Reviews: The House of Da Vinci 2:

The House of Da Vinci 2


 

Mit dem Puzzlespiel 'The House of Da Vinci' haben Blue Brain Games vor drei Jahren via Kickstarter einen kleinen Überraschungserfolg hingelegt – die knackigen Rätsel kamen so gut an, dass mittlerweile der zweite Teil vorliegt. Vorerst ist das Spiel nur via iOS, Android und für Kindle Fire zu haben, eine Portierung auf den PC und die Switch ist bereits angekündigt. Wir haben uns angesehen, ob der Nachfolger mit dem Erstling mithalten kann.


Leonardo, Césare Borgia und ein seltsamer Geheimbund

Da Vinci 2 Screen

Wir müssen aus dem Gefängnis entkommen.

Mussten wir im ersten Teil noch der Spur des genialen Künstlers und Erfinders folgen, so bekommen wir es dieses Mal direkt mit Leonardo zu tun. Wir spielen Giacomo, der aus nicht näher erklärten Gründen in einer Gefängniszelle gelandet ist. Von dort gerät er mehr oder weniger vom Regen in die Traufe: Es stellt sich heraus, dass derjenige, der ihm bei der Flucht geholfen hat, niemand Geringerer ist als der berüchtigte Césare Borgia. Und der hat Giacomo nicht aus lauter Gutherzigkeit unter die Arme gegriffen, sondern erwartet eine Gegenleistung: Giacomo soll sich zu Leonardo da Vinci begeben, dessen kniffligen Test bestehen und als Lehrling aufgenommen werden. In der Folge erwartet Césare Borgia nichts weniger als dass wir den Meister bespitzeln und etwaige spannende Ergebnisse direkt dem skrupellosen Adeligen übergeben.

Im Unterschied zum ersten Teil begegnens wir dieses Mal deutlich mehr Charakteren, allen voran Leonardo selbst, der uns immer wieder Aufgaben überträgt. Schließlich erfahren wir, dass uns ein Geheimbund auf den Fersen ist. Es gilt, ein bestimmtes Buch zu finden. Und dann ist da noch Césare Borgia, der mit den Notizen Leonardos Übles vorhat und aufgehalten werden muss.

Das klingt zwar alles sehr spannend, aber in Sachen Handlung wird leider wieder nur ein sehr dünnes Süppchen gekocht. Wie schon im ersten Teil dient die Handlung mehr als lockeres Gerüst, das die einzelnen Kapitel miteinander verbindet. Es gibt auch immer wieder Bezüge zum Vorgänger, wobei es nicht wichtig ist, den ersten Teil gespielt zu haben. 'The House of Da Vinci 2' ist zwar eine Fortsetzung, aber mehr dem Namen als der Geschichte nach. Am Ende bleiben mehr Fragen offen als beantwortet werden, und der Schluss bietet einen guten Anknüpfungspunkt für einen etwaigen dritten Teil.


Sieht auch auf dem Smartphone gut aus

Da Vinci 2 Screen

Optisch macht das Spiel auch auf dem Smartphone was her.

Optisch orientiert sich das Spiel am Vorgänger und sieht auch auf einem Smartphone-Display richtig gut aus. Die Charaktere sind animiert, die Umgebung bleibt meistens statisch – abgesehen von den unzähligen Mechanismen, mit denen wir es zu tun bekommen. Anders als im ersten Teil bleiben wir nicht an einem Ort, sondern besuchen unter anderem Mailand und Florenz, allerdings ohne, dass wir die Sehenswürdigkeiten dieser Städte zu Gesicht bekommen. Die meiste Zeit verbringen wir nämlich in verschiedenen Räumen und damit, alle möglichen Rätsel zu lösen. Die vielen Mechanismen und Räume wurden mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet, fast überall gibt es etwas zu sehen.

Musik und Hintergrundgeräusche tragen unaufdringlich zur Atmosphäre bei. Ebenfalls über weite Strecken gelungen: die Sprachausgabe auf Englisch, die das Spiel gegenüber dem Vorgänger deutlich aufwertet. Bei dem ein oder anderen Sprecher gibt es noch Luft nach oben, grundsätzlich ist die Vertonung aber in Ordnung. Untertitel können in deutscher Sprache zugeschaltet werden. Mitunter haben sich bei den Untertiteln wie auch den Hilfstexten Tippfehler eingeschlichen. Dem Textverständnis tut das aber keinen Abbruch.

 

Von Schrauben, Türen und Schieberätseln

Da Vinci 2 Screen

Mechanische Rätsel dominieren das Spiel.

Das Herzstück des Spiels sind, wie schon im ersten Teil, die vielen mechanischen Aufgaben. Wir müssen Schlüssel richtig verwenden, komplizierte Mechanismen entschlüsseln, um so an neue Hinweise zu gelangen und mehr als einmal gilt es, einen fehlenden Teil zu finden und einzusetzen. An einer Stelle müssen wir mit Hilfe von Sonnenlicht und Spiegeln eine Reihe von Hinweisen aufdecken, um schließlich eine Tür öffnen zu können, die uns zu weiteren Türen führt. Und die müssen wiederum so angeordnet werden, dass wir weitergehen können. Das ist bisweilen etwas kompliziert, und es ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, welche Logik hinter einer Aufgabe steckt. Aufgrund des kleinen Displays und der etwas ungewohnten Steuerung, die sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert, kann es außerdem passieren, dass man mal einen Hinweis übersieht und dann völlig ratlos vor einem Rätsel steht. Es kommt auch immer wieder vor, dass man zwar genau weiß, was zu tun ist, aber unnötig viel Zeit damit verbringt, herauszufinden, wie man die Aufgabe bewerkstelligt.

Das gilt vor allem für die zahlreichen Schieberätsel, die teilweise unglaublich nervtötend sind (dabei mag ich Schieberätsel). An einer Stelle ist sonnenklar, was zu tun ist bzw. wie das Endergebnis aussehen muss. Der Weg dorthin erfordert allerdings sehr viel Geduld und das bereits erwähnte Fingerspitzengefühl. Eines der mühsamsten Rätsel im ganzen Spiel war für mich persönlich jenes, in dem ein Sternbild erleuchtet werden musste. Das wird mit Hilfe von zwei Rädern bewerkstelligt, die man dreht, sodass die entsprechenden Punkte aufleuchten. Das klingt einfacher, als es ist, denn die beiden Räder heben sich gegenseitig zum Teil wieder auf. Das heißt: Sobald man es geschafft hat, mit Hilfe des einen Rades einen Teil des Sternbilds zu erleuchten, kann ein kurzes Drehen des zweiten Rades den Fortschritt zunichte machen. Obendrein ist der exakte Mechanismus nicht wirklich nachvollziehbar, sodass man eine gehörige Portion Geduld aufbringen und letztlich nach dem Prinzip Trial and Error vorgehen muss. Für den Spielspaß ist das nur bedingt förderlich.

In der Regel sind die Rätsel jedoch sehr logisch aufgebaut. Durch den eingeschränkten Aktionsradius und die wenigen Inventargegenstände, die man in der Regel nicht besonders lange mit sich herumträgt, ist meistens klar, was zu tun ist. Apropos Inventar: Es lohnt sich, jeden neuen Gegenstand erst mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Gegebenenfalls kann man ihn manipulieren oder mit einem anderen Gegenstand zusammensetzen; das Endergebnis wird normalerweise mit der Umgebung kombiniert.

Da Vinci 2 Screen

Sieht einfach aus, kann aber gewaltig nerven.

Hängt man wirklich mal fest, gibt es eine In-Game-Hilfe, die je nach Komplexität einer Aufgabe mehrere Hinweise gibt. Das Timing ist dabei mitunter etwas speziell. Es ist mir mehr als einmal passiert, dass vom Spiel ein Tipp à la „Ich sollte diese Tür öffnen können“ kam, obwohl mir längst klar war, dass ich das zu tun hatte. Teilweise bleibt die In-Game-Hilfe auch etwas vage, an anderen Stellen wiederum teilt sie einem explizit mit, was in welcher Reihenfolge zu erledigen ist. Zum Glück denkt Giacomo meistens mit und hält wichtige Dinge in seinem Notizbuch fest, sodass wir jederzeit auf seine Aufzeichnungen und Skizzen zurückgreifen können. Teilweise kann es auch hilfreich sein, eigene Notizen und Zeichnungen anzufertigen. Dazu steht uns das aus Teil 1 bekannte Oculus Perpetua zur Verfügung, mit dessen Hilfe wir in die Vergangenheit blicken oder ausgewählte Mechanismen wie im Röntgen betrachten können. Beide Funktionen sind extrem hilfreich, allerdings nicht uneingeschränkt einsetzbar. Das wäre dann doch etwas zu einfach.


Galerien

Fazit:

Wertung: 75%

Wie schon der erste Teil, überzeugt 'The House of Da Vinci 2“ vor allem mit den durchdachten, kniffligen mechanischen Rätseln. Sie sind ganz klar die Stärke des Spiels, wobei der Schwierigkeitsgrad etwas niedriger angesetzt ist als beim Vorgänger. Wir bewegen uns aber immer noch im gehobeneren Bereich - wirklich einfach sind nur wenige Aufgaben.

Die Story ist leider wieder etwas dünn geraten, obwohl Potenzial für eine packende Geschichte da wäre. Die Interaktion mit zusätzlichen Charakteren und die Vertonung der Dialoge sollten Blue Brain Games unbedingt beibehalten, vielleicht sogar etwas ausbauen und verbessern. Teilweise wären klarere Hinweise auf die Lösung einer Aufgabe schön gewesen, bei der In-Game-Hilfe hätte außerdem eine etwas größere Schrift geholfen. Die oft winzigen Buchstaben speziell bei mehrzeiligen Hinweisen strengen die Augen nämlich extrem an. Es empfiehlt sich daher, 'House of Da Vinci 2' am Tablet oder iPad zu spielen. Oder man wartet auf die Portierung auf PC bzw. Nintendo Switch. In jedem Fall kann man mit 'House of Da Vinci 2' gut und gerne sechs bis acht Stunden oder mehr verbringen, je nachdem, wie rasch man auf die richtige Lösung kommt.

Fazit von Matthias Glanznig: Die erste Hälfte des Puzzle-Sequels hat mir spielerisch gesehen sehr gefallen. Selbst die Geschichte war in dieser Phase vielversprechend. Leider lässt der Einfallsreichtum bei den Rätseln später etwas zu wünschen übrig. Auf pingeliges Absuchen der Umgebung sowie fade Schieberätsel und dergleichen hätte ich zwischendurch gerne verzichtet.

Obendrein vermochte mich die antiklimaktische Auflösung der Geschichte nach knapp über fünf Stunden Spielzeit nicht zu überzeugen. 'The House of Da Vinci 2' ist jedoch ohnehin nicht die Art von Spiel, die man wegen des Inhalts spielt. Die Rätsel stehen eindeutig im Fokus und die sind, trotz Schwächen, in Summe gut gelungen. Fans des unterhaltsamen Vorgängers können somit bedenkenlos zugreifen.

geschrieben am 16.03.20, Susanne Lang-Vorhofer

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Dieses Review gehört zu  The House of Da Vinci 2.




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