Previews: Midnight at the Celestial Palace:

Midnight at the Celestial Palace


Unter Indie-Entwicklern scheinen Episodenspiele gerade sehr beliebt zu sein. Auch Orrery und Blip Haus folgen diesem Trend, allerdings geben sie sich nicht mit einem klassischen Point-and-Click-Adventure in Episodenform zufrieden. 'Midnight at the Celestial Palace' ist vielmehr auch ein Musical-Adventure. Die Entwickler versprechen interaktive Songs, eine spaßige Story, unterhaltsame Rätsel und eine tolle Optik. Klar, dass wir uns das nicht haben entgehen lassen. Wir haben die erste Episode von 'Midnight at the Celestial Palace' für Euch genauer unter die Lupe genommen.




Von Bademänteln und Ottern

Palace Screen

Willkommen in Dreamania, Greg!

Das Spiel hält sich nicht lange mit Schnickschnack auf: Nach einer kurzen Einführung durch einen unsichtbaren Erzähler treffen wir auch schon auf Greg. Greg ist 37, trägt am liebsten einen nicht grade sauber aussehenden Bademantel und verbringt seine Tage vorzugsweise auf einer ebenfalls nicht unbedingt hygienisch wirkenden Couch, wobei er abwechselnd Nickerchen macht oder fernsieht. Gegessen wird entweder Pizza oder der All-Time-Klassiker „Toastbrot mit Ketchup“. Greg lebt also mehr oder weniger fröhlich in den Tag hinein und hat, wie uns der Erzähler gleich zu Beginn verrät, nicht wirklich eine Perspektive bzw. jede Hoffnung aufgegeben, jemals von Bedeutung zu sein. Der gestandene Adventurespieler kann sich denken, dass das nicht so lange bleiben wird und dass die erste Aufgabe – gib Greg etwas zu essen und schick ihn dann ins Bett – nur das Vorspiel bildet.

Tatsächlich dauert es nur wenige Minuten, bis wir die Bekanntschaft von Gregs Sidekick machen. Sir Squiggles ist ein Otter in Wamst und mit Hut, und weil das noch nicht schräg genug ist, stammt Sir Squiggles aus dem fernen Land Dreamania. Oh, und er ist ein Ritter, wie der Titel „Sir“ vermuten lässt. Dreamania befindet sich in ernstlicher Gefahr, und nur Greg kann diese Gefahr abwenden. Greg, im Glauben, noch tief und fest zu schlafen und dabei einen schrägen Traum zu haben, willigt nach der ersten Gesangseinlage mehr oder weniger ein und schwupps, sind wir in Dreamania. Worin die Gefahr besteht und warum die Prinzessin – denn natürlich gibt es eine Prinzessin – ausgerechnet nach Greg geschickt hat, müssen wir selbst herausfinden, wobei uns Sir Squiggles stets zur Seite steht.

Palace Screen

Piratenkneipe mal anders...

Im ersten Kapitel des insgesamt dreiteiligen Adventures gilt es zunächst, zum Titel gebenden Palast zu gelangen, was sich als nicht so einfach herausstellt. Denn mysteriöse Abgründe durchziehen das Land, das Meer gilt als auch nicht gerade sicher – kurz, Greg und Sir Squiggles müssen einige Hindernisse bewältigen und decken so nebenbei das ein oder andere Geheimnis auf. Kapitel 1 endet mit einem zwar vorhersehbaren, aber doch gut gemachten Cliffhanger, der definitiv Lust auf mehr macht.

 

 

So schön lila... und so musikalisch!

Wenn eine Farbe die Optik von 'Midnight at the Celestial Palace' dominiert bzw. als eine Art Leitfarbe gesehen werden kann, dann ist das eindeutig die Farbe Lila. Es ist den Entwicklern dabei gelungen, einen Overkill zu vermeiden und jeden Screen individuell zu gestalten. Grafik-Fetischisten werden vermutlich verächtlich die Nase rümpfen, kommt 'Midnight at the Celestial Palace' doch eher schlicht und auch ein klein wenig retro daher. Allerdings, und das kann man gar nicht ausdrücklich genug betonen, merkt man der Comic-Grafik an, wie viel Liebe hineingesteckt wurde. Gerade die Hintergründe sind bezaubernd.

Die Anzahl der Schauplätze, die wir im ersten Kapitel besuchen dürfen, ist beachtlich und reicht von Gregs Wohnung über einen relativ düsteren Wald, eine schräge Taverne und geheimnisvolle Höhlen bis hin zur Behausung einer Dame mit ausgeprägter Begeisterung für Katzen oder ein sehr schräges Schlachtfeld.

Bei den Charakteren wurde auf Individualität geachtet – und auf Vielfalt. Neben Sir Squiggles macht Greg die Bekanntschaft weiterer sprechender Tiere. Er trifft koffeinsüchtige Piraten, eine etwas schräge Katzenlady, Barden, einen Sternendeuter, unmotivierte Museumsmitarbeiterinnen... kurz, es tut sich was in Dreamania. Da stört es auch nicht weiter, dass die Charakteranimationen mitunter etwas hölzern wirken oder beim Sprechen die Lippensynchronität nicht unbedingt gewährleistet ist.

Wunderbar gelungen ist die Vertonung derzeit nur auf Englisch (deutsche Untertitel können zugeschaltet werden). Die Sprecher machen ihre Sache allesamt sehr gut, lediglich der Sprecher von Sir Squiggles fällt mitunter durch etwas gar quietschige Töne auf. Aber gut, Squiggles ist auch ein Otter, da kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Palace Screen

Das Inventar befindet sich in Gregs Bademantel.

Die Gesangseinlagen schwanken qualitativ stark. Während Greg relativ souverän seine Stücke herunterträllert, macht sich bei Squiggles die bereits erwähnte Quietschigkeit bemerkbar, und ein Barde in einer Taverne trifft so gar keinen Ton – wobei das so gewollt ist. Die Musikstücke sind auch nicht sonderlich komplex; ich hatte vielmehr den Eindruck, dass sie ganz bewusst Musicalsongs persiflieren sollen. Wenn das die Absicht war, dann ist das gut gelungen. Schade nur, dass der Anspruch, ein Musical-Adventure zu sein, mit grade mal drei Songs (die übrigens über das Hauptmenü jederzeit abgerufen werden können) nicht so ganz erfüllt wird. Gut gefallen hat mir die Interaktivität bei den drei Gesangseinlagen. Während Squiggles' Text vorgegeben ist, kann man bei Greg auswählen, welche Textzeile er als nächstes singen soll. Dadurch ist zumindest bei den Songs durchaus ein Wiederspielwert gegeben, auch wenn sich die Grundaussage der einzelnen Lieder nicht großartig verändert.

Gut geworden sind auch die Dialoge, die von Anfang an vor Humor nur so sprühen. Die Sprecher, die teilweise mehrere Rollen übernommen haben, verleihen dabei den unterschiedlichen Emotionen gekonnt Ausdruck; so darf Greg beispielsweise mit beißendem Sarkasmus glänzen, was vor allem in Verbindung mit den Musicalsongs gut funktioniert. Squiggles wiederum befleißigt sich einer eher gestelzten Ausdrucksweise – ein Ritter eben. Wortwitz, Sarkasmus, Späßchen über andere Adventures bzw. deren Rätsel sind an der Tagesordnung und tragen enorm dazu bei, dass man an diesem Spiel einfach Spaß hat. An einigen Stellen musste ich laut lachen, etwa, wenn eine Hommage an einen Adventure-Klassiker zwar sehr offensichtlich, aber mit einem schrägen Twist umgesetzt wurde oder ein bestimmtes Rätsel aus der 'Gabriel Knight'-Reihe durch den Kakao gezogen wird.

 

Wir rätseln uns durch Dreamania

Palace Screen

Squiggles ist beim Schieberätsel behilflich.

Apropos Rätsel: Die Aufgaben, die Greg und Squiggles im ersten Kapitel bewältigen müssen, sind größtenteils klassischer Natur und immer logisch in die Handlung eingebaut. Wer gut aufpasst, findet genügend Hinweise, um eine bestimmte Aufgabe lösen zu können. Oft hilft auch ein Blick ins Inventar, das erfreulich überschaubar bleibt. Unerlässlich: den Charakteren genau zuzuhören, wenn sie beispielsweise einen Kommentar zu einem bestimmten Gegenstand abgeben. Die meiste Zeit steuern wir Greg per Point and Click, hin und wieder dürfen wir auch die Kontrolle über Squiggles übernehmen.

Die Rätselbandbreite ist zumindest in Kapitel 1 noch überschaubar. Vieles lässt sich über Dialoge lösen, dazu kommen klassische Inventarrätsel („Benutze Gegenstand A mit B“), die nicht sonderlich schwierig sind. Etwas aus der Reihe fällt ein eigenwilliges Schieberätsel, für das es zwar eine Hilfestellung gibt, die aber erst dann hilfreich ist, wenn man kapiert hat, wie das Rätsel funktioniert. Besagtes Schieberätsel war das einzige, für das ich länger gebraucht habe, der Rest ließ sich mit etwas Nachdenken problemlos schaffen. Der Umstand, dass es an manchen Orten nur wenige Hotspots gibt und/oder wir nicht weg können, kann bei der Bewältigung einer Aufgabe ebenfalls hilfreich sein. Der Schwierigkeitsgrad schwankt zwischen einfach und mittel, wobei das schon sehr hoch gegriffen ist. Ich bin gespannt, ob in den folgenden beiden Kapiteln noch knackigere Aufgaben folgen.





Galerien

Fazit:

Wertung: Sehr gut

Mit dem ersten Kapitel von 'Midnight at the Celestial Palace' haben Orrery und Blip Haus einen extrem unterhaltsamen, liebevoll gestalteten Auftakt der dreiteiligen Reihe vorgelegt. Die Grafik ist bezaubernd, die Steuerung intuitiv, die Charaktere sind witzig und einfach liebenswert. Mit dem sprechenden Otter Sir Squiggles ist einer der lustigsten und knuffigsten Sidekicks der Adventure-Geschichte gelungen. Dazu gesellt sich eine erstaunlich gute Vertonung mit leicht schrägen Tönen in den Gesangseinlagen, eine atmosphärisch passende Musik und eine Geschichte, von der man unbedingt wissen will, wie es denn nun weitergeht. Etwas schade finde ich, dass das Versprechen, ein Musical-Adventure vorzulegen, nicht ganz eingehalten wurde – drei Gesangsnummern in rund vier Stunden Spielzeit sind dafür etwas mager. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich freue mich jedenfalls auf die Kapitel 2 und 3.

geschrieben am 16.03.17, Susanne Lang-Vorhofer

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