicht, da meistens konzeptionell klar ist, wo weitergerätselt werden muss. Leider gibt es nämlich keine direkten Hinweise auf schwierigere Rätsel, weshalb man oft nur durch Grübeln und Ausprobieren auf die Lösung kommen kann. Viele First-Person-Fans werden aber eben dies auch zu schätzen wissen.
Ebenfalls kaum hilfreich, dafür aber eine interessante, lehrreiche Ergänzung des Steinzeitabenteuers, stellt die ebenfalls im Menü vorhandene Enzyklopädie dar. Dort finden sich allerlei nützliche Informationen zu den spielrelevanten Inhalten, wie der Menschheitsentwicklung, der damaligen Tier- und Pflanzenwelt, sowie geschichtliche Hintergründe zur Höhle von Lascaux und der Bedeutung der exzessiv im Spiel behandelten Höhlenmalereien. Der gesamte Inhalt stützt sich dabei ebenfalls auf wissenschaftliche Thesen und Erkenntnisse. Oftmals wird dabei aber auch ersichtlich, dass es sich bei diversen, angesprochenen Elementen im Spiel nicht nur um unbedingte Fakten handelt, sondern diese auch auf einer Darstellung beruhen, die nur eine Möglichkeit repräsentiert, wie es hätte gewesen sein können.

Die Klänge und Stimmen aus der Vergangenheit

Soundtechnisch polarisiert das Erlebnis in der Prähistorie ein wenig das Gehör des Abenteurers. Auf der einen Seite wird nämlich ein hervorragend akustisches Ambiente geliefert. Jede Location besitzt ihre eigenen, charakteristischen Klänge: Wo draussen im schneebedeckten Wäldchen kühle Winde blasen, ein Lagerfeuer knistert und Vögel zwitschern, tropft, grollt und plätschert es in kalten Tropfsteinhöhlen. Bei bestimmten Stellen setzt dann auch kurz dramaturgische Musik ein, die vielfach aus Trommelklängen besteht. Ab und zu gesellt sich zum dezenten Orchester sogar eine feminine Chorstimme dazu, womit im Grunde für eine qualitativ hochwertige, akustische Untermahlung gesorgt wäre.
Auf der anderen Seite allerdings, wurden die vorhandenen Spielcharaktere wie u.a. Tika, Lahrik, Klem und natürlich Arok ausnahmslos mit richtig miserablen Synchronstimmen besetzt. Es ist im direkten Verhältnis zur sonstigen Geräuschkulisse eine absolute Tragödie, dass die Stimmen so klingen, als würden sich die Sprecher noch während dem Lesen ihrer Textzeilen über ihr niedriges Gehalt aufregen. Selbst wenn die Menschen damals Verständigungsschwierigkeiten gehabt haben sollten, rechtfertigt das noch lange nicht eine solch laienhafte Besetzung der an sich niedrigen Anzahl an Sprechrollen. Eine solche lieblose Lokalisation trübt leider dann auch das Gesamtbild.

Von Bild zu Bild durchs Urgestrüp

Nach dem üblichen, klassischen Schema der First-Person-Adventures, klickt man sich von Bildschirm zu Bildschirm, wobei jede Darstellung in 360° untersucht werden kann. Die Steuerung wurde dementsprechend simpel gehalten: Der Cursor befindet sich festgeklebt in der Mitte des Bildes. Erscheint ein zu untersuchender Hotspot, wird mit einer Veränderung des Cursor-Symbols auf diesen deutlich hingewiesen. Benutzbare Gegenstände werden somit beispielsweise mit zwei Feuersteine die aufeinanderschlagen dargestellt. Portable Objekte wiederum werden mit einem kleinen, greifenden Händchen präsentiert.
Durch Linksklick wird unten das Inventar eingeblendet. Dort werden sowohl alle Gegenstände, als auch relevante Linkbuttons - unter anderem zum Hauptmenü des Spiels oder der Enzyklopädie - angezeigt.
Für heutige Verhältnisse sieht das gesamte Geschehen auch richtig ordentlich aus. Grafisch bietet 'Das Geheimnis der vergessenen Höhle' keine Höhenflüge und durch die Linearität des Spielablaufs wirken auch die Schauplätze etwas eingeschränkt. Die eingeengte Atmosphäre wird aber durch die detailreichen Bildhintergründe kompensiert. Unter anderem wurden – ähnlich beim Genre-Verwandten 'Myst 4' – unzählige Animationen sauber ins Bild integriert, die das Erlebnis etwas intensivieren sollen. Das Feuer bleibt also nicht wie ein Bitmap statisch stecken, sondern flackert und bewegt sich atmend im Bild. Genauso schneit es kleine Flocken vom Himmel hinab oder hebt und senkt sich der schlafende Körper eines Urzeit-Bären.
Sehr liebevoll inszeniert wurden auch die kurzen Cutscenes. Die Charaktere zeigen sich darin ab und an zwar etwas steif, durch die ansonsten vorbildliche cineastische Umsetzung darf man aber über die Technik etwas hinwegsehen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 76%

Zum riesigen Meer der First-Person-Adventures von Publisher The Adventure Company gesellt sich jetzt auch 'Das Geheimnis der vergessenen Höhle' hinzu. Die Steinzeit stellt bisher ein kaum vorhandenes Setting in der Geschichte der Adventurespiele dar und durch die gelungene, äusserst schicke Inszenierung, kann man sich in der Haut eines Cro-Magnon schon mal richtig gut in dieser frühen Epoche der Menschheitsgeschichte einleben.
Das Jagen, Sammeln, Knobeln und Werkeln macht auch richtig Spass und selbst weniger erfahrene Spieler dürften nur selten an völlig frustrierende Rätsel herankommen. Allerhöchstens 20 Stunden sollte man selbst als weniger erfahrener Spieler für die Reise in die Vergangenheit aufwenden. Dann spätestens sollte man alles Wissenswerte um Lascaux herausgefunden haben.
Wäre da nicht die sehr schlechte Lokalisation und der etwas zu einschränkende, lineare Spielablauf, könnte man Aroks Abenteuer ohne weiteres an jeden geschichtsbegeisterten Adventure-Spieler weiterempfehlen. Doch leider kommt die Suche nach Klem auch nie so richtig in Fahrt, weshalb man vor allem im späteren Spielverlauf das Gefühl hat, als Arok eher unmotiviert von Rätsel zu Rätsel zu schlendern. Selbst für Studierende mit dem Hauptfach in Ur- und Frühgeschichte dürfte der Wiederspielbarkeitswert eher gering ausfallen.
Wer sich damit abfinden kann und gerne sehen möchte, wie man Höhlenmalereien innovativ und erfolgreich als Rätsel in ein Spielkonzept integriert, der sollte nicht mehr lange zögern und die Feuersteine in die Hand nehmen.

geschrieben am 17.07.05, Philipp Thalmann

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 98/ME/2000/XP
CPU mit 800 MHz
64 MB RAM oder mehr
64 MB Grafikkarte
Offizielle Homepage
Webseite von Lascaux


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