Reviews: In 80 Tagen um die Welt:

In 80 Tagen um die Welt


Seit mehr als 100 Jahren schon ist Jules Verne, der geistige Vater berühmter Romane wie 'Die Reise zum Mittelpunkt der Erde' oder '20000 Meilen unter den Meeren', schon nicht mehr am Leben. Ein Grund mehr, seine ideenreichen Geschichten wieder aufleben zu lassen. Den (vielleicht noch unentschlossenen) Adventurespieler erwartet in Frogwares neuem Titel 'In 80 Tagen um die Welt' kein Nachspiel des gleichnamigen Romans, oder gar eine Imitation einer der Verfilmungen, die allesamt im 20. Jahrhundert entstanden, sondern viel mehr eine humorvolle und Action-reiche Adaption des Klassikers. Neben modernen Fahrzeugen und Fortbewegungsmitteln warten auf den Spieler trotz im 19. Jahrhundert angesiedelter Handlung auch Grafik und Effekte vom Feinsten, sowie - passend zum Titel - fetzige Musik im "80s-Style". Dazu jedoch später mehr, zuerst wollen wir uns der Story zuwenden.
Worum geht's?

Wir schreiben das Jahr 1899. Der junge Oliver Lavisheart kehrt von seinem langen Aufenthalt in Amerika nach London zurück und erfährt, dass seine Familie für ihn eine Hochzeit arrangagiert hat, um seinem Treiben ein Ende zu setzen. Es bleibt jedoch keine Zeit für Wut und Ärger, denn sein Onkel Matthew kommt mit einer ungewöhnlichen Bitte auf ihn zu. Durch eine Wette im "Reform Club", bei der es dem reichen Onkel um viel Geld geht, soll Oliver den Globus innerhalb von 80 Tagen umrunden, und dabei auch noch "kleine Souvenirs" mitbringen, die die Weltreise belegen. Mit diesem Auftrag kann Oliver nicht nur der Hochzeit entkommen, sondern zusätzlich sein Schwarzes-Schaf-Image ablegen.
Sieben große Locations hat der Spieler fortan zu bereisen, davon vier Städte und drei Fortbewegungsmittel: Zeppelin, Schiff und Eisenbahn.
Wer sich hier jedoch ein gemütliches interaktives Roadmovie verspricht, der irrt sich gewaltig. Intrigen, Rätsel und Humor warten auf den Spieler zur Genüge – manchmal offensichtlich, manchmal eher versteckt.

Visueller Reiz?

Ganz und gar nicht verstecken braucht sich die Grafik. Nicht nur die Spiel-Einstellungen versprechen hier schon viel – hohe Auflösungen und Anti-Aliasing fordern eine jede moderne Grafikkarte. Natürlich können auch betagtere PCs mithalten, wenn man an den Details etwas spart. Dann verliert sich allerdings auch die Begeisterung, die über die wunderschön gestalteten Gebäude, die leichten Wogen des Wassers, die Licht- und Nebeleffekte, sowie über die erstklassig modellierten Tiere, Personen und deren Gesichter. Somit kommen die höchsten Genüsse leider auch nur auf modernen Maschinen auf.
Leider ist der grafische Gesamteindruck nicht ganz ungetrübt. Unter dem voreiligen Release, der leider auf Termindruck zurückzuführen sein muss, hat der letzte Schliff gelitten. Clipping-Fehler, fehlende Texturen und verschwindende Möbel oder Häuser sind Indizien dafür, dass nach der Fertigstellung nicht mehr viel Zeit zum Testen geblieben ist. Glücklicherweise finden sich solche Probleme nur selten im Spielverlauf.

Auf die Ohren!

Im Gegenzug dazu ist man zu keinem Zeitpunkt im Spiel ohne passende Beschallung. Diese besteht meist aus Umgebungsgeräuschen, die perfekt zur Szene passen, und oftmals sogar räumlich wirken. Zusätzlich bekommt man in jeder der sieben Locations eine spezielle Musikrichtung geboten, die abwechslungsreich je nach Standort gemischt wird. Ebenso professionell wurden die Dialoge vertont. Nicht nur durch die bekannten Stimmen von den deutschen Synchronsprechern von Tobey Maguire und Matt Dillon bekommen die Charaktere Leben eingehaucht, sondern auch durch Wortwitz, Spässchen und eine gesunde Portion betonte Ironie.
Einziges Manko: Oftmals fehlt bei einem Satz die letzte Silbe, was einen unschönen Eindruck hinterlässt. Hier hätte ein ausgedehnter interner Test nicht geschadet, um solche Fehler vor Release zu entfernen.
Doch genug Gemecker, der Sound verdient auch zwei große Pluspunkte! Sprache und Umgebungsgeräusche werden jederzeit an die Kamera-Perspektive angepasst, die mit der Maus gesteuert wird. Das vermittelt echtes "Mittendrin statt nur dabei"-Feeling. Leider fehlte mir für den absoluten Hörgenuss das Surround-System.
Umso mehr Spass hatte ich dafür an den Musik-Videoclips am Ende einiger Kapitel, die in starker Anlehnung an bekannte Hits aus den 80ern komponiert und vertont wurden.

Gemütliches klicken oder energisches Tippen?

Ist 'In 80 Tagen um die Welt' nun ein Adventure im klassischen Sinne? Diese Frage lässt sich von vornherein mit "Nein" beantworten. Ebenso lässt sich jedoch auch mit Sicherheit sagen, dass es kein Action-Adventure im klassischen Sinne ist. Beide Genres werden in diesem Spiel geschickt verschmolzen und ergeben zusammen eine genau richtige Mischung. An die Steuerung Olivers mit Maus und Tastatur muss man sich Anfangs ein bisschen gewöhnen, findet sich jedoch schnell damit zurecht. Die Bewegung findet Action-Adventure-typisch mit Tastatur statt, die Interaktionen werden mit der Maus vollführt. Die linke Maustaste startet Gespräche oder lässt den Protagonisten Items einsammeln oder bedienen, sofern diese bei genauerer Betrachtung einen grünen Rand bekommen. Die rechte Maustaste öffnet das Inventar und das Mausrad schaltet durch die eingesammelten Objekte.
Zu Beginn findet man sich in Cairo wieder – die erste von vier Stationen, in denen es ein Souvenir für den Onkel zu besorgen gilt. Die Rätsel gestalten sich hier noch relativ einfach und überfordern den Spieler zu keiner Zeit. Die zweite Stadt (Bombay) bietet schon etwas mehr Bedarf an Feingefühl, bis man schliesslich in Yokohama und San Francisco echt nachdenken darf. Zwischen den Stadt-Kapiteln hat man die Locations zu Land, Wasser und Luft zu bestehen. Hier sind die Rätsel meist auf einheitlichem Niveau und befassen sich auf jedem Fahrzeug damit, dass die Reise nur durch Olivers Eingreifen fortgeführt werden kann.
Das Rätseldesign variiert im ganzen Spiel zwischen "Gehe von A nach B und bringe C mit" und Kombinations- und Schalter-Rätseln. Interaktionen mit Inventargegenständen sind leider seltener von Bedeutung, jedoch alle sinnvoll und mit Bedacht gestaltet.
Wem das Rätselraten unter Zeitdruck gefällt, der kann das ganze Spiel eine Schwierigkeitsstufe höher stellen und muss zu jeder Zeit auf seinen Energiezustand achten. Ist die Energie aus, schläft Oliver auf der Strasse ein, und wacht erst einen halben Tag später unausgeruht auf. Das kostet natürlich Zeit und kann den Verlauf vorzeitig beenden, wenn Oliver die vorgegebenen 80 Tage Reisezeit überschreitet. Im einfachsten Modus besteht hier kein Zeitlimit. Um Energie aufzunehmen kann der Spieler wahlweise Essen an einem von vielen Strassenständen kaufen, oder ein Nickerchen im Hotelzimmer machen. Beides kostet allerdings Geld, das zum Glück vielerorts in Strassenecken oder Gebäuden liegt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 80%

Zu keinem Zeitpunkt kommt Langeweile auf, das Adventure ist durchwegs logisch aufgebaut und bietet bei mehreren Stunden Spielzeit täglich bis zu einer Woche lang Unterhaltung. Auch das Ende rundet die Sache würdig ab. Profis werden sich natürlich schneller durchackern, aber es macht auch Spass die Städte und Fortbewegungsmittel in Ruhe zu erforschen und viele kleine lustige und schöne Details zu entdecken (Insider: Matrosenkabine).
Allerdings muss deutlich gesagt werden, dass viele Mängel schnellstens durch einen Patch behoben werden müssen, dazu gehören leider nicht nur Grafik- und Soundfehler, sondern auch Abstürze. Ebenso ist das Abspeichern und Laden eine Philosophie für sich, da eine spätere Fortsetzung nur an bestimmten Kontrollpunkten möglich ist. Zudem wird die Tatsache, dass es sich um einen Adventure-Hybrid handelt, viele Spieler abschrecken, die Angst haben, ein Action-Adventure zu erwerben. Trotzdem spreche ich hier ganz offen eine Kaufempfehlung aus, denn Auge, Ohr und (Spass-)Geist werden hier wahrlich verwöhnt, und die innovative Mischung aus "Jump'n'Run'n'Click" (persönlicher Neologismus) beschafft gute Unterhaltung, die auch gut bedienbar bleibt.

geschrieben am 10.11.05, Stefan Huber

Systemanforderungen Weitere Links
Intel/AMD 1GHz oder besser
512MB RAM
GeForce3Ti/Radeon 8500 mit 64MB oder besser
2GB freier Speicher
DirectX kompatible Soundkarte
DVD-Laufwerk
Windows 2000/XP
Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  In 80 Tagen um die Welt.




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