Reviews: Milkmaid Of The Milky Way:

Milkmaid of the Milky Way

Ein hartes Leben, viel Arbeit, keine Zukunftsperspektive und obendrein ganz allein – die junge Heldin des Indie-Retro-Adventures 'Milkmaid of the Milky Way' führt nicht unbedingt das, was man ein spannendes Leben nennt. Entwickler Mattis Folkestad verspricht ein herzerwärmendes Abenteuer mit handgefertigter Grafik im Stil der 1990er Jahre. Wir haben uns angesehen, ob das Adventure hält, was es verspricht.


 

Holy cow!

Milkmaid Screen

Ruths Hauptverantwortung liegt bei ihren Kühen.

Das Jahr: 1929. Das Land: Norwegen, genauer gesagt, Calf Ledge, eine kleine Farm auf einem Berg hoch über einem Fjord. Hier lebt die junge Ruth, die beide Elternteile verloren hat – die Mutter ist verschwunden, der Vater nach längerer Krankheit verstorben. Ruth, die früher gerne zur Schule gegangen ist und auch eine gute Schülerin war, muss sich nun allein um die Milchfarm der Eltern kümmern. Immer wieder fragt sie sich, ob das wirklich das Leben ist, das sie sich wünscht. Täglich müssen die Kühe gemolken werden, sie muss Butter und Käse herstellen, die sich aber immer schlechter verkaufen, weil die Menschen zunehmend auf Margarine setzen. Die Stadt ist drei Stunden Fußmarsch entfernt, ihre Kühe kann Ruth nicht allein lassen. Als eines Tages ein riesiges Raumschiff auftaucht und Ruths Kühe entführt werden, wird Ruths Leben komplett auf den Kopf gestellt.

Die Geschichte ist aufgrund der Kürze des Spiels nicht besonders komplex ausgefallen, reißt aber einige interessante Themen an: Jugendwahn ist ebenso ein Thema wie Unterdrückung, aber auch die individuelle Freiheit spielt eine große Rolle – nicht nur für Ruth, sondern auch für andere Charaktere, denen sie begegnet. Eng damit verwoben ist die Frage, wo eigentlich der für einen selbst am besten geeignete Platz im Leben bzw. im Universum ist, und obwohl die Story bzw. deren (offenes) Ende größtenteils durchaus vorhersehbar ist, gelingt es Folkestad, dem Ganzen eine gewisse Tiefe zu verleihen, die mich an 'Milkwaid of the Milky Way' am meisten beeindruckt hat. Auch einen kleinen Twist hat der Solo-Entwickler eingebaut, bei dem zumindest ich mich gefragt habe, ob der dadurch herbeigeführte Zustand womöglich bis zum Ende des Spiels so bleiben würde.


Pixel hier, Pixel da, Pixel überall!

Milkmaid Screen

Was es wohl mit diesem Stein auf sich hat?

Die Grafik ist zunächst einmal Geschmacksache – den Retro-Pixel-Look wird nicht jeder toll finden. Ich muss zugeben, dass ich damit stellenweise auch meine Probleme hatte und mir einfach mehr Details gewünscht hätte, als Folkestad umsetzen konnte. Was ihm trotz der pixeligen Optik erstaunlich gut gelungen ist: Speziell Ruths Gesicht kann Emotionen vermitteln, wenn auch eingeschränkt und mit relativ einfachen Mitteln. So zeigen hellblaue Flecken unter Ruths Augen an, dass sie gerade weint, ein weit aufgerissener Mund mit ebenso aufgerissenen Augen spricht für sich. Dazu gesellt sich hin und wieder auch ein Lächeln.


Die Hintergrundgrafik hat mir größtenteils sehr gut gefallen, und für so ein kurzes Spiel werden einem erstaunlich viele unterschiedliche Screens geboten. Das fängt mit der Farm an und der Gegend rund um den Fjord – beides bekommen wir sowohl tagsüber als auch nachts zu sehen – und geht über gelungene Außenaufnahmen des Raumschiffs bis hin zu zahlreichen individuell gestalteten Räumen innerhalb des Schiffs. Es gibt unter anderem eine Küche, einen Maschinenraum, eine Art Hauptsaal, eine Schneiderei, eine Krankenstation und herrschaftliche Gemächer. Bei den Charakteren ist es Folkestad gut gelungen, sie trotz der pixeligen Grafik so zu gestalten, dass man sofort erkennt, mit wem man es gerade zu tun hat – Individualität wird groß geschrieben, auch in optischer Hinsicht.

Beim Soundtrack dominieren elektronische Töne, die je nach Schauplatz und Situation wechseln können. Ohrwurmqualität würde ich dem Soundtrack nicht unbedingt zuschreiben, was aber auch daran liegen mag, dass ich mit elektronischer Musik und Synthesizern herzlich wenig anfangen kann. Hintergrundgeräusche werden sparsam eingesetzt – es gibt das Plätschern von Wasser, das Geräusch von Schritten, das Quaken eines Frosches, Schraubgeräusche und dergleichen mehr. Auf eine Sprachausgabe müssen wir verzichten. Dafür gibt es englischsprachige Untertitel und Texte in Ruths Tagebuch, die komplett in Reimform verfasst sind. Das klappt zum überwiegenden Teil sehr gut, mitunter hatte ich aber schon den Eindruck, dass Folkestad einen Reim mehr oder weniger erzwungen hat. Dem Spielspaß hat das aber keinen Abbruch getan.


Und, wie spielt sich's?

Milkmaid Screen

In Gesprächen können wir Ruths Tonfall festlegen.

Das Gameplay ist denkbar simpel gehalten: Pulsiert der Cursor, können wir an der betreffenden Stelle entweder etwas tun oder uns dorthin bewegen bzw. einen Gegenstand aufheben. Dazu benötigen wir lediglich die linke Maustaste. In Dialogen haben wir bisweilen die Möglichkeit, Ruths aktuelle Stimmung festzulegen. So kann sie reserviert, ängstlich, ehrlich oder vage antworten, sie kann betteln, sie kann sich aber auch widersetzen. Speziell gegen Ende hin hat die getroffene Wahl unmittelbare Auswirkung auf die Handlungen eines anderen Charakters – es lohnt sich also, hier ein wenig herumzuprobieren. Die Dialoge können im übrigen mit Klick übersprungen werden.

Die Rätsel sind äußerst einfach gehalten und somit sehr einsteigerfreundlich. Wir müssen Käse und Butter herstellen, eine Kuh retten, einen Weg ins Raumschiff finden, eine andere Figur ablenken, um etwas klauen zu können, und vor allem müssen wir die Gegenstände in unserem Inventar korrekt einsetzen. Dabei verschwinden Objekte, die man bereits verwendet hat und die nicht mehr benötigt werden, umgehend aus dem Inventar, sodass dieses angenehm überschaubar bleibt. Wo was eingesetzt werden muss, ist in der Regel leicht ersichtlich. Nur selten muss man wirklich länger überlegen, um auf die Lösung zu kommen. Normalerweise helfen in solchen Situationen Gespräche mit den anderen Charakteren weiter, die einem kleinere Aufgaben übertragen, wodurch die Geschichte vorangetrieben wird. Es ist auch hilfreich, sich alles – wirklich alles – genau anzusehen und sich Ruths Kommentare durchzulesen, da hier meistens schon Hinweise darauf enthalten sind, was als Nächstes zu tun ist.

Milkmaid Screen

Dieses Raumschiff wirbelt Ruths Leben durcheinander.

Schwierige Aufgaben gibt es nicht. Auch ein Game Over ist nicht möglich. Es gibt eine Stelle, an der Timing wichtig ist, falsch machen kann man hier aber nichts. Auch für den „Endkampf“, wenn man so will, hat man praktisch alle Zeit der Welt. Weiß man nicht weiter, kann man getrost nach dem Prinzip „Trial and Error“ vorgehen, indem man alle Inventargegenstände durchprobiert. Eine spielerische Herausforderung ist 'Milkmaid of the Milky Way' damit nicht, aber gestört hat mich der niedrige Schwierigkeitsgrad auch nicht. Im Gegenteil: Die simplen Aufgaben ermöglichen einem ein relativ rasches Durchspielen, sodass sich das Spiel wunderbar für Zwischendurch eignet.


Fazit:

Wertung: 73%

'Milkmaid of the Milky Way' ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Da wäre zum einen die Pixel-Grafik, bei deren Anblick mir als Erstes der Gedanke „Oh nein, nicht schon wieder Retro“ durch den Kopf geschossen ist. Auch die einfachen Rätsel werden Adventure-Profis nicht sonderlich fordern. Das Indie-Adventure punktet dafür mit einer liebevoll ausgearbeiteten, auf das Wesentliche reduzierten Geschichte, die mir wirklich gut gefallen hat. Ruth habe ich sofort ins Herz geschlossen, und das, obwohl sie nur über Untertitel zu einem „spricht“, man sich also Stimme und Tonfall selbst dazudenken muss. Solo-Entwickler Mattis Folkestad ist gerade im Hinblick auf die Zeichnung seiner Heldin in kleines Kunststück gelungen. Selten war mir eine Figur so sympathisch wie Ruth, und selten habe ich so mitgelitten. Der Fokus des Spiels liegt ganz klar auf Story und der liebenswerten Ruth. Da fällt es nicht weiter ins Gewicht, dass Optik und Synthesizer-Sound anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sind. Die Spieldauer beläuft sich auf zwei Stunden, was bei einem Preis von aktuell acht Euro völlig in Ordnung geht.

geschrieben am 17.01.17, Susanne Lang-Vorhofer

Systemanforderungen Weitere Links
Betriebssystem: Windows 7
Prozessor: Intel Core Duo
Arbeitsspeicher: 2 GB RAM
Grafik: Intel HD 4000
DirectX: Version 9.0c
Speicherplatz: 1 GB verfügbarer Speicherplatz
Soundkarte: Built In
Offizielle Homepage
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Dieses Review gehört zu  Milkmaid Of The Milky Way.




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