Storyteller-Reviews: Valley:

Valley


Es wäre fast schon Understatement zu sagen, dass Walking Simulatoren mit dichter Story gerade "in" sind. 'Valley' versucht genau diese Elemente zu nehmen, steckt sie dann in die 1940er und fügt noch simple Kämpfe hinzu. Die Grundgeschichte könnte nicht dabei nicht simpler sein. Fortschritt zu jedem Preis oder doch die Natur? Diese Diskrepanz steht im Mittelpunkt von 'Valley'. Während Oppenheimer an der Atombombe forscht, will Andrew Fisher die Entwicklung seines Kollegen übertrumpfen. Dazu entwickelt er eine Art Exoskelett, das den Nutzer schneller laufen und höher springen lässt. Nebenbei lässt es das Leben selbst manipulieren, denn es kann Leben aufsaugen und ausstoßen. Schnell wird ihm klar, dass man daraus eine ultimative Waffe erstellen könnte. 

 
Der Protagonist bzw. die Protagonistin soll – beides ist möglich und im Menü einstellbar – ist eine Archäologin und will eigentlich nur einer Legende, dem Lebenssamen einer uralten Kultur in eben diesem Tal, nachgehen. Die Forschungsbasis der Armee wird nur zufällig entdeckt. Der Wettlauf kann beginnen.


 

 

 

Die Forschungsreise geht schief

{Beschreibung der Grafik}

Den L.E.A.F.-Anzug erst einmal angezogen und es kann losgehen!

Knapp vorm Ertrinken rettet sie sich gerade noch ans Ufer. Sie ist in einer Höhle gelandet. Dabei will sie doch nur die Legende des Lebenssamens aufklären. Sie wandert durch die Höhle, sieht ihr kaputtes Kanu und jede Menge grüner Vegetation. Dazwischen findet sie an einer Höhlenwand eine Wandmalerei einer Kreatur. Ist das ein Wendigo? Jedenfalls muss eine uralte Kultur dies gezeichnet haben. 

Schlussendlich findet sie den Höhlenausgang und betritt das legendäre namensgebende Tal. Nach einer kurzen Wanderung findet sie fliegende blaue Kugeln und grüne, grinsende Tierchen mit Geweihen. Moment, die sehen doch der Malerei sehr ähnlich. Wenigstens sind sie freundlicher. Bald darauf entdeckt die Archäologin die Unfallstelle eines Armee-Trucks aus dem zweiten Weltkrieg. Dort liegt eine Kiste mit der mysteriösen Aufschrift "Pendulum". Darin befindet sich ein L.E.A.F. Anzug samt Comic-Lehrvideo (das Rollenspiel 'Fallout' lässt grüßen). Dieser befähigt dazu, schneller zu laufen, höher zu springen und die Lebensenergie zu manipulieren. Die Archäologin zieht ihn an und kann ab sofort sämtlichem Gestrüpp, Getier und blauen Kugeln im Tal das Leben entziehen oder wieder geben. Die echte Reise durchs Tal beginnt.


Schnell laufen mit beschwerlichem Thema

{Beschreibung der Grafik}

Stupide und unnötige Gegner

Aus der langsamen, explorativen Erkundung wird ein schnelles Herumlaufen. Bergab holt man mehr Schwung und kann so riesige Abgründe überwinden: 100 m durch die Luft segeln ist ebenso kein Problem. So schwebt man unbeschwert durch die bewaldete Welt. Bis das Thema deutlich ernster wird. Zerstörung und Ausbeutung der Menschen rückt in den Vordergrund. Eine interessante Mischung aus Jump & Run und Geschichte durch Audiologs und Schriftstücken aus der Kriegszeit beginnt. Durch Upgrades kommt zum reinem Laufen dann noch ein Enterhaken hinzu und noch höheren Sprünge sind auch schnell möglich. Umso näher man zur Forschungseinrichtung kommt, desto düsterer wird nicht nur die Geschichte, sondern auch die Umwelt.

Die anfängliche fröhliche Suche nach der Lebenssaat rückt in den Hintergrund und 'Valley' verliert dadurch auch etwas an Kraft. Zusätzlich kommen nun auch stupide Kämpfe hinzu. Alle 10-15 Minuten muss man sich einer Wolke Energie-Hornissen entledigen. Wie? Man schießt Lebensenergie auf sie um sie zu besänftigen. Die Hornissen befeuern einen mit langsamen leuchtenden Kugeln, denen man durch leichte Schritte zur Seite einfach ausweichen kann. Später kommen noch andere Kreaturen hinzu, die aber nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Öde Kämpfe sind also vorprogrammiert und können nicht die dringend nötige Abwechslung bringen. Das Spiel dauert insgesamt gut drei bis sechs Stunden, je nachdem wie viel Zeit man sich lässt. 


Monotonie

{Beschreibung der Grafik}

Eicheln sammeln und Türen öffnen. Schon gibt es mehr von der Story.

Rätsel sucht man ebenso vergeblich. Hier und da muss man ein bis drei gelb leuchtende Bäume mit Energie bewerfen und öffnet so verschlossene Türen. Pendulum-Kisten versorgen uns mit Energie, der Geschichte dienlichen Notizen und sammelbaren Schlüsselelementen, wie Eicheln und runde Talismane. Mit letzteren Beiden kann man Türen öffnen, die wiederum Schlüssel, Notizen oder sogar Upgrades beinhalten. Mitunter erhält man Eicheln, die alternativ auch durch wiederbelebte Bäume gewonnen werden. Das wäre hingegen nur dann notwendig, sofern man alle Türen in 'Valley' öffnen möchte.

 

 

{Beschreibung der Grafik}

Feind nebst Energieladestation. Keine Sorge, das Spiel hält es einfach. Achievements gibt es auch.

Sinnlos herumballern kann man aber nicht und ist auch nicht förderlich. Der Anzug hat nämlich nur einen begrenzten Energievorrat. Durch die blauen Kugeln und später unzähligen Energievorratsstationen gehen diese aber eigentlich nie aus. Somit fällt auch das Ressourcen-Management komplett weg. Die Welt ist leider in der ersten Hälfte absolut gleich. Neben Felsen und Bäumen findet man hier und da Wasserfälle und Militär-Ruinen. Die Unity-Engine zaubert zwar ansehnliche Lichteffekte hin, aber die Texturen der Gras- und Felslandschaften können nicht überzeugen. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass es nicht ganz auf unser Testsystem, die Playstation 4, abgestimmt ist. Denn vor allem am Ende kommt es zu vielen Rucklern und Aussetzern – deswegen auch zu teilweise verzerrtem Ton. Das Spiel erschien auch auf Steam und Xbox One. Hier können wir bezüglich Performance nichts sagen.

Nicht einmal durch die nette Idee, dass man im Menü einen weiblichen oder männlichen Protagonisten wählen kann, findet man Abwechslung. Man wählt zwar eine Stimme, aber zumindest in unserer Version hat der Protagonist gar keine Stimme. Gedanken werden durch Sätze am Bildschirm projiziert. Das Geschlecht spielt überhaupt keine Rolle – fast schon als wäre eine Art Gender-Gleichheit beabsichtigt.


Bitte sterben!

{Beschreibung der Grafik}

Links oben: Blätter, die anzeigen wie oft man noch sterben darf.

Meistens ist eines der Ziele nicht zu sterben. In 'Valley' ist gerade das Sterben wirklich interessant. Man stirbt de facto nämlich nur in einer Dimension. Aus der Quantentheorie leiht sich der Anzug Lebensenergie aus der Umgebung und belebt den Protagonisten in einer neuen, identen Dimension wieder. Durch das Saugen von Lebensenergie sterben in der Umgebung Bäume oder Tiere. Durch die Anzeige links oben sieht man auch wie tot die Welt dann ist. Man muss ihr also wieder Lebensenergie geben, damit die Welt nicht stirbt. Passiert das nämlich, heißt es wirklich Game Over. 

Man soll also ein wenig die Welt retten. Die späteren düsteren, verlassenen Fabrikhallen sind dabei aber komischerweise genauso verlassen wie die idyllische Landschaft. Tiere findet man nur selten an ausgewählten Punkten. Menschen gibt es ohnehin keinen. Dem Spieler wird nur zu Beginn in Erinnerung gerufen, dass da draußen noch Menschen sind. Dies vergisst man aber im Laufe des Spiels und die Motivation sinkt förmlich umso länger das Spiel dauert. Es wäre deutlich besser gewesen, wenn diverse Passagen gekürzt werden würden, oder gar die Gegneranzahl halbiert wird. Man findet sich zwar nur selten mehr als ein bis zwei Gegnern ausgesetzt, aber gegen Ende des Spiels mehren sich die Konfrontationen schon fast auf minütliches Kämpfen. 


Im Einklang

{Beschreibung der Grafik}

Highlights: Lichteffekte und überragender Soundtrack

Wunderschön gestaltet sich hingegen der Sound. Die Soundeffekte können meist überzeugen, denn so ändern sich die Schritte je nach Untergrund. Nur selten passt der Untergrund nicht ganz zu den Tönen – eine Steinpyramide scheint beispielsweise einen ziemlich hohen Metallgehalt zu haben. Ein atmosphärischer Luftschutzalarm aus dem zweiten Weltkrieg darf natürlich ebenso nicht fehlen. In der Musik hat 'Valley' seine wirkliche Stärke. Leider begleitet uns diese oft nur bei den Jump & Run Einlagen. Dann untermalt sie die Landschaft und aus der gleichbleibenden Tristesse wird plötzlich eine schöne Welt, die schon fast lebendig anmutet. Der hervorragende Soundtrack dürfte ruhig öfter eingesetzt werden. Ein Genuss!

Durch den geringen Schwierigkeitsgrad ist auch am PC eine Gamepad-Steuerung empfohlen. Fünf Tasten und die beiden Analogsticks sind nämlich schon alles, was man braucht. Die alternative Maus und Tastatur Steuerung würde Kämpfe nur noch leichter machen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 66%

Anfangs wirkte 'Valley' recht spannend. Vor allem die Thematik sagte mir ganz gut zu. Eine Forschungsstation für eine neue Superwaffe besuchen und nebenbei Ruinen alter Kulturen kennenlernen? Ja, aber bitte doch! Das Herumlaufen macht ebenso Spaß. Die ersten Kämpfe ließen dann aber schnell hoffen, dass diese nicht zu häufig kommen. Vor allem gegen Schluss sind sie eher nervend und bringen genau keinen zusätzlichen Spaß. Umso länger das Spiel dauert, desto eher wird dem anfangs kraftvollen Projekt passend zur Hauptstory auch das Leben ausgesaugt. Die verlassenen Ruinen mögen zwar durch die Lichtspiele das optische Highlight bieten, gleichzeitig ist zu diesem Zeitpunkt aber für die wenigen Interaktionsmöglichkeiten das Spiel schlichtweg zu lang. Macht man daraus einen etwas kürzeren Titel passt das schon besser. Es bleibt eine nette Thematik, die auch zum Nachdenken anregt. Das Spiel selbst ist hingegen schnell wieder vergessen.

geschrieben am 26.10.16, Peter Färberböck

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Dieser Storyteller-Test gehört zu  Valley.




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