Reviews: The Franz Kafka Videogame:

The Franz Kafka Videogame


Wenn ein Spiel mit dem Namen Franz Kafka im Titel aufgeigt, dann weckt das zumindest bei mir entsprechende Erwartungen. Das Werk Kafkas zeichnet sich ja nicht unbedingt durch geradlinige, realistische Erzählungen aus, im Gegenteil: So abstrus sind die meisten seiner Geschichten, dass mit „kafkaesk“ ein eigenes Adjektiv geschaffen wurde, um diese Art von Erzählung zu beschreiben. Entwickler mif2000 hat also eine nicht ganz leichte Bürde zu schultern, zumal das Spiel bereits 2015 (!) vorab als „Game of the Year“ ausgezeichnet wurde und die ein oder andere Vorschusslorbeere erhalten hat. Wir haben uns für Euch angesehen, ob 'The Franz Kafka Videogame' diesen Erwartungen gerecht werden kann.


 

Ich will kein Käfer sein...

kafka screens

Ein seltsames Wesen...

Protagonist des Spiels ist K., verlobt mit der liebreizenden Felice und von Beruf Psychiater irgendwo in Böhmen. Weil er finanziell nicht sonderlich gut da steht, sind Felices Eltern gegen die Verbindung der beiden Liebenden. Wie gut, dass sich eines Tages ein mysteriöser Geselle bei K. einfindet und ihm erklärt, er sei von der Castlock Corp. angeheuert worden. Die hat ihren Sitz im fernen Amerika und will K. dermaßen gut bezahlen, dass er Felice ein schönes Leben bieten wird können. Und noch ehe er sich's versieht, befindet sich unser Held auf einer absurden Reise nach Amerika, wo ihn weitere schräge Erlebnisse erwarten.

Das Ende der kurzweiligen, voller Anspielungen auf Kafkas Werk gespickten Story kommt nach gut zwei Stunden etwas abrupt und hebt die kafkaesken Momente in gewisser Weise wieder etwas auf. Vermutlich war es den Entwicklern wichtig, ein „richtiges“ Ende zu bieten, das obendrein einigermaßen überraschend ausfällt.

Was mir besonders gut gefallen hat, waren die unzähligen Anspielungen auf Kafkas Werke. Das beginnt schon mit dem Protagonisten, K., der nach der Hauptfigur aus „Der Proceß“ benannt ist. Die Castlock Corp., die Reise nach Amerika, ein seltsamer Heizer und natürlich ein menschengroßes Insekt – das sind alles Elemente, die sich in Kafkas Erzählungen oder Romanen wiederfinden. Zwar ist es nicht notwendig, alle Werke gelesen zu haben, um Gefallen an dem Spiel zu finden, aber wenn man zumindest ein, zwei Erzählungen und vielleicht einen der Romane kennt, dann macht das Spiel gleich noch mehr Spaß.


Und, wie sehe ich aus?

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Die gelungene Optik nimmt Anleihen bei "Twin Peaks".

Grafisch hat mir 'The Franz Kafka Videogame' ausnehmend gut gefallen. Die Grafik kommt im Comiclook daher, ohne albern zu wirken, und erinnert an Aquarelle. Die zahlreichen Schauplätze sind liebevoll gestaltet, und auch wenn sich kaum etwas rührt – mit Action im Hintergrund darf man nicht rechnen -, so ist die Optik doch sehr gelungen und weiß zu gefallen. Jeder Charakter hat sein unverwechselbares Äußeres erhalten (top: die Umsetzung von Gregor Samsa, dem Protagonisten aus 'Die Verwandlung'), an einer Stelle finden sich Anleihen an 'Twin Peaks', es gibt schräge Vögel (im wahrsten Sinn des Wortes), fliegende Schiffe, Theaterbühnen, übereinander gestapelte Fernseher in einer Wüste... kurz: Es gibt immer was zu sehen.

Es gibt auch einiges zu hören. Zwar fehlt eine Sprachausgabe – Dialoge werden ausschließlich in Sprechblasen angezeigt, wobei man neben Englisch auch andere Sprachen wie z.B. Deutsch auswählen kann -, dafür ist die Musik umso hörenswerter. Meistens dominieren Piano- und Celloklänge, hin und wieder wird auch heftig getrommelt, und an einer Stelle schleicht sich etwas Jazz ein. Die Hintergrundgeräusche werden der jeweiligen Szenerie angepasst und halten sich dezent im, nun ja, Hintergrund.


Schieben, tippen, Spiegelschrift – die Rätsel

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Unterschreiben Sie bitte hier - gar nicht so einfach.

Die Aufgaben, die uns in 'The Franz Kafka Videogame' gestellt werden, sind in der Regel nicht sonderlich schwierig zu lösen, erfordern es allerdings mitunter, dass man etwas um die Ecke denkt. Normalerweise kommt man mit schnöder Logik gut voran, an einigen Stellen hat Trial & Error gut funktioniert. Hängt man mal, kann man oben rechts auf ein Fragezeichen klicken. Dann startet ein zweieinhalbminütiger Countdown auf einem Notizblock; am Ende dieses Countdowns – der im Hintergrund weiterläuft, während man am jeweiligen Rätsel herumprobiert – bekommt man den ersten von zwei Tipps. Hat man die Lösung dann noch immer nicht raus, gibt’s nach einem weiteren Countdown einen zweiten Tipp, der oft die exakte Lösung enthält.

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Wer nicht weiter weiß, kann auf Tipps zurückgreifen.

Die Rätselbandbreite kann sich durchaus sehen lassen: Es gibt Schieberätsel, wir müssen einen Buchstaben auf einer Schreibmaschine tippen (das ist nicht ganz so einfach, wie es klingt), den Weg durch eine alte Mine finden, eine Uhr mehr oder weniger reparieren, Hindernisse aus dem Weg räumen (an einer Stelle blockiert z.B. eine Kuh die Eisenbahnschienen und muss irgendwie weggeschafft werden), man darf sich duellieren, in Spiegelschrift üben, Formulare ausfüllen, es gibt zwei kleine Brettspiele – fad wird es also nie. Dabei ist das Gameplay sehr simpel gehalten. Alles, was man benötigt, ist die linke Maustaste. Damit kann man auf Gegenstände klicken, in einigen Fällen auch Objekte am Bildschirm verschieben oder manipulieren – fertig. Mehr Gameplay gibt es nicht. Weder müssen wir ein Inventar vollstopfen noch gibt es ein ausgefeiltes Dialogsystem noch müssen wir, um ein Rätsel lösen zu können, von Pontius zu Pilatus rennen. Ist ein Screen abgearbeitet – das erkennt man in der Regel daran, dass das zu lösende Rätsel bewältigt wurde -, geht’s weiter zum nächsten, wo wieder ein Rätsel wartet und so weiter. Das klingt monotoner, als es ist, da sich mif2000 doch einiges hat einfallen lassen, um Abwechslung in die Rätselkost zu bringen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 73%

Ich muss zugeben, dass ich an 'The Franz Kafka Videogame' herangegangen bin, ohne etwas darüber zu wissen. Mir hat bereits die Information genügt, dass da jemand auf Basis von Kafkas Werken ein Spiel geschaffen hat, um zu wissen: Das muss ich ausprobieren. Abgesehen von dem etwas abrupten Ende gibt’s nichts auszusetzen. Die kafkaesken Elemente sind im Überfluss da, die Grafik ist schön anzusehen, die Musik unterstreicht die schräge, aber doch auch ruhige Atmosphäre, und die Rätsel sind problemlos zu schaffen. Mit zwei Stunden ist das Spiel etwas kurz ausgefallen, was man einem Indie-Adventure aber glaube ich nachsehen kann. Ob die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt waren? Da bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher. Die „Game of the Year“-Auszeichnung von Intel ® Level Up ist vielleicht nicht unbedingt der größte Gefallen, den man dem Entwickler tun konnte, schießen dadurch doch die Erwartungen erst recht in die Höhe. Das wird bei dem ein oder anderen Spieler für Enttäuschung sorgen, und das finde ich dann doch sehr schade. Denn unterm Strich bleibt ein sehr schräges, empfehlenswertes Indie-Adventure, das bei manchen vielleicht auch die Neugier auf Kafkas Werke weckt.

geschrieben am 06.04.17, Susanne Lang-Vorhofer

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