Reviews: Irony Curtain - From Matryoshka with Love:

Irony Curtain


Artifex Mundi ist eigentlich bekannt durch Wimmelbild-Spiele. Mit 'Irony Curtain' begibt sich das polnische Studio nun in Point&Click-Gefilde und will sich im Genre beweisen. Als Inspiration dienen Adventure-Veteranen wie LucasArts und Daedalic Entertainment. 

 

Der Spaß steht im totalitären, kommunistischen Matryoshka jedenfalls im Vordergrund. Diktatoren-Klischees, 5-Jahres-Plan und böse Kapitalisten sind mit an Bord – alles natürlich mit einem entsprechenden Augenzwinkern. Das klingt nach witziger Unterhaltung. Werfen wir also einen Blick hinein.

 

 

Evan Kovolsky, Journalist und Fan des glorreichen Matryoshka

 

Agentin Anna Irony Curtain
Die Agentin und Evan

Evan Kovolsky ist ein junger und aufstrebender Journalist, der eine eigene Zeitung in "Chickgo" im (kapitalistischen) Westen der Welt betreibt: „The Daily Worker Monthly. 'Irony Curtain' spielt in einer fiktiven Zeit, die ungefähr die 50er/60er-Jahre repräsentiert. Der kalte Krieg ist voll im Gange und seine Zeitung ist ideologisch geprägt.

 

Überraschenderweise wurde er zur hiesigen Konferenz "RedEx" eingeladen. Dort vertritt er gegen waschechte Kapitalisten den glorreichen Kommunismus und will am Beispiel des ruhmreichen Matryoshka die Vorteile des Kommunismus zeigen. Es kommt, wie es kommen musste: Er wird mit Tomaten beworfen. Der Tag scheint aber nicht vollkommen umsonst, denn die mysteriöse und geradezu überzeichnet, klischeehaft attraktive Agentin Anna lädt ihn in sein Traumland Matryoshka ein. Der Journalist werde dort gebraucht. Aber warum? In diesem Ritt durch Klischees und viel augenzwinkerndem Humor erfahren wir mehr über das wahre Matryoshka und was Evan damit zu tun hat.

 

 

Humor der alten Schule

 

Wortspiele in Irony Curtain
Der Humor wird in 'Irony Curtain' großgeschrieben.

Das wichtigste Element, ohne dass 'Irony Curtain' nicht funktionieren kann und das schon im Namen vertreten ist, ist der Humor. Dieser lebt von Klischees des Kalten Krieges und des Kapitalismus-Sozialismus-Konflikt und greift dabei beide Seiten gleichermaßen in überzeichneter Manier an. Nassrasierer sind hier aus alten Handgranaten gebaut, den staatlich genormten Stempel baut man mit einer Matroschka des obersten Führers und die fehlende Druckerschwärze im Regime macht aus einem Simplen Pass schnell das Ass (man beachte das englische Wortspiel).

 

Die Sprachausgabe ist dabei natürlich ebenso überzeichnet und es wimmelt von englischen Sprechern mit russischem Akzent. Die gemeine Bevölkerung, vor allem die Bauern, spricht hingegen mit Südstaatenakzent. Eine spannende Entscheidung, die die streng gesetzten Staatsgrenzen noch weiter verfließen lässt. Englischkenntnisse sind bei der Sprachausgabe von Vorteil, deutsche Untertitel gibt es jedoch auch. 

 

Es verstecken sich laut Entwickler auch 1.951 Eastereggs. Das wundert mich nicht, denn in den meisten Hintergründen wimmelt es tatsächlich von Gegenständen. Keine Sorge, ein reines Wimmelbild-Spiel steckt hier aber nicht drin, denn die Vielzahl der Gegenstände stellen nur Dekoration dar. Es lohnt sich genau hinzuschauen, denn die versteckten Eastereggs sind oft für einen Lacher gut. Sei es eine dreiköpfige Jury, die stark an die berüchtigten Piraten von Mêlée Island erinnern, massenhaft Anspielungen an die Sowjetunion inklusive ihrer Klischees oder der eiserne Vorhang, der wortwörtlich ein stählerner Bühnenstoff sein könnte.

 

 

Gemischte Rätselkost, funktionale Geschichte

 

Rätselkost in Irony Curtain
Viel komplexer wird es selten.

Bei den Rätseln ist 'Irony Curtain' ein Sammelsurium mit schwankender Qualität. Manche erstecken sich über mehrere Bildschirme, dauern etwas länger und regen zum Nachdenken an, andere könnten schon auch dem Wimmelbild-Genre entspringen. Alles in allem sind sie aber abwechslungsreich genug, sodass man gerne den Humor weiter genießt. Und keine Sorge – zu leicht ist das Spiel deswegen nicht. Hauptsächlich sind die Rätsel aber funktional, um dem Spieler Beschäftigung zu geben.

 

Ebenso funktional ist die Geschichte, denn der Fokus liegt, wie vorher erwähnt, auf dem Humor. Großartige Botschaften oder tiefsinnige Gedanken blitzen nur selten hervor. Das Spiel maßt sich diesen Tiefgang auch nicht an. Es bleibt ein klassisches Comedy-Adventure der alten Schule – mit allen Vor- und Nachteilen. In den 5 bis 10 Stunden Spielzeit, je nach Rätselerfolg, ist man nie gelangweilt.

 

 

Die Musik der Cartoon-Serien

 

Evan fällt hin in Irony Curtain
Definitiv kein Reinfall. Die Musik passt stets perfekt.

Neben der passenden Vertonung mit einem wirklich großartig gesprochenen Evan Kovolsky kann auch noch der Soundtrack glänzen. Dieser könnte durchaus der einen oder anderen Cartoon-Serie der 90er entspringen. Fröhliche, verspielte Musik, die sich stets an das Geschehen, die Dramatik und die Komik anpasst. Dazu kommt eine wirklich eingängige Titel-Melodie, die sich im Spiel immer wieder findet, ohne dabei zu stören. Auch hier greifen sie tief in die Trickkiste, denn Märsche, russische Klaviermusik oder Ziehharmonika sind nur einige Versatzstücke, die das Setting passend untermalen. Die Musik zählt somit für mich auch zu den Highlights des Spiels.


Galerien

Fazit:

Wertung: 77%

‘Irony Curtain‘ zeigt, dass das klassische Point&Click-Genre immer noch gut funktioniert. Dabei setzt Artifex Mundi weniger auf Innovation als auf gekonntes Einsetzen von alten Tugenden. Die Musik, die Sprecher und die vielen witzigen Anspielungen formieren den klassischen Tongue-in-Cheek-Humor, der von Klischees und Stereotypen geradezu strotzt, aber dank des frischen Settings nicht überverbraucht ist. Die Rätsel sind zwar recht ordentlich gestaltet, doch die Rätselqualität schwankt manchmal etwas. Bauchschmerzen haben mir lediglich die Bugs zu Release bereitet, denn einige Spieler (inkl. mir) konnten das Spiel aufgrund von game-breaking Bugs nicht beenden. Glücklicherweise passierte das in meinem Fall erst bei der Endsequenz und die meisten, groben Fehler und Stolpersteine sollten mittlerweile beseitigt sein. Davon abgesehen ist ‘Irony Curtain‘ aber ein ordentliches Adventure der witzigen Sorte, das Genre-Fans gefallen wird – sofern sie mit dem Humor zurechtkommen.

geschrieben am 29.05.19, Peter Färberböck

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Dieses Review gehört zu  Irony Curtain.




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