Reviews: Old Man's Journey:

Old Man's Journey


Themen wie das Leben an sich, falsche Entscheidungen, Verlust und Hoffnung stehen im Mittelpunkt des Indie-Spiels 'Old Man's Journey' des Wiener Studios Broken Rules. Dabei soll sich der Spieler ganz auf die Geschichte konzentrieren, Rätsel, so die Ansage, sollen eher in den Hintergrund treten, und Druck wird schon gar keiner auf die Spieler ausgeübt. Stressfreies Spielen ist also angesagt. Wir haben uns angesehen, wie gut das funktioniert.

 

Old Man Journey


Der alte Mann und seine Geschichte

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Mit diesem Brief wird die Handlung in Gang gesetzt.

Alles beginnt ganz harmlos: Der Postbote bringt einem alten Mann, der in einem etwas windschiefen Haus auf einer Klippe wohnt, einen Brief. An sich nichts Ungewöhnliches, doch die Lektüre des Briefs veranlasst den Mann dazu, sofort sein Bündel zu schnüren und sich auf die Reise zu begeben. Was in dem Brief steht, erfahren wir nicht, und da es auch kein Inventar gibt, haben wir keine Möglichkeit, nachzuschauen. Also bleibt uns nur eines: Wir begleiten den Protagonisten, dessen Namen wir übrigens ebenfalls nicht erfahren, auf seiner Reise über Stock und Stein, übers Meer und durch die Luft.

Während der Reise kommen immer wieder Erinnerungen in dem Mann hoch. Diese Erinnerungen – wir ahnen es bereits – werden einerseits seine Geschichte rekonstruieren und andererseits mit ziemlicher Sicherheit eine Erklärung sowohl für den Inhalt des Briefs als auch den Grund der Reise liefern. Die Story ist dabei ab einem bestimmten Punkt vorhersehbar, was aber nicht weiter stört. Auch der Umstand, dass die Geschichte im Kern nicht unbedingt das Rad neu erfindet, stört nicht. Das liegt in erster Linie daran, dass über die Flashbacks, die man so lange am Schirm behalten kann, wie man möchte, ein gutes Gefühl dafür vermittelt wird, was in der Vergangenheit eigentlich passiert ist und auch, warum es passiert ist. Die Auswirkungen einer Entscheidung, die offenbar Jahrzehnte zurückliegt, sorgen für eine melancholische Grundstimmung, die sich durch das gesamte Spiel zieht.


Der alte Mann, die Grafik und die Musik

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In der Grafik steckt eine Menge Liebe zum Detail.

Optisch ist 'Old Man's Journey' ein wahrer Augenschmaus, sofern man mit liebevoll gezeichneter, detaillierter Comicgrafik etwas anfangen kann. Die Optik ist bunt, ohne kitschig zu wirken, die Schauplätze sind vielfältig: Vom Haus des alten Mannes über ein Hotel, Wiesen und Wasserfälle, Schifffahrten, Ballons, verlassene Ruinen und Züge ist so ziemlich alles dabei. Auch das Wetter ändert sich: Dominiert anfangs noch warmer Sonnenschein, so geraten wir später in ein übles Gewitter und einen Sturm. Auch Unterwasser dürfen wir uns umschauen. Dabei können wir per Mausklick verschiedene Gegenstände in der Umgebung bewegen bzw. in Bewegung versetzen: Klicken wir beispielsweise auf eine Wäscheleine, dann fängt diese an, sacht im Wind zu schaukeln. Klicken wir auf eine Schafsherde, dann wechselt diese den Standort. Wenn wir es wollen, bewegt sich also dauernd etwas. Zusätzlich bekommen wir fließendes Wasser, aber auch das rauschende Meer zu sehen, Gewitterwolken, Blitze, Vögel am Himmel – die Liebe zum Detail ist unverkennbar und hat mit am meisten Spaß gemacht.

Akustisch beschränkt sich das Spiel auf Musik und Hintergrundgeräusche; eine Sprachausgabe gibt es nicht. Auch Dialoge, die wir vom Bildschirm ablesen müssen, fehlen. Die Geschichte wird also rein visuell erzählt, untermalt von stimmungsvoller Musik, die mal von Gitarren, mal von einem Klavier und ein anderes Mal wieder von einem Akkordeon dominiert wird. Dazu gesellen sich vielfältige Hintergrundgeräusche wie das Läuten einer Glocke, das Blöken von Schafen, Donnergrollen, das Plätschern von Wasser, rauschender Wind oder auch einfach nur das Geräusch eines fahrenden Autos.

Der alte Mann und das Gameplay

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Die Landschaft kann mit Hilfe der hellen Linien angepasst werden.

Minimalistisch gehalten ist das Gameplay; wir benötigen lediglich die linke Maustaste. Klicken wir auf einen Punkt in der Landschaft, dann erscheint ein Wegweiser, der anzeigt, dass unsere Spielfigur sich an diesen Ort bewegen kann. Dabei müssen wir die Landschaft immer wieder so verändern, dass wir den alten Mann auch weiter auf seiner Reise begleiten können. Dazu ziehen wir mit der Maus ganze Hügel nach oben oder unten, schaffen Hindernisse aus dem Weg, indem wir sie einfach anklicken oder vertreiben Schafe, die den Weg blockieren. Rätsel im herkömmlichen Sinn gibt es nicht. Die Hauptaufgabe ist es, dem Protagonisten einen Weg durch die ständig wechselnde Landschaft zu bahnen, egal, ob er zu Fuß, mit dem Zug, dem Heißluftballon oder einem Schiff unterwegs ist. Anfangs ist das relativ einfach, es gibt aber auch Orte, an denen es mit ein bisschen Ziehen nicht getan ist und wo wir die Spielfigur zwischen mehreren Ebenen hin- und herbewegen müssen, ehe wir ans Ziel kommen. An einigen Orten müssen wir außerdem bestimmte Gegenstände anklicken, um eine Rückblende auszulösen. 

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Während der Zugfahrt müssen wir die Landschaft formen.

Mehr ist dann auch nicht zu tun. Es gibt kein Inventar, es gibt keine klassischen Rätsel zu lösen. Wir marschieren einfach nur an der Seite des namenlosen alten Mannes durch die Lande, passen diese seinen Bedürfnissen an und erleben seine Vergangenheit, bis wir endlich am Ziel sind. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, und es gab Stellen, die etwas langatmig schienen. So muss man unter anderem eine Zugfahrt absolvieren, die gut und gerne fünf Minuten dauert und die spielerisch keine Herausforderung darstellt. Die Grundidee, das Gameplay auf das Manipulieren der Landschaft zu reduzieren, hat mir jedoch ausnehmend gut gefallen, weil es mal was Anderes ist. Allerdings erschwert es auch die exakte Zuordnung zu einem Genre. Da hilft nur eines: Schubladendenken über Bord werfen.

Ein Wort noch zum Thema Speichern: Pro Level legt das Spiel automatische Speicherstände ab, sodass man, falls man wirklich mal festhängt (etwa in einer Schafsherde), über das Optionsmenü das jeweilige Level neu starten kann. Selbst speichern kann man dagegen nicht, und auch der Ausstieg aus dem Spiel gestaltet sich etwas kompliziert: Befindet man sich im Optionsmenü mit den automatischen Speicherständen, dann kann man das Spiel nur via Task Manager verlassen. Gerüchten zufolge soll auch die Tastenkombination Alt + F4 funktionieren.


Galerien

Fazit:

Wertung: 73%

'Old Man's Journey' erzählt eine berührende, melancholische Geschichte und beschränkt sich dabei auf das Notwendigste: Die liebevoll gestaltete Comicgrafik wird von stimmungsvoller Musik unterstützt, das Gameplay ist auf wenige Elemente reduziert. Die Intention des Wiener Studios Broken Rules ist es ganz klar, die Spieler dazu zu bringen, sich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen. Das funktioniert auch zum überwiegenden Teil sehr gut. An manchen Stellen hätte ich mir trotzdem etwas mehr Tiefe gewünscht, mehr Aufgaben und vielleicht den einen oder anderen Dialog. Dennoch muss man seinen Hut ziehen. Eine Geschichte derart reduziert zu erzählen, schafft auch nicht jeder. Durch die einfachen, sich wiederholenden Aufgaben ist das Spiel überdies sehr einsteigerfreundlich geworden, und mit einer Spielzeit von ein bis zwei Stunden eignet es sich wunderbar für einen regnerischen Nachmittag.

geschrieben am 16.06.17, Susanne Lang-Vorhofer

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Dieses Review gehört zu  Old Man's Journey.




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