Reviews: The Bradwell Conspiracy:

The Bradwell Conspiracy


Das Londoner Studio A Brave Plan liefert gemeinsam mit Publisher Bossa Studios ein narratives Spiel, das obendrein stark auf Puzzle-Elemente setzt: 'The Bradwell Conspiracy'. Mit Hilfe von Augmented-Reality-Brillen, einem portablen 3D-Drucker und über Funk (mit einer ominösen Mitarbeiterin namens Amber), rätselt sich unsere Spielfigur durch den Firmenkomplex der Firma Bradwell Electronics. Dabei steht Technologie- und Konzern-Kritik im Mittelpunkt und die Ursprünge einer Explosion sind zu klären. Es wird Zeit im Review tiefer hineinzugehen.

 

 

Explosionen bei Stonehenge

 

The Bradwell Conspiracy - Festhalle zerstört
Wir wachen nach einem Anschlag auf. Was ist hier nur passiert?

Alles beginnt mit einem Dröhnen im Kopf und verschwommener Optik. Was ist passiert? Die Bradwell-Smartglasses, die unsere Hauptfigur in diesem First-Person-Abenteuer trägt, berichten von einem Notfall. Im Rahmen einer Einweihungsfeier hat es offenbar eine Explosion gegeben. Der Firmenkomplex liegt in Trümmern und die Mitarbeiter sowie die Gäste wurden evakuiert.

 

Innere Verletzungen haben wir laut dem „Guide“, der Stimme der smarten Brille, keine. Kurz darauf folgt ein erster Bewegungstest: Die motorischen Funktionen sind demnach zwar intakt, aber die Stimmbänder scheinen durchs Rauchgas schwer geschädigt zu sein. Sprechen ist dadurch nicht möglich. 

 

Die Notausgänge im Gebäude sind verschlossen. Plötzlich hören wir eine weitere Stimme: Es ist Amber, die gerade hinter einer verschlossenen Tür steht und mittels Brille mit dir kommuniziert. Gemeinsam will die Spielfigur flüchten, aber irgendetwas ist seltsam. Amber scheint mehr zu wissen. Was steckt hinter diesem Anschlag? Wir werden es herausfinden. Zuerst müssen wir aber den 3D-Drucker beherrschen...

 

Späße mit dem 3D-Drucker

 

The Bradwell Conspiracy - MSP in action
Der 3D-Drucker, kurz MSP, unser Freund und Helfer.

Der sogenannte mobile Substanzprinter (MSP) wird schnell zum Kernelement von 'The Bradwell Conspiracy'. Um einen Abgrund zu überqueren, druckt man sich mit diesem Gerät z.B. Planken aus. Das geht nur dann, wenn man vorher den Bauplan dazu gefunden hat. Dazu kommt, dass das Spiel auf natürliche Weise durch die verschiedenen Gebäudeflügel und Abteilungen im geheimen Kellerlabor in Level aufgeteilt ist. 

 

Verlassen wir einen Bereich, werden auch die Baupläne gelöscht. Beim Knobeln stehen also immer nur die Baupläne des jeweiligen Abschnitts zur Verfügung. Somit sind die Herausforderungen immer neu und die herstellbaren Dinge bleiben für den Abschnitt immer nützlich. Aus einfachen Brücken werden später Gleise, Rohrelemente oder Platinen für Gerätschaften. Für Abwechslung ist somit trotz vermeintlich simpler Mechanik gesorgt. Der MSP ist die Haupt-Interaktionsmöglichkeit mit der Umgebung. Damit lassen sich aber sogar ganze Rätselketten lösen oder per Spiegel-Laser quer durch große Höhlen mehrfach umleiten.

 

The Bradwell Conspiracy - Rohrleitungen
Komplexer als zwei Rohrenden in 3D mit einer begrenzten Anzahl von Rohrelementen zu verbinden wird es nicht.

Neben dem 3D-Drucker gibt es typisch für narrative, explorative Spiele Mails und Notizen zu lesen, Audiologs anzuhören und die Umgebung zu erkunden. So wird das Bild klarer, was Bradwell Electronics wirklich vorhatte und die Immersion verdichtet sich. Schnell fühlt man sich als Teil der Spielwelt. Wer sich durch den Drucker gewaltige Kopfnüsse erwartet, wird allerdings eher enttäuscht. Klar, leichte Nachdenkarbeit ist nötig und vor allem zu Beginn vergisst man einfach, dass selbst das Ausdrucken von Brücken kein Problem ist. Später bildet sich aber ein gewisses Auge für die Rätselmechanik und es geht sehr flüssig durchs Spiel. An die Komplexität eines 'Myst' kommt 'The Bradwell Conspiracy' nicht heran, da sind die Rätsel schlicht zu einfach.

 

Ein weiteres interessantes Element ist das Fotografieren mittels Smart-Brille als Interaktionsmöglichkeit. So schickt man an Amber oder den Guide Informationen und bekommt entsprechende Kommentare dazu geliefert. Das fühlt sich äußerst organisch an und löst das Problem hervorragend, dass durch das geringe Budget einfach keine oder zumindest kaum NPCs möglich sind.

 

Bedingungsloser Fortschritt? Überwachung? Die Story

 

The Bradwell Conspiracy - Alarm im Forschungslabor
Ein geheimer Kellertrakt mit ebenso geheimer Forschung. Da wird doch nichts Verbotenes passieren, oder?

Die Narrative von 'The Bradwell Conspiracy’ ist durchwegs spannend, bietet Raum zum Nachdenken und hat auch einen gewissen Tiefgang. Verschwörungen neigen oft dazu in schlechte Spionagefilme oder abstruse Klischees abzugleiten. Genau das passiert hier nicht. Klar, eine Skepsis gegenüber Fortschritt, totaler Überwachung oder Datenkraken ist nicht neu. Aber gerade letzteres ist heutzutage allgegenwärtig und nahezu jeder große IT-Konzern steht hier in der Kritik. Genau darauf baut das Spiel auf und spinnt die technischen Möglichkeiten nur etwas weiter. Es bleibt dadurch plausibel und (fast schon zu) realistisch und erzeugt so ein gewisses unangenehmes Gefühl. Könnte die Verschwörung aus 'The Bradwell Conspiracy' tatsächlich einmal eintreten? Müsste man hier nicht rechtzeitig einschreiten und als Bürger bewusst aufpassen? Big Brother is watching you.

 

Nach vier bis fünf Stunden beantwortet das Ende genügend Fragen, um befriedigend zu sein und gleichzeitig weiter zum Nachdenken anzustoßen. Für mich war das Gameplay eher der schwächere Teil des Spiels, während mich die Geschichte tatsächlich von Anfang bis Ende überzeugen konnte. 

 

Einziger Wermutstropfen ist das mittlerweile häufig verwendete Thema. Wer über Monopole, Data-Warehousing und seine Risiken eher nichts mehr in der Fiktion hören will, wird bei 'The Bradwell Conspiracy' nicht glücklich. Wer dieses Thema spannend findet, wird hier einen tollen Trip durch die Welt eines Superkonzerns inkl. den Personen dahinter erleben – so ging es mir zumindest.

 

 

Grafisch funktional, großartige englische Sprachausgabe

 

The Bradwell Conspiracy - Grafik in Ordnung
Grafisch in Ordnung. Die Stärken liegen aber in der Story und Sprachausgabe.

Grafisch bietet das Spiel eher abstraktere Kost. Ein auf Hochglanz poliertes perfekt durchdesigntes AAA-Spiel sollte man sich nicht erwarten. Die etwas grobe Darstellung erfüllt ihren Zweck dennoch und stört in den seltensten Fällen. Einzig die bereits angesprochenen reflektierten Laser wurden nicht gerade hübsch umgesetzt. Die Grafik steht aber ohnehin im Hintergrund dieses Abenteuers.

 

Die Sprachausgabe kann sich dafür hören lassen. Amber wird von der bis jetzt noch eher unbekannten Rebecca LaChance großartig und humorvoll vertont. Die Authentizität transportiert sie hervorragend. Der Guide, d. h. die Stimme der Smart-Brille, wird von niemand geringerem als Abubakar Salim gesprochen, der nicht zuletzt als Bayek in 'Assassin’s Creed: Origins' bekannt wurde. Da das die stetigen Begleiter sind, ist man die meiste Zeit mit erstaunlicher, sprachlicher Qualität konfrontiert. Hut ab! Es gibt jedoch nur die englische Sprachausgabe. Deutsche Untertitel sind jedoch vorhanden. An der Wand hängende oder auf Schreibtischen liegende Notizen oder Hinweistafeln sind jedoch auf Englisch gehalten. Um das Spiel völlig zu durchdringen, braucht man deswegen entsprechende Englischkenntnisse.


Galerien

Fazit:

Wertung: 77%

Der Grafik-Stil, das Wort „Verschwörung“ im Titel und der narrative Stil erinnerten mich an 'The Occupation'. A Brave Plan hat jedoch das deutlich ausgereiftere Spiel abliefert. Und wie sie geliefert haben! Geboten wird eine gut geschriebene Story mit herausragenden englischen Sprechern, die von Anfang an fesseln kann. Der 3D-Drucker zum Gegenstände erschaffen ist hingegen eine nette Idee, die durch den niedrigen Schwierigkeitsgrad leider etwas langweilig umgesetzt wurde. Da wäre viel mehr möglich gewesen. Auf ersten Blick schien es eine Art First-Person-Puzzle-Adventure zu sein – tatsächlich ist 'The Bradwell Conspiracy' eher ein narratives Spiel mit einer klug eingebauten, vielseitigen Rätselmechanik.

Die Tatsache, dass unsere Spielfigur stumm ist, wird durch die Kommentare von Amber oder dem Guide mittels Smartbrille geschickt kaschiert. Das wird sogar vom Spiel selbst humorvoll aufgegriffen. Wer die Szene spielt, wo man zum Mitarbeiter von Bradwell ausgebildet wird, wird ebenso nickend lachen. Trotz des ernsten Themas ist das First-Person-Abenteuer nämlich in vielen Momenten ein humorvoller Meta-Kommentar zu heutigen Spielen.

geschrieben am 06.11.19, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
Zur Website
The Bradwell Conspiracy auf Steam


Spiel kaufen

Bei Humble Store kaufen (Affiliate Link)

Dieses Review gehört zu  The Bradwell Conspiracy.




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