Storyteller-Reviews: Remember Me:

Remember Me


Bereits 2008 waren die französischen Entwickler von Dontnod Entertainment mit ihrem aufwändigen Cyberpunk-Action-Adventure 'Remember Me' beschäftigt - selbst Quantic Dream ('Heavy Rain') soll übrigens ein wenig involviert gewesen sein. Auf den ersten Blick macht die Story jedenfalls einen vielversprechenden Eindruck: Ein Konzern, der die Population durch Erinnerungen kontrolliert, eine Gedächtnisjägerin mit Gedächtnisverlust und die Suche nach der eigenen Identität. Wir haben den durch Capcom vertriebenen SciFi-Titel als Auftakt für einen Relaunch unserer Storytellers-Rubrik ausgewählt und für Euch gründlich unter die Corner-Lupe genommen...

 


Trust US – We won't forget YOU

Remember Me

Memorize ist überall

Neo-Paris 2084. Der gewaltige Konzern Memorize hat die Gesellschaft wirtschaftlich, politisch und sozial fest im Griff. Sein Geschäft dreht sich um Erinnerungen. So kann jeder Bewohner an diversen Cash-Automaten bequem und schnell positive oder negative Erinnerungen loswerden, die dann gespeichert und weiterverkauft werden. Der Slogan von Memorize ist prägnant und allgegenwärtig: „Trust us, we won't forget you“. Für den kognitiven Transfer wird eine eigens entwickelte Sensen-Technologie eingesetzt: Fast die gesamte Population verfügt über ein Gehirn-Implantat, das den Upload ermöglicht. Allerdings nutzt Memorize dieses hochmoderne System auch gezielt dazu, jeden Widerstand im Keim zu ersticken und so die eigene Macht langfristig zu sichern.

 



Gedächtnisjägerin im Kampf für eine bessere Welt?

Remember Me

Nilin, die Gedächtnisjägerin

Rebellen werden in dieser Welt sprachlich geschickt Erroristen genannt. In selbige Kategorie fällt auch unsere Protagonistin Nilin. Ein Großteil ihres Gedächtnisses wurde bereits zwangsweise im Gefängnis entwendet. Ohne die Hilfe des Erroristen-Führers Edge, wären ihr wohl auch die letzten Reste genommen worden und sie hätte ein ähnliches Schicksal erlitten, wie alle Gefangenen der Anstalt, deren Widerstand so gebrochen wurde. Warum Edge sich ausgerechnet um ihre Wenigkeit bemüht, liegt ganz einfach in Nilins Fähigkeiten begründet: Nicht nur kann sie Erinnerungen rauben, sie kann diese auch beliebig ändern und neu abmischen. Dieses seltene Talent macht die kämpferisch Gedächtnisjägerin zur wertvollen Geheimwaffe. Edge will Memorize durch ihre Hilfe zu Fall bringen und so das Feuer der Rebellion entfachen. Nilin will ihr Gedächtnis zurück, ihre Identität. Zunächst scheinen diese Ziele höchst kompatibel. Mit der Zeit mehren sich allerdings Zweifel... sogar an der eigenen Person.

 


1984 - 2084

Remember Me

Nilin verschafft sich bequem Zugriff zum Gedächtnis dieser Frau

Die Cyberpunk-Dystopie 'Remember Me' erzählt eine spannende, temporeiche Geschichte. Der Mensch wird sozusagen als Summe seiner Erinnerungen definiert und wer diese Erinnerungen kontrolliert, steuert folglich die Persönlichkeit. So wie ein Feind durch gezielte Manipulation der Erinnerungen zum Freund werden kann, funktioniert dasselbe auch umgekehrt. Inspiration zum Spiel stammt beispielsweise von Orwells '1984' und dieses literarische Meisterwerk ist wohl der Grund, warum wir uns ausgerechnet im Jahr 2084 befinden. Die Form der Kontrolle ist bei 'Remember Me' freilich nicht so sehr psychologisch und weniger linguistisch, sondern vor allem technologischer Natur. Erschreckend ist jedenfalls die Freiwilligkeit, mit der viele Bewohner ihre Erinnerungen preisgeben und die blinde Sucht nach fremden Erinnerungen, die manche in den Verlust der Identität treibt. Wahrscheinlich wäre es keine große Kunst, hier eine philosophische Brücke zum Eskapismus der Gegenwart zu schlagen. 'Remember Me' wagt sich nicht in solche Sphären und bleibt innerhalb der Grenzen des dennoch unterhaltsamen Mainstreams.

 


Let's FIGHT

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Kid Xmas ist einer von vielen Level-Endbossen

Die spielerischen Vorbilder tragen wiederum Namen wie 'Tomb Raider' oder 'Batman – Arkham Asylum', wobei auf Stealth-Einlagen verzichtet wird. Das Gameplay legt den Schwerpunkt auf Kampf und Klettereinlagen. Anfänglich verfügt Nilin lediglic über zwei Basis-Schläge und die Möglichkeit zu Springen. Später wird dieses Spektrum durch zeitlich begrenzte Spezial-Techniken erweitert (z.B. überproportionale Kraftsteigerung, Logik-Bomben und vieles mehr). Konfrontationen laufen vorwiegend im Stil eines Arena-Kampfes ab, wo mehrere Gegner frontal attackieren. Viel Raum für individuelle Strategien gibt es nicht. Zugleich zählt 'Remember me' zu jener Sorte Action-Adventure, wo man sich nie zu früh freuen sollte, wenn ein Gegner endlich K.O. geht - häufig ist das nur die Aufwärmrunde. Insbesondere die Bosse erfordern recht unterschiedliche Herangehensweisen. Der Schwierigkeitsgrad ist auf normaler Stufe relativ fordernd und kann selbst während des Spielens jederzeit hinauf oder hinunter korrigiert werden. Wer im Kampf stirbt, hat gerade bei Endgegnern gute Chancen, nicht alles noch einmal machen zu müssen und mittendrin mit voller Lebensenergie fortsetzen zu dürfen – allerdings nur sofern das Spiel zwischendurch nicht beendet wurde.

 


Kombo-Lab

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Und so sieht das Kombo-Lab aus...

Von gewohnten Action-Adventures unterscheidet sich das sogenannte Kombo-Lab, dasdas Herz dieses Spiels ist: Nilin sammelt im Spielverlauf Fähigkeitspunkte, die dazu dienen, Impressionen freizuschalten (z.B. Kraft und Regeneration), die dann zu speziellen Kampf-Kombinationen miteinander verkettet werden. Dadurch ist es z.B. möglich, eine Kampf-Kombo zu basteln, die Nilin neue Lebensenergie verschafft und/oder die langsame Erholung von den verfügbaren Spezialtechniken beschleunigt. Besonders effektive Kombinationen setzen voraus, dass wir uns eine lange Tastenverkettung am Gamepad (oder alternativ auch via Tastatur) merken und diese im Kampf korrekt ausführen. Das Kombo-Lab braucht Nilin primär deshalb, weil die Kämpfe lange dauern können, die Gedächtnisjägerin nicht automatisch neue Lebensenergie sammelt und die Spezial-Techniken sich nur langsam regenerieren. Sehr viel mehr bringt es allerdings in den meisten Fällen nicht.

 


Stoff für die Hirnzellen?

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Zu diesem Zeitpunkt der Erinnerung können wir zwei Objekte beeinflussen

Im Rahmen einer Adventure-Seite drängt sich zwangsläufig die Frage auf, ob abseits solcher Kampf-Taktiken auch geistige Herausforderungen geboten werden. Gerade hier schwächelt 'Remember Me' - trotz ansprechender Ansätze. Das am Papier auffälligste Feature ist wohl die Veränderung, also das Neu-Abmischen von Erinnerungen. Bei diesem Aufgabentypus sehen wir zunächst die Ausgangs-Erinnerung. Lassen wir diese nun langsam vor- und zurückspulen, erkennen wir auffällige Unregelmäßigkeiten im Bild, Störungen. Sie deuten auf Objekte hin, die auf vorgegebene Weise manipulierbar sind. Aus einer Auswahl an Objekten wählen wir somit also die richtigen aus, damit das vorgegebene Ziel eintritt. Eigentlich eine witzige Angelegenheit. Da es in der Praxis aber kaum interagierbare Elemente gibt, liegt die Lösung entweder sehr nahe oder Versuch und Irrtum werden für wenige Minuten zum tragenden Spielprinzip. Noch dazu kommen wir bis zur Halbzeit gerade dreiimal in diesen kurzen Genuss.

 

 

 

Sammelbares und Reminiszenen

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Reminiszenen weisen uns den Weg...

Ähnlich wie in vielen Genre-Vertretern sind einige Sammelobjekte quer über die Levels verstreut. Findet Nilin genug davon, kann das dazu genutzt werden, ihre Fähigkeiten zu erweitern. Hinweise zum Versteck liefern spezielle Bildschirme. Darauf ist das Bild eines Ortes zu sehen und der Gegenstand wird markiert - diese Abbildung soll sich der Spieler dann merken, sonst wird die Suche bedeutend schwerer. Narrativ haben besagte Fundstücke freilich keinerlei Relevanz und für das Fortkommen spielen sie keine wesentliche Rolle. Generell versucht 'Remember Me' den Aspekt der Erinnerung recht verschiedenartig ins Gameplay hinein zu schweißen. So gilt es einige Male sogenannte Erinnerungs-Reminiszenen zu verfolgen - das sind Erinnerungen, die vergangen Tätigkeiten zeigen. Nötig wird das z.B. um unbeschadet durch ein tödliches Minenfeld zu gelangen, oder Codes für Türen zu erhalten. Diese Herausforderungen sind allerdings nicht wirklich schwer und die Lösung liegt auf der Hand.

 


Freiheiten im Spiel

Remember Me

Eine reiche Umgebung, aber viele verschlossene Türen...

Als Zementklotz erweist sich leider die strikte Linearität, die durch jede Ader des Spiels fließt. Zwar ist das ein Problem vieler AAA-Titel, doch gerade in den letzten Jahren war das Bemühen spürbar, diese spielerische Starre aufzubrechen und mehr Flexibilität zu bieten. Was das angeht ist 'Remember Me' ein Schritt zurück. Fast immer gibt es eine klare Vorgabe, egal, ob sie nötig ist, oder nicht. Sämtliche Laufwege sind allzu deutlich gekennzeichnet – man kommt nur selten in die Verlegenheit ein bisschen die eigentlich wirklich tolle Gegend zu erkunden. In den Kämpfen erhält man oft zu Beginn eindeutige Spoiler, wie vorzugehen ist. Diese Informationen unterbrechen teilweise sogar das Spiel mitten im Kampf und stören so den Spielfluss. Zwar wird das mit Fortdauer deutlich besser, es bleibt dennoch ein schaler Nachgeschmack. Ein anständiges Tutorial hätte hier wohl mehr gebracht! Selbst das Ziel der jeweiligen Erinnerungs-Veränderung ist stets klar definiert, obwohl es auch hier spannend gewesen wäre, eigenständig vorzugehen.

 



Verbesserungswürdige Steuerung

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Hier sehen wir ein Bild eines Ortes, wo es etwas zu finden gibt. Noch wissen wir allerdings nicht, wo er sich befindet...

Dontnod Entertainments SciFi-Spiel steuert sich über weite Strecken passabel, doch in einigen Situationen ist die Handhabung ungenau und zuweilen sorgt die Kamera-Führung für zusätzliche Verwirrung. Anfangs werden wenige Tasten am Gamepad effektiv genutzt, wobei die Basis-Schläge auf Dauer zu eintönig und wenig effektiv sind. Die Ausführung der Spezial-Schläge gestaltet sich im Kampf unhandlich und folgt wenigstens am Gamepad nicht immer gleich auf Anhieb. Zudem können Schläge in der Regel nur dann ausgeführt werden, wenn ein Gegner auch sichtbar ist, was gerade bei zeitweise unsichtbaren Widersachern unangenehm werden kann. Das Kombo-Lab wäre grundsätzlich eine spannende Idee. aber in der vorliegenden Form verkompliziert es den Spielfluss und sorgt gerade in den ersten Kapiteln für einige unnötige Unterbrechungen. Ob einem dieses Action-Abenteuer gefällt, hängt aber auch stark davon ab, wie einem dieses System schmeckt. Abseits von dieser Problematik findet die Blickrichtung beim Zielen auf Objekte offenbar sehr wenig Berücksichtigung: Das wird genau dann mehr als lästig, wenn sich mehrere Ziele im Raum befinden – in solchen Fällen muss manuell von Ziel zu Ziel geklickt werden, bis wir endlich das Richtige anvisiert haben. Will man via Gamepad geradewegs spontan in Blickrichtung schießen, kann es passieren, dass Nilin plötzlich um 180 Grad in die andere Richtung ballert und dadurch wertvolle Zeit vergeudet.

 



Technisch ansprechende Arbeit

Remember Me

Neo-Paris ist ein echter Hingucker

Neben der Handlung, liegen die Stärken definitiv in den Bereichen Optik und Akustik. Olivier Derivières dramatischer, orchestraler Soundtrack kommt mit treibenden elektronischen Elementen und würde sich in einigen Kino-Blockbustern mehr als wacker schlagen! Lediglich akzeptable Kost liefert hingegen die deutsche Sprachausgabe, die nicht an die relativ gute und ebenfalls auswählbare englische Variante herankommt und der es teils an Glaubwürdigkeit mangelt. Einen hervorragenden optischen Eindruck macht in jedem Fall Neo-Paris! Diese Stadt ist ungemein eindrucksvoll visualisiert und reich an vielen Details: Belebte Auslagen, Menschen, die sich in Cafés die Zeit vertreiben, sich bei einem Cash-Automaten einer Erinnerung entledigen und natürlich Roboter, die ihren Job erledigen (vom Einkauf bis hin zur Prostitution) und vieles mehr. Selbst die Mischung aus futuristischen Gebäuden und Gebäuden der Gegenwart wirkt architektonisch wohl durchdacht. Umso mehr ist es schade, dass kaum Raum zum eigenständigen Entdecken bleibt. Schade, dass wir so gut wie keines der vielen Geschäfte jemals betreten dürfen. Schade, dass wir so eng an der Leine geführt werden. Schade.


Galerien

Fazit:

Wertung: 72%

Was nach acht bis zwölf Stunden Spielzeit von 'Remember Me' bleibt, ist ein eindrucksvoll visualisiertes Action-Adventure, mit durchaus gelungener Cyberpunk-Story, starker Musik und ansatzweise interessanten spielerischen Ansätzen (v.a. die Gedächtnismanipulation). Die starre Linearität, die vielen unaufgeforderten Hinweise, welche wiederholt den Spielfluss brechen, sowie eine unhandliche Steuerung verhindern jedoch, dass 'Remember Me' zu jenem erinnerungswürdigen Erlebnis wird, welches vom Potential her möglich gewesen wäre. Mehr Vertrauen in die Fähigkeit der Spieler zu eigenständigem Denken hätte Dontnod Entertainments 'Remember Me' bestimmt gut getan. In Summe dennoch ein sehr nettes Spiel, wenngleich es auch aufgrund der hohen Actionlastigkeit vorwiegend für Action-Adventure-Fans geeignet sein dürfte.

geschrieben am 11.06.13, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
PS3, Xbox 360 bzw. PC mit folgenden Minimal-Anforderungen: Windows Vista/XP, Windows 7 oder Windows 8 Prozessor: Intel Core 2 Duo 2.4 Ghz bzw. AMD Athlon X2 2.8 Ghz Arbeitsspeicher: 2 GB RAM Festplatten-Speicher: 9 GB Grafikkarte: Nvidia GeForce 8800GTS, ATI Radeon HD 3850 DirectX: 9.0c Offizielle Webseite


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Dieser Storyteller-Test gehört zu  Remember Me.




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