Reviews: The Wardrobe:

The Wardrobe


Unzählige Adventures zählen die alten LucasArts Klassiker als Inspiration auf. 'The Wardrobe' heftet sich diese Adventures genauso ans Banner und zeichnet durch den tiefschwarzen, politisch inkorrekten und bewusst bösartigen Humor durchaus Parallelen auf. Schnell fällt auf, dass das kleine italienische Team C.I.N.I.C. Games bewusst erwachsene Spiele kreieren will. Dazu mischen sie noch klassische und teilweise absurde Rätsel hinzu, die mit der Komplexität der legendären Spiele ebenso mithalten können. Die reine Anzahl von 70 verschiedenen Charakteren im Spiel, mit denen zum Großteil interagiert werden kann, zeigt ebenso die großen Ambitionen der Italiener auf. Wir sehen uns an, ob diese gewagte Mischung funktioniert.


 

Freundschaft bis in den Tod

{Beschreibung der Grafik}

Durch eine Pflaume zum Skelett

Es beginnt mit der Freundschaft von Ronald und Skinny. Gemeinsam gehen sie durch dick und dünn und so kommt es eines Tages zum gemeinsamen Picknick. Ronald hat dafür Pflaumen mitgebraucht und beide essen jeweils eine. Zu dieser Zeit wussten sie jedoch nicht, dass Skinny hochgradig allergisch auf Pflaumen reagiert. Prompt fällt er tot um und Ronald muss damit leben, dass er seinen besten Freund versehentlich getötet hat. Der schockierende Moment währt nur kurz, denn Skinny steht als Skelett wieder auf und wohnt fortan im Kleiderschrank seines besten Freundes. Dieser weiß jedoch nichts von seinem Schutzskelett. Der Protagonist ist aber dazu gezwungen sich seinem Freund zu offenbaren und Ronald dazu zu bringen, dass er jemand anderem von diesem Unfall erzählt. Ansonsten wartet die ewige Verdammung auf Ronald. Das klingt gar nicht so schwer und wäre schaffbar. Aber Skinny wartet so lange bis das Umzugskommando vor der Tür steht und das Haus räumen soll. Er muss ungesehen mitkommen, samt seinem Kleiderschrank. Das Abenteuer beginnt.



Achtung, bissiger Humor

{Beschreibung der Grafik}

Nein, hier gibt es keine Anspielungen zu sehen

Schon der Beginn zeigt, dass die Entwickler ihre Ankündigung ernst meinten und der Humor alles andere als zahm ist. Unweigerlich muss man diese Art des Humors mögen, sonst hat man nur wenig Spaß mit dem Spiel. Deswegen vorab eine Warnung und man sollte vielleicht kurz ein Video zum Spiel ansehen, bevor man zuschlägt. Zugegeben, manchmal funktionieren die Gags sehr gut und Lachen ist vorprogrammiert. Manchmal fühlt es sich aber auch einfach wie eine Ohrfeige an und kann durchaus zum Fremdschämen sein. Dabei reicht die Bandbreite vom Osterinsel-Kopf mit Duckface durch die vielen Fotos, über diverse Klischees hin zu zig Anspielungen auf andere Popkultur-Phänomene. Filme, Spiele oder Musik. Egal was, es wird sicherlich kurz zitiert und erwähnt. Selbst Stanley Laurel und Oliver Hardy kommen vor. Es ist für fast jeden Geschmack etwas dabei. Deswegen wirken manche Hintergründe auch schon fast überladen, denn die kleinen Details ufern geradezu aus. Weiters muss man damit zurechtkommen, dass die Spielfigur gerne den Spieler als dumm darstellt und abfällige Kommentare bei Aktionen sowie Gesprächen mit anderen Charakteren macht. 



Anspruchsvolle Rätselkost

{Beschreibung der Grafik}

Den Brustkorb, bzw. das Inventar, sehen wir sehr oft

Die Rätsel lassen sich jedoch sehen und sind auch für manch Veteranen durchaus eine Kopfnuss. So muss man beispielsweise durch die Zeit reisen, um aus reifen Früchte wieder giftige Samen zu machen, um wiederum eine fleischfressende Pflanze zu töten, die einen Safe bewacht. Das war es dann aber noch nicht, denn da fehlt die Kombination. Die Rätsel sind zum Teil äußerst absurd und man muss schon einmal um die Ecke denken, um der Lösung auf den Grund zu gehen. Manche Rätselketten ziehen sich außerdem über einen beträchtlichen Teil des Spiels hin. Bei einer Spielzeit um die acht Stunden kann ein Rätsel uns also über Stunden begleiten. Dafür muss man für die meisten Rätsel nur Gegenstände aus dem Inventar mit der Spielumgebung verwenden, oder sie vorher zu etwas sinnvolles zusammenbasteln. Die Vielfalt hält sich also in Grenzen. Die Steuerung ist für Veteranen ebenso gewohnte Kost, denn mit dem Mausrad öffnet sich Inventar und Menü und mit Rechtsklick öffnet sich das Menü für die Interaktionsmöglichkeiten Ansehen, Nehmen, Benutzen oder Sprechen. Ein Linksklick bewegt Skinny und er wechselt bei Doppelklick auf Ausgänge schnell den Bildschirm. Das normale Gehen ist gefühlt aber etwas zu langsam und oft ertappte ich mich dabei, ungeduldig mehrfach an Stellen zu drücken, rein aus der Hoffnung, dass er sich doch schneller bewegen kann.



Überragende Musikauswahl, interessanter Stil

{Beschreibung der Grafik}

Kleopatra darf natürlich auch nicht fehlen

'The Wardrobe' zeigt in hervorragendem Sinne, was ein guter Soundtrack aus einem Spiel machen kann. Dabei spielt der Soundtrack alle Stücke: Rock, Jazz oder Electro. Alles ist vorhanden und kann durch Qualität und gute Anpassung ans Spielgeschehen überzeugen. Am Ton wurde aber auch nicht alles perfekt gemacht, denn vor allem Skinnys Stimme wirkt etwas schwach aufgenommen, denn ein ständiger Hall zieht sich durch die Tonaufnahmen. Außerdem ist sie stellenweise auch leicht übersteuert aufgenommen und wird für die audiophilen Spieler sicherlich schmerzhaft anzuhören sein. Für die Sprachausgabe sind Italienisch und Englisch verfügbar. Dafür wird es bald u.a. deutsche Untertitel geben. Die Comicgrafik hat ihren eigenen Stil und ist sehr ansehnlich. Wie bereits erwähnt, wird das aber durch die überladenen Szenerien etwas gedämpft. Wer gerne Anspielungen hat, soll aber unbedingt die einzelnen Hintergründe genau absuchen, denn es sind einige Perlen und Schenkelklopfer versteckt. 



Witzig und sehr weit hergeholt

{Beschreibung der Grafik}

Zu Beginn will man oft nur ausschalten

Der Kern eines Adventures ist meist die Geschichte, die sich aber vor allem am Anfang des Spiels nicht entfalten will. Die ersten Stunden schleppen sich förmlich dahin. Der spätere Spielverlauf wird dafür deutlich abwechslungsreicher und weiß durchaus zu gefallen. Das Grundproblem kann das Spiel aber nie überwinden, denn die Geschichte ist sehr abstrus und von schrägen Momenten geradezu durchzogen. Ernstnehmen kann man sie nicht und witzige Elemente werden immer wieder eingestreut. Eigentlich sollte man aber den besten Freund des Protagonisten retten. Das habe ich während des Spiels sogar vergessen, denn mein Hauptziel war ein völlig anderes. Erst zum Schluss wurde das wieder klarer. Das Spiel vermittelt aber auch fast gar nichts zu Ronald und so bleibt er ein farbloser Charakter, der gerettet werden will. Man macht es dann einfach Skinny zu Liebe. Auch wenn dieser nicht sonderlich liebenswert ist. Die Motivation besteht also darin, die abstrusen Rätsel zu lösen und den Humor zu genießen. Mehr nicht.


Galerien

Fazit:

Wertung: 69%

Erwachsener Humor, ein interessanter Zeichenstil und gute Musik. Ja, das kann doch nur ein gutes Spiel werden. Mit dieser Motivation ging ich ans Spiel heran und mir wurde in den ersten Stunden geradezu der Teppich unter den Füßen weggezogen. Ja, manche Gags fand ich lustig, auch wenn sie wirklich zum Teil sehr, sehr anstößig waren. Ja, die Rätsel waren auch spannend und einiges an Denksport war nötig, um durchzukommen. Aber die Geschichte konnte mich von Anfang an nicht abholen. Erst im zweiten Teil des Spiels werden die Umgebungen deutlich vielfältiger und dann kommt auch etwas mehr Spaß auf. Bis dahin verging aber schon so viel Zeit, dass das Spielerlebnis kaum mehr gerettet werden konnte. Wer gern derben Humor hat und anspruchsvolles Rätseln liebt, kann hier durchaus einen Blick riskieren. Eine vorantreibende Geschichte braucht man aber nicht zu erwarten. Es bleibt ein humorvolles Adventure, das gerne hervorstechen möchte, aber nicht aus dem Mittelmaß herauskommt.

geschrieben am 05.03.17, Peter Färberböck

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Dieses Review gehört zu  The Wardrobe.




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