Reviews: Jerry McPartlin - Rebel with a cause:

Jerry McPartlin


Im verschlafenen Nest Barnett Springs in den USA der 50er Jahre gibt es ein dunkles Geheimnis aufzuklären. Welches Schicksal den titelgebenden Helden Jerry McPartlin erwartet, was das alles mit einer alten Indianerlegende zu tun hat und warum Rock'n'Roll eine Rolle spielt, verrät unser Test.

 

Jerry

 

Jerry loves Rock'n'Roll - und wäre fast ein Rockstar geworden

 
Eigentlich hatte Jerry McPartlin das verschlafene Nest Barnett Springs schon seit Jahren hinter sich gelassen. Damals verschwanden plötzlich seine Eltern und auch sonst lief es nicht gut für ihn: Seine Karriere als Rockstar ließ auf sich warten und bei Luna-Lee, der Dame seines Herzens, konnte er nie so richtig landen. Grund genug für ihn, seine Siebensachen zu packen, um woanders sein Glück zu suchen. Doch ein merkwürdiger Traum und Brief von Luna-Lees Vater, dem Schamanen Wikvaya, führen den Musiker zurück nach Barnett Springs. Seine Gesangskarriere hat er natürlich kein bisschen vorangetrieben. Anders sieht es bei seinem Rivalen Jimmy Lash aus. Dank eines besonderen Deals ist es seine Rockmusik, nicht etwa die von Jerry, die in einer Tour aus der Jukebox in Luna-Lees Diner dröhnt. Als wäre das noch nicht schlimm genug, macht auch noch ein böser Geist die Stadt unsicher. Das glaubt zumindest Wikvaya, der eine hiesige Mordserie auf das Wirken von übernatürlichen Mächten zurückführt. Daher bat er Jerry auch, nach Barnett Springs zurückzukehren. Denn seine Eltern besaßen das Rezept für sogenanntes Feuerwurzelwasser, mit dem man den Dämon besiegen kann. Blöd nur, dass sämtliche Stadtbewohner plötzlich Jerry für den Dämon halten und ihm nicht über den Weg trauen.

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Lunas Diner ist nach Jerrys Rückkehr seine erste Anlaufstelle.

Wer beim Lesen dieser Inhaltsangabe vielleicht an Filme wie 'Die neun Pforten' und 'Armee der Finsternis' oder an Spiele wie 'Dear Esther' denkt und darauf hofft, in eine dunkle und mysteriöse Welt abzutauchen, wird sicher enttäuscht werden. Immerhin, die Zutaten sind da – der Held, der es allen beweisen will, eine unerklärliche Mordserie und die böse Ahnung eines Schamanen – doch die einzelnen Elemente fügen sich einfach nicht zu einem spannenden Gesamtbild zusammen. Aber auch als skurrile Komödie funktioniert das Spiel einfach nicht. Ein großes Problem ist, dass die Story unausgereift ist: Verschiedene Handlungsstränge laufen ins Leere. Ob Jerry nun Sänger ist oder nicht, ist unerheblich, denn dieser Charakterzug trägt nicht im Mindesten dazu bei, den mysteriösen Vorfällen auf die Spur zu kommen. Das plötzliche Verschwinden seiner Eltern oder Jerrys Beziehung zu Luna sind weitere Punkte, die irgendwie in der Luft hängen. Das ist schade, denn das Ende ist dann wieder richtig witzig. Gute Ideen sind also vorhanden, wurden jedoch nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt. Die comicartige Grafik der Figuren legt nahe, dass ein humorvoller Zugang angestrebt wurde, aber dafür zünden zu viele Gags nicht richtig. Auch die Kombination aus blutrünstigem Dämon, Mordfällen und Rock’n’Roll wirkt nicht durchdacht. Im Spiel gibt es weder einen Tatort, noch eine Leiche zu untersuchen. Vom Schamanen mal abgesehen, gibt es auch keine überzeugende Nebenfigur. Alles in allem bekommt man das Gefühl, dass den Entwicklern am Ende die Zeit davon lief.



Rhabarber, Rhabarber


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Hotspots werden in Form von kleinen Sternen angezeigt.

Gesteuert wird in typischer Point-&-Click-Manier mit der Maus. Mit der rechten Maustaste kann man einen Gegenstand näher betrachten, mit der linken Maustaste kann man ihn benutzen. Durch Betätigung der Leertaste werden Hotspots angezeigt.

Einige Dinge muss der Spieler in bestimmter Reihenfolge durchführen, damit Jerry dem Ziel ein Stückchen näher kommt. Zum Beispiel hat sich Dianne, die örtliche Sängerin, vor lauter Angst vor dem Mörder in der Garderobe in ihrem Klub verschanzt. Jerry fällt nun die undankbare Aufgabe zu, sie daraus zu vertreiben. Zuerst werfen wir daher einen Blick hinter die Bühne. Das wachsame Auge erspäht natürlich sofort einen kleinen Schlüssel, der an einem Mischpult hängt und nur darauf wartet, eingesteckt zu werden. Leider hat der Klubbesitzer Mr. B etwas dagegen, also bleibt der Schlüssel erst Mal hängen. Als nächstes gucken wir uns die Bühne selbst genauer an, auf der es absolut nichts zu tun gibt. Unverrichteter Dinge geht es daher zurück zum vorderen Backstagebereich, von dem aus eine Tür in den Keller führt. Schnell stellt Jerry fest, dass die Tür verschlossen ist. Als Jerry den Klubbesitzer auf die Kellertür anspricht, sagt dieser: „Du weißt ja, wo der Schlüssel hängt.“ Von einer Minute auf die andere hatte Mr. B also einen plötzlichen Sinneswandel und Jerry kann zurückgehen und sich den Schlüssel vom Mischpult nehmen. Aus dem Keller „leiht“ Jerry sich dann ein paar Gegenstände, mit denen er eine Geisterattrappe bastelt. Die Attrappe wird dann vor das Fenster an Diannes Garderobe gestellt. Außerdem müssen wir noch für das richtige Licht und ein paar schaurige Geräusche sorgen, damit die Sängerin fluchtartig den Raum verlässt. Wie sie von dannen eilt, bekommt der Spieler in Ermangelung einer Cutscene freilich nicht zu sehen. Ohnehin gibt es nur eine sehr begrenzte Anzahl von Charakteren, die sich auf unserer Seite der Tür befinden. Die meisten Bewohner von Barnett Springs verstecken sich lieber. Auf ähnlichem Rätselniveau geht es übrigens den Rest des Spiels weiter. Jerry muss zum Beispiel Post austragen oder Rhabarberkuchen besorgen. Zur Aufklärung einer mysteriösen Mordserie tragen einige der Aufgaben also nicht bei und wirken daher deplatziert.  

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Kann man einen Gegenstand benutzen, verwandelt sich der Cursor in zwei kleine Zahnräder.

Nicht zeitgemäß sind auch die Kommentare der Hauptfigur, wenn der Spieler versucht, Gegenstände im Inventar zu kombinieren oder mit der Umgebung zu interagieren. Jerrys Anmerkungen variieren zwischen „Wie soll das klappen?“, „Nö!“, „Ja, nee, ist klar“ oder „Das kann ich nicht machen.“ Im Jahr 2015 hätte man sich da mehr einfallen lassen können. Wenn man schon den Weg einschlägt, den Helden alles kommentieren zu lassen, sollte man sich auch die Mühe machen, passende und interessante Kommentare zu finden. Diese könnten zum Beispiel noch mal Jerrys Charakter unterstreichen. Bei Spielen wie 'Sam & Max Hit The Road' oder der 'Gabriel Knight'-Reihe funktioniert es immerhin auch. Bei Ersterem ist es gerade der Witz der Kommentare, durch den der Spieler dazu eingeladen wird, alle möglichen Dinge auszuprobieren. Bei Letzterem wird deutlich, dass Gabriel ein kleiner Windbeutel ist. Das erfordert natürlich zusätzlichen Aufwand beim Texten. Wer sich die Arbeit sparen will, sollte dann aber doch lieber gleich auf unnötige Bemerkungen verzichten.

Mit fortschreitendem Spielverlauf sammeln sich immer mehr Gegenstände im Inventar. Dieses befindet sich in Form einer langen Notenleiste in der oberen Bildschirmhälfte. Die Leiste wird sichtbar, wenn man den Mauscursor an den oberen Rand bewegt. Soweit wäre das kein Problem. Bei einem vollen Inventar verschwinden jedoch Gegenstände aus dem Blickfeld. Da es sich um keine mitlaufende Inventarleiste handelt, muss man umständlich für jedes verschwundene Item auf eine Pfeiltaste klicken, um durch das Inventar zu blättern. Bei sieben Items, die aus dem Bild gerutscht sind, bedeutet das, sieben Mal klicken, bis man das Ende des Inventars erreicht hat.

 

 

Soundcheck


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Hat man in Dialogen mehrere Antwortmöglichkeiten, wird der Bildschirm damit "zugepflastert."

Musikalische Untermalung gibt es kaum, abgesehen von einigen Rock’n’Roll-Liedern, die gut gelungen sind. In den Einstellungen kann man übrigens festlegen, wie lange die Untertitel eingeblendet werden sollen. Das Menü bietet „Sound Sync“, zehn oder fünfzehn Sekunden an. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, hier „Sound Sync“ einzustellen, damit Untertitel und Sprachausgabe flüssig ablaufen. Bei einer höheren Einstellung sprechen die Figuren erst weiter, wenn auch neue Untertitel eingeblendet werden, was dazu führt, dass man zwischen einzelnen Lines dementsprechend immer zehn oder fünfzehn Sekunden warten muss. Alternativ kann man auch durch einen Mausklick zum nächsten Satz springen, doch dieses zusätzliche Geklicke kann man sich eben durch eine kurze Änderung im Menü sparen. Fehlende Lippenbewegungen wurden mittlerweile durch einen Patch behoben.

Was die Besetzung angeht, so hört man doch, dass viele Charaktere von Laien gesprochen wurden. Außerdem übernehmen fast alle Sprecher mehrere Figuren, was sich nicht gerade positiv auf die Atmosphäre auswirkt. An einigen Stellen fehlt die Sprachausgabe auch komplett, zum Beispiel wenn Jerry bei einer Interaktion des Spielers einen Gegenstand erläutern will.



Nicht nur der Rhabarberkuchen wirkt altbacken


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Die Grafik bringt Nostalgiefeeling mit sich.

Auch die Grafik lässt sich im Menü anpassen. Sie reicht von 640 x 480 Pixeln bis hin zu 3840 x 2160 Pixeln und man hat zusätzlich die Möglichkeit, zwischen schneller und fantastischer Qualität zu wählen. Eine höhere Auflösung macht sich auf jeden Fall bemerkbar, die Unterschiede zwischen der Grafikqualität fallen jedoch nur gering aus. An einigen Stellen – überwiegend in der Stadt – ist das Bild auch viel zu dunkel, sodass man die Spielfigur in den Schatten überhaupt nicht mehr sieht. Alles in allem wirkt die Grafik altbacken und man sieht 'Jerry McPartlin' das niedrige Budget sehr deutlich an. Die Schauplätze sind weder zahlreich, noch besonders detailliert. Die Animationen laufen auch nicht alle rund, da Jerry sich wie eine Marionette bewegt und von Gesichtsanimationen ist man meilenweit entfernt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 45%

Laut der Homepage von Spieleentwickler bluebox interactive ist 'Jerry McPartlin' ihr erstes größeres Spiel. Das Adventure weist ein paar ganz gute Ideen auf, doch es scheint so, als hätten Zeit und Geld gefehlt, diese zufriedenstellend auszuarbeiten. Über die grafische Mangelerscheinung könnte man ja noch hinwegsehen, wenn der Rest des Spiels stimmig wäre. Leider hapert es in allen Bereichen: Die Story ist unausgegoren, die Rätsel fordern einen nicht all zu sehr und bei der Vertonung leihen die Sprecher deutlich hörbar mehreren Figuren ihre Stimme, was dem Spiel noch mal zusätzlich den Stempel einer Low-Budget-Produktion aufzwängt. Jetzt muss „teuer“ ja nicht immer „besser“ heißen. Es gibt genügend gute und überzeugende Indie-Spiele, doch 'Jerry McPartlin' wirkt insgesamt einfach unfertig. Einige Monate Entwicklungszeit mehr hätten dem Spiel sicher gut getan. Bleibt zu hoffen, dass das Team einige Dinge bei seinem nächsten Projekt besser umsetzt, denn Potenzial ist vorhanden.

Fazit von Tobias Maack: 'Jerry McPartlin' zeigt auf, dass eine gute Idee und großer Einsatzwille leider noch kein gutes Adventure bedeuten müssen. Ein unverbrauchtes Setting zur Hochzeit des Rock'n'Roll, ein recht sympatischer Held und eine spannende Geschichte um eine Mordserie klingen für den Anfang nämlich schon ganz gut. Leider ermitteln wir nicht wirklich in der Mordserie, sondern suchen nach Pomade, tragen Briefe aus oder fangen Katzen ein. Spannende Ermittlungsarbeit sieht anders aus. Auch über die angeschnittenen Hintergrundgeschichten erfahren wir nahezu nichts. Was ist mit unseren Eltern passiert? Wie geht es mit Jerry und seiner Angebeteten Luna-Lee weiter? Antworten bleibt uns das Spiel oft schuldig. Dazu kommen dann noch bis auf ganz wenige Ausnahmen schwache deutsche Sprecher, die dem Spiel deutlich Atmosphäre kosten. Bugs und die nicht mehr zeitgemäße Grafik sorgten ebenfalls nicht für große Motivation, das Spiel zu ende zu spielen. Lobenswert erwähnen möchte ich allerdings den Soundtrack, der zwar nur selten zu hören ist, aber dennoch zu gefallen weiß. Leider reicht das allein nicht für ein gutes Adventure.

geschrieben am 22.11.15, Maren Keitel

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Dieses Review gehört zu  Jerry McPartlin.




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