Reviews: Jack Keane:

Jack Keane


Eigentlich müsste unser erstes Review des Jahres in die Rubrik "Nachgefasst" gehören, denn seit dem Release im August 2007 ist doch schon wieder ein ganzes Quartal ins Land gezogen. Aber welches wenn nicht ein so außergewöhnliches Spiel wie 'Jack Keane' verdient eine so exponierte Rezension? Jack Keane hat alles, was ein richtig cooler Held braucht: ein Schiff, eine ausgewachsene Akrophobie und ein Tattoo an einer höchst verfänglichen Stelle. Kaum ein Spiel wurde im letzten Jahr so durch alle Medien gehyped wie 'Jack Keane' vom deutschen Entwickler Deck 13. Selbst chronisch überkritische Printmagazine ließen sich zu Begeisterungsstürmen hinreißen und lobten Jack Keane in den Adventure-Olymp. Ob der junge Held auch uns den Kopf verdreht hat, erfahrt ihr, wenn ihr weiter lest.


Jack, Jack, Who the Heck is Jack?

Jack, ein Held wie er im Buche steht, möchte man meinen, er hat alles, aber auch wirklich alles, was ein richtiger Held so mitbringen muss: einen nur scheinbar einfachen Auftrag, eine geheimnisvolle Vergangenheit, ein Tattoo an einer äußerst delikaten Stelle und natürlich einen unverwechselbaren Charme. Bereits zu Beginn des Spiels wird der Spieler mit Jacks Wesen und Leben konfrontiert. Ein Typ, der Ärger anzuziehen scheint, ein sympathischer Tunichtgut und Kapitän einer Schrottkiste, die nur noch entfernt an ein Schiff erinnert, der sich mit mehr oder weniger legalen Mitten mehr oder weniger gut über Wasser hält. Ein Typ, der sich des breiten Spektrums an Humor von subtil bis Slapstick bedient, als sei er allein dazu geboren. Ein Typ, dem selbst an einen Stuhl gefesselt noch ein flotter Spruch auf den Lippen liegt und der begnadet zu sein scheint, sich selbst immer tiefer von einem Schlamassel ins nächste zu manövrieren. Sprich: Ein absoluter Vorzeige-Adventure-Antiheld.
Kaum ist unser Jack jedoch den hartnäckigen Schlägertypen in London entkommen, wird er gleich daraufhin angeheuert, an einer Mission im Auftrag ihrer Majestät mitzuwirken, die ihn und seine Reisebegleiter – mit Umweg über Südafrika - schließlich auf die Insel des Doktor T führt, dessen Machenschaften es auszuspionieren gilt. Im Laufe der Reise trifft Jack denn auch nicht nur auf zahlreiche illustre „Nebencharaktere“, sondern wird schließlich auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.
Zweiter teilweise spielbarer Charakter ist eine junge Dame namens Amanda, ihres Zeichens Tochter auf Abwegen und als einziger „Yankee“ prädestiniert für den Umgang mit Schusswaffen. Mit ihr darf denn die Story auch ein wenig von der anderen Seite betrachtet werden, denn sie arbeitet für den mysteriösen Doktor T, für den unser Held Jack schnell zu einem lästigen Widersacher wird, den es aus dem Weg zu räumen gilt. Wie gut das allerdings funktioniert bleibt abzuwarten.

Klicken und Hüpfen und Springen

Steuerungs- und Gameplaytechnisch knüpft Jack Keane nahtlos an seine Entwicklungsvorgänger aus der erfolgreichen 'Ankh'- Reihe an und setzt neben schmucker 3D- Grafik auf eine klassische Point & Click Steuerung mit intelligentem Maus-Cursor. Heißt im Klartext, statt über ein Submenü die Aktion auszuwählen, wie z.B. bei 'Monkey Island 3' oder dem kommenden 'A Vampyre Story', reicht ein einziger Rechtsklick und die passende Aktion wird ausgeführt. Per Linksklick können Jack oder auch Amanda Dinge in Augenschein nehmen und einen der meist perfekt pointierten Kommentare abgeben. Dank der sehr einfachen Steuerung, die auch für ungeübte Adventurespieler keine zusätzliche Schwierigkeit darstellen sollte, steht dem Spielspaß nicht viel im Weg. Leicht getrübt wird das Gesamterlebnis allerdings durch relativ viele Wege, die schnell auch mal in Klick-Orgien ausarten, auch wenn ein Doppelklick den jeweiligen Charakter zumindest laufen lässt. Auch die nicht immer perfekt positionierten Kameras sind manchmal ein Ärgernis, wenn zahllose Klicks benötigt werden, um Jack von A nach B zu führen. Ach ja, keine Angst wegen der Überschrift, Klettern und Springen muss Jack zwar im Laufe des Spiels immer mal wieder, allerdings reicht auch hier ein Mausklick, um ihn in die gewünschte Aktion ausführen zu lassen.

Kombiniere...

Auch die Rätsel wurden in erster Linie auf Spielbarkeit und Spielfluss hin ausgerichtet, nach kontextfreien Logik- oder Schalterrätseln und überschweren Kopfnüssen sucht man hier vergebens. Die überwiegend objektbasierten Rätsel sind immer logisch und gut in die Story und die jeweilige Szene eingebunden, so dass auch Einsteiger keine allzu großen Schwierigkeiten haben sollten. Mit fortschreitender Spielzeit und somit auch Spielerfahrung steigt zwar auch der Schwierigkeitsgrad, bleibt aber insgesamt durchaus überschaubar ohne offensichtlich zu sein. Einen tollen Ansatz bieten auch die verschiedenen möglichen Lösungen für ein Rätsel, auch wenn hier durchaus noch mehr drin gewesen wäre, da die Möglichkeiten dann doch eher bescheiden sind und in erster Linie Absicherungen gegen Dead-Ends zu sein scheinen. So kann Jack zum Beispiel in Kapstadt im Abenteurer-Geschäft aus einer Auswahl von vier Gegenständen, die alle im Laufe des Spiels noch benutzt werden müssen, nur drei auswählen. Auswirkungen hat dies allerdings dank der erwähnten Alternativen nicht, so dass sich der Spieler keine Gedanken über Showstopper etc. machen muss.
In jedem Kapitel sind zudem verschiedene Bonusgegenstände versteckt. Findet man all diese Gegenstände, erscheint ein neuer Charakter in Jacks Wachsfigurenkabinett, mit passendem Spruch von Jack - versteht sich. Ab einer bestimmten Anzahl freigespielter Charaktere lässt sich der sogenannte Historische Modus einschalten, hinter dem großen Namen verbirgt sich allerdings auch nicht viel mehr als ein Grafik-Gimmick, soviel sei verraten. Sicher ein netter Zusatz, ein extra Schmunzler, aber auch nicht mehr. Angesichts eines so durchweg stimmigen und gut durchdachten Rätseldesign fallen jedoch Kleinigkeiten, die man sonst übergehen und maximal in einem Nebensatz erwähnen würde, gleich doppelt auf und ins Gewicht. So auch das folgende Beispiel, über welches man eigentlich nur stolpern kann und es im ersten Moment als Bug abtut, weil die Lösung gerade in dem Kontext schwer unlogisch erscheint. Der Spoiler Faktor hält sich in Grenzen, wer aber vollkommen unbeleckt an das Spiel herangehen möchte, sollte den folgenden Absatz vielleicht einfach überspringen.
Als Beispiel soll hier auf die Sequenz in der Hotellobby eingegangen werden, in welcher Jack den Stern des Hotelchefs mit der Asche eines Räucherstäbchens verschmutzen und ihn dadurch zum Reinigen desselben zwingen muss. In derselben Szene ist es möglich, den Hotelier abzulenken, um zwei Reinigungsmittel miteinander zu vertauschen. Den Stern, und das ist der Knackpunkt an der Sache, kann man in einem solchen Ablenkungsmoment nicht verschmutzen. Angesichts der breit und ausführlich erklärten, etwas merkwürdigen bis ungesunden Bindung des Hoteliers an seinen geliebten Stern erscheint es denn doch ein wenig unlogisch, dass er sich nicht daran zu stören scheint, wenn unser frecher Held das Teil einfach vor seinen Augen beschmiert.
Nun gut. Schwamm drüber. In jedem anderen Spiel würde man sich an einer solchen Kleinigkeit wahrscheinlich kaum stoßen, aber gerade der Kontrast zum ansonsten grandios durchdachten Spielprinzip lässt diese Kleinigkeit gleich doppelt hässlich auffallen.

Oh wie schön ist...

In punkto Grafik kommt 'Jack Keane' in schicker, bunter Comic-3D-Grafik daher. Mag der eine noch unken, mit der Engine sei noch so viel mehr an Effekten drin, kann 'Jack Keane' gerade hier im grafisch wenig verwöhnten Adventuregenre voll punkten. Durch zahlreiche, ausgesprochen liebevoll designte und absolut opulente Locations vom viktorianischen London, Kapstadt bis hin zu der beinahe paradiesischen Insel Tooth Island führt die Reise durch eine Fülle an neuen Locations. Stilsicher und durch viele liebevolle Details aufgearbeitet, bekommt jede Location ihren eigenen Charme und dank zahlreicher Hintergrundanimationen, wie sich im Wind wiegendes Gras an der Küste oder Fische im Wasser, auch Leben eingehaucht. Auch die tollen Charaktere, sowie das Spiel mit allerlei Shadern, Tiefenunschärfen und Blur-Effekten unterstreichen nur den guten grafischen Eindruck von 'Jack Keane'. Was will man also mehr? Die Frage ist leicht beantwortet, denn inmitten der grafischen Pracht und Vielfalt finden sich leider auch immer wieder schrecklich verwaschene, hässliche Texturen die den Gesamteindruck trüben.
Den Hut darf man vor den Jungs von Deck 13 trotzdem auf jeden Fall ziehen, nicht nur in Bezug auf Grafik, sondern auch auf Stabilität und flüssigen Spielablauf. Hier haben die Jungs seit 'Ankh' einen so großen Sprung gemacht, wie sonst kein anderer Adventure-Entwickler. So konsequent wie hier die Kinderkrankheiten ausgetrieben wurden, wie auch mit Hinblick auf die Community und auch auf Reviews verbessert wurde, ist wirklich mehr als vorbildlich. Ein bisschen Meckern kann man zwar immer, zum Beispiel an Ladezeiten, die gerne etwas kürzer hätten ausfallen können, aber alles in allem kann man wirklich nur staunen über so viel positive Entwicklung.

Hochglanz, Hochglanz, Hochglanz, Baby!

Auch wenn namhafte Sprecher nicht gleichbedeutend mit einer grandiosen und vor allem passenden Vertonung sind, ist die Rechnung im Fall 'Jack Keane' voll aufgegangen. Hervorzuheben ist da zunächst David Nathan, in der Community am bekanntesten als Samuel Gordon aus 'Black Mirror', bzw. als deutsche Stimme von Schauspielgrößen wie Johnny Depp oder Christian Bale, der Jack mit soviel Einfühlungsvermögen und subtilem Humor spricht, dass es eine wahre Freude ist, einfach nur zuzuhören. Auch die Nebencharaktere allen voran Montgomery, gesprochen von Thomas Danneberg, der deutschen Stimme von 'Monty Python'- und 'Ein Fisch namens Wanda'-Star John Cleese hätte nicht besser besetzt werden können. In weiteren Nebenrollen sind unter anderem auch "Guybrush Threepwood" Norman Matt oder Bianka Krahl, die deutsche Stimme von Hollywood-'Monster' Chalize Theron zu hören. Große Namen, nichts desto trotz stimmt an der Synchronisation von 'Jack Keane' einfach alles, wie viel Herzblut hier investiert wurde, hört man zwischen den Zeilen auf jeden Fall deutlich heraus. Angesichts der reichhaltigen Syncho stehen Musik und Umgebungssound zwar mehr im Hintergrund, müssen sich aber auf keinen Fall verstecken. Der sehr gezielt eingesetzte Soundtrack bewegt sich sehr gut zwischen dramatisch unterstreichend und unauffälliger Hintergrundmusik und erinnert hier und da an bekannte Themen aus berühmten Abenteuerfilmen. Ganz großes Kino.


Galerien

Fazit:

Wertung: 88%

Hat 'Jack Keane' uns also den Kopf verdreht? Nun,nichts ist schwieriger, als eine objektive Rezension zu einem Spiel zu schreiben, das nicht nur im Vorfeld gehypt wurde, sondern auch in den überkritischen Printmedien über den Klee bejubelt wurde. Es stellt sich die Frage, ob man mit dem Trend gehen und in höchsten Tönen loben, oder eher leise kritische Töne anschlagen sollte. Umso schwieriger, wenn es sich als so kompliziert herausstellt, tatsächlich harsche Kritik zu üben, weil eigentlich alles richtig gemacht wurde. Bei keinem und zwar ausnahmslos keinem Entwickler konnte man bisher derartige Verbesserungen von einem zum nächsten Spiel so deutlich und klar feststellen wie bei den Jungs von Deck13. Die Nähe zu den Wünschen der Community, die Liebe zum Detail und zum geschmacklich fein nuancierten Humor, sind wirklich bisher unübertroffen. Wir erhoffen uns also für die Zukunft, dass sich die Jungs in diesem Punkt treu bleiben und sich andere Entwickler eine ähnliche Philosophie zulegen. Wir würden uns auf jeden Fall freuen. Für 'Jack Keane' also abschließend: Fünf Daumen nach oben und vielen Dank für rund 20 Studen erstklassige Unterhaltung.

Fazit von Matthias Mangelsdorf:

Mit 'Jack Keane' hat sich Deck 13 endgültig auf der Liste der ganz großen Adventurestudios verewigt und avanciert zu einer Marke, deren Abenteuerspiele man ungesehen kaufen kann. Eine spritzige Story voller Humor, sympathische Helden mit tollen Sprechern, moderne Grafik und passende Geräuschuntermalung – bei 'Jack Keane' stimmt fast alles. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass der Ansatz mit den multiplen Lösungswegen konsequent fortgeführt wird und noch häufiger zum Einsatz kommt. Auch etwas mehr Feintuning bei der Hotspotanzeige und kürzere Ladezeiten wären wünschenswert. Da diese Kleinigkeiten den Spielspaß aber nur minimal trüben, kann man 'Jack Keane' allen Spielern humorvoller Adventures uneingeschränkt empfehlen. Ich freue mich bereits auf das nächste Spiel des Frankfurter Entwicklerstudios.

geschrieben am 10.01.08, Ulrika Tegtmeier

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP / Vista
PIV 2GHz CPU
512MB RAM
1500MB HD
3-D-Karte
Offizielle Homepage
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